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Um sicher zu sein gab es nur eine Möglichkeit. Schweigen...
安全であるために一つ可能性だけがある。暗黙。

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Kapitel 13 - Umgewöhnung



"Wen willst du anrufen?"

Reita schluckte. Jetzt galt es. "Ich darf nur eine Person anrufen... Ich möchte mit meinem Anwalt sprechen... Sakito~san..."

Der Boss blinzelte, ehe er sich mit zusammengekniffenen Augen dem Wärter zuwandte. "Seit wann bitte, hat der Kerl einen Anwalt?!"
"Ano... seit... heute.", gestand der Mann Kleinlaut und trat etwas zurück.
"Und warum, erfahre ich erst jetzt davon?" Genervt und Wütend zugleich sah er Reita an. "Und? Willst du ihn anrufen und ihm was vorheulen? Was willst du denn dringendes von ihm, hum??", knurrte er.

"Ich.. will ihn anrufen und ihn bitten, sich um meine Mutter zu kümmern.. Ich will ihm nichts vorheulen... aber... jemand muss sich um sie kümmern... Bitte." Er hoffte, dass der Typ nicht nachforschte und er Sakito bitten konnte, sich um Aoi zu kümmern..

Du willst einen Anwalt darum bitten?", fragte er und musste lachen. "Ist sie etwa auch so ein Mörder, wie du es bist~? Hm...?"
Dann musterte er ihn eine Weile und seufzte schließlich genervt. "Gut, wenn es unbedingt sein muss. Ich hatte ja auch mal eine Mutter, die nichts alleine auf die Reihe bekommen hat. Aber er wird bei dir bleiben und wenn du irgendwas erzählst, dann... gibt es Tote, hast du verstanden?!"
Er winkte dem Wärter zu, der daraufhin die Zellentür öffnete und Reita´s Handgelenke in seine Pranken zu nehmen und ihn hinauszuführen.
Der Boss hielt die beiden nochmal an und strich dem Blonden über die Brust. "Und das wäre doch Schade... um uns, nicht wahr?" Er grinste und ließ die beiden gehen.

Der Wächter führte ihn in einen Raum, wo es ein Telefon gab und reichte ihm den Hörer. "Und mach schnell.", grummelte er etwas deprimiert, da er mal wieder etwas falsch gemacht hatte und das machte sich bekanntlich gar nicht gut bei dem Boss.

Reita sah den Boss an und nickte, er würde nichts sagen... Er nahm den Hörer und wählte Sakitos Nummer, betrachtete den Wärter und schenkte ihm ein schmales Lächeln.

Der Wächter setzte sich grummelnd in seine Nähe und beobachtete ihn stumm.

+~+

"Und sein sie vorsichtig Sakito, ja? Wenn sie Hilfe brauchen, dann... dann schreien sie. Wir brauchen sie noch.", meinte die Frau lächelnd und blieb unten an der Treppe stehen. "Hm... alles klar. Danke...", murmelte Sakito etwa nervös und lief auf die Tür zu. Was ihn wohl erwarten würde...?"
Dann stand er auch schon direkt vor der Tür und hatte bereits seine Hand auf der Klinke. //Ganz cool bleiben... Kann ja nicht so schlimm sein. Ich glaube ja eh nicht an Geister.// Er versuchte sich Mut zu zusprechen, atmete einmal tief ein und wieder aus, ehe er die Klinke hinunter drückte und die Tür öffnete. Dann schlüpfte er hinein und sah sich neugierig um. //Scheint noch ganz normal zu sein...// Er trat etwas mehr in den Raum, stellte seine Tasche ab und untersuchte zuerst den Boden.
Dieser wurde anscheinend seit mehreren Jahren nicht mehr betreten, wie die Frau es gesagt hatte. Von dem vielen Staub, der in der Luft lag, musste er niesen, was noch mehr Staub aufwirbelte und sein Gesicht bedeckte. "Mhm... na super..." //Fängt ja toll an.// Er wischte sich über die Augen und blinzelte durch die Dunkelheit. //Gibt´s hier keinen Lichtschalter?// Plötzlich sah er etwas auf dem Boden liegen und beugte sich hinunter. "Ieh... Mäusedreck..." Er verzog das Gesicht und stand auf, suchte den Lichtschalter und schaltete ihn an. Nichts passierte. Er sah hinauf zur Deckenlampe und seufzte theatralisch auf. "Natürlich... sonst wäre ja die ganze Spannung weg.". murmelte er und lief zum Fenster, das sich mit etwas Anstrengung öffnen ließ.
Er blickte hinaus und erblickte eine der freundlichen Nachbarinnen, die erschrocken zu ihm aufschaute. Er winkte ihr zu und sie... wurde ohnmächtig. "Autsch... Wie seh ich auch aus?!" Er sah in das verstaubte Fensterglas, wischte kurz mit dem Hemdsärmel drüber und erschrak. Er erschrak wegen seinem eigenem Spiegelbild. "Sakito, Du siehst echt scheiße aus."
Plötzlich klingelte sein Handy und vor Schreck sprang er auf und schlug sich den Kopf an der Dachschräge. "Itai ><~" Mit zittrigen Händen griff er nach seinem Handy und ging ran. "Sie sprechen mit dem Anrufbeantworter von Sakito. Wenn sie eine wichtige Person sind, mit der es sich lohnt, in einer so wichtigen Tageszeit (er muss niesen) zu telefonieren, so nennen sie mir ihren Namen und ihr Anliegen.", sprach er hinein, doch versäumte er es, durch ein erneutes niesen, auch wie ein Anrufbeantworter zu klingen. "Gut, hier ist nicht der Anrufbeantworter. Wer ist da? Ich stecke gerade in wichtigen Ermittlungen und hoffe, das es wichtig ist."

