LhG
Lies auf

Um sicher zu sein gab es nur eine Möglichkeit. Schweigen...
安全であるために一つ可能性だけがある。暗黙。

zurück

Kapitel 11 - Gefühle 1.Teil



Auch Sakito hatte den beiden nachgesehen. Er seufzte schwer, als sie weg waren und steckte ganz vorsichtig Aoi´s Akte in seine Tasche. "Ich konnte ihn nicht mal befragen... Was aber, denke ich mal, schon okay ist. Was will ich schon aus einem Unschuldigen herausbekommen, oder?" Er versuchte etwas Stimmung zumachen, da er bemerkt hatte, wie Schweigsam Uruha gewesen war. Er ging langsam zu ihn und legte seinen Arm um seine Schulter. "Hey~ Wir müssen jetzt gehen. Haben sie jetzt Hunger? Oder möchten sie etwas trinken? Soll ich sie nach Hause bringen? Irgendwas...?"

Uruha sah noch immer in die Richtung in die Reita verschwunden war. Erst als er den Arm des Anwalts spürte kam er wieder etwas zu sich. Er blickte zu ihm und schüttelte den Kopf.
"Iie... Ich... will nur nach Hause...", antwortete er leise, sah nochmal kurz zur Tür und drehte sich dann langsam um.
Zwar hatte Reita immer wieder beteuertet, dass er keine Schuld daran hätte, doch das Gefühl Schuldig zu sein, ließ einfach nicht locker.

"Okay, dann bring ich sie jetzt nach Hause.", murmelte Sakito, führte ihn zur Tür und öffnete sie für ihn. Er schnaubte verärgert, als er einen Wärter erkannte, der bereits auf sie wartete. "Schon gut, wir gehen ja schon.", versicherte er ihm und begleitete Uruha zum Ausgang.
Draußen angekommen blieb er stehen und sah Uruha an. "Geht es ihnen gut?", fragte er besorgt. "Möchten sie sich kurz hinsetzen? Oder... möchten sie reden?"

Uruha nickte leicht und folgte Sakito. Er atmete tief durch um seine Gefühle unter Kontrolle zu halten und seufzte leise. Als sie draußen standen schloss er für einen Moment die Augen. Er blickte nochmal zurück und biss sich leicht auf die Unterlippe. "Hm?", machte er als der Anwalt etwas sagte und er wandte sich ihm zu. "Ich weiß nicht... Ich glaub... ich will einfach nur nach Hause..."

"Okay... nach Hause... also zu ihnen.", murmelte er und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. "Dann mal los... ich muss auch noch weiter recherchieren, Beweise sammeln, Zeugenaussagen einholen und mich... über diesen Aoi schlau machen, wer immer das sein soll. Wenn rauskommt, das dieser Mann unschuldig ist... Oh Gott, ich will gar nicht dran denken..." //Der Arme...//
Schon bald erreichten sie die Bahnhofstation und stiegen in den Zug ein, der gerade anfuhr und genau in ihre Richtung wollte. "Perfekt... Da haben wir ja Glück gehabt."

"Hmhm..", antwortete Uruha nur und nickte leicht. Er hörte gar nicht so recht zu. Bekam nur irgendwas von Beweisen und Unschuldig mit. In seinen Gedanken war er bereits wieder woanders. Er war froh, dass der Zug so pünktlich kam und stieg mit Sakito ein. Er schwieg eine ganze Weile, ehe er sich dem Anwalt zuwandt und sagte: "..Danke."

Auch er hatte geschwiegen, denn er erwartete keine Antwort von dem anderen. Stumm hatte er sich umgesehen und mitbekommen, wie der Zug sich langsam füllte. Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen, als Herr Takeshima endlich etwas sagte. Verwundert blinzelte er ihn an. "Wofür? Ich will nur helfen." Er lächelte unschuldig und sah aus dem Fenster. "Wir sind gleich da.", murmelte er noch hinzu und sah den Blonden wieder an. Er schmunzelte. "Sie sehen immer noch traurig und besorgt aus. Sie fühlen sich doch nicht immer noch schuldig, oder?"

Uruha blickte seinen Nebenmann an und nickte leicht. "Trotzdem danke dafür..", antwortete er wieder und lächelte leicht. Er blickte wieder zu Boden und verfiel erneut ins Schweigen.
Er seufzte leise und zuckte leicht mit den Schultern. "Ein bisschen vielleicht...", antwortete der Brünette und sah kurz zu Sakito.

Sakito lächelte glücklich, nickte nur kurz und schwieg. Was sollte er auch sagen? Seine Aufgabe war noch lange nicht vorbei und seine Arbeit nicht getan. Als Uruha auf seine Befürchtung zustimmte, seufzte er schwer und strich sich eine lose Strähne aus dem Gesicht. "Aber Schuld haben sie nicht."
Sie erreichten ihre Haltestelle und Sakito beförderte den Blonden hinaus. Er blieb nah bei ihm, sodass sie sich nicht verloren. Kurz sah er sich um, um sich zu orientieren, bevor er Uruha sachte in einer Richtung dirigierte.

"Hm...", antwortete Uruha nur und schwieg weiterhin. Seine Schuldgefühle wurden trotz dem Wissen dass niemand ihm die Schuld gab trotzdem nicht kleiner. Er ließ sich von Sakito aus der Bahn schieben und sah sich auf dem Bahnsteig kurz um. Er blickte kurz zu Sakito, der allerdings gerade dabei war sich zu orientieren. Er ließ ihn einfach machen und ging dann weiter. Der andere wusste anscheinend genau wo sie hin mussten, wohingegen Uruha die Orientierung etwas verloren hatte.

Der Anwalt dirigierte Uruha immer weiter und weiter, wich mit ihm geschäftige Menschen aus, die sich ohne Rücksicht durch die Masse kämpften und landete schließlich vor einem Haus. Kein Licht schien in diesem zu sein. Wie auch, wenn der Besitzer direkt vor ihm stand? "Wir sind da...", murmelte er ihm zu und brachte ihn zur Tür. "Machen sie sich keine Gedanken mehr. Essen sie was oder gehen sie schlafen. Ich halte sie auf den Laufenden." Er lächelte aufmunternd und kam etwas näher, wollte ihn in den Arm nehmen, beließ es jedoch dabei und trat wieder unsicher zurück. "Ich... Ich muss dann mal...", seufzte er und zog etwas aus seiner Innentasche. "Wenn sie etwas brauchen oder jemanden zum reden... rufen sie mich an, okay?", fragte er und überreicht ihm seine Karte. Dann drehte er sich um und wollte gehen.

Uruha ließ sich von ihm den Weg zu sich nach Hause geleiten und blieb dort etwas unsicher stehen.
Er drehte sich langsam zu ihm um. "Hai... arigatou..", sagte er leise und blickte seinen Gegenüber an. Er besah sich die Karte, die er gereicht bekommen hatte und nickte. "Werd´ ich machen...", beantwortete er Sakitos Frage und behielt das Kärtchen fest in der Hand. Er sah dem Anwalt nach als dieser sich auf den Weg machte. Er sah nochmal auf die Karte und rief dann: "Ano~ Danke nochmal..."

