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Um sicher zu sein gab es nur eine Möglichkeit. Schweigen...
安全であるために一つ可能性だけがある。暗黙。

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Kapitel 25 - The Final? Part 2

 

Der Blonde spürte, wie seine Fesseln mit einem Schlag fielen und hatte nur noch
einen Gedanken...

Mit aller Kraft warf er sich zur Seite, um Aoi aus dem Bereich der tödlichen
Kugeln zu schleudern. Mit der ganzen Wucht seines schmalen Körpers und der
Kraft seiner Arme gelang es ihm tatsächlich, seinen Geliebten zu retten.

"Ich liebe dich für immer!!!",
waren seine letzten, geschrienen Worte, dann verschwand er unter der Last der
tonnenschweren Kugeln...

+~+

Doch das nächste, was passierte, als Aoi so verloren in Ketten lag und an
nichts dachte, war das erste, was geschah, das der Druck und der Schmerz an
seinen Handgelenken auf einmal abnahm und gleich darauf bemerkte er, wie etwas
mit solcher Wucht gegen seine rechte Seite stieß, so dass er überrascht die
Augen aufschlug und sein wenig widerstandsfähiger Körper zu rollen begann,
wobei er sich, aufgrund der Schnelligkeit, nicht traute, die Arme
ausszustrecken, die eng an seinen Körper gepresst lagen. Vor seinen Augen
drehte sich alles. Sich schnell bewegende Beine, zu Boden fallende Körper und
Körper, die aus seinem Blickwinkel zu springen schienen, wenn er sich
weiterdrehte, sah der Schwarzhaarige und allmälich sickerte ihm ins Hirn, was
geschehen sein musste. //Reita!// Sofort und ohne weiteres Bedenken, streckte er
die Arme aus, um seinen Körper abzufangen, der sich einem weiteren
Kampfgeschehen näherte, wie er feststellen musste, als Kru überrumpelt über
ihn zu stolpern drohte, sich jedoch noch rechtzeitig abfangen konnte, indem er
unsanft in Aois Seite trat, um dann mit aller Kraft Shis Angriff zu kontern, der
Aois Entkommen sehr wohl bemerkt hatte, damit er ihn von diesem weglocken
konnte.

//Gut, das hätten wir.//, dachte er noch, ehe er wieder zum Sprung auf Shi
ansetzte, der dessen schwache Deckung nutzte, um unter ihn hindurch zu gleiten,
nicht ohne nach ihm auszuschlagen, wobei er Finger ähnlich breite Krallenspuren
hinterließ. Kru jedoch, der sich zuvor eine Schusssichere Weste gestohlen
hatte, kam sicher auf dem Boden auf und machte trotz gelungenem Angriff, aber
fehlendem Treffer, weiter, um Shi, der sich Aoi zuwandte, wieder von diesem
abzulenken. "Hier spielt die Musik!"

//Du Narr!!//, beschuldete Aoi Reita im Stillen, während Sorgenfalten sich
seiner wieder bemächtigten, und versuchte aufzustehen. //Ich sollte sterben und
nicht du!//, dachte er weiter und stand wacklig auf. "REITA!!!", schrie der
Schwarzhaarige von heftigen Vorwürfen und Angstzuständen gepackt, wobei sein
Herz sich verkrampfte, als er die Kugeln fallen sah und er die Augen vor
Entsetzen aufriss, bevor er sie, verschließend vor der brutalen Wahrheit,
schloss. Sein Atem setzte kurzzeitig aus, bevor ein heftiger Aufschrei seine
Kehle verließ, der schmerzvoller nicht sein konnte, dann im Keim erstickte und
er unter seinem Gewicht und dem Aufprall der Kugeln, die den Boden erzittern
ließen, zusammenbrach. Wie grausam doch die Welt sein konnte. Mit nur einer
einzigen Veränderung, konnte sie einem das Leben zerstören...

+~+

Bevor die Kugeln endgültig mit dem Boden kollidiert waren, war Matsuda zu Kato
die letzten Meter gehechtet, um ihn vor der drohenden Gefahr, die nun auch er
begriffen hatte, zu retten. Denn kaum waren Kato die schweren Ketten mit dem
Fallen der Fernbedienung von ihm abgefallen, rührte dieser sich nicht und ließ
Matsuda alles Schlimme denken. Er hatte Angst um seine alte, heimliche Liebe,
die er ihm gegenüber noch zu fühlen vermochte. Er hatte schreckliche Angst,
denn Kato war der einzige, der ihm noch in seinem kargen Leben der letzten Jahre
geblieben war. Gemeinsame Geschichten schweißen einfach zusammen und sie waren
schließlich mal so was wie eine Familie gewesen. Damals, als sie noch jung und
naiv gewesen waren....

"K-Kato, ich hol dich hier raus.", sprach er im hastigen Ton, als er ihn
erreicht hatte und packte ihn ohne Widerworte an der schmalen Taille, um ihn aus
dem Schussfeld der Kugeln zu ziehen. Doch Kato wehrte sich, indem er versuchte,
die Hände von sich zu klauben. "M-Matsuda, du l-lebst?! Rette dich!
Verschwinde, solange du noch kannst! Lass mich zurück!", verlangte er und
brachte Matsuda zum stolpern. "Nein, sei doch nicht dumm!" "Ach und wenn wir
beide sterben, weil du nicht auf mich hören wolltest, bin ich dumm?!" Doch
Matsuda reagierte nicht auf Katos Äußerung. Er musste ihn hier wegbringen!
Egal was Kato davon hielt! Sein Leben war eh nur noch knapp bemessen. Lieber
stolz sterben, als arm dran zu sein und sich damit selbst zu Grunde zu richten!
Mühsam zog er ihn weiter, doch Kato konnte sich schließlich doch von ihm
lösen, um ihn von sich zu stoßen. "Hau ab!", schrie Kato besorgt, doch Matsuda
raffte die knöchrigen Schultern, verzog die Miene zu einer entschlossenen
Maske, griff sich Katos Handgelenke und zog ihn weiter aus dem Schussfeld.
Hoffentlich schafften sie es rechtzeitig...

Ein gewaltiges Beben ging durch den Boden und eine Druckwelle schleuderte ihn
immer weiter, bis Matsuda erschöpft, schwer atmend und zuckend gegen die Wand
stieß.
"Du bist doch verrückt...", schluchzte Kato erschüttert und wandte sich unter
Tränen den übrig gebliebenen Schutt des Kellerbodens zu, unter dem wohl Reita
begraben lag. Hatte er sich retten können? Kato hoffte es so sehr...
Seine Hand hatte sich dabei in Matsudas Wade verkrampft, der nun neben ihm an
der Wand hinabrutschte und gefährlich still wurde. "M-Matsuda...?" Besorgt
richtete Kato sein Augenmerk auf seinen Retter und strich sich die Tränen aus
dem Gesicht, doch sie kamen immer wieder nach. Der Schock über das Geschehen
steckte ihm zu tief in den Knochen.
"Hey...", murmelte er mit dünner Stimme und strich dem erneut Zuckenden über
die Wange, wobei er einen elektrischen Schlag erhielt. "Shi, dieses Monster...",
knurrte Kato und strich vorsichtig über die vernarbte Stirn. "Warum hast du das
getan?", fragte er anschließend hilflos und zitterte dabei am ganzen Körper.
"Jetzt muss ich das Leid des Lebens noch weiter ertragen... Warum quälst du
mich so?"
Langsam hob Matsuda den Kopf an, während seine schwachen Hände sich die Katos
annahmen, der überrascht, aufgrund der Kälte, zurück schreckte. "Es tut mir
Leid, das ich dich nicht länger... beschützen kann." "Ssshhht... Was redest du
da?! Bitte, stirb mir nicht!", jammerte Kato ängstlich und legte seine Hand an
Matsudas Halsschlagader. "Was hat er nur mit dir getan, dieses Schwein?! Bitte,
halte durch! Ich... Ich besorg dir einen Krankenwagen!" "Es ist zu spät, Kato."
"Nein, nein, nein!!"
Und während Kato seinen Kameraden ängstlich betrachtete, lächelte dieser
liebevoll und tätchelte Katos Hand. "Wir sehen uns, hm?" "Versprochen?",
schluchzte Kato, der die erschreckende Wahrheit noch immer nich ganz wahrhaben
konnte.
Werden denn jetzt alle sterben, die er einmal kannte und auf seine Art liebte?!
"L-leb, ja?", brachte Matsuda keuchend hervor und schrie und zuckte so
plötzlich und überrumpelt auf, als wär sein Innerstes durch einen Blitz
erhellt worden. Ebenso überrumpelt wich Kato mit weit aufgerissenen Augen
zurück. Das konnte jetzt nicht alles gewesen sein, oder?! "M-Matsuda?!!",
heulte Kato auf, robbte wieder zu diesem und schüttelte den leblosen Körper an
den Schultern durch. "Neeein! Komm zurück!", setzte er aufheulend hinzu und
verbarg, nachdem sein Schütteln nachgelassen hatte, sein tränenverschmiertes
Gesicht in Matsudas Halsbeuge...

+~+

Freudig riss er die Arme hoch und lachte auf. "Genial!", meinte er zu dieser
Aktion und man konnte deutlich das glückliche Glimmen in seinen Augen sehen.
"Shi, bin ich nicht genial?!", rief er fragend an seinen Konkurrenten, der alle
Hände voll zu tun hatte und nicht in der Lage war, als in seiner Situation nur
ein Knurren zu Stande zu bringen.

Davon jedoch nicht abgeschreckt, sondern im Gegenteil, eher höchst zufrieden,
ließ der Boss nun den Blick über die Kriegslandschaft gleiten und sein Grinsen
erlosch, als er Aoi auf dem Boden liegend erblickte. "Wie... N-nein! Erledigt
ihn!", wies er nun einige seiner Männer an und zeigte auf Aoi, der sich nicht
rührte. "Ich will ihn Tod sehen! Er hat lange genug gelebt! Und bringt die
Eindringlinge zur Strecke! Dann gibt's auch eine Gehaltserhöhung! Los, los!"

+~+

Hizumi stürzte sich mit aller Kraft auf den Boss. Was seine schmale Statur
nicht schaffte, dass holte er an Kraft aus seinem Schwung und der unbändigen
Wut, die ihn antrieb. Reita war tot! Aoi in Lebensgefahr! Hizumi`s Fäuste
schlugen mit aller Kraft und blindlings vor Wut auf den Boss ein, er schonte ihn
nicht und mit purem Hass in der Stimme, knurrte er: "Jemand wie du, hat das
Leben nicht verdient!!! Und der Tod ist auch zu gut für dich!!!"