Reita blinzelte verstört, dann räusperte er sich. "Sakito~san... Hier ist... Suzuki Reita... Gomen wenn ich störe... Ich darf auch nicht lang telefonieren... Meine... Mutter... ist im Memorial Krankenhaus.. Bitte kümmern Sie sich um sie... Sie wird noch....verrückt... wenn sie länger dort bleibt..." Er hoffte, Sakito genug Hinweise gegeben zu haben.

"Suzuki??" Sofort war Sakito hell auf und lauschte angestrengt jedem Wort, was er sagte. //Mutter... Krankenhaus... verrückt...//, kritzelte er sich die Worte schnell auf die Hand. "Alles klar, ich... kümmere mich darum. Ich hoffe, bei ihnen ist alles soweit klar?!", versuchte er noch aus ihm herauszubekommen und presste sich den kleinen Hörer ans Ohr. So bekam er auch mit, wie eine Stimme sagte, das es genug mit dem Gespräch sei und dann das laute Piepsgeräusch, was aus dem Apperat erklang. Schnell hielt er es sich weit vom Ohr weg und dachte angestrengt nach. "Das ist sein erster Anruf aus dem Gefängnis und seiner Mutter ging es letztens noch sehr gut. Alles klar... da steckt ein Code hinter." //Hab ich zu viele Spionage Filme gesehen?// "Eindeutig JA!" Er lachte kurz auf und stürmte dann zu seiner Tasche. "Wo hab ich sie...? Ah..!" Er zog Reitas Akte heraus, suchte die Nummer von Reitas Eltern und rief dort an. Als die Mutter ran ging und noch ziemlich Gesund klang, schaltete er das Handy sofort aus und legte es in die Tasche. "Mein Gefühl war also das richtige. Wer steckt in diesem Krankenhaus??!" Er sah sich in dem Zimmer um. //Gut... dann... mache ich mich in etwa in einer Stunde los. Muss hier noch gucken. Ich spüre, das ich nah dran bin.//

+~+

Reita wurde der Hörer aus der Hand gerissen. Hatte Sakito ihn verstanden? Er hoffte es sehr. Denn jetzt gab es nichts mehr, was er für Aoi tun konnte. Jetzt war er alleine... sogar Aoi hatte ihn verlassen... Gab es noch etwas für ihn zu verlieren? Er bezweifelte es stark...

Der Wörter wollte Reita aus dem Büro wegschaffen und drängt ihn hinaus.
Als aber plötzlich zwei bis vier Leute in weißen Kittel in das Gefängnis betraten, vom Boss begrüßt wurden und dann mit ihm an ihnen vorbei rauschten, hielt er Reita lieber wieder an den Handgelenken gepackt. Er könnte ja versuchen zu fliehen.
Dann brachte er ihn schnell in seine Zelle und schloss sie, ehe er zu seinem Boss lief, der nicht mal so weit von ihm entfernt stand und fragte, ob er helfen könne. "Nein, die Ärzte betäuben ihn gerade. Dann kommt er in ihre psychiatrische Einrichtung."
Die beiden mussten auch nicht lange warten, als die Tür aufging und zwei groß gewachsene Männer den in eine Zwangsjacke verpackten Aoi, der durch eine Spritze ein Schlafmittel gespritzt bekommen hatte, an ihnen vorbei trugen. "Danke. Wir werden uns um ihn kümmern."
Der Boss nickte und scheuchte sie eilig hinaus.
Kaum war er weg, atmete der Boss erleichtert auf und lief zurück in sein Büro. "Ich muss leider für einige Tage weg. Bringt Nummer 1309 Essen und Trinken und wascht ihn durch keine Foltermethoden mehr. Er gehört jetzt mir und ich habe keine Lust, ein dürres Gerippe zu ficken.", sagte er noch, ehe er darin verschwand.
"A-alles klar Chef."

