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Um sicher zu sein gab es nur eine Möglichkeit. Schweigen...
安全であるために一つ可能性だけがある。暗黙。

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Kapitel 5 - Alles vergessen? - Aoi´s hartes Schicksal



Da nichts mehr von Reita kam, konnte er sich vollkommen darauf konzentrieren, zu schlafen und das harte Bett unter sich zu vergessen. Schon bald schlief er ein. Allerdings folgte darauf kein Traum, für das man ein Lächeln übrig hatte, sondern ein eher düsterer Traum, der unruhig schlafen ließ. "Fass... nicht...", murmelte er im Schlaf und drehte sich auf die andere Seite, schlug mit seiner Faust in die Luft

Reita lag wach, konnte nicht schlafen. In was für eine schreckliche Situation hatte er sich da gebracht?? Er horchte auf, als er Aois Stimme hörte... Er kletterte runter und breitete die Decke über Aoi. Dann strich er kurz über seine Stirn und setzte sich dann in eine Ecke der Zelle, kauerte sich zusammen und starrte in die Dunkelheit.

Wimmernd schlang er seine Arme um seinen schlanken Körper, der heftig zitterte. In seinem Traum schwebte das Gesicht seines Peinigers, den er mehr als alles andere hasste und der ihn schon so viel Leid zugefügt hatte. Als er sich wieder in seinem Bett drehte, krallte er sich in die Decke, die plötzlich auf ihm lag und zog sie eng an sich. Plötzlich erschien Reitas Gesicht vor seinen Augen und er sah, wie dieser seinen Peiniger schlug. "Rei... ta... n-nicht...", wollte er ihn warnen, doch zu spät. Männer in schwarzen Anzügen standen hinter ihm und schlugen auf den Blonden ein, zerrten ihn von den beiden weg.
Wimmernd streckte er seine Hand nach Reita aus, griff dabei in die Luft, die kalt durch die Zellentüre drang.

Reita betrachtete Aoi, horchte auf, als Aoi seinen Namen rief. Er seufzte. Der Schwarzhaarige hatte Angst vor ihm... Trotzdem wollte er ihm unbedingt helfen... Er mochte ihn und er tat ihm Leid... Er wollte nicht, dass er so litt...

Auf einmal wurde er so sehr in seinem Traum bedrängt, dass er panisch aufschrie und von seinem Bett fiel. Mit weit aufgerissenen Augen sah er sich panisch um, atmete hastig und krallte seine rechte Hand an seinen Hintern fest. Dann konnte er Reita in der Dunkelheit ausmachen und als ob er eine Wahnvorstellung hätte, kniff er sich in die Wange und rieb sich über die Augen, doch als er sie wieder aufmachte, war der Blonde nicht verschwunden. "Du... lebst...", meinte er erleichtert und versuchte sich aufzusetzen. "Scheiß Albträume...", murmelte er leise und sein Blick fiel auf die Decke, die mit ihm zu Boden geglitten war. Verwirrt sah er Reita an. "Wenn du nichts von mir annehmen möchtest, hättest du das nur sagen brauchen...", sagte er trocken und krabbelte durch den Dreck zu seinem Wasserschälchen. Dort angekommen, trank er einen kleinen Schluck und kippte den Rest in Reitas Schale. Stumm krabbelte er zurück zu seinem Bett, lehnte sich verschnaufend gegen das dunkle Holz. Die Augen hatte er geschlossen.

Reita schrak zusammen, als er aus dem Bett fiel. "Hey... Aoi... Natürlich lebe ich...", murmelte Reita. "Du hast entsetzlich gefroren... deshalb hab ich dir die Decke gegeben... Ist alles okay? Der Traum ist vorbei..." Dann sah er, wie er das Wasser in seine Schale schüttete und seufzte. "Danke Aoi... Aber... sollten wir es nicht lieber gerecht teilen? Du hast viel Energie verloren... Du brauchst es... Hör mal... ich wollte dir keine Angst machen oder dich beunruhigen, ja? Tut mir Leid..."