Fragend drehte er sich um. Als er verstand, winkte er ihm lächelnd zu, bevor er mit seiner Tasche in der Dunkelheit verschwand. Er hatte noch viel zu tun...

Der Brünette blickte ihm noch nach und seufzte. Dann drehte er sich ebenfalls um, kramte seinen Schlüssel aus der Tasche und ging in seine Wohnung. Er machte das Licht an, schloss die Türe hinter sich und zog Jacke und Schuhe aus.

~+~

Reita strich hilflos durch Aois Haare. "Hey... Es wird alles wieder gut... Ich hab´s dir doch versprochen, oder? Weißt du... du hast mir nie erzählt, warum du hier bist... Aber ich bin mir sicher, dass du unschuldig bist... Du hast diese Qualen nicht verdient..."

Leise schnurrte er auf, als Reita durch seine Haare fuhr und weil ihn das so überraschte, hielt er sich die Hand vor den Mund und sah verlegen zu Boden. Hatte er gerade wirklich geschnurrt?! //Egal wie du das tust Rei...~ Hör bitte auf...// Er löste sich vorsichtig von ihm und sah ihn traurig an, nickte aber auf seiner Frage hin. Als er ihn darauf Aufmerksam machte, das er ihn nie erzählt habe, warum er hier sei, musste er schwer schlucken und wollte etwas sagen. Doch anscheinend saß der Schock und der Schmerz so tief, das er einfach nicht mehr in der Lage war. Was sollte er auch sagen? Das es einfach nur ein dummes Missgeständnis gewesen war? Wie erbärmlich... und dafür saß er nun 4 Jahre hier...? Bei dem Wort >Qualen< zuckte er leicht zusammen und sah ihn daraufhin hilflos an. Warum konnte er nicht sprechen, um ihm alles zu erklären?! Es schien, als würde sich jemand über ihn lustig machen wollen. Er hatte doch noch so viel zu erzählen!!

"Gomen... Ich... ich wollte keine alten Wunden aufreißen... Tut mir Leid... Ich bin wohl besser still..." Reita seufzte und ließ ihn los, dachte, dass er alles nur noch schlimmer machte... "Ich... geh schlafen..." Mühsam kletterte er hoch in sein Bett und starrte die Wand an.

Als Reita ihn alleine ließ, sah er ihm hilflos nach und wollte ihn packen, ihn auf sein Bett zurückziehen und sich einfach nur an ihn kuscheln. Doch er erreichte ihn nicht und wieder entwich kein Laut seinen Lippen. Er verfluchte stumm seine Hilflosigkeit und zog seine Beine an den zitternden Körper. Wo hatte sich seine Stimme nur verkrochen...?! Er fiel in die Kissen zurück und atmete laut und traurig aus. Er hielt weiterhin seine Arme um ihn geschlungen und versuchte einzuschlafen, doch sein Magen rebellierte leise und doch kam niemand, um diesen Einhalt zu gebieten. Hatten sie heute überhaupt schon etwas zu Essen bekommen? Unruhig blieb er liegen und wartete... und wartete. Wartete darauf, das etwas geschah.

Reita tat Aois Schweigen übelst weh. Konnte er nicht wenigstens ein Wort sagen? Ablehnung oder Zustimmung? Aber so.. war es ihm unmöglich zu wissen, ob er etwas richtig oder falsch machte... Er schloss die Augen und presste die Lippen aufeinander. Er war so müde... nicht nur körperlich... Er war kurz davor, einfach aufzugeben... Würden sie ihn jetzt holen... Er würde sich nicht einmal mehr wehren...

Er fragte sich, wie es Reita wohl ginge? Ob er wohl schlafen konnte? Aoi war müde, aber dennoch konnte er nicht schlafen. Ob es der Blonde schaffte? Er drehte sich auf die andere Seite und sah in die hereinkommende Dunkelheit. Sein Herz tat weh. Es tat nicht weh, weil körperliche Schmerzen es einschnürten, nein... es schmerzte, weil er nicht ausdrücken konnte, wie sehr er den Jüngeren mochte. Er fühlte sich unbeholfen und konnte nicht einmal was dagegen tun, da ihm seine Stimme fehlte! Gab es denn keine andere Möglichkeit? Er biss sich unschlüssig auf die Unterlippe und setzte sich langsam auf. Sollte er... es riskieren? Es riskieren in seine Nähe zu kommen und damit Gefahr zu laufen, entdeckt zu werden? Schweigend saß er da und überlegte, was er machen sollte. Warum sollte er es nicht wagen? Wenn die Wachen schon nicht kamen, um ihnen Essen zu bringen, dann würden sie es ganz sicher jetzt auch nicht mehr tun und bevor Reita endgültig einschlafen sollte, erhob er sich und spähte zaghaft zu ihm. Schlief er? Er wollte rufen, nach ihm fragen, ob er denn schliefe. Stattdessen sah er aus, wie ein Fisch auf dem Trocknen, da sein Mund sich öffnete und wieder schloss, ohne das auch nur ein Wort entwich. Er war zum Verrückt werden! Oder... war er das schon?

Sich Mut zusprechend, kletterte er so leise wie möglich, die Treppen zu seinem Bett hinauf und legt sich schließlich ganz vorsichtig zu ihm. Er wollte ihn nicht bedrängen, geschweige denn erschrecken und tastete sich lieber langsam vorwärts. Eine Hand schlich sich direkt auf den Blonden zu und blieb an seinen Bauch ruhen. Er robbte seitlich langsam zu ihm und schiegte sich an ihn. Hoffentlich verstand Reita, was er ihn damit sagen wollte. Er brauchte ihn... irgendwie... Er konnte es nur nicht ausdrücken und im Moment nicht mal... aussprechen.

Als Aoi ihn berührte, zuckte der Blonde heftig zusammen. Waren 'Sie' wieder da?? Schon wieder?? Doch dann spürte er Aois Hand und langsam verstand er. Niemand wollte ihm etwas tun.. Zumindest heute Nacht nicht... Mit seiner gesunden Hand griff er Aois Hand und streichelte sie. "Hey du..." Langsam drehte er sich zu ihm um und lächelte.

Reitas Zucken erschreckte ihn etwas, doch blieb er, wo er war. Er durfte jetzt nicht so einfach fliehen... sein Gesicht presste er ganz nah an Reitas Körper und sog seinen Geruch in sich auf, wollte ihn für immer bewahren, ihn immer bei sich tragen. Er schloss die Augen und öffnete sie erst wieder, als der Blonde ihn ansprach. Mit seinen Lippen formte er die Antwort eines ´Heys´ und strich sich dabei über seine Kehle. Er wollte ihm somit signalisieren, das er seine Stimme verloren zu glauben schien, er nicht schwieg, weil er ihn nicht mochte oder jegliches... Um seine Antwort zu unterstreichen, rang auch er sich zu einem Lächeln durch und schmiegte sich an ihn.