Reita starrte auf die Worte auf der Wand. Seine Seele zerbröckelte immer mehr, er spürte förmlich, wie sie zerriss... Vor der Wand sank er langsam auf die Knie, legte die Handfläche auf die kalten Steine und strich liebevoll über das Blut. Dann brach er weinend zusammen...

Der Wächter lief eilends zur Küche und holte Wasser und Trinken für Nummer 1309, zu dem er, als er etwas vom Morgen noch gefunden hatte, lief und die Schälchen hinein schob. Als er dann kurz in die Zelle schaute und schon weiter laufen wollte, blieb er verwundert stehen und sah zurück. Genervt seufzte er auf, schloss die Zellentür auf und schon die Schälchen etwas weiter weg. Er wollte sie ja nicht gleich wieder umschubsen. Dann ging er zu Reita und hob ihn auf, brachte in zu Aoi´s Bett, da dieser ja nicht mehr da war, und legte ihn hinein. Er musste schmunzeln, als er die geschwollenen Augen und die feuchten Tränenspuren sah und blickte zurück an den Ort, wo er ihn aufgelesen hatte.
Er entdeckte die Blutschrift an der Wand...
Kurz las er die Zeilen und hob die Brauen. //Die zwei haben sich anscheinend zu gut verstanden.//
Kurz blickte er noch auf den Schlafenden und lief dann los, um einen Eimer mit Wasser und einen Lappen zu holen und kam dann wieder. Noch war der Boss da und wenn er das entdecken würde, dann würde man ihn vierteilen. Er machte sich daran, das Blut von der Wand zu wischen, was schwieriger war, als er gedacht hatte.
Kopfschüttelnd wischte er den letzten Rest weg, stand auf und verließ die Zelle.

Reita verweigerte das Essen und das Trinken. Er magerte immer weiter ab und reagierte kaum noch auf irgendetwas. Als er bemerkte, dass die Nachricht an ihn verschwunden war, starb auch das letzte bisschen Menschlichkeit in ihm... Oft saß er einfach da und starrte ins Leere. Hatte es diesen Aoi überhaupt gegeben? Selbst sein Geruch verschwand aus der Decke... Er hatte nichts mehr von ihm... Hatte er ihn sich am Ende nur eingebildet..?