+~+

"Verdammt...", knurrte Kru wieder, als er sah, wie zwei Männer auf den
bewusstlosen Aoi zuliefen. "Aoi, wach gefälligst auf!", brüllte er und stieß
Shi nach einem erneuten Angriff mit seinen Klingen von sich, wobei er Shi`s Arm
mit der seinen striff. Doch Zeit blieb ihm nicht, sich über diesen kleinen
Erfolg zu freuen, denn als Shi erneut angreifen wollte, duckte er sich unter
dessen ausfahrenden Krallen und stürzte auf die Männer zu, um sie, wenn
möglich, zu erledigen bevor sie Aoi erreichen würden. Doch kaum hatte er
einige Schritte gewagt, spürte er Shi`s Anwesenheit und sprang zur Seite,
entwich so einen todbringenden Schlag. "Aoi!!", brüllte er erneut, zog aus
seiner Gürteltasche ein kleines Messer und warf es nach dem einen aus, der Aoi
am nahesten war, der im nächsten Moment getroffen nach vorne fiel und liegen
blieb. Einer weniger. Nun musste er den anderen noch eliminieren, doch gerade,
als er ein zweites Messer aus seiner Tasche ziehen wollte, spürte er die langen
Krallen Shi`s auf seinem Rücken, der durch die schusssichere Weste wieder davor
geschützt war. Der folgende Fehler seinerseits lag allerdings darin, nicht in
diesem Moment seiner Unachtsamkeit begriffen zu haben, was Shi plante. Er wollte
ihm die Weste entreißen, die sein Leben schützte! Viel zu sehr war er damit
beschäftigt, Aoi irgendwie zu schützen und auch nachdem er ein heftiges Ziehen
verspürte, die ihn wahrscheinlich daran hindern sollte, den letzten Mann, der
Aoi gefährlich werden konnte, zu töten. Doch Kru kämpfte sich stur vorwärts,
zog somit den siegessicheren Shi mit sich. "Aoi! Verdammt, wach auf!", brüllte
Kru verzweifelt, riss sich von Shi los, was begleitet wurde, durch einen
reißenden Laut, und stürzte sich auf den Gefolgsmann des Bosses, um ihm die
Kehle aufzuschneiden. Mit dem fallenden Körper stolperte auch Kru weiter voran,
Shi wieder dicht auf den Fersen, und erreichte schließlich Aoi, der sich noch
immer nicht rührte. "Wirst du wohl mitkämpfen, du Feigling?!", brüllte er den
Bewusstlosen an und rüttelte an Aoi`s Schultern, bis dessen Lider flatterten.
"Wir können nicht immer auf dich aufpassen! Kämpf gefälligst!“, forderte
ihn Kru immer wieder auf, bis Aoi die Augen aufschlug, heftig blinzelte und sie
dann aufriss. "Shi...", hauchte Aoi schwach, bevor seine Stimme abbrach.
Alarmiert sprang Kru in einer Rolle seitlich von Aoi und vollzog dabei einen
Kick aus, der Shi treffen sollte und schließlich traf. Keuchend fiel Shi
zurück. Doch das siegessichere Grinsen verlosch nicht auf seinem Gesicht und
Kru bemerkte zu seinem Entsetzen und Überraschung, dass ihm die Weste
wortwörtlich von den Rippen gerissen wurde. Nun bemerkte er auch die
aufgeschürften Wunden jeweils an seinen Seiten. Knurrend spuckte Kru zu Boden.
"Na warte! Dir werde ich das Grinsen schon aus deinem dreckigen Gesicht
wischen!", zischte der Dunkelhaarige und überhörte in seiner Wut Aoi`s
versuchte Hilfeleistung, indem dieser ihm seine Weste mit zittrigen Händen
geben wollte. Shi lachte auf und es klang so abgrundtief böse, dass Aoi ein
Schauer über den nun ebenfalls freigelegten Körper ran und ihn heftig erbeben
ließ. Sein leerer Blick schweifte zu den Kugeln und heftige Übelkeit überkam
ihn. „Reita... Du Dummerchen... Ich liebe dich! Warum hörst du nie auf
mich?“, fragte sich Aoi.
Das konnte doch nicht alles gewesen sein, oder? War Reita wirklich Tod?
Die schusssichere Weste hinterlassend, krabbelte Aoi schwanken auf die großen
Kugeln zu, die sich in den Boden gerammt hatten. Lag darunter sein Geliebter?
Sein Gesicht war aschfahl und eine unglaubliche Kälte überkam sein Innerstes.
Wieder hatte man ihm etwas Wichtiges genommen. Wieder... und wieder... und dabei
waren ihn in seinem Leben nur wenige Dinge wichtig gewesen. Warum lag der Welt
alles daran, ihm diese Dinge zu nehmen. „Ich habe zu dir gebetet, Kami! Hasst
du mich auch?! Warum konntest du ihn nicht schützen?! Warum nicht...“, dachte
Aoi. Wieder einmal spürte er das vertraute Nass auf seinen Wangen, das ihn noch
mehr Kraft raubte. Fast ehrfürchtig legte der Schwarzhaarige seine Hand auf die
eiserne Kugel, deren Kälte sich mit seiner Inneren biss. „Warum wolltet ihr
mich nicht unter euch begraben? ... Sind denn alle gegen mich verschwört?“,
fragte er sich und schluchzte herzzerreißend auf. Kein Herzschlag, der durch
die Kugeln vibrierte, antwortete ihm. „Ein... Messer...“, wünschte er sich
nichts Sehnlicheres in diesem Moment und ließ den verschwommenen Blick über
den Boden gleiten. Dabei stieß er auf eine qualvoll geendete Maus, die halb
unter der einen Kugel begraben war. Erneut von einer heftigen Übelkeitswelle
gepackt, würgte Aoi und robbte nun mit leicht angegrünten Gesicht die Kugel
entlang. Zum Glück stieß er dabei nicht auf weitere verendete Tiere, aber
irgendein Zeichen seines Geliebten, konnte er dabei auch nicht entdecken.
"Nein... R-Rei...", schluchzte er heftig und der Schwarzhaarige rollte sich
schüttelnd wie ein Embryo zusammen. Er gab es auf zu suchen. Würde er doch
nicht fündig werden. "Ich werde gleich neben dir sterben... hai? ... Und
dann... sehen wir uns wieder...", murmelte er mehr zu sich selbst und kratzte
sich absichtlich über die Pulsader seines linken Handgelenkes. Die Haut, die
dabei wieder aufbrach, versuchte Aoi zu ignorieren. Sein Schmerz war nicht
vergleichbar mit dem, was sein Reita erleiden musste! Wegen ihm... erleiden
musste. „Ich habe nicht das Recht auf Leben, während andere wegen mir
sterben.“ Sein Blick starrte leer geradeaus, während sein Körper sich ab und
zu von selbst zu schütteln schien. Versuchte dieser sich etwa gegen seinen
Geist zu stellen...? „Nein, dieses Mal werde ich meiner Schwäche nicht
nachgeben! Es muss ein Ende haben! Dies ist der einzig wahre Weg!“

+~+

Kato, der zitternd an Matsuda`s Körperhülle lehnte, glaubte nun alles verloren
zu haben. Seinen Geliebten... Matsuda... Reita... Alle tot! „Warum lebe ich
dann noch?!“, fragte sich Kato und schlug auf Matsuda`s Brust, die aufgehört
hatte, sich zu heben und zu senken. „Verdammt, ich wollte sterben! Matsuda....
du... !“, fluchte Kato im Stillen und verstummte augenblicklich, als er Aoi
hinter einer der Kugeln hervor krabbeln sah. "D-Dieser...!", rief Kato bestürzt
aus und sein Gesicht verzog sich zu einer wütenden Grimasse. „Wegen ihm ist
Reita Tod! Dieser verdammte Dickschädel! Warum muss er auch immer an andere
denken. Dieser verdammte Aoi hat doch gesagt, er will sterben! Warum also bist
du jetzt Tod und er lebt?!“, fragte er sich und richtete sich mühsam auf
wabbligen Knien auf, um auf Aoi zu zu schwanken. „Er hat mir Reita
genommen!“, dachte er und ließ keine anderen Gedanken zu. Für ihn gab es nur
noch Aoi, den er hasserfüllt fixierte. “Glück hin oder her, er ist tot und
du lebst!“
"Findest du das in Ordnung, das du lebst und er nicht?!", schrie er Aoi an, der
nicht einmal den Kopf hob. Kato fühlte sich ignoriert. "Du... DU! Ich hasse
dich! Du hast mir alles genommen! Alles!", schrie Kato unter Tränen und fiel
bei Aoi angelangt auf die Knie. Er hätte nicht mehr lange stehen können. Nun
hob der Angesprochene doch den Blick, doch in seinem Gesicht lag ungebrochene
Resignation. "... dann bring es zu Ende...", meinte Aoi und klang fast ein wenig
bettelnd dabei. Kato starrte ihn an. Aoi starrte zurück. "Jetzt weiß ich,
warum er dich liebt..." "..." "Du bist hübsch.", stellte Kato fast
eifersüchtig fest. "Hör auf...", bat Aoi, der sich unter Vorwürfen quälte
und solche Worte nicht hören wollte. "Du... hast ihn geblendet! Wegen dir ist
er jetzt tot, ist dir das klar?!", stieß Kato aus und gestikulierte großspurig
in der blutlustigen Atmosphäre herum. Sein Körper schwankte dabei leicht. "Du
sollst aufhören...!", bat Aoi ihn ein weiteres Mal und hielt sich die Ohren zu.
Kato, der auf seiner Meinung beharrte und Aoi gerne leiden sah, bohrte jedoch
weiter in dessen Wunde herum. "Du hast ihn umgebracht.", sagte Kato fast etwas
verrückt lächelnd und starrte leer auf Aoi herab, dessen linkes Handgelenk
leicht blutete und dessen Hände sich stärker auf seine Ohren zu pressen
versuchten. Kato jedoch entging das verräterische Zucken seines Körpers nicht
und er musste zugeben, es gefiel ihm, den Schwarzhaarigen leiden zu sehen. So
konnte er für einen Moment seine Leiden vergessen, indem er die anderer
verstärkte. Zumal er wirklich der festen Meinung war, Aoi hätte ihn auf dem
Gewissen... "Man muss seinen Partner besser kontrollieren, Aoi... Sonst tun sie
schlimme Dinge." Aoi fest zugepresste Augen rissen auf. Kato`s Worte waren wie
Messerstiche, die unaufhörlich auf sein Herz einstachen, bis es verbluten
würde. Doch Kato fuhr fort: "Wenn du ihn besser unter Kontrolle gehabt
hättest, würde er jetzt noch leben. Wenn du ihm erst gar nicht begegnet
wärst, würde er noch leben. Wenn du nicht leben würdest, dann wären wir
vielleicht nicht hier! Schon mal daran gedacht?!", steigerte er sich hinein und
riss die Augen entsetzt auf, als ihm ein Gedanke in den Kopf schoss. "Und...
dann... wär' mein Engel nicht tot...", hauchte Kato und starrte zielsicher zu
einer der Wände, an dem der Boss ihrer ehemaligen kleinen Underground Gang hing
und den er mehr als sein Leben liebte. Dann fiel sein Blick auf Aoi und sein
eben noch so entsetzter Ausdruck machte Platz für unbändige Wut. "Du
Mistgeburt! Du hast sie alle umgebracht!!!", brüllte Kato, blind für die
Wahrheit. "N-nein!", versuchte Aoi sich nun zu rechtfertigen, doch seine Stimme
bebte vor Unsicherheit. Bei dem Versuch sich aufzurichten, half ihm Kato, indem
er Aoi gegen die Kugel pinnte. Schmerzhaft stöhnte dieser auf, als sein Kopf
gegen das eiskalte Metall schlug und schwarze Flecken ließen seine Sicht
verschwimmen.
"Du...!", schrie Kato aus und schlug auf den sich nicht wehrenden Aoi ein.

+~+

Der Boss lachte währenddessen genüsslich auf, wobei sein Blick auf Kato und
Aoi gerichtet war. "Ja, macht euch gegenseitig fertig! Herrlich! Das toppt meine
Vorstellungen von einem 'Happy End'.", gab er zu, als eine Faust sein seitliches
Gesicht traf und dieses zur Seite flog. Überrascht strich sich der Boss über
die getroffene Wange und als er aufsah, blickte ihn einer seiner Männer
entschuldigend an, der für einen Moment nicht aufgepasst hatte und sich nun den
Angreifer krallte. "Jetzt macht sie doch endlich fertig!", brüllte er genervt
und wollte sich endlich ausladend den Ergebnissen seiner Arbeit widmen.

+~+

"Jetzt bist du nicht mehr so sicher, was?", stichelte Shi grinsend und parierte
Kru`s Angriff. Beide hatten bereits an Angriffsstärke verloren, da ihnen die
Kraft entwich, doch aufgeben wollte auch niemand. Schließlich würde dies das
Ende für einen von ihnen bedeuten und Shi hatte Aoi schließlich versprochen,
ihn umzubringen und Suppe aus Reita`s zermalmten Körper zu machen und er hielt
seine Versprechen...
"Jetzt... sind wir auf gleicher Ebene.", gab Kru leicht keuchend von sich, der
Shi`s gewonnene Überheblichkeit ausnutzte, indem er seinen Angriff blockte,
einen Angriff vortäuschte und stattdessen von einer ganz anderen Seite mit
seiner Klinge angriff, die bereits leicht blutig war. Shi riss überrascht die
Augen auf, als die Klinge seine Seite durchbohrte und japste auf. "Man sollte
nicht so ein großes Maul haben, hinter dem nichts steckt!", lachte Kru auf und
wollte die Klinge zurückziehen, als er daran gehindert wurde. Shi hatte die
Klinge mit beiden Händen gepackt und hielt sie fest. Dass er sich dabei selbst
schnitt, schien ihm egal zu sein, aber sein siegreiches Glimmen war aus seinen
Augen verschwunden und sein Gesicht wirkte leicht verzerrt. Dann zog er mit
einer Hand, die er zuvor von der Klinge gelöst hatte, ein sensenartiges
Instrument hervor, mit dem er nach Kru ausschlug, der zurückwich und dabei die
Klinge, die noch immer von Shi festgehalten wurde, loslassen musste. Mit
verbissenem Gesicht, holte Shi zum Schlag aus und Kru machte sich auf einen Wurf
der Waffe gefasst. Doch zu seiner Überraschung fand dieser nicht statt.
Stattdessen hatte Shi die Sensenklinge auf seine Klinge niedersausen lassen, die
glatt das Metall mit einem Hieb durchschnitt. Kru`s Augen weiteten sich.
"Faszinierende Waffe.", stellte er fest und folgte dem fallenden Griff seiner
ehemaligen Klinge, der nun zu Boden fiel. Die Klingenspitze ragte nun
abgebrochen aus Shi`s Seite heraus. "Jetzt bist du fällig!", versprach der
Silberhaarige knurrend und stürzte sich auf Kru.

+~+

Aoi zuvor angegrüntes, dann wieder kalkweißes Gesicht, war nun bläulich
angelaufen, da Kato seine Hände um seinen Hals gelegt hatte und drückte.
"Stirb du kleines... widerliches...", stieß er fluchend aus und in seinem Blick
lag Wahnsinn, wie sie auch Aoi zuvor schon öfter gepackt hatte. Aoi`s Hände
hatten sich indessen auf Kato`s Arme gelegt. Doch seine Kraft reichte nicht aus,
die Wut und den Wahnsinn Kato`s zu durchbrechen. Warum sollte er es auch? Wollte
er nicht sterben...? "Leide gefälligst und freu dich nicht auf den Tod!",
giftete Kato nun, dem diese Wendung nicht gefiel und Aoi losließ, der an der
Kugel hinab rutschte und enttäuscht aufkeuchte. "Schön... dann willst du also
qualvoll sterben, hm? Stimmt. Einen schnellen Tod hast du nicht verdient!" Kato
schwankte und strich sich die Tränen, die vor Wut oder... wahnsinniger Trauer
noch immer über seine Wangen perlten, genervt weg. Erst als Aoi ihm die offenen
Handgelenke darbot und meinte, er könne mit ihm machen, was er wolle, stolperte
Kato zurück und fiel auf den Hintern.
Bestürzt schluchzte Kato auf und Aoi senkte enttäuscht die Arme.