Reita lächelte sanft und sah ihm tief in die Augen. Er glaubte, sich in ihnen zu verlieren, doch es war gefährlich, was sie hier taten... "Bring dich nicht in Gefahr, Aoi... Bitte... Wenn sie uns hier zusammen finden, dann..." Er brachte es nicht übers Herz, weiter zu sprechen.

Es kostete ihn Überwindung, den Augenkontakt zu lösen, doch natürlich hatte Reita recht. Es war gefährlich, was sie taten. Und wenn sie erwischt werden würden, dann wäre es allein seine Schuld. Traurig nickte er und löste sich langsam von ihm. Er wollte nicht, das ihm etwas geschah...

Plötzlich ließ sich ein klirrendes Geräusch vernehmen. Ein Geräusch von Metall auf Metall. Die Wärter! Ängstlich sah er Reita an, bevor er sich hastig erhob und die Leiter mehr oder weniger hinunter stolperte, was er auch tat und ihn auf den Boden aufkommen ließ, da sein Fuß sich zwischen den Sprossen verhakt hatte. Er wimmerte nur kläglich auf und blieb am Boden liegen. Hilflos wie ein Vogel mit verletzten Flügeln.
Und da waren sie... die Wärter, oder... zumindest einer. Mit geduckten Kopf lag er da und kroch langsam auf sein Bett zu. Ganz langsam durch den Dreck.
"Steh gefälligst auf und sag mir, was du da unten tust!!"
Ängstlich sah der Schwarzhaarige auf. Wie sollte er es ihm denn sagen?! Ganz langsam und vorsichtig stand er auf, stützte sich an dem Bettgestell ab und stand leicht geknickt da. Sein Bein tat ihm weh, aber der Schmerz war unwichtig. Zu viel Angst hatte er vor dem Kommenden. Mit einer Hand versuchte er zu gestikulieren, das er etwas gesucht hatte und dabei versehentlich gestürzt war... unglücklich gestürzt war.
Doch der Wächter sah das alles gar nicht so lustig. "Sprich gefälligst du kleine M... Missgeburt!!", schrie er und schlug wütend auf die Gitterstäbe. Er war noch immer sauer wegen dem Besuch des Anwalts und das dieser auch seine seine Akte mitgenommen hatte.

Reita erschrak. //Nein! Sie durften ihm nichts tun!// Reita tat so, als würde er gerade aufwachen und drehte sich um. "Was ist denn los?" murmelte er verschlafen und kletterte langsam runter. Als wäre es purer Zufall, stellte er sich schräg vor Aoi und sah den Wärter an. "Es ist doch mitten in der Nacht, oder?"

"Siehst du doch oder?!", keifte der Mann und zeigte nach draußen in den dunklen Himmel. "Ich sehe nur nach dem Rechten. Warum seid ihr noch wach?! Geht gefälligst schlafen!"

Der Magen des Schwarzhaarigen knurrte laut und bittend sah er den Wächter an. Er zitterte. „NEIN!!", brüllte der Wachmann. "Heute wird gehungert. Ihr habt schon viel zu viel bekommen! Und jetzt schlaft endlich!!"

Reita atmete erleichtert auf. "Ich hab schon geschlafen, aber dann war ja dieser Lärm und... Ach... verdammt! Ich hab Hunger!" 'Wütend' kletterte er wieder hoch in sein Bett und drehte sich demonstrativ zur Wand, er war heilfroh, dass Aoi nichts passiert war...

"Dann friss staub, Knirps." Der Wärter beäugte Aoi misstrauisch, wie der auf sein Bett krabbelte und versuchte, sein Bein nachzuziehen. Er verdrehte genervt die Augen. "Hast du dir nun auch noch das Bein gebrochen, oder was? Wie unfähig bist du eigentlich?! Wenn du schon sterben willst, dann frag deinen Zellengenossen! Alleine packst du´s eh nie!"

Aoi sah nur verstört auf und wich ängstlich an die Wand zurück. Womit der Wärter ihn beschuldigte, traf ihn wie ein Blitz, denn sich das Leben nehmen, hatte er gar nicht vorgehabt.

Reita seufzte. Was sagte der Mann da? Aoi wollte sich das Leben nehmen? Das durfte er nicht... //Aoi... Was auch passiert... Ich bin für dich da... Ich lass dich nicht im Stich...//

Der Schwarzhaarige schüttelte verneinend den Kopf und deckte sein schmerzendes Bein zu.
"Rede gefälligst mit mir!!", brüllte der Mann am Gitter und rüttelte heftig daran. Er war drauf und dran, seine Bedenken über Bord zu werfen und den kleinen Mörderjungen zu bestrafen.

Aoi zuckte noch mehr zurück und verkroch sich unter seiner Decke. Er wollte die Schreie nicht hören. Sie dröhnten in seinem Kopf und schlugen über ihn zusammen. Schienen ihn zu erdrücken und seinen Kopf beinahe platzen zu lassen. Hilflos lag er in seine Decke gemummelt da und weinte, schluchzte und zuckte. Wie sollte er sprechen, wenn er es nicht konnte?! Zumal seine staubtrockene Lunge ihm auch nicht dabei helfen konnte. Er hustete leise in seine Hand, sie er vor seinen Mund verkrampft hatte und Tränen benässten sie. Konnte man Tränen trinken? Dann wäre er sicherlich der gesättigste Mann weit und breit...

Murrend gab der Wärter nach. "Dich wird der Tod schon noch holen! Hab keine Angst... Er wird kommen."
Der Mann verschwand in der Dunkelheit. Was von ihm noch zu hören war, waren die Schläge der Metallkette gegen die zahlreichen Gitter der anderen Zellen.

Reita knurrte vor Wut. Was machten sie nur mit dem armen Jungen? Er konnte doch im Moment nur nicht reden... Was war so schlimm daran? Immer wenn sie geredet hatten, wurde es ihnen verboten... Reita wartete bis der Kerl verschwunden war, dann kletterte er aus dem Bett und holte unter Aois Bett eine Schale hervor. "Trink das... Ist nicht besonders sauber, tut mir Leid.."

Zaghaft schlüpfte er unter der Decke hervor und sah ängstlich zu Reita auf. //Jetzt bringst du dich in Gefahr...// Er sah die Schale verwirrt an und richtete sich langsam auf. Am liebsten würde er ihn jetzt fragen wollen, woher er die hatte, aber er konnte es nicht. Ganz vorsichtig nahm er sie und sah hinein. Das Wasser war wirklich nicht sehr sauber, aber Dreck reinigte ja gewöhnlich den Magen, also hinunter damit. Ein zwei Schlücke nahm er, dann gab er sie Reita zurück. Er wollte, das auch er etwas trank, sah ihn bittend und dankbar zugleich an.

"Trink... Du hast es nötiger..." Er lächelte und schob sie ihm hin. "Ich hab immer ein Drittel in die Schale geschüttet... Na ja... das ist das Ergebnis..." Er strich Aoi über die Wange. "Du hast dich verletzt, hm? Dein Knöchel? Bist du umgeknickt?"