+~+

Sakito krabbelte über den staubigen Fußboden und suchte jeden Zentimeter des Teppichs ab. Nachdem er sich sicher war, das sich dort nichts befinden konnte, stieß er doch, am Ende des Bettes, auf einen Bluttropfen! //Mist! ich habe meinen Spionagekoffer vergessen!// "Miss?!", rief er. Gepolter auf der Treppe, doch die Frau trat nicht ein. "Hätten sie vielleicht eine Lupe, Pinzette, Tüten, eine Kamera, Ruß oder dunkle Schminke und Gummihandschuhe?" "Ano... Ich schaue mal nach." Wieder Gepolter auf der Treppe und wenig später wieder. "Kommen sie bitte vor die Tür?", fragte die Frau etwas ängstlich. "Hai." Sakito stand auf und verließ durch einen winzigen Spalt zwischen Tür und Rahmen das Zimmer. "Dankeschön. Sie haben ja alles da.", meinte Sakito verzückt. "Mein Gott Wie sehen sie denn aus!? Hab ich mich erschreckt... Mein Mann liebte Spionagefilme...", murmelte sie dann verlegen und übergab ihm alles. "Tut mir Leid... Der Staub ist etwas lästig. Hätten sie vielleicht noch einen Staubwedel oder so?" "Natürlich!" Und wieder eilte die Frau die Treppen hinunter, fast so, als hätte sie wirklich Angst davor, dem Zimmer lange ausgesetzt zu sein. Dann kam sie wieder und gab ihm das Gewünschte. "Arigatou." "Dozo. Wenn sie fertig sind, können sie hier gerne duschen, wenn sie möchten." "Oh... Ich komme darauf zurück. Danke." Die Frau nickte lächelnd und verschwand blitzschnell im Wohnzimmer. //Für ihr Alter ist sie noch recht schnell.//, musste er beeindruckt zugeben und ging mit den gebrachten Sachen zurück ins Zimmer. Mit dem Staubwedel befreite er ein kleines Stückchen Teppich vom Staub und legte die Sachen bis auf die Handschuhe, die Lupe und den Staubwedel ab. //Vielleicht hätte ich noch nach einer Schutzbrille fragen sollen...// Er nahm den Wedel und fegte ganz vorsichtig über das Blut hinweg. Dann pustete er den Rest irgendwohin, wo sich viele weitere Staubkörner über den Zuwachs freuen konnten und besah sich dann mit der Lupe den Blutfleck. //Eindeutig Blut... doch von wem...?// Er legte den Staubwedel beiseite und zog sich einen Gummihandschuh über. Dann berührte der damit den Blutfleck und sah sich seinen Finger an. Nichts klebte daran. //Nichts Neues... Eingetrocknet. Super...// Er nahm die Kamera und machte ein Bild davon. Dann machte er sich mit der Pinzette ein kleines Stück ab und warf es in eine Tüte. //Für DNA Tests... Mann ist das spannend!// Mit vor Aufregung glühenden Wangen befreite Sakito das restliche Bett von seinem Staubbezug und zog sich erneut Handschuhe über. Mit der Lupe untersuchte er alles. Das Kissen und das Laken.
//Vielleicht sollte ich doch die Spurensuche machen lassen. Ich muss noch ins Krankenhaus und ich bin nicht der beste Spurensucher.//, dachte er und seufzte niedergeschlagen. //Gerade wenn´s so toll ist... Aber ich würde Ärger kriegen, wenn ich das machen würde.// Er zog einen Schmollmund und machte sich auf, das Zimmer zu verlassen. "Miss?" Die Frau kam aus dem Wohnzimmer geflitzt. "Hai?" Verwirrt blinzelte der Anwalt und übergab ihr ihre Sachen aus ihren Mannes Spionageköfferchen. "ich werde die Spurensucher hier her schicken lassen. Ich bin darin leider kein Profi. Das ist doch okay, oder?" "Solange es dem Jungen helfen kann, ja!" "Okay, danke. Kann ich ihre Dusche benutzen?" "Natürlich. Ich stelle das Wasser warm und lege ihnen Handtücher hin." "Arigatou."

Gesagt getan. Die Frau war froher Stimmung. Sakito ebenso, denn gerade befand er sich auf dem Weg zum Krankenhaus und hatte bereits die Spurensuche alarmiert.

+~+

Irgendwann erwachte Aoi aus seinem gezwungenen Tiefschlaf und sah sich verwirrt um. //Warum lebe ich denn immer noch?! Und wo bin ich hier?// Der Schwarzhaarige wollte seine müden Glieder strecken, doch lagen sie noch immer durch die Zwangsjacke eng an seinem engen Körper gepresst.
Er versuchte die Jacke zu zerreißen, doch war er zu schwach dafür. Durch die Bewegung kippte er nach vorne und versuchte sich wieder aufzurichten, oder auch einfach nur liegen zu bleiben. Er entschied sich für das Letztere...

Durch die Bewegung im Raum, wurden Sensoren alarmiert und ließen Ärzte in einen Raum sprinten, der durch eine große Spiegelfläche von Aoi´s Zelle getrennt war. Neugierig starrten sie ihn an, als wäre er ein wildes Tier, doch schon nach einigen Minuten liefen bis auf einen Arzt alle gelangweilt davon. Gemurre wie: ´Warum regt der sich nicht?!´ oder ´Ist der wieder eingepennt?!` hinterließen sie, während der Übrig gebliebene seinen Posten bezog. Er hatte die spannende Aufgabe, jede noch so kleine Bewegung zeitlich zu notieren. >17:34 Uhr - Patient scheint sich befreien zu wollen, kippt Kopfüber und bliebt liegen. Regt sich nicht. Wahrscheinlich wieder eingeschlafen. Narkose Spritze zu stark eingestellt.<

Er seufzte laut auf, setzte sich Kopfhörer auf und hörte laut Musik, während er mit dem Fuß auf dem Boden tippelte.