+~+

"Nein, ihr sollt euch töten! Verdammt, warum läuft denn hier alles schief?!",
regte sich der Boss auf und versuchte aufzustehen, um sich selbst um Kato und
Aoi zu kümmern, die sich teils schluchzend gegenüber saßen und sich nicht
mehr rühren zu wollen schienen.

+~+

Hizumi setzte sich mit aller Kraft gegen die Angreifer zur Wehr und schlug auf
sie ein. Es waren viele, doch Hizumi war den Umgang mit Waffen gegen mehrere
Gegner von klein auf geübt und so bereitete ihm das ganze kaum Schwierigkeiten.
Einer nach dem anderen fiel wie die Fliegen um und verendeten vor Hizumi`s
Füßen. Der Anführer stand im Raum, schüttelte sich kurz und rannte dann los
zu der Kugel, unter der, wie er gesehen hatte, Reita begraben worden war. Sein
Herz und damit seine Gefühle schaltete er ab, wollte nicht zulassen, dass er
das, was er nun vermutlich zu sehen bekam, zu nah an sich heran ließ... Hastig
rief er einige seiner Männer herbei, da die meisten Feinde eh besiegt waren,
und zusammen schafften sie das schier Unschaffbare und schoben die Kugel von
Reita`s vermutlich völlig zerschmettertem Leib.

Doch was Hizumi als erstes sah, ließ ihn zusammenzucken. Reita lag auf dem
Bauch, das Gesicht abgeneigt und trotz des vielen Blutes schien er noch zu
leben!!! So wie es aussah, hatte die Kugel ihn nicht schon beim ersten Mal
getroffen, was seinen unweigerlichen Tod bedeutet hätte, sondern hatte ein Loch
in den Boden gerammt, in das sich Reita, nachdem er Aoi aus der Gefahrenzone
geworfen hatte, gerollt hatte, und so nicht die ganze Wucht der Kugel ab zu
bekommen. Trotzdem war er bewusstlos und Blut floss unter dem reglosen Körper
hervor.

+~+

Aoi`s Leib schüttelte sich heftig unter schier unsagbar, fast wahnsinniger
Trauer, während sein Atem unregelmäßig ging. Manchmal setzte er sogar wenige
Sekunden aus, die den Schwarzhaarigen nach Luft japsen ließen. "I-ich... w-w...
wo... llte... d-doch... n-ni... nicht, d-das e-er... si... s-sich o-opf...
opfer... t.", schluchzte er zwischendurch immer wieder auf und wischte sich die
Tränen, die immer wieder nach perlten, von den geröteten Wangen. Kato hingegen
war es egal, ob seine Tränen ihm die Sicht nahmen. Er konnte den Anblick, den
Aoi ihm bot, nicht ertragen. Nicht nur dessen Anblick, tat ihm schon fast Leid,
was er beinahe getan hätte, sondern allein dessen Antlitz ließ ihn verbissen
auf der Unterlippe herum kauen, weil die Wut oder besser: die Verzweiflung und
der Kummer doch in kurzen Abständen in ihm aufgrollten und ihn die Fäuste
ballen ließ. Zu gerne würde er seinem Gegenüber die alleine Schuld
zuschieben, doch tief in seinem Inneren steckte die erkannte und versucht zu
untergrabende Antwort: Reita hatte sich für Aoi geopfert. Nicht für ihn,
sondern für Aoi. Für Aoi, der sterben wollte, und nicht für sich selbst, der
das Leben verdient hatte. Tief in seinem Inneren wusste er, das Reita selbst
schuld daran trug. Das er sich falsch entschieden und unklug gehandelt hatte.
Dass er nun tot sei.
Doch wiederum musste er sich eingestehen, dass auch er Aoi nicht töten
könnte...
Unsicher starrte er durch seinen Tränenschleier zu dem Schwarzhaarigen, der
sich wieder an den Handgelenken zu kratzen begann. Kato wusste nicht warum, aber
aus irgendeinem Grund, sei es die Vernunft oder das näherungsweise gleiche
Schicksal, das Aoi und ihn verband, streckte Kato den bebenden Arm aus, um seine
blutige Hand auf die Aoi`s zu legen, die sofort in ihrer Bewegung erstarrte.
Verständnislos sah Aoi auf, während Kat`s Blick zur Seite wich. "Er wollte,
dass du lebst, Aoi. Also leb gefälligst, oder ich mache dir das Leben zur
Hölle.", drohte Kato halbherzig mit wenig ernstem Gesicht, was plötzlich
Ungläubigkeit und Entsetzen widerspiegelte, als Aoi fast grausam klingend
auflachte. Es klang wahnsinnig und versetzte Kato einen Stich. Wie konnte in
einem Lachen und solch eine Traurigkeit und Bitterkeit stecken, das ihm fast das
Blut gefror, wenn er es hörte?

"Hör auf... Bitte...", bat Kato mit zitternder Stimme und hielt sich die Ohren,
während sein Blick noch immer dem gleichgültig wirkenden Aoi galt. "Warum
lachst du?"

"Du hast... hast ja keine Ahnung...", antwortete Aoi mit brüchiger Stimme,
nachdem sein Lachen versiegt war. "Mein Leben ist die Hölle! Und nun wurde mir
mein einziger Anker entrissen!"

"Denkst du etwa, mir nicht?!", giftete Kato sogleich und biss sich auf die
bebende Unterlippe.

Aoi wirkte bestürzt und senkte den Blick. Schüttelte den wirren Kopf. "Das
tut... tut mir ehrlich Leid. Das wusste ich nicht... und... ich kenne dich auch
nicht, aber niemand wünsche ich dieses Schicksal. Es ist ganz allein... ganz
allein meine Schuld."

Nun blinzelte Kato doch seine Tränen nieder und argwöhnisch musterte er Aoi`s
Gesicht. "Inwiefern...?", wollte er mit grollender Stimme wissen und hatte die
Augen zu Schlitzen verengt.

Unverständlich öffnete Aoi den Mund, bevor er weit mit den Armen ausholte.
"Das hier...! Nur wegen mir! Wie du schon sagtest... Alle um mich herum sterben!
Ich bin schuld! Ich... i-ich weiß gar nicht, wie ich das wieder... wieder gut
machen soll.... Das alles!", führte er seine Aussage fort und vergrub
anschließend sein Gesicht in den Händen. "I-ich will n-nicht mehr..."

Noch unverständlicher als zuvor starrte Kato den Schwarzhaarigen an. Dann ließ
er grübelnd seinen Blick gleiten und als ihm vergangene Wortfetzen Shis in den
Sinn kamen, riss Kato ungläubig die Augen auf. "N-nein...", murmelte er mit
halb erstickter Stimme. "Wir... wir sind wegen Reita hier...", fiel ihm auf und
schlug sich die Hände vor den Mund.

All seine Freunde... sein Geliebter... Matsuda... alle waren sie Shi zum Opfer
gefallen, weil sie Reita kannten!
Nur er hatte eine besondere Rolle inne, weshalb er als einziger wohl noch lebte,
wenn auch ungewollt.

"W-wie...?!", stieß Aoi entrüstet und verständnislos zugleich aus. Sein Atem
hatte sich inzwischen wieder fast gänzlich beruhigt.

Doch Kato antwortete ihm nicht. Auf einmal schien alles klar zu werden... Warum
sie hier waren... Warum sie sterben mussten... Und jetzt konnte er Reita nicht
einmal mehr dafür verantworten! Mit ausdrucksleeren Blick starrte Kato an die
blutige Wand, an dem sein Liebster hing. Tränen trübten erneut seine Sicht.
"Und so hat der dir den Tod gebracht, dem du ein Leben schenken wolltest...",
murmelte Kato fassungslos. "Ein... ewiger Kreislauf...?", setzte er dem hinzu
und versuchte aufzustehen. "Väter... Mütter... wie sie ihre Kinder töten.
Männer... Frauen... wie sie ihre Geliebten umbringen und die Geliebten ihrer
Geliebten... Freunde und Freunde... Feinde und... Feinde... Krieg... Betrug
gleich innerer Tod... Ist das uns Menschen vorbestimmt? Müssen wir töten?
Müssen wir...", brabbelte Kato hastig und die Gedanken überschlugen sich in
seinem Kopf. "War unsere Liebe bereits so vorbestimmt, bevor ich dich kennen
lernte?", fragte er sich und wankte auf seinen toten Geliebten zu, der leblos
und mit einer Clownsmaske bestückt an der Wand hing.

Während Kato versuchte den Sinn seiner Liebe zu verstehen, schaukelte Aoi in
seiner sitzenden Bewegung vor und zurück. Umfasste dabei mit zitternden Händen
seine bebenden Knien.
"... Menomaeni wa iki wo hikitotta kimi hannou no nai kara mugon ga tada itai...
Kimi no egao... kimi no koe... kimi no karada... kimi no boku... kimi ni mou
aenai... Tanoshikatta hibi wa zutto... mune no oku de ikiru kara...", sang er
leise und schluchzend vor sich hin, während sein Blick fast mechanisch zur
Seite glitt, als Hizumi an ihm vorbei stürmte. Doch Aoi reagierte nicht. Sagte
nichts, tat nichts... bis auf diese kleinen Zeilen zu singen, die ihm auf der
Zunge lagen und die seine Gefühle wohl am besten beschrieben.

Gerade als das letzte Wort seine Lippen verließ, stockte sein Atem und jegliche
Bewegung seines Körpers, als er wahr nahm, wie so viele dieser Männer in
Schwarz eine dieser Kugeln zu bewegen versuchten. Der Nebel in seinem Hirn
verschwand und machte plötzlicher Leere platz. Mit offenem Mund fiel er vorn
über auf die Knie und stemmte seinen schwachen Körper mit den ebenso bebenden
Händen vom Boden ab. Und dann, allmählich, erbebte der Boden unter der
Bewegung der Kugel und Aoi hätte beinahe sein Gleichgewicht verloren und wäre
endgültig mit dem Boden kollidiert, wenn er sich nicht rechtzeitig unter
Kraftanstrengung auf den geschundenen Handgelenken gehalten hätte. Neugierig,
mit immer schneller schlagendem Herzen und immer kürzer werdenden Atemzügen,
krabbelte der Schwarzhaarige Hizumi entgegen. Was er sich erhoffen sollte,
wollte er sich nicht denken und was er zu sehen bekam, entriss ihm einen
entsetzten Laut.

Da lag er... Reita... tot?!

Das viele Blut, welches Reita`s Körper entlief, ließ ihn schwanken und
aufwürgen. Reflexartig hielt er sich eine Hand vor den Mund und knickte dadurch
endgültig unter der Last seines Körpers zusammen. Entsetzt starrte er zu
Reita, war keines Wortes und Gedanken fähig. Nur Hizumi, der in seiner Nähe
stand, wurde auf ihn aufmerksam, weil er seinen rechten nicht eingeknickten Arm
nach dessen linkem Bein ausgestreckt hatte und es am Knöchel locker umfasste.
Haltsuchend. Hilflos. Während seine Augen noch immer starr geradeaus gingen.

+~+

Hizumi bemerkte die leichte Bewegung Aoi`s, der sich an seinen Knöchel
klammerte und ihn festhielt. Sanft löste er Aoi`s Finger und zog ihn hoch in
seine Arme. Kurz drückte er ihn an sich und streichelte ihm über den Rücken.
"Aoi... es wird alles gut... Bleib sitzen, ja?", sagte er leise und ließ ihn
dann wieder los, beugte sich über Reita und drehte ihn vorsichtig auf den
Rücken, sah erst jetzt voller Entsetzen, dass sich ein Rohr in Reita`s Brust
gebohrt hatte und das Blut unaufhaltsam aus der Wunde und Reita`s Mund floss.
Aber er lebte!!! Hizumi schützte Reitas Körper vor Aoi`s Blicken und beugte
sich hastig über ihn. Nun kam ihm seine Ausbildung im Erste-Hilfe-Kurs zugute
und schnell sah er, dass Reita`s Lunge mit Blut gefüllt war... Es gab nur einen
Weg ihn zu retten... Durch eine Punktur der Lunge... Sonst würde Reita an
seinem eigenen Blut qualvoll ersticken. Hizumi sah sich hastig um, griff ein
abgebrochenes, spitzes Eisenteil, zückte sein Feuerzeug, versuchte die Spitze
so gut es ging zu desinfizieren und stieß die Spitze dann in Reita`s Lunge, so
dass das Blut aus der Verletzung schoss und die Lunge nicht mehr füllte...
Reita bäumte sich auf und rang nach Luft.