Aus großen wässrigen Augen sah er den Blonden an und trank noch ein wenig, bevor er sie dann doch zurückschob und den Kopf schüttelte. Sie mussten das Wasser sparen! Vielleicht würden sie tagelang kein Wasser mehr bekommen! Er lehnte sich der Berührung entgegen und nickte schwach. Schon wieder kam er sich so hilflos und nutzlos vor...

"Dann schone deinen Knöchel. Leg ihn am besten hoch... Hmm... du bräuchtest was kühles... aber das haben wir hier nicht.." Er seufzte. "Versuch dich einfach nur auszuruhen und hinzulegen..."

Er nickte auf seine Anweisungen hin und legte sich lang. Vorsichtig zog er sein Bein in eine gerade Position auf das Bett, denn hoch legen konnte er es auch nicht. Aoi zog die dünne Decke über sich und sah zu Reita auf. Fast so, als würde er gelobt werden wollen. Etwas lächerlich kam er sich schon vor, doch er wollte auch nicht, das Reita wieder verschwand.

Reita nickte und blieb neben Aoi sitzen. Jedes Mal hoch in sein Bett zu gehen war unglaublich mühsam und sein Arm tat dadurch nur noch mehr weh...

Der Schwarzhaarige umfasste Reitas Oberkörper zog ihn neben sich auf´s Bett. Wenn er schon bei ihm bleiben würde, dann sollte er nicht die ganze Zeit sitzen...

Reita keuchte auf, als sein Arm so schmerzhaft an den Körper gepresst wurde, er sagte aber nichts und lächelte. "Vergiss die Gefahr nicht... Bitte... Ich will nicht... dass dir etwas passiert..."

Unsicher ließ er ihn wieder los. Er schallt sich selbst, da er wieder zu unüberlegt gehandelt hatte und sah traurig auf seine Hände. Er formte ein ´Gomen´ mit dem Mund und strich hauchzart über seinen verletzten Arm. Betrübt musterte er ihn, wollte ihn fragen, ob alles okay sei und ob er ihn weh getan hatte, doch die Worte blieben unausgesprochen.

Er lächelte. "Schon gut. Nichts passiert. Aoi? Versprichst du mir etwas?"

Fragend sah er von seinem Arm auf und knabberte nervös an seiner Unterlippe herum. Schließlich nickte er unsicher.

Reita lächelte und strich ihm eine Strähne aus der Stirn. "Wenn du vor mir frei gelassen wirst... Dann möchte ich, dass du mich einmal besuchst, ja? Bitte... nur ein einziges Mal..."

Verwirrt blickte ihn an. Wenn er könnte, wäre er wohl jetzt sprachlos gewesen. Er malte mit dem Finger ein Fragezeichen in die Luft. Es war doch echt zum Haare raufen! Er wollte wieder sprechen!!
Doch damit Reita nicht noch länger warten musste, nickte er so heftig, das sein Nacken schmerzte.
Da kam ihm plötzlich eine Idee. Er krabbelte ganz vorsichtig aus dem Bett. Bedacht auf sein Knöchel achtend und sank auf den dreckigen Bogen, schrieb in den Zentimeterdicken Staub »Warum freilassen? Ich werde nie frei kommen.«

"Doch, das wirst du. Ich bin mir ganz sicher, Aoi. Keine Angst. Kommst du mich dann mal besuchen, ja?"

Schnell verwischte er die Schrift im Sand und schrieb neu: »Ich war 4 Jahre hier. Warum sollte ich das jetzt tun!? Was ist mit dir? Ich...« Aoi unterbrach sein Schreiben und rang mit sich selbst. Sollte er es schreiben oder... sollte er nicht? Mit zittrigen Finger schrieb er weiter und hielt dabei seinen Kopf gesenkt. »Ohne dich, will ich nicht gehen...« Verlegen biss er sich auf die Unterlippe und wischte es schnell wieder weg. Unsicher linste er mit rosa Wangen zu Reita. Hatte er es noch lesen können...?

Reita versuchte etwas zu erkennen, doch Aoi hatte es zu schnell wieder weggewischt... Er hatte nur das mit den vier Jahren lesen können... Traurig nickte er und stand auf. "Schlaf jetzt, ja? Du musst mir nichts versprechen... Es war dumm von mir... Sumimasen~"

Seine Gesichtszüge erschlafften und zeigten Unverständnis. Schnell schrieb er: »Ich verspreche es!!« Woraufhin er ihn traurig ansah und wischte es wieder weg, als er sich sicher war, das Reita es gelesen haben musste und stand dann etwas wacklig auf. Er schlich sich in sein Bett und ließ sich darin fallen. Die Schmerzen ignorierte er. Wenn nicht einmal das Schreiben etwas brachte, dann ließ er es lieber gleich wieder bleiben...

Reita nickte und lächelte. "Hai, Arigatou~... Aoi? Du musst auf dich aufpassen... Bitte... Ich will nicht, dass dir etwas passiert..."

Blinzelnd sah er auf und legte den Kopf schief. //Warum redet er nur so...? Als ob ich hier je raus könnte.// Verwirrt nickte er, um Reita zu beruhigen.

Reita winkte ab, lächelte aber. Er war sich unsicher, was er tun sollte... Was Aoi wollte... Der junge Mann war ihm so wichtig geworden...

//Hö?// Aoi wüsste zu gerne, was im Moment in Reitas Kopf vor sich ginge, doch leider war er kein Superhirn, das Psychokinese oder so beherrschte... Blieben ihm also weiterhin die Fragen im Kopf verankert, wenn er sie nicht womöglich nicht vergaß. Er hatte schließlich schon viel in diesen Gemäuern vergessen. Warum er hier war, vieles aus seiner Vergangenheit und ja sogar manche Gefühle...
Der Ältere sah ihn fragend an, nein... durch ihn hindurch und war in seinen wirren Gedanken vertieft.

"Was...?" Reita bemerkte den merkwürdigen Blick und konnte ihn nicht deuten. "Aoi... Kannst du gar nicht mehr reden..?" Er sah ihn verzweifelt an.

Und ebenso verzweifelt erwiderte der Angesprochene den Blick, bevor er resigniert den Kopf schüttelte. Dann, um es ihm zu beweisen, öffnete er den Mund und versuchte seinen Namen auszusprechen, aber es kam nur ein röchelnder Laut heraus... Er fasste sich an die Kehle und versuchte es nochmal und nochmal, doch es wollte einfach nicht gelingen...

Reita seufzte auf. "Ich will dir helfen, Aoi... So dringend... Soll ich einen Arzt rufen, wegen deiner Stimme?" Er sprach leise, war traurig, dass sie jetzt nicht einmal mehr miteinander reden konnten...