+~+

Reita starrte an die Wand und vor seinem Inneren Auge erschien die Schrift wieder. Er blinzelte verstört, und als er die Augen wieder öffnete, sah er wieder nur die weiße Wand... //Aoi... Geht es dir gut? Du fehlst mir so...//

+~+

Sakito kam an dem besagten Krankenhaus an, stieg aus und sah sich das doch recht unscheinbare Gemäuer an. //Könnte mal wieder eine Restaurierung gebrauchen...//, dachte er, nahm sich seine Tasche und schloss sein Auto ab. //Was mich dort drin wohl erwarten wird..?// Noch ein Blick in den klaren Himmel, der die ganze traurige Welt und ihrer Probleme mit ihrer Klarheit betrog und betrat das Gebäude. Am Empfang erkundigte er sich nach einem gewissen >Shiroyama<, der vor kurzem eingeliefert worden sein sollte und wünschte, ihn zu sehen. Die Empfangsdame sah ihn argwöhnisch an und verlangte seinen Ausweis, woraufhin sie, nachdem sie ihn gesehen hatte, jemanden anrief. Irgendwann legte sie wieder auf. „A-also er scheint zu schlafen. Wissen sie überhaupt, in welcher Verfassung er ist?" „Ano... Ich kann es mir denke. Es ist mir auch egal, ob er schläft. Ich bin schließlich nicht umsonst hierher gekommen. Kann ich jetzt zu ihm?", fragte Sakito höflich, aber auch eindringlich. Die Frau besah sich ihn skeptisch. „Hey, Hey! Ich bin sein Anwalt. Er ist unschuldig und ungefährlich. Also sagen sie mir bitte, wo er ist. Er braucht mich." „Ungefährlich?", fragte sie skeptisch, räusperte sich kurz und wies ihn an, ihr zu folgen. Das tat Sakito und als er plötzlich in einen Raum gebracht wurde, von wo er in eine Art sterilen Raum sehen konnte, hinter einem verspiegelten Spiegelglas, und auf ein Häufchen blicken konnte, das sich in Nähe einer weißen Wand befand und sich nicht regte, war er doch sehr verwirrt. Er hatte vielleicht mit einigen Dingen rechnen können, aber nicht mit so etwas. //Soll das Yuu sein??! Oh Gott!// „W-was macht mein Klient in diesem Raum?!!", fragte er aufgebracht und stellte sich ganz nah an den Spiegel. Sah zu dem Bündel. „Haben sie ihm eine Zwangsjacke umgelegt?! Sind sie noch zu retten?!!" Er fuhr herum und starrte die beiden Angestellten sauer an. Dann griff er sich den Bericht vom Schreibtisch und sah sich die Notizen an. „Wie kommt man in diesen Raum?" „A-aber.. aber der Junge ist verrückt! Und er hat eine Zwangsjacke an, weil wir ihn so hier eingeliefert haben. Wir haben ihn so bekommen!", versicherte der Mann, der sich die Notizen aus Sakito´s Hand wieder an sich riss. „Wie kommt man in diesen Raum?!", fragte der Anwalt nochmal und stellte seine Tasche ab, ging wütend aussehend auf die beiden zu. „S-schon gut. Durch die Tür da. Sehen sie den Griff? Von hier kann man die Tür öffnen." „Danke. Könnten sie uns nun bitte alleine lassen? Das sind persönliche Dinge, die ich mit meinem Klienten beraten muss."
Die Angestellten sahen sich verwirrt an. „Hm... ja... natürlich.", murmelte der Mann schließlich und eilte hinaus. Die Frau ihm hinterher.

//Ich fasse es nicht... Diese Schweine...// Er nahm seine Tasche und lief mit ihr zu der Tür, Er öffnete sie und stellte die Tasche in den Spalt, während er hinein lief. //Hier herrscht eine richtig stickige Luft. Ekelhaft.//
Vorsichtig näherte er sich dem Schwarzhaarigen und hockte sich schließlich neben ihm. Dann tippte er ihn an. "Yuu Shiroyama? Bitte wachen sie auf.", sprach er leise.

Das Bündel erzitterte merklich und Aoi´s Kopf drehte sich zu ihm. Emotionslos sah er ihn an. Er sah nicht sehr gesund aus und ungewaschen dazu.

//Der Ärmste...//, dachte Sakito, nachdem er sich kurz erschrocken hatte, aber sitzen blieb. Als er seinen Blick sah, fühlte er die tiefe seines Schmerzes und seiner zerrissenen Seele und das ließ ihn trocken auf schlucken. //Ich habe noch nie so viel Kummer und Schmerz in einer Person gesehen. Sein Blick ist so... kalt.// "Hallo, Herr Shiroyama. Mein Name ist Sakito und ich bin ihr Anwalt.", stellte er sich vor und lächelte warmherzig.