+~+

Am ganzen Leibe zittern, starrte Aoi aufgelöst über Hizumi`s Schulter hinweg,
welcher ihn in seinen Armen hielt und versuchte etwas zu beruhigen. Seine Lippen
bebten und als Hizumi`s Worte von weit her, wie ihm schien, an sein Ohr drangen,
verkrampfte er automatisch seine Finger um Hizumi`s Schultern und versuchte
zumindest ein Wort des Protestes zu verkünden! Doch kein Wort purzelte über
seine Lippen und sowie er zurück auf dem Boden abgesetzt wurde, biss er
verzweifelt auf diese. Er wollte doch helfen und nicht untätig rumsitzen! Warum
war er nur so schwach?! Und... warum waren immer noch alle so... lieb... zu ihm?
Er hatte diese Empfindungen doch gar nicht verdient, oder...? Er war doch nur
ein Last für jedermann und der Verursacher dieses ganzen... Konflikts! Oder...?
Kurz schwankte sein unsicherer Blick mit flatternden Lidern zu Kato, der noch
immer wankend seinem Liebsten entgegen stolperte. Rei...? Reita soll Schuld
sein? Der Schwarzhaarige brauchte nicht lange, um abgeneigt den Kopf darüber zu
schütteln. Nie und nimmer! „Er soll leben! Bitte!!!“, flehte er wieder
unter kommenden Tränen und wandte sich wieder Reita und Hizumi zu, der ihm die
Sicht auf seinen Liebsten versperrte. Wieder wollte er zu einem Protest
aufbegehren, doch verloren die Worte auf den Weg zu seinem Mund an Kraft und bis
auf heißem Atem kam nichts über seine Lippen. Verdammt, nein! Einen Schock
könne er am wenigsten gebrauchen! Reita brauchte ihn doch! Dieser Dussel...
Dieser verdammte... verliebte... Dussel, den er über alles liebte und am Leben
sehen wollte! Mehr als sich selbst lebend zu sehen! Warum tat die Liebe nur so
verdammt weh?!
Lebte er?! Lebte sein Reita noch?! Ja sein, denn er hoffte, ihn noch sein nennen
zu dürfen, sofern er dies noch wollen würde. Denn wenn er erfahren würde, was
er ihm angetan hat... Aoi wusste nicht, was dann geschehen würde... Er wollte
sich das Ende gar nicht ausmalen! Er konnte es nicht, wollte es nicht, denn es
tat so weh, darüber nachzudenken!
„Nein... Nein, verdammt! Reita... Lebst du noch?!!“, wollte er hilflos
wissen und versuchte an Hizumi vorbei zuschauen, wobei er sich wieder mit den
Händen am Boden abstützen musste. Doch dieses Mal zuckte er vor dem Schmerz an
seinen Handgelenken zurück in die Senkrechte und sein verzweifelter Blick
festigte sich auf die Schnitte, die er sich dort teilweise selbst zuzuschreiben
hatte. Dann, die Zähne fest zusammen beißend und den Kopf vor seiner
Schwachheit zu schütteln, versuchte er erneut an Hizumi vorbei zuschauen, dabei
den Schmerz ignorierend, doch dessen breiter Rücken mit zusätzlicher
Schutzweste verhinderte ihm den vollständigen Blick auf das Geschehen. Selbst
Reita`s Brustkorb blieb ihm verborgen, der ihm wenigstens sagen könnte, ob sein
Geliebter noch lebte!
Aufschnaufend vor Anstrengung, versuchte Aoi nach dieser enttäuschenden
Feststellung, vorwärts zu robben, obwohl seine offenen Wunden über den
dreckigen Boden schürften und kleine Eisensplitter der Kugeln diese noch
verschlimmerten, doch nichts ließ ihn Ruhe geben, bis er nicht wenigstens
wusste, ob Reita noch lebte und ob er irgendetwas tun könnte! Sein Schmerz war
nicht vergleichbar mit dem Reita`s!

Dann, gerade als sich Reitas Brustkorb allmählich in sein Blickfeld schob, sah
er diesen gefährlich aufbäumen und hörte Reita atmen! Mit Purzelbäume
schlagendem Herzen, mit hastigem Atmen und vor Erleichterung zuckenden
Mundwinkeln robbte Aoi weiter und weiter. So lange, bis er endlich Reita
erreicht hatte und die Wut der Zerstörung sich vor seinen Augen entfaltete.
Die Erleichterung wich augenblicklich und machte dem Entsetzen platz. Sein Blick
war auf Reita`s Brust fixiert, aus jener ein Rohr ragte. Nicht wissend, wie er
diesen Schaden beheben sollte, was er tun sollte, um sich zu vermitteln,
streckte Aoi die bleiche Hand aus, um Reita`s Wange zu berühren und liebevoll
darüber zu streichen. „Wie kann ich dir nur helfen, Reita?! Bitte, sag doch
was! Bitte ruf doch jemand einen Krankenwagen! Er soll leben! Leben!!!“

+~+

Hizumi handelte professionell und schnell. Als Aoi`s Hand sich in sein Blickfeld
schob, wandte er den Kopf zu ihm, nickte ihm aufmunternd zu und bedeutete dann
aber einem seiner Männer, Aoi von hier fort zubringen, weil er den Platz
brauchte. So wie Reita da lag, war er auf keinen Fall transportfähig. "Tücher,
schnell!!", befahl er. Auf Hygiene konnte er leider gerade keine Rücksicht
nehmen. "Macht ein Auto fertig! Und baut eine Trage! Wir müssen ihn hier
irgendwie raus schaffen!"

Aoi`s Augen weiteten sich. Was...? Von hier fortbringen?? „Das kann er nicht
machen! Ich muss doch... hier bleiben! Hier bei Rei!“, dachte der
Schwarzhaarige und schüttelte verneinend den Kopf, selbst als er überraschend
von zwei Männern unter den Armen gepackt wurde und auf die Beine gezogen wurde,
die noch immer wabbelig waren. Doch sich gegen die starken Männer Hizumi`s zur
Wehr zu setzen, scheiterte bereits daran, das Aoi zu schwach war. Je weiter er
von Reita gebracht wurde, desto hoffnungsloser wurde sein eigentliches Vorhaben
ihm zu helfen. Er geriet ins Stolpern, als er den Kopf soweit wie möglich nach
hinten verrenkte, um etwas sehen zu können. "Hey!", wurde er von den beiden
angeschnauzt, die ihn hielten. Doch Aoi verblieb in dieser Position. Sollten sie
ihn doch endlich loslassen, wenn sie sich über seine Haltung beschweren wollen!
Und es wurde noch schlimmer...
Als er sah, wie Tsukasa, der sich das Blut von den Fingern leckte, auf Hizumi
und Reita zuwankte, wurde ihm ganz mulmig zu Mute und kam wieder ins Stolpern.
„Weg von ihm!!!“, hätte er am liebsten geschrien, doch bis auf heiße Luft,
kam nichts aus seinem Mund. Er kam sich so verdammt hilflos vor, dass es weh
tat. Nicht mal einen erschrockenen Laut konnte er ausstoßen, als er plötzlich
losgelassen wurde, etwas nach vorne wankte und drohte umzuknicken, sich dann auf
einmal einer der Jungs, die ihn zuvor gehalten hatte, ihm zu wandte, was Aoi
ängstlich zurückspringen ließ und nun nach hinten kippen ließ, dieser dann
mit einer schnellen Bewegung und die Knie ging, während er Aoi Armgelenke
packte, ihn zurückzog, was Aoi das Gesicht vor Schmerz verzerren ließ, der
Mund zu einem tonlosen Schrei geöffnet, er an den Fremden gezogen wurde und mit
einem kräftigen Ruck sich nun halb über dessen Schulter hängend befand. "Und
jetzt halt gefälligst still!", knurrte der Fremde, der seinen rechten Arm um
Aoi`s Kniekehlen geschlungen hatte, um ihn festzuhalten. Doch Aoi konnte nicht
still halten. Panik und Entsetzen hatte ihn diese Lage eingebracht. Sein Gesicht
war blass geworden und sein Körper bebte. Wo brachten sie ihn hin?! Sie sollten
ihn runterlassen! „Nicht anfassen!!!“, hätte er am liebsten geschrien und
strampelte ängstlich mit den Beinen. "Jetzt hör schon auf! Wir wollen dir doch
nur helfen!", knurrte sein Träger und ging mit Anhang, die sich um ein Auto
kümmern wollten, weiter dem Gang entgegen, aus dem sie in die Halle gedrungen
waren.

+~

"W-wartet!", brüllte Kru, der die Anweisung Hizumis sehr wohl verstanden hatte
und ächzte auf, als Shi zum weiteren Angriff übersetzte. Inzwischen blutete er
nicht mehr nur aus einer Wunde am linken Oberschenkel, sondern auch aus
Zahlreichen im Gesicht, Oberkörperbereich und am Rücken. Auch Shi hatte
einiges wegstecken müssen. Er humpelte leicht, wies vier Krallenspuren im
Gesicht auf, die teilweise so stark bluteten und sein Gesicht zum anschwellen
gebracht hatten, das sein rechtes Auge geschlossen und vom Blut verkrustet war
und hatte ebenso zahlreiche andere Verletzungen wie Kru, der ihm während des
Gefechts die abgebrochene Klinge noch weiter in den Körper gerammt hatte.

Aois Träger wandte sich verwundert um. "Was ist?! Brauchst du Hilfe?"

"Nein! Nehmt nicht den schwarzen Jeep, der draußen steht! Nehmt ein Anderes!
Aber beeilt euch, Eines zu besorgen!"

Verwirrt über die Anweisung, nickte der Träger, wandte sich wieder dem Gang zu
und marschierte los. "Ihr habt's gehört! Beeilung!!", forderte er seine kleine
Anhängerschaft auf und wurde im marschieren immer schneller, bis er sogar
rannte, als wäre jemand hinter ihm her. Aoi`s Fliegengewicht machte ihm dabei
gar nichts aus und dessen Gezappel hatte aufgehört, je schneller er geworden
war.

+~+

Hizumi sah Aoi besorgt nach, er ahnte, dass Aoi gerade verrückt vor Angst
werden würde, doch seine Sicherheit stand an erster Stelle...
Und Reita`s Überleben. Er sah auf den reglosen Körper unter sich und seufzte
leise.
Dieses Rohr, was da aus ihm ragte, sah ganz und gar nicht gut aus...
Doch wie es schien, hatten seine Männer alles unter Kontrolle gebracht und
einige bauten auch schon eine Trage. "Beeilt euch!", fauchte er. Reita brauchte
sofort ärztliche Hilfe!
Wo war Sakamoto?! Er war in seinem früheren Leben Arzt gewesen, bevor er sich
Hizumi`s Männern angeschlossen hatte, und so hatten sie immer einen Arzt dabei,
was sehr gut war, denn die Männer kamen selten ohne Schrammen oder andere
Blessuren von einem Kampf zurück.

+~+

"Du solltest nicht so viel reden! Aber dank dir, weiß ich nun auch, wer den Ort
hier verraten hat...", knurrte Shi und knickte ein, was ihn das Gesicht
verzerren ließ.

"Darüber wirst du dich nicht allzu lange mehr freuen können! Du bist erledigt!
Sieh es ein!"

"Niemals!", erwiderte Shi knurrend und richtete sich auf, um sich die mit Blut
bespritzten Haare aus dem Gesicht zu streichen. "Ich werde mich fürchterlich
rächen!", setzte er noch hinzu und spuckte Blut auf den Boden. Dann sah er mit
ernstem und hasserfülltem Gesichtsausdruck in Kru`s Gesicht, der den Kampf
endlich beenden wollte, um Hizumi zur Seite zu eilen.

"Du nervst mich!", stieß Kru aus und setzte zum Sprint auf Shi an, der in eine
Angriffsstellung überging, während er möglichst unauffällig nach seinen zwei
sich auf den Rücken gebundenen Messern griff, die bisher noch unsichtbar für
Kru geblieben waren. Als dieser nah genug war und zum Sprung ansetzte, um Kru
umzunieten und ihm den Todesstoß zu verpassen, da setzte Shi zum plötzlichen
Gegensprung an, duckte sich unter Kru`s Armen hindurch und versuchte
anschließend, während er mit Kru zusammen nach dem Zusammentreffen zu Boden
fiel, ihm die Messer in die Brust zu rammen. Allerdings erkannte Kru den Angriff
frühzeitig und versuchte Shi die Messer aus den Händen zu schlagen, was ihm
nur bei einem Arm gelang, das ihm der Aufprall mit dem Boden zu viel
Koordination genommen hatte. Die rechte Hand jedoch schaffte es, das Ziel zu
verfolgen, wenn auch ein wenig abseits dessen, und ließ Kru vor Schmerz
aufschreien.
Shi jedoch erfreute sich nicht weiter an Kru`s Leid oder versuchte gar ihn
umzubringen, was ihm dank Kru`s Zähheit so schnell nicht gelingen würde, wie
er entschied, und wählte den schützenden Ausweg: die Flucht!

Eiligen Schrittes und mit zusammengebissenen Zähnen, lief er der Mauer
entgegen, hinter der das Meer lauerte.

Kru ächzte, während er versuchte aufzustehen. „Mist!“, fluchte er und
suchte die Halle nach Shi ab. Verwundert hob er die Brauen. „Was hat er denn
jetzt vor?!“, fragte er sich verwirrt, hatte sich aufgerichtet und humpelte
los, um den Verrückten einzuholen.