Er biss sich zögernd auf die Unterlippe und überlegte. Er mochte die Männer aus diesem Gefängnis nicht. Selbst den Arzt nicht, da er seit 4 Jahren tatenlos zusah, wie er gequält wurde. Doch er wollte auch wieder sprechen können... Es half wohl nichts. Aoi nickte ergeben und ließ dann den Kopf etwas hängen.

Reita zögerte selbst noch ein bisschen und umarmte ihn dann. "Ich weiß wie du dich fühlst... Ach Aoi... Ich will dir nicht weh tun, hörst du?"

Seufzend ließ er sich in seine Arme sinken und strich zaghaft über seinen Rücken. Als er aber davon sprach, ihm nicht wehtun zu wollen, hörte er abrupt damit auf und sah ihn verwirrt an. >Willst du es etwa...?<, formte er mit dem Mund, ganz langsam, so das Reita versuchen konnte, es ihm von dem Lippen ablesen zu können. Seine Arme ließ er etwas verkrampft auf das Bett nieder sinken. Würde Reita ihm auch weh tun wollen...???!

Reita erschrak so heftig, als er entzifferte, was Aoi sagte, dass er ihn sofort los ließ und heftig den Kopf schüttelte. "NEIN! Nein niemals!!" Er wich zurück. Hatte Aoi solche Angst vor ihm?

Aoi hätte erleichtert sein sollen, doch da Reita so heftig reagierte und von ihm Abstand nahm, schniefte er nur kurz auf und umarmte ihn einfach. Wenn der andere vor ihm Angst hatte oder ihn doch nicht leiden konnte, dann würde er das spätestens jetzt wohl merken, wenn er ihn von sich stieß... Wo blieb der Arzt nur...?

Reita legte im Gegenteil die Arme um ihn und drückte ihn kurz fest an sich. Dann ließ er ihn los und stand auf, schlug gegen die Gitterstäbe. "Hallo?! Einen Arzt!! Wir brauchen einen Arzt!!"

//Warum lässt du jetzt los...? Ah... einen Arzt. Vielleicht die Rettung.// Gespannt sah er zu Reita hinüber und machte sich über seine noch gesunde Hand sorgen, die gegen die Gitterstäbe schlug.

"Was machst du da drüben für einen Lärm?! Du weckst ja alle!", schimpfte eine Wache und machte sich, vor sich hin fluchend, auf den Weg zu Reitas und Aoi´s Zelle. "Was nervst du hier rum? Ist er endlich Tod? Ach nee... lebt ja immer noch." Genervt verdrehte er die Augen und sah abwertend zu den beiden. "Was ist los? Stört euch das harte Bett? Die dünne Decke? Willkommen im Gefängnis Junge."

"Einen Arzt!" knurrte Reita die Wache an. "Er bekommt kaum mehr Luft..." Wenn er nur sagte, dass er nicht mehr reden konnte, würden ihm die Wachen niemals helfen... "Er hat Schmerzen im Hals!"

"Knurr mich nicht an! Kaum Luft? So sieht er aber nicht aus..." Er sah zu Aoi, der plötzlich gar nicht mehr aufrecht saß, sondern sich auf dem Bett hin und her wand und immer wieder nach Luft zu schnappen schien. Auch seine Augen verdrehten sich öfters und ein Röcheln ließ sich vernehmen. //Hä? Gerade saß er doch noch aufrecht da und sah kerngesund aus.// "Wollt ihr mich verarschen?!", fragte er etwas verwirrt.
Plötzlich kullerte Aoi vom Bett und tat so, als ob er der Ohnmacht nahe sei.
"Ist ja schon gut! Tritt vom Gitter zurück, Nummer 1309!", sagte er etwas panisch klingend. Er musste an die Worte seines Chefs denken und schluckte schwer. "Wird´s bald mal!"

"Hai!" 'Erschrocken' sprang er zurück und machte dem Wärter Platz. Er war froh und dankbar, dass Aoi so gut mitspielte..

Der Wärter platzte in die Zelle und griff sich Aoi an den Handgelenken, zog ihn etwas grob auf die Beine. "Los! Beweg dich!", schrie er und drückte ihm den Knüppel gegen die Wirbelsäule.
Ängstlich, wie der Schwarzhaarige jetzt wieder war, tat er nicht mehr, als würde er gleich an Luftmangel krepieren, sondern lief rasch voraus.
Der Wärter schloss die Zellentür hinter sich und ließ Reita zurück.

Der Arzt besah ihn misstrauisch, als er in sein Arztkämmerchen gebracht wurde und winkte den Wachmann hinaus. "Was ist mit dir?", fragte er und sah, das Aoi etwas humpelte, als dieser näher trat. "Verstehe... Deshalb haben sie dich aus der Zelle geholt? Äußerst ungewöhnlich..."
Der Mann nahm sich des verletzten Fußes an und verband ihn schließlich. Dann seufzte er und winkte ihn raus. "Du bist fertig." Aoi schüttelte aufgeregt mit dem Kopf und sah sich nach einem Stift um. Als er einen gefunden hatte, schrieb er auf einem Zettel: >Ich kann nicht mehr sprechen!< Der Arzt besah sich die Worte und zog Aoi zurück auf einen Stuhl. "Mach mal Ahhhhh!" Aoi gehorchte und ließ den Mann machen, wie er da in seinen Rachen hinein sah. "Versuch mal zu sprechen." Aoi versuchte es... wieder erfolglos. Der Arzt legte alles beiseite, schmunzelte und überlegte angestrengt. Dann klopfte er ihm seufzend auf die Schulter. "Du hast wahrscheinlich einen Schock erlitten, der dir deine Stimme nahm. Du wirst es erst wieder können, wenn du es wirklich vom ganzen Herzen willst. So... und jetzt ab in deine Zelle!"
Er pfiff nach dem Wärter und ließ den Schwarzhaarigen zurückbringen, wo er ihn in die Zelle zurückstieß. "Schlaft endlich!" Dann ging er...

Reita zuckte zusammen, als Aoi wieder kam und sah ihn aufmerksam an. "Kannst du wieder sprechen? Haben sie dir was getan? Du siehst völlig fertig aus... Sag doch bitte was..."

Der Schwarzhaarige kam zum stehen und sah zu Boden. Er hatte ihn nicht enttäuschen wollen... Er schüttelte den Kopf uns schrieb mit der Fußspitze auf dem Boden: »Stimme wegen Schock verloren. Dauert etwas, bis ich sie wieder habe... Tut mir Leid.« Dann torkelte er zu seinem Bett und setzte sich darauf, bedeckte sein Gesicht mit seinen Händen und schluchzte vor sich hin.

Reita schluckte, dann setzte er sich neben Aoi und nahm ihn in den Arm. "Hey... Ist schon gut... kein Grund zur Aufregung... Wir schaffen das schon..Hauptsache ist doch, dass du überhaupt wieder reden kannst!"