"In meinem Albtraum wurdest du...", begann er, schluckte die letzten Worte jedoch hinunter, senkte den Kopf. "D-du wolltest mir helfen... und dann... dann haben sie dich geholt und haben...", versuchte er weiter, konnte und wollte es jedoch nicht aussprechen. Reita würde schon verstehen, was er meinte. Als dieser sein Vorhaben mit der Decke erklärte, sah er peinlich berührt weg. //Das war so lieb...und ich unterstelle ihm gleich etwas, was gar nicht stimmt... ich bin so doof.// "Gomen nasai~", sagte er leise in seine Richtung und deutete eine leichte Verbeugung an. Als Reita vorschlug, ihr Wasser zu teilen, seufzte er leicht genervt auf. //Warum muss er alles was ich tue hinterfragen?!// Er behielt seine Augen geschlossen, legte seinen Kopf auf das Bett hinter sich. "Du brauchst es mehr als ich...Reita... ich bin schon lange kein Mensch mehr, der wirklich lebt, ich brauche nicht viel... du bist neu und ungebrochen... und ein Mensch braucht Wasser...", erklärte er leise, jedoch noch so laut, das es der Blonde verstehen konnte. Er hielt sich den Kopf. Wollte keine weiteren Widerworte hören. Wenn doch diese verdammten Kopfschmerzen weg gehen könnten!

Reita biss sich auf die Lippen. Ja. Er verstand zu gut.. "Aoi... wir müssen hier raus... Ist schon gut... Ich nehme dir dein Misstrauen nicht übel, aber ich werde... versuchen dir zu helfen... Das aus dir wieder ein Mensch wird..."

Nun öffnete er doch seine Augen und starrte ihn verständnislos an. "Wieso..? Du kennst mich doch gar nicht und schon willst du mir helfen?" fragte er und schüttelte den Kopf, bis sich sogleich auf die Lippen. Hätte er das doch bloß nicht getan... "Du bist naiv."

Reita starrte zu Boden. //Naiv...// "Was glaubst du warum ich hier drin sitze?!" knurrte Reita und schlang die gefesselten Arme um die Knie.

Er legte den Kopf schief und sah ihn etwas unsicher an. "Ich weiß nicht... vielleicht möchtest du es mir erzählen..?" fragte er mit leiser Stimme, denn Reitas Knurren hatte ihn abgeschreckt.

"Weil ich jemandem helfen wollte!!" Reita fauchte und starrte dann wieder zu Boden. "So bin ich nun mal... Versuch nicht mich zu ändern..."

Der Schwarzhaarige zuckte zusammen. "Hatte ich... auch nicht vor..." flüsterte er fast schon und schlang die Arme um seinen zitternden Körper. //Warum gleich so agrressiv? ...//
Er legte seinen Kopf auf seine übereinandergelegten Arme und schloss die Augen erneut. Er konnte auch auf dem Boden schlafen. "Man kann nicht immer... jedem helfen..." murmelte er noch leise Worte an Reita.

Reita schwieg und starrte auf die Handschellen, spürte jeden Knochen im Leib und hatte immer noch den Blutgeschmack im Mund. "Aber man kann sie annehmen Aoi!!" brach es dann aus ihm hervor, ehe er wieder in Schweigen versank und die Augen schloss.

Er seufzte schwer, ließ jedoch den Kopf da, wo er ihn abgelegt hatte. "Hai... KANN man." meinte er trocken und verstummte wieder, driftete langsam ab.

Reita blieb sitzen. Die Handschellen hatten seine Gelenke aufgescheuert, sie hatten ihn an der Kette gepackt und hoch gezerrt, als er am Boden lag. Er spürte die Schmerzen deutlich und ihm wurde übel. Ganz langsam sank sein Kopf auf seine Brust und er verlor das Bewusstsein.

~+~

Einige Zeit später hörte man gefährlich nahe an ihrer Zelle ein Geräusch von klappernden Schlüsseln. "ESSEN!!" brüllte jemand und wenn Aoi auf seinem Bett gelegen hätte, dann wäre er nun sicherlich von diesem hinunter gefallen, doch stattdessen schreckte er auf und sah sich ängstlich um. "W-wo bin i-?" Er seufzte schwer, als er die enge Zelle sah und den Blonden ihm gegenüber. Mühsam stand er auf und tabbste zum Gitter, schlang seine Finger um die kalten Stäbe und lugte so weit es ging hinaus. "ESSEN!!" brüllte der Wachmann nochmal und Aoi fiel beinahe zu Boden, da der Mann ihn direkt ins Gesicht geschrien hatte. Der Wachmann blickte zu Reita und sah den Schwarzhaarigen dann finster an. "Weck ihn gefälligst! Dann mach ich auch die Tür auf!" befahl er und Aoi nickte schüchtern, schritt zu Reita und rüttelte leicht an diesem. "Rei.." Er räusperte sich und sah ängstlich zu dem Wachmann. "1309... wach auf, es gibt Essen..." versuchte er ihn mit diesen Worten zu Wecken und hoffte inständig, das es ihm gelang. Er wollte die Nerven des Wachmannes nicht noch mehr strapazieren, denn das könnte gefährlich für sie werden.