Dieser zog gerade aus seinen inneren Manteltaschen eine Granate hervor,
aktivierte sie und schmiss sie im hohen Bogen der Wand entgegen, an dem noch die
Toten hingen. Anstatt in Deckung zu gehen, ging Shi unbeirrt weiter, während
Kru eine Warnung an die übrig gebliebenen Männer brüllte und hinter der
zweiten Eisenkugel in Deckung ging.

Es gab eine gewaltige Explosion. Körperteile und Mauerreste flogen umher,
prallten jedoch an den Kugeln ab, die Hizumi und die anderen schützten.

Als der Sturm vorüber war, kam Kru hinter der Eisenkugel hervor gehumpelt und
bemerkte fluchend das nicht Vorhandensein Shis, der sich das entstandene Loch
der Mauer zu Nutze gemacht hatte und über die Klippe gesprungen war.

"Verdammt! Dieser miese, kleine... Ich hoffe, du bist in den Tod gesprungen!",
bellte Kru, wandte sich knurrend ab und humpelte nun stattdessen zu Hizumi, der
zu seiner Erleichterung unversehrt geblieben war. Doch was ihn störte, war
Tsukasa, der Hizumi schweigend seine Taschentücher für verlaufende Schminke
und Stofffetzen reichte, die er den Toten entrissen hatte. Misstrauisch beäugte
er ihn, bevor sein Blick zu Reita glitt. "Brauchst du Hilfe?", wollte er sofort
wissen und versuchte sich hinzusetzen. Er zischte schmerzhaft auf, als Tsukasa
über seinen verletzten Oberschenkel strich. "Finger weg! Hast Glück, dass du
noch lebst.", zischte Kru und erntete ein entrüstetes Schnauben. Doch das war
ihm egal. Viel mehr interessierte es ihn, ob Hizumi Hilfe, egal welcher
Hinsicht, benötigte.

+~+

Tsukasa wiegte den Kopf. "Dank meiner Fähigkeiten lebe ich noch, hai~", sagte
er, schenkte Kru einen trotzigen Blick, ehe er sich damit beschäftigte, sich
das Blut von den Händen zu wischen und beiläufig zu erwähnen, dass er dies
auch ohne Kru`s Hilfe geschafft habe. Dann reichte er Hizumi die Tücher.
Kru ignorierte die provozierenden Versuche mit eisiger Miene und nickte Hizumi
zu. "Wie ich sehe, bist du auch unverletzt. Das ist gut.", meinte er und
versuchte ein freudiges Grinsen, welches jedoch sogleich wieder erlosch, als er
den entsetzten Ausdruck in Hizumi`s Augen erkannte, die dieser über ihn wandern
ließ. "Hizumi, mir geht es gut. Besser als dem hier.", grummelte er und deutete
auf Reita. Dann nickte er ergeben und wollte schon aufstehen, um Sakamoto zu
suchen, als Hizumi die Anweisung, dies zu erledigen, auf Tsukasa übertrug und
Kru sich wieder niederließ. Dabei ächzte er leise auf. Nun erhob sich Tsukasa
graziös von seinem "Ehrenplatz" neben Hizumi, brummte etwas unzufrieden und
machte sich auf die Suche nach dem Arzt. Als er diesen über einem ihrer
Gefallen, einem Frischling in ihrer Bande, entdeckte und ihn den Kopf schütteln
sah, spitzte er enttäuscht die Lippen über dieses Frischfleisch und schickte
Sakamoto mit einer kleinen Verbeugung zu Kru und dem verletzten Reita. Sakamoto
hatte so etwas wie eine Sonderstellung, da er für sie besonders wichtig war.
Deshalb musste jeder von ihnen, dem Arzt ihren Respekt zollen. So hatte es
Hizumi angewiesen und daran hielt er sich, wenn auch meist widerwillig.
Zumindest in dessen Anwesenheit...

Die Männer, die aus Not zu Knochen derjenigen griffen, die sich von der kleinen
Explosion von den Wänden gelöst hatten, um Reita eine Trage zu bauen,
verknoteten die Enden in Eile mit dem Stoff ihrer verschwitzten Hemden. Die
Ausrüstungen hatten sie dazu vorerst von sich geworfen. "Zieht eure Hemden
aus!", wies einer unter ihnen an und knotete alle Hemden, die er daraufhin
bekam, quer über die rechteckige Tragefläche, die er mit den anderen
geschaffen hatte, um diese zu verstärken.

+~+

"Dieser verdammte Nichtsnutz von Shi! Lasst mich gefälligst los! Wisst ihr
nicht, mit wem ihr es zu tun habt?!", fragte der Boss mit wütender Stimme und
sah sich nach seinen Männern um, die er nirgends entdecken konnte, während er
versuchte, sich durch kräftige Bewegungen von den Fremden loszumachen, die ihn
festhielten und zu Boden drückten. "Hizumi?! Dürfen wir den Fetten
umbringen?", riefen stattdessen Hizumi`s Männer, die den Boss und seine Worte
ignorierten. "Ich bin nicht fett! Wagt es euch noch einmal-" "Fett!", brüllte
ihm einer ins Ohr und ließ den Boss vor Schreck zusammen zucken. "Na wartet,
wenn ich-" "Du tust hier gar nichts!" Der Boss knurrte und dachte darüber nach,
was er noch tun könnte.

"Gut, wie viel wollt ihr?", wollte der Boss mit ernster Stimme wissen, doch
erhielt er dafür nur einen Hieb in den Rücken, was ihn vor Schreck und Schmerz
aufschrien ließ. "Das... war nicht nötig gewesen! Was wollt ihr dann haben?!"


"Checkst du's nicht, Alter?!", giftete ihn einer an und trat ihn in die Seite.
"Wir wollen kein Geld! Es geht hier um viel mehr!"

"Wohnungen? Inseln? Sagt schon! Aber lasst mich gehen!"

"Du gehst hier nirgendwo hin außer ins Gefängnis oder in den Tod!", antwortete
einer aus Hizumi`s Reihen.

+~+

Hizumi hob den Kopf, als Sakamoto schon angerannt kam und sich um Reita
kümmerte.
Er nickte anerkennend zu Hizumi, dieser hatte dem Blonden das Leben gerettet.
Hätte er das nicht getan, wäre Reita wohl einfach an seinem eigenen Blut
erstickt.
Endlich kamen auch die Männer mit der Trage. Sakamoto gab ihnen die Anweisung,
das Rohr stecken zu lassen.
Es barg zwar die Gefahr einer Infektion, doch würden sie es rausziehen, würde
Reita sofort verbluten... So verhinderte das Metall, dass er zu viel Blut
verlor.

+~+

Die zwei Männer, die den Boss an den fetten Handgelenken festhielten und
jeweils einen Fuß gegen dessen Rücken stemmten, sahen bösartig grinsend auf,
als Hizumi näher trat. Sie liebten es, ihr Vorbild in Aktion zu sehen...

+~+

Hizumi erhob sich, er wusste, dass Reita von nun an in den Händen des Arztes
besser aufgehoben war. Langsam trat der Anführer vor den Boss und spuckte ihm
angewidert ins Gesicht.
"Dass so jemand wie du eine Daseinsberechtigung hat, kann ich absolut nicht
verstehen!", knurrte er. Seine Augen waren schmale Schlitze, in denen die
Mordlust funkelte.
Doch er durfte dieses Schwein nicht töten... Er hatte es Sakito versprochen...

Wütend holte er aus und schlug dem Fetten die Faust ins Gesicht, was seine Nase
brechen ließ.
Mit deutlicher Genugtuung spürte er das Blut an seinen Händen.
Er durfte ihn zwar nicht töten, aber das wusste der Boss ja nicht...
Grinsend kam er näher und legte den Kopf schief.
"Na? Was meinst du? Soll ich dir das antun, was du allen hier angetan hast?
Soll ich diesen Baumstamm da hinten in dich rammen?!
Oh ja, das klingt gut...
Und danach werde ich deine Haut in kleine Streifen schneiden...
Du ahnst ja nicht, wie lange ein Mensch überlebt, wenn man nur geschickt genug
ist.
Und glaub mir, ich bin geschickt... Du wirst weder sterben noch das Bewusstsein
verlieren.
Und ich habe Zeit...
Viel Zeit..."
Der Blick in Hizumis Augen war nur als wahnsinnig zu beschreiben und auch sein
unheilvolles Grinsen versprach ganz und gar nichts Gutes.

+~+

Sakamoto, der inzwischen auch bei der Meute angelangt war, erkannte das Unglück
Krus und Reitas, wies die Männer an, Reita auf die Trage zu hieven und
kümmerte sich derweil notdürftig um Kru, der die Behandlung widerwillig
zuließ und gab währenddessen lebenswichtige Anweisungen, die die anderen zu
versuchten, Folge zu leisten.

Neidisch sah Kru ihrem Anführer hinterher und erhielt eine Schelte vom Arzt,
als er aufstehen wollte, um mitzuhelfen.

Die Trage erhob sich. Zwei etwas kürzere Männer gingen zur Vorsicht unter der
Trage und würden den Verletzten zur Not auffangen. Sakamoto klopfte Kru auf die
Schulter, stand auf und eilte dem Zug nach, der sich dazu anschickte, Reita aus
der Burg zu tragen. Die wenigen, die nichts zu tun hatten, sammelten die
Ausrüstungen und Beweisstücke über ihre Anwesenheit ein und liefen der Trage
hinterher.

+~+

Kru richtete sich mühsam auf. Das Messer, welches sich zuvor noch in sein
Fleisch gebohrt hatte, steckte noch immer und ließ ihn weiterhin humpeln.
Sakamoto würde ihn im Unterschlupf näher verarzten. Solche Verletzungen
brauchten Zeit. Auf seinen Fuß hatte er ebenso nicht näher eingehen können,
aber zumindest wurden die gröbsten Verletzungen, die stark bluteten,
notdürftig verarztet und bandagiert. Auf Desinfektionsspray hätte er jedoch
gerne verzichten können...
Wie er es hasste, verletzt und schwach zu sein!
Mit grimmiger Miene machte er sich daran, die Spuren, die sie im Staub
hinterlassen hatten, mit dem gesunden Bein zu verwischen.

+~+

Als Hizumi dem Boss ins Gesicht spuckte, mussten die Männer auflachen.

Der Boss jedoch fluchte angewidert und versuchte sich erneut zu befreien. "Na
warte, das w-", wollte er ihm drohen, schrie jedoch erschrocken auf, als die
Männer hinter ihm beinahe die Arme auskugelten und jeweils ein: "Wir warnen
dich! Mach unseren Boss nicht an!", drohend in die Ohren brüllten, was ihn
zusätzlich zusammen zucken ließ.
Als der vor ihm stehende Mann und Anführer dieser Bande zugleich, zu Sprechen
begann, schnellte sein Blick grimmig zu diesem auf, um sich ein weiteres Gesicht
seines Hasses einzuprägen. "Nie davon gehört, dass das Böse auch spielen
will?", zischte er und erwiderte den gefährlichen Blick. Jedoch konnte der Boss
seinen nicht allzu lange halten, da er die Mordlust in dem anderen spürte. Doch
er durfte nicht klein bei geben! "Mit mir könntest du der mächtigste Mann in
der Unterwelt werden. Kein Interesse?", fragte er deshalb, um seine Macht zu
verkaufen, sein Leben zu sichern und somit vielleicht einen der bisher schon
mächtigsten Männer im Underground Tokios als Beschützer zu wissen. "Ich
könnte dich überall bekannt machen. Nicht nur in Tokio, Hizumi." Natürlich
kannte er ihn. Musste er, wenn er Macht in Tokio ausüben wollte. Doch ihn
tatsächlich einmal anzutreffen, hätte er nicht gedacht. Denn normalerweise
sollten ihn seine Männer davon abhalten, Bekanntschaft mit solchen Leuten zu
machen, die ihm gefährlich werden konnten. Doch wo waren diese Männer, wenn
man sie brauchte?! Richtig...
Tot! Diese Nichtsnutze...
Doch das nächste, was ihn überraschend traf, war die Faust dieses Mannes, den
er gerade für sich gewinnen wollte. Fuck!
Knurrend spuckte er Blut und kniff die Augen vor Schmerz zusammen. „Na und?!
Sowas erlebst du nicht zum ersten Mal. Das geht wieder...“, dachte er.
"Soll das deine Antwort sein?", fragte er ein wenig pfeifend, da seine Nase
gebrochen war und bemerkte voller Misstrauen und zunehmender Angst, wie Hizumi
ihm grinsend näher kam.
Er senkte den Blick, versuchte sich von seiner Belustigung nichts anmerken zu
lassen. Jedoch konnte er sich ein unterdrücktes Auflachen nicht verkneifen.
"Ich dachte eigentlich, du übst deine Macht nicht in dem Stil wie ich aus,
indem du deinen Schwanz in den Hintern anderer rammst? Falls du es noch nicht
gehört haben solltest... Ich bin zwar nie derjenige, der einsteckt, aber
durchaus Gefallen daran findet. Glaubst du, DU kannst MIR mit solchen Dingen
drohen?", fragte er und musste voller Belustigung grinsen.
Als Hizumi jedoch fort fuhr, erlosch dieses Grinsen und seine Augen formten sich
zu Schlitzen. Was sollte das? Wollte er ihn mit seinen eigenen Mitteln quälen?
Gut, die Vorstellung, seine Haut zu verlieren, war unfein, alles weitere, was
Hizumi ihm androhte, konnte er sich gut vorstellen... und Entzücken fand er
nicht gerade daran. Das musste er schon zugeben. Doch... würde er so oder so
sterben.
Wenn es auf diese Weise geschehen sollte, dann wäre es immer noch angenehmer,
als wenn Shi sich um ihn "kümmern" würde. Und all das, was andere mit ihm tun
würden, wurde dadurch weniger schlimm...