Aoi´s Mundwinkel zuckten kurz, doch ansonsten veränderte sich nichts.

Sakito räusperte sich kurz, ehe er Aoi bestimmend an den Schultern nahm und ihn aufrichtete, so dass er ihn gegen die Wand lehnen konnte.

Überrascht öffnete Aoi seinen Mund, doch nichts verließ diesen. Schnell klappte er ihn wieder zu und starrte Sakito unverwandt an.

„Ich will ihnen helfen, Herr Shiroyama.", sagte Sakito noch einmal nachdrücklich und sah ihn ernst an. „Lassen sie mich ihnen helfen, ich-"

Aoi schüttelte den Kopf. Er vertraute ihm nicht. Warum auch? In den letzten vier Jahren hatte ihn niemand aus dem Gefängnis raus holen wollen und er konnte sich nicht vorstellen, warum es plötzlich anders sein sollte und wer für ihn einen Anwalt bezahlte. Für ihn...! Den Verrückten...

Sakito unterbrach sich selbst und dachte nach, was er als nächstes tun sollte. //Es ist schwieriger als ich dachte.//
„I-ich kenne ihre Vorgeschichte. Zumindest schon grob und wenn ich die Beweise ihrer Unschuld finde, dann sind sie ein freier Mann. Zusammen mit Herr Suzuki, der ebenfalls mein Klient ist."

Unverständnis spiegelte sich in Aoi´s Gesichtszügen wider. Wer war Herr Suzuki? Was redete der Kerl da für einen gelogenen Mist?! //Wenn er mich testen will, ob ich wirklich verrückt bin, dann kann er das haben...//
Er schloss die Augen und würgte. Dann ließ er sich nach vorne kippen, wurde von dem überraschten Sakito aufgefangen und übergab sich auf seinem Jackett.

Sakito stieß einen überraschten Laut aus, als er das bekannte Geräusch hörte und verzog das Gesicht. „Verstehe... du vertraust mir nicht... und kotzt auf meine Hilfe. Denk nicht, das du mich damit los bist."
Er drückte Aoi vorsichtig zurück an die Wand und besah sich das Übel. „Hm... nicht viel gegessen, hum?"
Er stand auf und zog es sich aus, bevor er sich wieder zu ihm setzte.
2Hör mal Aoi... oder Yuu, wie auch immer man dich nun nennt, ich will dir wirklich helfen! ich verlange nicht, das du mir vertraust, aber rede mit mir! Bitte. Herr Suzuki hat mich gebeten, dich raus zuholen und das tue ich auch. Du bist unschuldig. Ich bin mir sicher. Ich weiß nicht, was man dir alles alles im Leben angetan hat, aber das was ich weiß oder mir denke, zu wissen, ist schon genug. Genug für so einen armen Jungen, der die Musik so sehr liebte und es niemand für voll genommen hat. Ein Junge, der normal leben und geliebt werden wollte."

//Reita...? Ist er Herr Suzuki?! Das würde auf jeden Fall einiges erklären, aber warum..?// Je mehr sein scheinbarer Anwalt erzählte, desto mehr Erinnerungsfetzten fegten durch seinen Kopf und ließen ihn stark zittern. Blass war er dazu auch noch.
Er wollte sagen: >Hör auf!<, denn er wollte nicht mehr hören, aber er konnte es nicht.

Doch zum Glück erschien plötzlich eine größere Gestalt im Kittel am Eingang zu seiner Zelle.
"Bitte Sir, gehen sie von dem Jungen weg! Er sieht noch kranker aus, als vorher. Er wird gleich untersucht und bekommt seine Mahlzeit. Bitte... gehen sie."

Sakito erschrak und drehte sich um. //Verdammt!//
"Geht das nicht auch noch später? Ich glaube nicht, das er jetzt etwas essen kann.", meinte er und zeigte auf sein Jackett.
Der Chefarzt hob die Brauen und verzog sein Gesicht etwas. "Nein, tut mir Leid. Sie müssen jetzt gehen. Die Sprechzeiten sind vorbei."