Reita kippte Aoi in die Arme. Sein Gesicht war kreidebleich und seine Stirn war schweißbedeckt. Er bewegte sich keinen cm und gab auch keinen Laut von sich.

Überrascht fiepte er auf und wäre beinahe nach hinten gefallen, wegen Reitas Gewicht, das plötzlich auf ihm lastete. "Reita~ Hey, mach keinen Scheiß... Bitte~!", flüsterte er ihm dringlich zu und versuchte ihn erneut durch leichtes Schütteln zu wecken. Hilfesuchend sah er sich nach dem Wächter um. "E-er brauch Hilfe...", krächzte er, bevor dieser dann zu toben begann und genervt die Zellentür aufschloss. Dann griff er sich grob den Blonden und schleifte ihn hinter sich her. Der Schwarzhaarige sah ihnen hilflos zu und schluckte schwer, bevor er sich wieder auf sein Bett schmiss. //Das Essen fällt wohl aus...//, dachte er traurig und hörte, wie die Tür ins Schloss fiel.

Reitas Fuß hatte sich entzündet durch den Hundebiss und sein Handgelenk war böse verdreht. Durch den Wundbrand hatte Reita Fieber bekommen und dämmerte nun zwischen Wachsein und Bewusstlosigkeit.

Schnaubend brachte ihn der Wärter zu ihrem kleinen Krankenzimmer. Dort übergab er ihn dem zuständigen Arzt und teilte ihm mit, dass er ihn am Leben erhalten soll. Dann verschwand er und der Arzt beugte sich misstrauisch über die Wunden, seufzte genervt auf, als er die Handschellen und dann verdrehte Handgelenk sah. Mit einer kleinen Klemme knackte er das Schloss und besorgte sich einen Lappen. Mit diesem tauchte er ins klare Wasser ein, das er sich in einem Eimer dazu geholt hatte und wischte ihm das Handgelenk sauber, um mögliche andere Verletzungen vorzufinden. Doch da es tatsächlich an dieser Stelle nur das Handgelenk war, nahm er es und drehte es mit einem gekonnten Ruck wieder in die richtige Position zurück. Dann legte er ihm dort einen straffen Verband um, damit seine Hand eine Art Stütze erhielt. Mit dem Lappen fuhr er nun mit ruhiger Hand über die Bisswunde und verarztete sie danach so gut wie möglich.

Reita wurde zurück gebracht und in die Zelle geworfen. Erst davon kam er wieder zu sich, neue Handschellen hatten sich um seine Gelenke geschlossen und der Wärter stellte knurrend zwei Essen hin. "Das ist der Welpenbonus...", knurrte er und verschloss die Türe wieder.

Nummer 1308 war bereits vor einer ganzen Weile eingeschlafen, mit einem knurrenden Magen. Er bemerkte nicht, wie der Andere die Zelle wieder beherbergte und war weiterhin in seinen düsteren Albträumen gefangen.

Reita setzte sich stöhnend auf. Was war passiert? Er wollte sich durch die Haare streichen, bemerkte aber wieder die Handschellen und seufzte. Er sah zu Aoi. "Aoi...?" Er schien wieder einen Alptraum zu haben... Reita setzte sich auf und strich vorsichtig über Aois Arm um ihn zu beruhigen.

Der Ältere schreckte auf und saß mit einem Mal ganz gerade auf seinem Bett, schweißüberströmt, und sah zu Reita. Er atmete hastig und verdrängte die Nachwellen des Albtraumes nur mühehaft. "R-Rei...", hauchte er und schluckte schwer, sah dann die Handschellen und den Verband. Er wischte sich mit dem Hemdsärmel kurz über sein Gesicht und schwang die Beine über die Bettkante. "Geht es... dir gut...?"

Reita sah hoch und lächelte. "Ja, mir gehts gut, keine Sorge... Hier... du musst was essen. Dein Magen knurrt so laut, dass es klingt wie ein Rudel Wölfe..."

Schwach lächelte er, besah sich nun auch noch den Verband an Reitas Fuß. "Was haben sie nur mit dir gemacht...?", fragte er traurig und schüttelte den Kopf. Über dessen Witz konnte er allerdings nicht lachen, doch sah er ihn dankbar und etwas erleichtert an, als er das Essen sah. Er hatte wirklich schrecklichen Hunger. Kurz leckte er sich über die trocken gewordenen Lippen und stand mühsam auf, um sich ein Schälchen mit Essen zu holen.

"Mir gehts gut... Keine Sorge... Es ist alles okay Aoi... Iss was und dann versuch weiter zu schlafen... Ich weiß zwar nicht wie spät es ist, aber ich denke ziemlich spät..."