Sein Gesicht zeigte widerwillige Aufgabe. "Dann fang schon an... ", meinte er
und hob abrupt den Kopf, als er Helikoptergeräusche wahrnehmen konnte. Seine
Mundwinkel bogen sich nach oben. "Wenn du dazu noch Zeit findest...", ergänzte
er und stieß einen überraschten Laut aus, als er auf die Beine gerissen wurde.


+~+

Hizumi ließ sich von den Drohungen des Bosses nicht schrecken.
Dass dieser versucht hatte, ihm Macht zu verschaffen, das passte zu ihm.
Der drohende Tod verwandelte selbst gestandene Männer zu weinenden Kindern, die
plötzlich Angst hatten.
Hizumi wandte sich angewidert an den Boss. "Du bekommst, was du verdienst.
Und ich hoffe, dass möglichst viele Zugang zu deiner Zelle bekommen, glaub mir,
dafür sorge ich höchst persönlich!", knurrte er, grinste böse und überließ
den Boss dann wieder seinen Männern.

Der Boss erwiderte Hizumi`s Drohung nur mit Schweigen, bevor er sich von den
Männern, die ihn hielten, zum Ausgang schubsen ließ, sodass er mehrmals dabei
auf die Knie fiel, bevor er wieder grob hoch gerissen wurde.

+~+

Nikita näherte sich dem Geschehen. Den Männern, die Reita begleiteten und
trugen, hatte er bereits gewarnt. Auch er nahm die Geräusche von außen war.
Wurde noch schneller.

"Hizumi!", rief er und ruderte mit den Armen, um seine Aufmerksamkeit und die
der anderen zu erhalten. "Die Polizei kommt! Schnell! Ihr müsst hier raus!",
teilte er ihnen mit und rannte auf Kru zu, der, wie er feststellte, etwas
humpelte, um ihn, wenn er es zuließe, zu stützen. Doch wie erwartet, zischte
dieser auf und deutete auf Kato und den toten Matsuda. "Hilf mir lieber mit
denen! Die müssen hier auch noch raus!"

Nikita nickte und wandte sich Matsuda zu, als er sah, wie Kru auf Kato zu
humpelte. Grummelnd schüttelte er den Kopf. „Dickschädel.“, betitelte er
den Schwarzhaarigen, grinste jedoch.
Als er bei dem etwas ramponiert aussehenden Matsuda anlangte, untersuchte er
dessen Puls und seufzte. Dieser Mann hatte es eindeutig nicht geschafft.
Er packte sich ihn, nahm ihn über die Schulter und sammelte beim hinauslaufen
noch einer ihrer getöteten Anfänger auf. Sie hatten in den letzten Monaten
ziemlichen Andrang gehabt, aber noch grün hinter den Ohren gewesen, weil sie es
gewagt hatten, sich Hizumi`s Anweisung zu widersetzen und in den Kampf zu
ziehen. Warum war ihm das nicht eher aufgefallen?!

Dann sah er Hizumi, der von seiner Warnung wohl nichts gehört hatte und
wiederholte seine Worte, als er ihn erreichte.

+~+

"Hey! HEY! Geh von dem Toten weg und komm her hier! Hast du nicht gehört?! Die
Polizei kommt!"

"L-lass mich...!", knurrte Kato, schubste Kru halbherzig von sich und nahm
wieder die längst erkaltete Hand seines Liebsten in seine Zitternde. Sein
Sehnsüchtiger, etwas irrer Blick galt der lächelnden Maske, die der Tote
trug.

"Bist du nicht auch ein Bandenmitglied? Auch wenn wir nicht zu einer Bande
gehören, müssen wir jetzt zusammenhalten! Komm schon!"

"Nein, schon längst nicht mehr. Du siehst doch... meine Familie hängt hier...
Also bleibe auch ich hier..."

"Du spinnst doch! Jetzt komm oder ich lass dich stehen!"

"Dann lass mich doch stehen!", keifte Kato mit Tränen in den Augen und boxte
auf Kru`s schmerzende Brust ein, sodass dieser ein Auge vor Schmerz zusammen
kniff, während er den anderen an den Handgelenken packte.

"Hizumi, muss ich den überhaupt mitnehmen?!", wollte Kru genervt wissen und
störte sich nicht weiter an den Todesflüchen und -wünschen Katos.

+~+

Hizumi drehte sich zu Kru um. Innerlich machte er sich wirklich Sorgen um seinen
Freund und rechte Hand.
Doch er würde erst Zeit haben, sich um ihn zu kümmern, wenn sie endlich wieder
in ihrem Unterschlupf waren... Zeit wurde es... Sein Blick fiel auf den sich
wehrenden Kato und er ging zu ihm. "Beruhige dich. Niemand wird hier
zurückgelassen. Du wirst genug Zeit haben, dich von deinem Freund zu
verabschieden, aber jetzt musst du mitkommen. Sonst wirst du ins Gefängnis
gesperrt und kannst dich nie mehr von ihm verabschieden."
Hizumi hoffte, dass das die richtigen Worte waren, um den Jungen zum Mitkommen
zu bewegen und davon abzuhalten, Kru weiter weh zu tun...
Dann nickte er auf Kru`s Frage hin. "Ja, er kommt mit uns, Kru.", befahl er.
Erleichtert bemerkte er, dass endlich alle Vorbereitungen getroffen waren, um
Reita aus dem Schloss zu schaffen und nun gönnte er sich eine kurze Pause und
atmete durch.

Genau da kam Nikita auf ihn zu und warnte ihn vor der Polizei...
"Verdammt, beeilt euch! Alles wird mitgenommen, was auf uns schließen lässt,
nehmt unsere Leute mit, die es nicht geschafft haben! Schnell! Beeilt euch!",
brüllte er, so dass jeder seiner Männer es deutlich hören konnte und packte
selbst mit an, um alle Spuren zu vernichten.
Tsukasa warf er einen warnenden Blick zu, er wollte sich nicht mit seinen
Eskapaden rumärgern, sondern erwartete, wie von jedem seiner Männer, dass sie
seinen Befehlen bedingungslos gehorchten.

+~+

Kato, der nun auch von einem zweiten Fremden angesprochen wurde, wich zurück
und streckte die Arme von sich, um seinen Liebsten in Schutz zu nehmen. Seine
Augen waren misstrauisch und ängstlich zugleich aufgerissen, während er mit
seinen schwachen Gliedern zu kämpfen hatte, die ihn stark zittern ließen. Als
Hizumi geendet hatte, zog sich Verwirrung über Kato`s Gesicht. "W-warum
sollte... sollte ICH ins Gefängnis?! Seit vielen Jahren schon, sind wir nicht
mehr das, was wir mal waren! Haben niemanden etwas mehr getan! Die haben mich
nie bei den Aktionen meiner Freunde, meiner Familie, gesehen! Ich war nur der
Geliebte des Anführers! Warum sollte ich ins Gefängnis?! Lieber will ich
sterben, als in eines dieser Löcher geworfen zu werfen, um nur darauf zu
hoffen, dort elendig an Vereinsamung zu verrotten!", stieß er aus, bevor er vor
Anstrengung auf die Knie kippte und sich die Hände an den Hals zu pressen. Er
presste die Augen zusammen und hustete stark. "Lasst mich doch s-sterben!",
presste er atemlos hervor und kippte überrumpelt zu Boden, als Kru ihm stark
auf den Rücken klopfte, damit er wieder zu Atem fand. Erschöpft röchelte Kato
auf.
"Na bitte, er atmet wieder.", meinte Kru und zuckte unschuldig mit den
Schultern. Als Hizumi`s Anweisung kam, seufzte er kurz auf, beugte sich zu dem
am Boden Liegenden hinunter, packte ihn unter den Achseln und hievte ihn auf die
Beine. Das Kato sich plötzlich an ihn klammerte, kommentierte er nur mit einem
genervten Grummeln, ehe er ihn von sich drückte, mit zusammengepressten Zähnen
in die Knie ging und sich den anderen mit einem Aufschwung seines Oberkörpers
über die Schulter warf. Überrascht fiepte Kato auf. "N-nein! Lasst mich hier
bei ihm!" "Nichts da. Wenn Hizumi sagt, das du mitkommst, kommst du mit. Und
damit sein Wort gehalten wird...", fing er immer noch etwas grummelig an, da ihm
dieser Gefühlskram überforderte, und drehte sich etwas mühsam mit Kato über
der Schulter um. Da alle bis auf Tsukasa damit beschäftigt waren, Hizumis
Anweisungen zu befolgen und den Platz zu räumen, rief er diesen zu sich. Als
dieser tatsächlich seinen hin und her schwingenden Hintern zu sich bewegte, als
würde er für die nächste Modenschau üben, indem er einen Catwalk
fabrizierte, brachte er Kru zum Aufknurren. "Tsukasa!" "Was denn~?", erwiderte
dieser leicht genervt und tat schwer verletzt, als Kru seine sich ihm nähernde
Hand wegschlug. "Du hast zwar bewiesen, zu deinem Glück, dass du dich durchaus
verteidigen kannst, aber nun zeig uns endlich, dass du deiner Bande loyal
ergeben bist, indem du dich dementsprechend benimmst! Los, nimm den da und trag
ihn raus!", forderte er ihn auf und zeigte auf den toten Freund Kato`s, als er
merkte, wie auch Hizumi langsam eine Pause brauchte und damit beschäftigt war,
die noch übrig gebliebenen Männer mit entsprechenden Aufgaben zu koordinieren.

Tsukasa, der sich den gezeigten Mann näher anschaute, riss den Mund auf. "Das
kannst du mir nicht antun! Der ist tot!", zischte er angewidert und wandte sich
an Hizumi, der ihn mit einem warnenden Blick strafte. Tsukasa schluckte trocken.

"Und wehe du berührst ihn unsittlich!", fügte Kato drohend hinzu und starrte
Tsukasa mordlustig an. "Dann bist du tot... Das schwör ich dir...", fügte er
dem knurrend hinzu. "Oha... Wen haben wir denn da?", fing Tsukasa auf einmal an
und erhielt ein warnendes Knurren seitens Kru. Genervt verdrehte Tsukasa die
Augen. "Ist ja gut.", murmelte er und machte sich daran, den an Ketten
Hängenden zu befreien, um ihn sich, wie Kru es mit Kato getan hatte, über die
Schulter zu werfen. "Ist ja nicht auszuhalten...", grummelte Tsukasa angewidert
und holte aus seiner inneren Brusttasche ein kleines Fläschchen hervor.
"Tsu?", machte Kru zwischen Argwohn und Genervtheit, doch Tsukasa ignorierte ihn
und fuhr fort, das Fläschchen nun über dem Körperteil zu träufeln, der
seiner empfindlichen Nase zu nah war. "Was zum-...?! Pffff.... Ieh!", schimpfte
Kru und hielt sich die Nase. "Du hast 'nen echten Schaden, Junge!", fuhr er
motzend fort und stolperte überrumpelt und einen überraschten Laut ausstoßend
vor, da Kato vor Entsetzen und Wut wie wild zu strampeln begann. "Hast du keinen
Respekt vor den Toten?!" "Aber der stinkt!", verteidigte sich Tsukasa und wich
den Fäusten aus, die versuchten sein schönes Gesicht zu demolieren.

"KOMM HER! ICH REIß DICH IN STÜCKE!!", schrie Kato aufgebracht.

"Sei lieber froh, dass ich dafür mein gutes Parfüm geopfert habe.", meinte
Tsukasa angepisst, schenkte Kru noch einen Blick, der ihm am liebsten vor Wut
aufgespießt hätte und machte sich auf den Weg nach draußen.

"NEIN!! Hinterher! Lass ihn nicht allein mit ihm!", forderte Kato panisch auf
und lehnte sich in die Richtung, in die Tsukasa gegangen war, was Kru wieder
stolpern ließ. "HALT VERDAMMT NOCHMAL STILL, DU IDIOT!", fuhr Kru plötzlich
auf, der den anderen am liebsten zu Boden geworfen hätte, da er die Schnauze
voll hatte. Er war doch kein Pony!

Kato verstummte. Verkrampfte seine Finger jedoch in Kru`s Seiten, was diesen
Aufzischen ließ. "Nikita!", rief er ihren dritten Mann und ließ diesen von
seiner Arbeit aufsehen.

"Übernimm du ihn...", bat der allmählich erschöpfte Kru den blonden Nikita
und ließ Kato, der erschrocken aufschrie und nicht wusste, wie ihm geschah,
langsam von seiner Schulter gleiten, sodass Nikita, der sogleich angelaufen kam,
ihn an sich nehmen konnte. "Kümmer du dich um dieses Weib."

"Hey!"