  Aoi klammerte sich hilflos an den Blonden, wollte ihm am liebsten nie wieder loslassen, was ihn doch etwas verwirrte, da er seit Jahren niemanden mehr an sich heran gelassen hatte. Nicht einmal von seinem vorigen Zellengenossen! Es wird eine Zeit kommen, wo Reita sich von ihm abwenden würde, das wusste er, denn... wer möchte schon mit ihm zu tun haben wollen?! Mit jemanden, der nicht spricht und andauernd heult und jammert..?! Diese Gedanken ließen ihn noch heftiger weinen, doch er versuchte es diesmal stumm geschehen zu lassen, mit dem Gesicht an seiner Brust. Er kam sich so armselig vor... Als was er auch die letzten vier Jahre gewesen war... für die Wärter, für alle, die ihn kannten und für sich selbst. Dachte Reita vielleicht auch so...? Es würde ihm das Herz brechen, so glaubte er.

Reita hielt Aoi fest im Arm und drückte ihn an sich. Die Tränen durchnässten sein Hemd völlig, doch Reita ließ es zu, lächelte ein bisschen, um Aoi zu beruhigen und strich mit seinem gesunden Arm über Aois Rücken. Er mochte den Schwarzhaarigen so sehr. Noch lieber hätte er es allerdings, wenn dieser frei wäre... Hoffentlich hatte der Anwalt seine flehende Bitte erhört..

Und wie das half! Zu schnell beruhigte er sich wieder, da Reita über seinen Rücken strich. Schon seltsam was solch eine kleine Geste alles bewirken konnte. Doch irgendwie schaffte das der andere auch so gut. Sie würden das schon irgendwie aushalten hier und er nahm sich vor, seine Stimme wieder zu bekommen, damit auch Reita sich nicht so einsam fühlen musste. Er brauchte schließlich auch jemanden zum reden! Er wischte sich mit der Hand über die Nase, schluchzte kurz auf und sah dann zu ihm auf. >Tut mir Leid<, formte er wieder mit den Lippen, senkte wieder den Blick und strich über sein teilweise benässtes Shirt.

Reita nickte nur und lächelte. "Shh.. Schon gut.." Er wusste allerdings langsam nicht mehr weiter. Was sollte er denn schon sagen? Der andere konnte sowieso nichts sagen.. Reita schloss kurz die Augen, dann sank er plötzlich nach vorne und schlug auf dem Boden auf. Er hatte einfach so das Bewusstsein verloren...

Wenn er gekonnt hätte, dann hätte er ganz sicher vor Überraschung geschrien oder irgendetwas gesagt, aber so kippte er einfach und wortlos mit Reita um, da er ja noch recht eng bei ihm gesessen hatte und er nach vorne kippte. Plötzlich.. ganz ohne Grund. Was war nur los? Doch lange konnte er sich keine Gedanken darum machen, da er an der Bettkante aufkam und sie beide vom Bett abrutschten, um kurz darauf auf dem harten Steinboden aufzukommen. Aoi verdrehte die Augen vor Schmerz, als sein Kopf auf dem Boden aufkam und er mit seinem Körper den Sturz Reitas aufhielt, driftete in die Dunkelheit ab und wurde ebenso, wie Reita es wohl geworden war, auch ohnmächtig...

~+~

Sakito war inzwischen nicht untätig gewesen. Kaum hatte er Herr Takeshimas Wohnumgebung verlassen, war er zur Autowerkstatt geeilt, um endlich seinen Wagen abzuholen, um dann nach Hause zu fahren und alles, was er in den Gemäuern des Gefängnisses im Kopf eingefangen hatte, nieder zuschreiben und sich von alle seinen Mitschriften eine Kopie anzufertigen. Die Originale schickte er an das Gericht, mit der Bitte, ein Verfahren einzuleiten. Er wolle den unschuldigen Reita Suzuki aus diesem Gefängnis holen. Dann hatte er wie ein Wahnsinniger herum telefoniert und bat einige, in den Fall verwickelte, Personen, seine Zeugen sein zu können und fuhr daraufhin erneut los. Auf den Weg zu Uruhas Wohnung, rief er bei diesem an. Seine Nummer hatte er sich ja mal bei Herrn Suzukis Eltern notiert gehabt. Ungeduldig tippelte er mit dem Finger auf dem Lenkrad herum.

Uruha saß zu Hause in der Küche und stocherte etwas lustlos in seinem Essen rum. Er hatte es sich zubereitet, bevor er vor Hunger noch umkippte. Sobald er es fertig hatte und davor saß, war sein Hunger wieder verflogen. Von dem Geruch wurde ihm übel und nun stocherte er nur noch mit dem Löffel darin herum.
Leise seufzend wollte er noch einen Happen essen, wurde aber von seinem Telefon unterbrochen. Er sah auf und wandte seinen Blick Richtung Wohnzimmer.
Seufzend legte er den Löffel weg, stand auf und ging zum Telefon.
"Moshi moshi?", fragte er in den Hörer als er abgenommen hatte.

Sakito hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben gehabt, als am anderen Ende der Leitung doch noch jemand ran gegangen war und wie er sich erhofft hatte, war es Uruha. "Herr Takeshima! Guten Abend. Ich bin es Sakito. Geht es ihnen gut?? Was tun sie gerade? Ich hoffe, sie haben etwas gegessen?", sprudelte er los und biss sich, um sich Einhalt zu gebieten, auf die Unterlippe.

Erst war Uruha etwas überrascht die Stimme des Anwalts zuhören, doch irgendwie beruhigte ihn das sofort.
Er hörte sich die Fragen des anderen und antwortete dann etwas langsamer als der andere: "Ja, es..es geht mir gut. Ich war gerade beim Essen."
Er wandte seinen Blick auf den noch fast vollen Teller und schwieg dann für einen Moment.
"Ano, weswegen rufen Sie an? Gibt es Neuigkeiten?"

Oh dann störe ich sie gerade? Tut mir Leid. Ich will sie auch nicht lange aufhalten. Ich habe alles für eine richterliche Verhandlung vorbereitet und muss mich nun nur noch um diesen mysteriösen Aoi kümmern, zu Liebe ihres Freundes. Ich mache mir nur Sorgen, wegen der Worte von Herrn Suzuki, da er sie darauf aufmerksam gemacht hat, das der Täter noch in der Nähe sein könnte und ihnen vielleicht etwas antun will. Er könnte Recht haben! Gehen sie lieber nicht mehr aus dem Haus, es könnte gefährlich werden. Wenn sie etwas brauchen, müssen sie mir nur Bescheid sagen. Schließen sie zu Hause alles gut zu und bleiben sie ruhig. Ich werde immer in ihrer Nähe sein, hai? Ano... Lassen sie es sich schmecken. Ich muss jetzt Schluss machen. Ich werde sie auf dem Laufenden halten."

Uruha hörte den Worten des anderen weiterhin zu und schluckte leicht. Dann war Sakito also auch der Meinung dass er noch in Gefahr sein könnte. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken und er sah vorsichtshalber kurz aus dem Fenster.
"Hai, okay~ Ich verstehe... Ich... werd alles abschließen.", antwortete Uruha und verließ die Küche ins Wohnzimmer, wo er sich ebenfalls nochmal umsah. "Danke, dass sie das alles tun~", fügte er noch hinzu und setzte sich auf seine Couch.