Durch Reitas Worte angespornt, griff er sich eine Schüssel und nahm die andere für Reita mit, tabbste dann zurück zum Bett und übergab sie ihm. "Hier... du musst auch... e-essen...", sagte er müde und setzte sich auf die Bettkante. Er wusste zwar nicht, was der Inhalt dieser Schüsseln darstellen sollte, doch der Hunger trieb es rein und so begann er zu essen.

"Ich hab kaum Hunger... Aber danke, Aoi... Geht es dir gut? Tut mir Leid, dass ich umgekippt bin... Hast du... Ärger bekommen?"

Erstaunt sah er von seinem Essen auf. "Du musst doch was essen!" sagte er und schob ihm die Schüssel zu. "Oder willst du so mager wie ich werden...?" Kurz darauf biss er sich auf die Unterlippe und senkte den Blick. Als er dann gefragt wurde, ob es ihm gut ginge, wurde ihm mulmig zu mute. //Warum fragt er so viel..?// "H-hai... geht schon." antwortete er knapp. Auf seine letzte Frage hin, schüttelte er verneinend den Kopf. Irgendwie war ihm der Appetit vergangen und so schob er den Rest seines Essens unter sein Bett zur Aufbewahrung. "Ich bin nur so... schrecklich müde.."

Reita seufzte. "Leg dich hin und schlaf.. und..vergiss all deine Träume. Schließe einfach die Augen und schlafe... Und wenn was ist... ich bin da..." Er grinste. "Weglaufen kann ich ja nicht, hm?"

Leicht amüsiert lachte er ganz kurz auf. "Träume vergessen...", murmelte er nach und schüttelte traurig den Kopf. Wie oft hatte er das schon versucht...? Er schwang die Beine zurück auf sein Bett und legte sich hin. Er sah zur Seite, dorthin, wo Reita saß. "Iie... das kann niemand. Willst du etwa wach bleiben?", fragte er und fühlte sich schlecht dabei.

"Hai... ich... ich hab lang genug geschlafen. Ich bin okay. Schlaf einfach Aoi... Träum von einer besseren Welt..."

Er musste schwer schlucken. Das konnte er dem anderen doch nicht antun! Erneut biss er sich auf die Unterlippe und sah Reita bittend an, als wollte er ihm sagen: Tu das nicht!
"Wie sieht die bessere Welt denn aus...?", fragte er traurig und zog sich die dünne Decke über.

Reita lehnte seinen Kopf an die Wand und schloss die Augen. "Eine Blumenwiese... Ein See... mit Wasser, das so klar ist, dass man bis auf den Grund sehen kann... Fische schwimmen darin. Kannst du sie sehen? Und die Vögel singen. Es ist ein herrlicher Tag... Der Duft von Blumen ist überall... Es gibt keine Häuser... nur eine kleine Hütte, in der frisches Brot gebacken wird... Kannst du es riechen?" Reita sprach immer leiser und öffnete langsam wieder die Augen. "In dieser Welt wird dir niemand etwas tun. Du bist in Sicherheit, Aoi."

Je mehr Reita sprach, desto trauriger wurde er, bis schließlich eine kleine Träne seine Wangen hinablief. "I-ich bin seit mehr als 4 Jahren hier... ich weiß nicht mehr... wie die Blumen riechen, Vögel singen, frisches Brot riecht... das wurde uns alles genommen...", sprach er leise und schloss die Augen. Er wollte schlafen, nicht noch mehr Schwäche zeigen.

Reita biss sich auf die Lippe. Er hatte helfen wollen... Aber er hatte es nur noch schlimmer gemacht... Was war er doch für ein Idiot! "Gomen... Schlaf... schlaf jetzt... ja?", stammelte er und kauerte sich eng zusammen.

"Hai...", murmelte er leise und drehte sich auf die Seite, versuchte zu schlafen.
Bald schon hatte er den Dämmerzustand erreicht.

+~+

Uruha hatte die ganze Zeit nicht schlafen können.
Viel zu viele Gedanken machte er sich, warum der Blonde an diesem einen Mittag nicht zu ihm zurück gekommen war.
Er saß am Tisch und trank seine inzwischen 4te Tasse Kaffee. Er rieb sich leicht den Nacken und schaltete den Fernseher ein. Er zappte ein wenig herum und wollte schon wieder ausmachen, als er bei den Nachrichten hängen blieb in denen er Reitas Bild erkannte.
Er richtete sich auf und erhöhte die Lautstärke des Gerätes...

 

Kapitel 5 - Alles vergessen? - Aoi´s hartes Schicksal

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