"Alles klar!", sagte Nikita und nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte.
Auch war er kurz davor, Kru zu sagen, dass er sich lieber ausruhen sollte, doch
ließ seine Stellung und Kru`s Einstellung zu Gefühlen und Ehre dies nicht zu,
also verkniff er sich seine von Sorge tragenden Gedanken und ließ sie stumme
Gedanken bleiben. Kru würde nicht einmal in diesem Zustand gestehen, das es ihm
nicht gut ging. Lieber würde er sich die Zunge abbeißen. Doch für diese
Stärke, oder auch Dummheit bewunderte Nikita ihn und machten ihn deshalb nur
zum dritten Mann ihres Gefolges. Ihm fehlten diese Ansichten, um besser als Kru
zu sein. Eilig rief er einen weiteren Mann zu sich, der ihm beim Tragen helfen
sollte.

Der Schwarzhaarige humpelte inzwischen an Nikita vorbei, um sich zu Hizumi zu
gesellen und sich einen Überblick zu verschaffen. "Sind alle Spuren
vernichtet...?", wollte er in Erfahrung bringen und rieb sich die Nase, bevor er
niesen musste. "Oh... Entschuldigung...", nuschelte er peinlich berührt und
hielt sich die Hand um die Nase, bei der er das Gefühl hatte, sie sei von dem
Parfüm Tsukasas angeschwollen.
„Ich hoffe, der legt sich nie so ein nerviges Weib zu...“, dachte er und
knurrte innerlich auf.

Hizumi hob den Blick und nickte. "So gut, wie es in der Kürze der Zeit möglich
war, ja." antwortete er ihm.
"Lass uns diesen schrecklichen Ort endlich verlassen, ich vermisse mittlerweile
schon richtig das Tageslicht." sagte Hizumi leise und stützte Kru vorsichtig
beim Herausgehen.
Einen letzten Befehl gab er Nikita. "Du weißt, wo du alle hinbringen musst.
Achte darauf, dass Sakamoto alle Verletzten versorgt, ist jemand zu stark
verletzt, bringt ihn ins Krankenhaus. Ich werde mich um Formalitäten
kümmern."
Dann widmete er seine Aufmerksamkeit wieder Kru. "Schaffst du es? Sollen wir
eine Pause machen? Und lass dir jetzt nicht einfallen, den Helden zu spielen.
Keiner ist mehr da, dem du etwas beweisen musst.", sagte Hizumi geradezu lieb.

Als Hizumi sein Verlangen nach dem Tageslicht äußerte, hob Kru ein wenig
verständnislos den Blick. "Wahrscheinlich hast du Recht...", meinte er nur und
versuchte nun mit Hizumi`s Hilfe dieses schreckliche Ungetüm von einer Burg
hinter sich zu lassen. Normalerweise würde er jeden von sich weisen, aber
Hizumi würde er nie von sich stoßen. Und wenn er ehrlich zu sich selbst war,
dann spürte er auch, wie sehr es ihn diese kleine Hilfe doch erleichterte zu
gehen. Er biss sich auf die Unterlippe und ließ den Blick etwas sinken. Er
wagte es nicht aufzusehen, als Nikita an ihnen vorbei eilte, der soeben die wohl
vorläufig letzten Befehle von Hizumi erhalten hatte und dem nun bestimmt,
aufgrund seiner Schwäche, Belustigung ins Gesicht geschrieben stand. Wann
zeigte ER schon mal Schwäche?! Er hasste es!
"W-was?", machte er verwirrt, als sich Hizumi wieder an ihn wendete und ging
dessen Wort im Kopf durch, die noch in seinen Ohren gehallt hatten. "Nein, gehen
wir weiter. Wir müssen hier raus.", begann er und verstummte, aufgrund Hizumi`s
doch so treffender Worte. Konnte ihm mal einer erklären, warum der immer
wusste, wie er tickte? Leicht genervt seufzte Kru auf. „Wir kennen uns wohl
schon zu lange.“, dachte er. "Hm...", grummelte er schließlich zum Zeichen,
dass er verstanden hatte. "Ich bleib trotzdem dabei. Wir würden zwar
spätestens in der Nacht wieder frei sein, aber ich möchte nicht derjenige
sein, der uns diese Schereien an den Hals hetzt. Es gibt später immer noch
genug Zeit sich auszuruhen. Und dann kann sich Sakamoto auch um mich kümmern.
Die anderen sind zum Glück nicht schwer verletzt. Dafür haben wir sie zu gut
ausgebildet. Was... Hizumi, es tut mir Leid... ich hab versagt... Dieser Shi,
glaub ich, also der im weißen Kittel, der ist mir... entkommen...", seufzte Kru
schwer und zischte auf, als er ungünstig auftrat. "Was ist, wenn er den Sturz
ins Meer überlebt hat? Glaub mir, solch einen würdigen Gegner hatte ich schon
länger nicht mehr. Wenn der es geschafft hat, dann müssen wir uns um ihn
kümmern. Sonst werden sowohl deine Freunde als auch wir Probleme bekommen. Das
hab ich im Urin."

Hizumi blieb stehen, um Kru eine Pause zu gönnen. Er spürte genau, dass sein
Freund öfter stolperte und nur mit Mühe und seiner Hilfe wieder das
Gleichgewicht erreichte.
"Setzen wir uns kurz.", sagte er und zog Kru neben sich.
"Die anderen werden sicher da sein, und die Hauptsache ist, dass Aoi und Reita
endlich in Sicherheit sind. Das war unsere Aufgabe, Kru."
Weiter hörte er ihm zu und hörte, wie er sagte, dass er versagte hatte.
"Nein... das hast du nicht. Keiner von uns hat das, Kru. Wir haben alle unser
Bestes gegeben und verdammt nochmal! Wenn das so ein Mistkerl ist, wie du sagst,
dann bin ich heilfroh, dass dir nicht noch Schlimmeres passiert ist!", sagte er
offen und es war selten, dass Hizumi so über seine Gefühle sprach.
Doch er musste sich irgendwie von dem Grauen etwas lösen, was er hier in diesem
Schloss sehen musste. Sein Blick fiel erneut auf Kru und besorgt betrachtete er
ihn.
"Um Shi werden wir uns später kümmern.", sagte er nur.

"Warum bleibst du stehen?", wollte Kru verwirrt wissen und stieß einen
überrascht Laut aus, der fast vergleichbar mit dem eines Schmerzhaften war, da
die schnelle Bewegung seiner tiefen Wunde im Oberschenkel nicht gut tat, als er
das Ziehen an seinem Arm spürte und neben Hizumi auf den staubigen Boden
gezogen wurde. Da mit seinem Setzen den Staub aufgewirbelt hatte, musste Kru
aufhusten und versuchte den vielen Staub mit einer wegwerfenden Handbewegung zu
vertreiben. "Hier sollte man dringend Staub gewischt werden...", grummelte er
und wandte den Kopf zur Seite. Ging es Hizumi vielleicht nicht gut, oder warum
musste er sich setzen? Kru musste zugeben, er war gerade etwas mit der Besorgnis
seines Kumpels überfordert... Ihm ging es doch... gut genug, um sie nicht in
Gefahr zu bringen... oder? Er senkte den Blick auf sein Bein und legte den Kopf
leicht schief. Gut... das Messer, welches noch immer in seinem Oberschenkel
steckte, sollte dort vielleicht nicht stecken, um dem mehr Überzeugung hinzu zu
geben und- Wieder seufzte Kru schwer auf. Am besten musste sein ganzes Bein weg.
Dann würde es ihm gut gehen und sie könnten fliehen. Mehr humpelnd als gehend,
aber dann müsste sich Hizumi keine Sorge mehr darum machen, das er an der
Messerwunde oder den gebrochenen Zehen verbluten könnte, wenn er sich
überanstrengte.
Kami... Was redete er da wieder für ein Müll zusammen?
Na egal... Ein bisschen Spaß muss sein.
Haha... Gut, wenn niemand wollte, musste er eben selbst über sich lachen... Man
er hasste es, verletzt zu sein!
Da spinnte sich sein Ego immer so'n Schwachsinn zusammen, nur, um seine
Schwäche nicht zugeben zu müssen...

Als er seinen Namen aus Hizumi`s Mund purzeln hörte, schreckte Kru aus seinen
Gedanken auf und hob den Kopf.
Verständnislos starrte er Hizumi an und senkte dann mit gerunzelter Stirn den
Blick auf seine Hände, an denen noch immer die letzten Krallenfinger steckten
und bewegte sie leicht. "Ich... hab dir schließlich versprochen, dass wir
wieder zusammen hier rauskommen.", versuchte er Hizumi zu besänftigen, während
er die einzelnen Krallen von seinen Fingern zog, um sie sich wegzustecken. "Und
beinahe hätte ich das gefährdet... Ich schäme mich so, das ich dich in meine
Fehler mit reingezogen habe. Anstatt dir, wie versprochen, das Leben zu retten,
hast du mir wieder einmal helfen müssen, da ich zu tollpatschig war, und jetzt
sitzen wir hier, weil ich mich nicht ausreichend zu wehren wusste, und die
Gefahr, dass wir gefasst werden, wächst und wächst... Doch dich darum zu
bitten, mich hier sitzen zu lassen, damit du fliehen kannst, wird mir eh nichts
bringen... Mein großer Dickkopf.", benennte er ihn und lächelte die gegenüber
liegende Wand leicht an, während er seinen Kopf gegen die Mauer hinter sich
lehnte. "Großer" hatte er Hizumi damals immer genannt und umgekehrt war es
immer "Kleiner" gewesen. Bis Kru den anderen dann in seiner Größe aufgeholt
hatte und sie nun fast gleich groß waren. Doch wie kam er gerade jetzt darauf
zurück?!
"Tut mir Leid... Jetzt werd' ich auch noch sentimental.", grummelte Kru und
kratzte sich den Dreck von den Händen.
"Es wird Zeit, dass wir hier rauskommen.", meinte er ehrlich und dachte dabei an
die Veränderung, die in der Luft schwang und ihm ein wenig Angst bereitete.

"Kannst du mir vielleicht aufhelfen...?", bat er, nachdem er es probeweise aus
eigenem Stück versucht hatte und daran schmerzhaft gescheitert war. Er nickte
auf Hizumi`s Worte hin, die sich auf Shi bezogen, und sah zu Hizumi, da er
dessen besorgte Blicke auf sich spürte. "Hm... ano... Hizumi? Du weißt doch
immer auf alles eine Antwort, ne? Ich... will ja nicht neugierig sein, aber was
war das da zwischen diesem Aoi und dir? Das hab ich nicht ganz verstanden." Und
er hasste es, etwas nicht zu verstehen! "Tut mir Leid... Du musst darauf nicht
antworten. Lass uns einfach hier raus. Ich werd' schon ganz weich in der
Birne...", grummelte Kru genervt von sich selbst, stemmte sein gesundes Bein
auf, hob die Arme, damit ihm aufgeholfen werden konnte, und schenkte Hizumi
einen bittenden, leicht auffordernden Blick.

Hizumi grinste bei dem Wort "Großer". Ja, so hatten sie sich früher immer
geärgert.
Er war der Große, Kru der Kleine...
Aber jetzt war das anders irgendwie.
Dadurch, dass er Kru so eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen hatte, war
ihre Freundschaft in letzter Zeit viel zu kurz gekommen.
Hizumi nahm sich vor, mit Kru mal wieder einen trinken zu gehen, wenn es diesem
wieder besser ging.
Zuerst einmal musste das Messer zum Beispiel raus, das zu Hizumi`s Entsetzen in
Kru`s Oberschenkel steckte...
"Hör auf dich zu schämen! Du bist mein bester Freund und der Beste in meinem
Team verdammt! Jetzt hör endlich auf, in Selbstmitleid zu versinken, klar?"
Seine Worte waren härter als gewollt, ganz der Anführer eben...
Hizumi biss sich auf die Lippe und half ihm vorsichtig wieder hoch.
In dem Moment fragte ihn Kru nach Aoi und die Augen des Anführers verdunkelten
sich.
Dennoch hatte sein Freund doch irgendwie ein Recht auf die Wahrheit, oder?
Hizumi versuchte sich zu sammeln.
"Sakito gab mir den Auftrag, mich um seinen Schützling zu kümmern.
Der Junge hat viel Scheiße im Leben erlebt und war kaum mehr ansprechbar.
Ich hab versucht, mich um ihn zu kümmern und... naja... irgendwie war das alles
ein ziemlicher Fehler weil... weil wir im Bett gelandet sind.
Und nun bereut er es schrecklich, weil er ja seinen Freund betrogen hat."
Es war bekannt, dass ihr Anführer schwul war, auch wenn er nie darüber sprach.

Er war eher derjenige, der sich, wenn er Lust auf Sex hatte, in Clubs umsah und
dort seine Triebe befriedigte. Dieses sanfte Verhalten, was er bei Aoi an den
Tag gelegt hatte, passte eigentlich so gar nicht zu seiner sonstigen Art...

Während er die Sache mit Aoi Kru erzählte, führte er ihn weiter in Richtung
Ausgang, achtete darauf, dass er ihn nicht zu sehr hetzte.