"Okay, gut... Dann kann ich beruhigt sein. Und öffnen sie die Tür nur, wenn sie meine Stimme hören, oder erwarten sie Besuch von jemanden?", fragte er und parkte das Auto am Bürgersteig. Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen. "Ich lebe, um anderen zu helfen und ihnen Freude zu bereiten Herr Takeshima. Das macht mich glücklich. Ich tue das gerne.", erklärte er lächelnd und stieg aus, sah sich aufmerksam um, während er mit seiner freien Hand das Auto abschloss und sich die Jacke enger um den Körper zog. "Also dann... schlafen sie gut und sicher." Mit diesen Worten legte er auf, schloss seine Jacke richtig und atmete tief ein. //So schwer kann das ja nicht sein...// Er trat in die Dunkelheit. "Hizumi?!", rief er laut.

"Nein, erwarte ich nicht. Okay... dann... kommen Sie also morgen nochmal vorbei?", fragte er und irgendwie kam ein Gefühl der Freude auf, wenn er daran dachte. Er schüttelte leicht den Kopf über sich selbst und fuhr dann fort: "Danke schön, dann bis dann.."
Er hörte das monotone Piepsen aus dem Hörer und legte dann ebenfalls auf. Er atmete tief durch, stand auf und schloss die Haustüre ab. Dann kümmerte er sich um die Fenster, die er ebenfalls alle abschloss. Dann setzte er sich mit einer Packung Eis und einer Decke auf die Couch. Das Essen ließ er in der Küche stehen.
Er zog die Knie an und aß lieber das Eis.


"Ja, werde ich machen.", versprach er ihm und hatte dann aufgelegt.

"Hizumi?! Ich bin es, Sakito!", rief er noch einmal und wurde langsam ungeduldig.
"Was wollen sie von ihm?!", kam es plötzlich aus der Dunkelheit und eine große Gestalt ließ sich im Schatten einer Laterne vernehmen. Sakito erschrak und drehte sich zu der Gestalt um. "I-Ich bin Sakito. Der Anwalt von Hizumi. Er meinte, das wenn ich Hilfe bräuchte einfach nach ihm rufen sollte. Bitte...bringen sie mich zu ihm!" Die Gestalt lachte in einem gruseligen Ton und kaltes Metall blitzte in der Dunkelheit auf. "Sie zu ihm bringen? Um dann zu sterben? Das können wir auch gleich erledigen, wenn sie schon so mutig sind." Sakito bekam große Augen vor Schreck und trat einige Schritte zurück, stieß dabei auf etwas... oder besser gesagt jemanden. "Bitte. ich muss ihn sehen!", bat er und trat nun auch vor der zweiten Person zurück, die ein Messer in der Hand hatte. "Was seid ihr eigentlich für Gestalten? Wisst ihr, das ihr wegen Waffenbesitz ins Gefängnis kommen könntet?", fragte er und war wieder ganz Anwalt. Vielleicht konnte er ihnen Moral predigen und sie würden ihn gehen lassen. Doch noch ehe er sein Amt walten lassen konnte, trat eine dritte Gestalt aus der Dunkelheit und lachte. Lachte nicht, wie es der andere getan hatte, sondern viel fröhlicher. Sakito erkannte ihn sofort. "Hizumi!" Erleichtert ging er auf ihn zu, doch blieb erstarrt stehen, als eine Waffe in seinen Nacken gelegt wurde. "Keinen Schritt weiter!", zischte jemand ganz dicht an seinem Ohr und ein Schauer überkam ihn. "Jungs ist schon gut. Er gehört zu mir.", sprach Hizumi und erlöste ihn von den bedrohlichen Waffen. "Danke...", murmelte der Anwalt und zitterte leicht. "Gehören die zu dir? Sag ihnen, das sie keine Waffen tragen dürfen! Auf mich hören sie nämlich nicht." Er verschränkte die Arme vor der Brust und schien zu schmollen, worauf der schwarzhaarige Hizumi erneut lachen musste. "Nun... ano... Das ist nicht so leicht zu erklären, aber... manchmal braucht man die eben.", rechtfertigte er seine Freunde, die auf einen Wink ihre Waffen einsteckten. "Um andere zu bedrohen?!" "Nein, um sich zu schützen." "Aha... Ja, wie auch immer. Ich bin nicht wegen deinen Freunde hier. Ich brauche deine Hilfe Hizumi."