Der Anwalt blickte auf seine Uhr und seufzte. Dann sah er wider zu Aoi. "Ich werde Morgen wieder kommen. Halte durch Aoi." Er lächelte ihm aufmunternd zu, stand dann auf und nahm sich sein Jackett, hielt es weit vom Körper.
"Keine Sorge. Das Krankenhaus bezahlt die Rechnung."
Sakito sah auf.
"Ähm... nett, danke."
Er nahm auch seinen Koffer und verließ den Raum. "Kümmern sie sich bitte sehr gut um ihn. Er ist wirklich nicht verrückt. Ich glaube, das er mehrmals vergewaltigt worden ist. Es hat wahrscheinlich schon in seiner Vergangenheit angefangen. Wenn sie etwas herausfinden, dann sagen sie mir bitte Bescheid.
"Das können wir nicht. Ärztliche Schweigepflicht."
"Hören sie," fing Sakito leicht genervt an ", ich bin sein Anwalt. Er ist mein Klient und ich bin dafür zuständig, das er als freier Mensch raus kommt. Ich kümmere mich um ihn und brauche alle Informationen, die ich kriegen kann. Wenn sie stur bleiben, werden sie mit den Konsequenzen rechnen müssen. Ein Sakito gibt nie auf!"
Mit diesen Worten ließ er den Arzt stehen und verließ das Gebäude.
Er wollte sich sofort aufmachen, zu dem alten Wohnsitz der Shiroyamas zu fahren, den säuerlichen Geruch seines Jacketts ignorierend.

Als Sakito am alten Haus der Shiroyamas an kam, sah er, wie die Spurensuche sich gerade daran machte, alles zu verstauen, um dann in ihr Untersuchungslabor zu fahren. Er stieg hastig aus und lief zu ihrem Wagen. "Hallo? Ich bin Sakito. Ich hatte sie angerufen, damit sie dieses Zimmer untersuchen." Der Mann, der die Spurensuche leitete, trat an ihn heran. Er war noch größer als Sakito, doch dieser schreckte nicht zurück, sondern sah entschlossen auf. "Guten Tag. Sie wollen bestimmt wissen, was wir bisher herausgefunden haben, oder?" Der Anwalt nickte eifrig, holte wieder seinen Block und einen Stift heraus, um sich alles zu notieren. Der Größer nickte. "Dann kommen sie bitte mit."
Sakito folgte ihm und beide landeten in Zimmer des jungen Shiroyamas. Sakito sah sich um. Unglaublich! Hatten sie hier den ganzen Staub entfernt? Alle Achtung! Endlich konnte man auch genaueres sehen.
Es war im großen und ganzen ein kleines Zimmer. Hinter der Tür befand sich ein Schrank. Womöglich ein Kleiderschrank . Dann kam auch schon die Wand, an der sich das Bett befand. Es sah genauso aus, wie Sakito es verlassen hatte, doch dieses mal konnte er mehr sehen, als er es durch den Staub am Anfang nicht konnte. Den einzelnen Bluttropfen, den er selber gefunden hatte, war nur einer von vielen gewesen! Eine leichte Gänsehaut kroch über Sakitos Rücken. Neben dem Bett stand ein kleiner Nachtschrank und an diesem lehnte eine Gitarre. //Er hat also wirklich mal gespielt!// Dann ein Tisch, was bestimmt einmal ein Schreibtisch für Schularbeiten gewesen sein sollte, der allerdings mit lauter Kuscheltieren überfüllt war. "Anscheinend hat er die gesammelt", meinte der Chef der Spurensuche und zeigte auf das nächste Möbelstück, was wohl mal eine Couch gewesen sein sollte, die auch mit diesen kleines Stoffdingern übersät war. Über der Couch hingen lachende Masken. Clowns hingen an Bändern von der Decke neben der Tür. Lachende und glückliche Puppen...
„Auf der Matratze befindet sich noch mehr Blut. Wir fanden DNA-Spuren zweier Personen. Es muss noch untersucht werden, doch da auch etwas Sperma gefunden wurde, sind wir uns ganz sicher, das der Junge, der hier mal gelebt hat, ganz sicher mehrere Male vergewaltigt wurde. Anscheinend von einer Person, die er kannte, denn nach einem wahren Kampf sah es nicht aus, als wir hier rein kamen. Blut, welches sich nur auf dem Bett und in der Nähe befand. Mehrere Male muss er das Opfer gewesen sein. Leider fanden wir nicht viel mehr. Ein paar Schulsachen, diese Puppen und Stofftiere, ein paar Klamotten. Kein Tagebuch oder sonstiges, was verraten könnte, was hier geschehen war. Anscheinend wurde ihm alles weggenommen, was für ihn wichtig war. Nur seine Gitarre blieb übrig und diese... Dinger." Er zeigte auf die Stofftiere. //Natürlich... Als er von zu Hause weggelaufen war, da musste es passiert sein. Die Gitarre hatte er ja immer bei sich getragen! Und ich verstehe, warum er diese Stofftiere und die Masken und Clowns gesammelt hat. Er war nicht glücklich und bekam keine Liebe... Da hat er sich dieses leblosen Puppen mit dem falschen Lächeln geholt und hat für sich eine glückliche Welt geschaffen. Dann kam er allerdings ins Gefängnis und ab da konnte ihm nichts mehr helfen. Er vertraut niemanden, da jemand den er kannte, ihn missbraucht hat. Er liebt nicht, weil er nie geliebt wurde! Scheiße, ich könnte heulen...//