 Dieser sah ihn leicht schmunzelnd an und legte seine Hand auf seine Schulter. "Dann schieß mal los. Soll ich jemanden umbringen?" Mit großen Augen sah ihn Sakito an. "Das... war ein Scherz. Gut, sowas lass ich demnächst.", versprach Hizumi und seufzte schwer. "Über sowas macht man keine Scherze!" "Ja Papa... Jetzt sag schon. Was ist so dringend?"
Sakito überhörte das >Papa<, so alt kam er sich dann doch nicht vor, und überlegte, wie er es ihm erklären sollte. "Also da gab es einen Mord und-" "Ahhh ~ Hört sich doch schon mal interessant an." "Lässt du mich jetzt bitte ausreden?" "Gomen nasai..." "Also es gab einen Mord. Mein Klient und seine Affäre teilten sich für eine Nacht ein Bett und-" "Jetzt wird´s dreckig.", giggelte Hizumi und bekam ein genervtes Murren zur Antwort. "Schon gut...", murmelte der andere etwas Kleinlaut und spitzte wieder die Ohren.
"In der Nacht wurde seine Affaire umgebracht. Kennst du einen gewissen Tatsuya Minamoto?" Hizumi erstarrte bei dem Namen. "Was ist mit ihm?" Seine Stimme klang plötzlich eiskalt, was Sakito stocken ließ. "E-er war die A-Affäre..." Aufgeregtes Getuschel drang von überall her, schien ihm, und ließen ihn schmunzeln. "Du kennst ihn, oder?" Hizumi ging auf und ab und fluchte leise vor sich hin. "Ja, das tue ich.", knurrte er schon fast. "Darf ich fragen woher?" Hizumi blieb stehen und fixierte Sakito mit einem ärgerlichen Blick, bevor er sich schnell wieder abwandte und sich kurz die Hände vor´s Gesicht hielt. Als er sein Gesicht wieder frei gab, sah er etwas betrübt aus und kam auf den Anwalt zu. Mutig blieb dieser stehen. "Es gibt Dinge, die muss man nicht wissen. Ich kenne ihn, da er ein guter Freund von mir war, okay?" Hm... okay." Er akzeptierte es, das Hizumi es ihm nicht verraten wollte und fuhr mit seiner Erklärung fort: "Mein Klient hatte ihn in der Disco kennen gelernt und na ja... überlebte. Anscheinend wurde Herr Minamoto gezielt umgebracht von einem Mörder. Mein Kleint rief am nächsten Tag seinen besten Freund an, der ihm natürlich sofort beistand und während Herr Takeshima, mein Klient, floh, folgte ihm sein Freund nicht, denn der wurde festgenommen und ins Gefängnis gebracht." "Du meinst... DAS Gefängnis, in dem alle Irre werden, wenn sie auch nur ein paar Monate drin waren?!" "Ja, ich glaube, wir sprechen vom selbigen.", meinte Sakito schmunzelnd und wieder wurde es um sie herum laut. Er sah sich um und erkannte überall dunkle Schatten. "Hizumi? Sind das alles deine Freunde?", fragte er ihn im Flüsterton und richtete sich den Kragen seines Anzuges. "Ja, sind sie. Sie brauchen keine Angst haben. Lassen sie mich raten... Sie wollen den Freund ihres Klienten dort raus holen?" "Ganz genau. Denn er ist ganz sicher nicht der Mörder. Der schweift hier noch irgendwo herum. Und nun kommen wir zu meiner Bitte. Könnten sie, bis die Gerichtsverhandlung kommt, auf meinen Klienten Herrn Takeshima aufpassen? Der wohnt gleich da vorne." Er zeigte auf das Haus von Uruha. Hizumi sah mit stark zusammengekniffenen Augen zu dem Haus und zog eine Augenbraue hoch. "Das ist ihre Bitte??", fragte er leicht überrascht. "Ich hatte da mit etwas Anspruchsvollerem gerechnet, als den Babysitter zu mimen." "Hizumi bitte! Der Mörder könnte auch ihn umbringen wollen!" Der Schwarzhaarige sah nun interessiert zu dem Gebäude. "Nur von außen schützen. Er hat alles abgeschlossen, hoffe ich, doch der Mörder könnte trotzdem hier auftauchen. Würdest du es schaffen, ihn zu fangen und ihn festzuhalten, bis die Verhandlung ist? Bitte!" „Ano... Das ist kein Problem." Hizumi grinste bösartig und einige Umstehende lachten schaurig auf.
Ängstlich sah sich Sakito wieder um. "Müsst ihr immer so lachen?" "Jup, steht ihm Buch: Wie wirkt man schaurig und angst einflößend." "Sowas gibt es?" "Nein, natürlich nicht. Aber ich könnte es ja irgendwann mal verfassen." Hizumi grinste den Anwalt breit an und lachte drauf los, als der wieder etwas verwirrt drein schaute. "Wir kümmern uns um den Typen. Keine Sorge Sakito." "Danke. Ähm... wenn ihr ihn habt, könntest du ihn ins Gerichtsgebäude bringen? ich informiere dich vorher über Ort und Zeit." Der Dunkelhaarige vergaß das Lachen und verschluckte sich beinahe dran. "ich?" "Hai...?" Hizumi murrte und winkte jemanden heran. "Wir werden ihn dir bringen." Sakito musterte seinen Freund fragend. "Um einen guten Eindruck zu machen, werde ich mit meiner ´Frau´ kommen.", meinte Hizumi und sah sie ernst an. "Du hast eine Frau?!", kam es von alles Seiten, selbst von Sakito. Der Gefragte zeigte auf seinen Kumpel, den er zu sich gerufen hatte und erklärte den Umstehenden: "Mit etwas Schminke und einer passenden Verkleidung würde das doch hinhauen oder?" Lautes Gelächter drang durch die Dunkelheit und der Gemeinte, Hizumis ´Frau´, senkte verlegen den Blick. "Ach komm schon, Tsukasa. Du wirst schon nicht sterben. Siehst dann nicht viel anders aus." Das Opfer dieses Planes, Tsukasa wie Sakito erfuhr, versank förmlich im Erdboden. "Das ist gemein!", knurrte er. Gerade als Hizumi ansetzen wollte, ihn weiter etwas ins Lächerliche zu ziehen, unterbrach ihn Sakito schnell. "Ist gut! Kümmert euch darum. Danke." Verdutzt sahen ihn die beiden an, wobei der Blick von Tsukasa eher Dankbarkeit ausdrückte. "Ja... meld dich einfach. Meine Nummer hat sich nicht geändert." Der Anwalt nickte, winkte den beiden lächelnd zu und beeilte sich zu seinem Auto zu gelangen. Er stieg ein und fuhr los. Ab nach Hause, um geschafft ins Bett zu fallen. Was für ein Tag!

~+~

Schlussendlich hatte Uruha sowohl die Türe als auch alle Fenster geschlossen. Nun stand er an eben einem und sah nach draußen auf die Straße. Ob er wirklich in Gefahr war? Er zog die Vorhänge zu und drehte sich dem raum zu. Er sah sich etwas darin um und ging dann auf die Couch zu, auf die er sich dann langsam sinken ließ. Was sollte er denn jetzt die ganze Zeit machen?
Nichts tun und warten das irgendetwas passierte? Doch ziemlich nervös stand Uruha wieder auf und ging in die Küche. einfach rumsitzen klappte im Moment nicht, dazu hatte er zuviele Gedanken die in seinem Kopf herumschwirrten.
Er räumte die Küche soweit wie möglich auf und putzte sie ungefähr 3 Mal komplett durch nur um irgendwie die Zeit vorbeiziehen zu lassen und die Gedanken zu vertreiben.
Danach ging er wieder zurück ins Wohnzimmer und blieb stehen. Er hatte keine Lust mehr aufzuräumen, also entschloss er sich erstmal duschen zu gehen. Er betrat das Bad, zog seine Klamotten aus, die er sorgfältig neben ein Handtuch auf den Wannenrand legte und stieg unter die Dusche. Das warme Wasser, dass über seinen Körper lief entspannte ihn für einige Minuten.
Nach einer Weile stellte er das Wasser ab und lauschte. Er dachte er hatte Geräusche gehört, doch jetzt war da nichts mehr. Musste wohl das Wasser gewesen sein. Uruha schüttelte den Kopf und verdehte leicht die Augen über sich selbst. Er stieg aus der Dusche, schnappte sich ein Handtuch und trocknete sich ab. Er warf einen Blick auf die Uhr und stellte fest, dass er eine halbe Stunde geduscht hatte. Doch so richtig vergangen war die Zeit trotzdem nicht. Er verließ das Bad in Richtung Schlafzimmer und suchte sich dort ein paar Klamotten raus, die er sich überzog. Bei jedem Geräusch zuckte er zusammen und bald musste er über sich selbst Lachen. Das war doch wirklich übertrieben. Das Lachen wurde wenig später zu Tränen. Er ließ sich am Schrank entlang auf den Boden sinken und fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen. Sein Leben war im Moment alles andere als angenehm. Die Vorwürfe die er einfach nicht loswurde, die Angst, dass nocheinmal etwas passieren könnte, dass er vielleicht nochmal jemanden mithineinzog, einfach alles wurde ihm im Moment zuviel. Erst ziemlich spät, nachdem er eine ganze Weile auf dem Boden saß, ging er ins Bett und versuchte zu schlafen.



Kapitel 11 - Gefühle 1. Teil

zurück