„Untersuchen sie das bitte ganz schnell und sagen sie mir dann schnellstmöglich Bescheid. Wenn die Person noch lebt, die ihm das angetan hat... Ich schwöre... Der wird sein Leben lang nicht mehr lachen können!", sagte er fest entschlossen und wurde fragend angesehen. „Sind sie Anwalt oder ist das ihr Sohn gewesen?" Sakito entgleiste der ernste Gesichtsausdruck und er starrte den Größeren ungläubig an. //Bin ich schon so alt?!// „Nein, ich bin Anwalt." „Dann wünsche ich ihnen viel Glück. Das Kind tut mir Leid." „Danke. Vielleicht können sie dem nun erwachsenen Kind helfen, in dem sie, wenn das Gericht stattfindet, kommen und ihm helfen, wieder frei zu sein." „Wie meinen sie das mit... frei?" „Der Junge ist unschuldig im Gefängnis!" Der Mann machte große Augen. „Scheiße. Natürlich werde ich da sein und meine Männer bringe ich auch gleich mit." „Danke. Sie werden auf alle Fälle noch von mir hören, aber rufen auch sie an, wenn sie was Neues wissen."

Sie verabschiedeten sich voneinander und Sakito blieb unschlüssig im Zimmer Aoi´s stehen. Er schluckte schwer und ging zu der Gitarre, um ehrfürchtig drüber zu streichen und sie schließlich mitzunehmen. //Er wird sich freuen...//

Dann verließ er das Haus. Das ältere Ehepaar schlief wohl schon. Er machte sich auf zu seinem Auto und legte die Gitarre vorsichtig in seinen Kofferraum. Er stieg ein und fuhr nach Hause, um dort erstmal seine Jackett rein zuwaschen und alles, was er an diesem Tag an Informationen gesammelt hatte, in seinem Laptop in einem Bericht zusammenzufassen.

Als er fertig war, schaltete er ihn aus und machte sich Bett fertig.
//Gute Nacht Yuu Shiroyama... Gute Nacht Akira Suzuki. Ich bekomme euch da raus, ganz sicher...//

+~+

Aoi lag in dem Moment auf einem Krankenhausbett. Er schlief. Natürlich nicht freiwillig, denn er wurde wieder mit einer Spritze mit Schlafmittel eingeschläfert. Sie hatten überrascht feststellen müssen, das sich der anscheinend Verrückte nur ein einziges Mal gewehrt hatte und das war, als sie ihm die Klamotten ausgezogen hatten und ihn untersuchen wollten. Er war erschrocken und ängstlich zurückgewichen, bis ihm jemand eine Spritze gegeben hatte. Später hatten sie auch entsetzt feststellen müssen, warum der Schwarzhaarige so reagiert hatte. Er wurde bereits etliche Male vergewaltigt! Sogar etwas Sperma hatten sie in ihm finden können. Das musste am nächsten Tag sofort sein Anwalt erfahren! Sie entschlossen, ihn nicht mehr in dieser Gummizelle zu sperren und diese Zwangsjacke zogen sie ihm auch nicht mehr an. Er bekam ein Krankenzimmer nur für sich, das Video überwacht war. Denn er schien ja trotzdem ein gewalttätiger Mensch zu sein. Nicht umsonst würde er wohl aus dem Gefängnis kommen!

 Sie fragten sich nur, warum er nicht sprach. Kein einziges Mal hatte er etwas gesagt, obwohl sich sein Mund öfters geöffnet und seine Lippen bewegt hatte. Vielleicht war er stumm?
Sie nahmen sich vor, den Anwalt am nächsten Tag zu befragen, der ganz sicherlich wieder kommen würde.



Kapitel 13 - Umgewöhnung

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