Ein wenig erschrocken schreckte Kru schon etwas von Hizumi zurück, als dieser
ihn anmachte. War Hizumi es nicht immer gewesen, der ihm damals immer wieder
versucht hatte, einzutrichtern, Stärke zu beweisen, in dem er stark war und
schlau handelte? Und war Hizumi es nicht, der Schwäche ebenso wie er
verabscheute? Deshalb kam auch nicht jeder bei ihnen in die Bande. Sonst wäre
ihr Versteck doch voll von Loosern...
Doch er hatte Recht! Irgendwie...
"Tut mir Leid, Hizumi. Du weißt doch, dass ich diese Situationen hasse... Da
geht mein Ego irgendwie mit mir durch. Trotzdem hatte ich Angst um dich.",
gestand er und nickte Hizumi aufrichtig zu, bevor ihm dieser auf half. "Danke.
Auch, das du mich etwas wachgerüttelt hast. Hm...", machte er, grinste wieder
und strich die die wilde Mähne aus dem Gesicht. Als Hizumi`s Gesicht sich dann
aufgrund seiner Frage verdüsterte, und dann nachdenklich wurde, ging er sich
erklärend neben ihm her. Er erwartete keine Antwort und er biss sich dafür,
dass er diese Frage überhaupt gestellt hatte, unsicher auf die Unterlippe. Als
sie dann doch folgte, hob Kru überrascht den Blick, lauschte jedoch aufmerksam
seinen Worten und als diese geendet hatte, war Kru irgendwie noch verwirrter.
"Gut, zu deinem sonstigen Beuteshema passt er schon, aber... Ach das geht mich
nichts an. Versteh eh nicht viel von diesem ganzen Kram, der da zwischen dir und
deinen Bettgeschichten so abläuft und von diesem ganzen Gefühlskram.", meinte
er und gestikulierte mit den Armen. "Ist schon schwer genug, Tsukasa
auszuhalten, der einem da nur noch mehr verwirrt. Aber das ist zum Glück nicht
meine Aufgabe. Wenn aber Aoi jetzt bei uns raus ist, dann hat sich das doch auch
erledigt, oder? Ich meine... Dann hattet ihr eben Sex. Doch wenn ihr euch dafür
nicht hasst, kann es ja auch nicht so schlimm gewesen sein. Fehler passieren nun
mal und...", versuchte seinen besten Freund so gut es eben ging aufzumuntern,
als er belustigt auflachen musste. "Hab ich das eben gesagt? Nun ja... gut...
Fehler passieren eben. Und das ich dir das sage und das nicht schlimm finde,
kann doch was bedeuten, oder?", wollte er wissen und sah Hizumi fragend an. "Hey
man~ Wenn er es auch gewollt hat, dann muss er das ausbaden. Ist doch nicht dein
Problem! Jetzt guck doch mal wieder netter.", bat er mit einem breiten Grinsen
und ließ den Blick zu Boden gleiten, als ihn ein erneuter Schmerz durchfuhr.
„Uh~ Ein Stein...“, erkannte er und versuchte sich nun etwas auf den Boden
zu konzentrieren.

Hizumi starrte ihn erschrocken an, als Kru plötzlich los lachte.
Er... er nahm das alles auf die leichte Schulter... sicher... woher sollte er
auch wissen...?
So ganz kehrte der ruhige Ausdruck auf seinem Gesicht noch nicht zurück, doch
er schaffte ein Grinsen und winkte dann ab.
"Eben, es ist lächerlich! Du hast völlig Recht!"
Lächerlich... ja...
Seine Liebe zu Aoi war... lächerlich...
Zeit, dass er an etwas anderes dachte...
"Hey Kru! Wenn du wieder fit bist, dann lade ich dich zu einem Saufabend ein. So
wie früher, hörst du?"
Kru`s Straucheln fing er ab und er sehnte sich nach dem verfluchten Tageslicht,
wie eine Motte von einer Kerze angezogen wurde und dort elendig verbrannte, wenn
sie dem Licht zu nahe kam...

Zustimmend nickte Kru und sah wieder zur Seite, um Hizumi`s Gesichtsausdruck zu
deuten. Hatte er etwas Wichtiges übersehen? Doch als sich ein Grinsen auf
dessen Gesicht schlich, grinste Kru erleichtert auf.
"Meinst du echt? Nur wir beide? Cool! Na dann lass uns mal schnell nach Hause,
damit wir das machen können.", meinte er und freute sich schon tierisch darauf,
mit Hizumi eins drauf zu machen. So wie früher... Nur sie beide.
Da war der Schmerz doch gleich vergessen.
"Da vorne, Hizumi! Da ist die Tür!", wies er ihn darauf hin, doch sein Grinsen
erlosch, als er aufhusten musste. Sein Hals brachte ihn noch um...
Während sie weiter gingen, suchte Kru seine Taschen nach einer Zigarette ab. Er
musste doch hier irgendwo eine Kippe haben!
Vielleicht würde es ihm dann besser gehen, wenn er damit seinen Hals betäubte,
seinen halbwegs leeren Magen füllte, seine Schmerzen vergessen und seine Nerven
beruhigen konnte?

"Ja, nur wir beide." bestätigte er.
Hizumi sah sie auch und atmete erleichtert auf.
"Endlich..."

~+~+~

"Na dann los...", sprach er, nachdem er sich wieder dem Schlund zugewandt hatte,
mit kräftigerer Stimme als zuvor, erhöhte den Druck seiner Hand auf die
eiserne und eisige Klinke, drückte sie nieder, bis sie mit einem lauten Knarzen
aufging, um das Innere des Schlundes zu offenbaren...

Doch ehe sie in die Burg hätten eindringen können, wurde sie, kaum das sie
Sakito geöffnet hatte, ihm mit solch einer Wucht entgegen geworfen. Sakito,
Uruha und Takeda sprangen oder besser: stolperten vor Schreck zurück.

Mit hastigen, leicht zitternden Händen griff Sakito nach der Waffe in seiner
Jackeninnentasche, als mehrere schwarz gekleidete Männer aus dem Inneren
drangen und bis auf zwei, von denen jeder einen anderen trug, sich ihnen
zuwandten. Das Knarzen der Tür hatte sie wohl bereits verraten, dass so laut
gewesen war, als wolle es die ganze Burg wecken.
Doch noch ehe er dazu kommen konnte, die Waffe zu ziehen, wurde er von einem
seiner Gegenüber, der mehrere blutige Kratzer quer über dem Gesicht hatte, am
Handgelenk gepackt, anschließend mit solch einer Kraft an ihn gerissen, das
Sakito das Geschehen wehrlos über sich ergehen musste, bis ihm dann der Arm auf
den Rücken gedreht wurde und ihm auch nach der Unbeweglichkeit seines zweiten
Armes und deren schmerzhaftes verschränken, der Schmerz so in den Rücken ging,
das er ihn durchbog, in der Hoffnung, der schmerzhaften Haltung entgehen zu
können. Doch dies machte den Schmerz nicht erträglicher, sondern schaffte dem
Fremden zusätzlichen Platz, die verschränkten Arme nachzudrücken, sodass
Sakito vor Schmerzen aufschrie.

"Aufhören!", donnerte Takeda und zog nun seinerseits seine Waffe. Allerdings
ging der Versuch, einschüchternd zu wirken, unter schallendem Gelächter unter,
als jeder einzelne der schwarz gekleideten Männer ihre Waffen zogen.
Fassungslos weiteten sich Takedas Augen. "Kami...", keuchte er und senkte die
Waffe. Gegen solch eine Übermacht hatte er keine Chance. Uruha, der zu ihm
vorgetreten war, mit dem Blick auf Sakito, schob er hinter sich. "Bleib da!",
zischte er zu ihm und sah zu dem jungen Mann auf, der Sakito Bewegungsunfähig
gemacht hatte, als könne er das bereits im Schlaf!

"Der kann dir auch nicht mehr helfen.", meinte der am vordersten Stehende und
hob Stille gebietend die Hand. Das Gelächter brach ab. Takeda ging ein Licht
auf. Dieser Mann musste also der Anführer sein! Oder...?

"Bitte lasst ihn gehen! Wir verschwinden! Sagen niemanden etwas von-"

"Auf das Wort einen Bullen verzichten wir herzlich. Habt ihr noch etwas zu
sagen, bevor ihr sterbt? Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!", bellte er und
Takeda schluckte schwer. Was sollte er jetzt noch tun können?! Sie waren
verloren! Wenn nicht ein Wunder geschehen würde, dann wäre ihre
Rettungsmission gestorben! Und was wäre dann mit Reita?! Mit Aoi?!

+~+

Ein paar Schritte entfernt, hatte sich Aoi von seinem Schwindelkeitsgefühl
etwas erholt - er wirkte nicht mehr ganz so grün wie zuvor - und schlug
kraftlos mit seinen Fäusten gegen den Rücken seines Trägers. Er sollte ihn
endlich runter lassen und seine Hände von ihm nehmen!

"Du schlägst wie ein Mädchen.", meinte die größere Gestalt und gähnte
demonstrativ. Dann zuckte er genervt mit den Schultern, hob Aoi mit Leichtigkeit
von sich und setzte ihn unsanft wieder ab.
Überrumpelt taumelte der Schwarzhaarige daraufhin rückwärts, ruderte wie ein
Ertrinkender mit den Armen, bis die Kraft ihn in den Beinen verließ und ihn zu
Boden fallen ließen. Durch den Schwung, mit dem er von der Schulter des Mannes
befördert worden war, war die Übelkeit zurück gekommen, ließ Aoi entsetzt
die Wangen aufplustern und den Kopf gerade noch seitwärts kippen, bevor er sich
jämmerlich übergab. Doch wenn nichts drin ist, kann nicht viel rauskommen.

Der Mann, der ihn getragen hatte, seufzte schwer. "Wenn du fertig bist, dann
steh auf!", forderte er etwas verunsichert und verschränkte die Arme vor der
Brust. Etwas hilflos stand er neben dem Schwarzhaarigen und wartete darauf, dass
ihm Folge geleistet wird. Wie er sich gegenüber so einem schwachen Menschen
verhalten sollte, wenn seine Aufgabe einmal nicht im Töten lag, wusste er
nicht.

Aoi hatte die Augen zusammengekniffen, atmete schwer und versuchte seiner Sinne
wieder Herr zu werden, in dem er sich zur Seite und damit auf den Rücken kippen
ließ. Die Aufforderung des anderen war an ihm vorbei gerauscht.

"Hey, nicht schlafen!", meckerte das Bandenmitglied und stupste Aoi mit der
Schuhspitze an. "Ich sagte, du sollst aufstehen! Sonst nehme ich dich wieder
über die Schulter! Und darauf hab ich echt kein Bock, weil du mich sonst
vollkotzt."

Nur träge öffnete Aoi die Augen und sah zu dem anderen hoch. Warum schrie der
denn so?
Konnte er sich nicht einmal ausruhen...?

Doch ehe Aoi sich hätte aufsetzen können, der Mann ihn wieder grob angefasst
oder weiter geschrien hätte, schritt der Mann ein, der Sakito noch immer
festhielt. "Hey man, noch lauter und jeder beschissene Mensch, weiß, dass wir
hier sind! Hab Hizumis` Liebling besser im Griff und bring ihn von dem Auto
weg!"

"Hizumi...?", ächzte Sakito und versuchte den Kopf zur Seite zu drehen, jedoch
wurde er schmerzhaft daran gehindert, als der Typ ihn fluchend zwischen die
Beine trat. Sakito sah Sternchen und krümmte sich sofern es ihn möglich war.
"Sprich diesen Namen nicht aus!"

"A-aber i-ich bin Sakito! Der euren Boss aus dem Fall von vor einem Jahr geholt
hat! Der Anwalt!", versuchte er den anderen klar zu machen und sein Herz,
welches ihm vor Angst in die Hose gerutscht war, schlug erleichtert an seiner
vorgesehenen Stelle. Hizumi war hier! Aber... aber dann...

"Sakito?!", stießen einige leise aus und der Mann, der ihn soeben noch fest im
Griff gehalten hatte, ließ ihn abrupt los, sodass Sakito auffluchend nach vorne
stolperte und sich von Takeda auffingen ließ, dem die erschreckende Erkenntnis
im Gesicht geschrieben stand, dass Aoi hier war.

"Wo... ist Hizumi? Und wo Aoi?!", wollte Sakito weiter wissen und wurde etwas
misstrauisch betrachtet.

"Nikita, ich erkenne ihn... Das ist Sakito.", murmelte einer der
Bandenmitglieder und senkte den Kopf.

"Und warum sagt mir das niemand?!", fuhr dieser Nikita auf und hob die Hand, als
wolle er jemanden schlagen. Der Mann, der ihm das gestanden hatte, wich zurück.
Doch Nikita schlug nicht zu. Er wandte sich stattdessen an Sakito und verbeugte
sich ein wenig. "Ich muss mich entschuldigen... Auch für meine Männer. Hizumi
ist noch drin und wir brauchen für euren Freund Reita einen Krankenwagen.
Sakamoto, unser Arzt, kann ihm mit seiner Ausrüstung nicht helfen. Er müsste
bald mit den anderen rauskommen und Aoi ist-", erklärte er rasch und wurde von
Takeda unterbrochen, der Sakito`s Kopf zur Seite drehte.

"Da! Da ist Aoi!"

Sakito`s Augen weiteten ich vor Entsetzen, als er den Schwarzhaarigen scheinbar
leblos auf dem Boden liegen sah.

"Ist er... ist er...", stammelte er, nahm die Beine in die Hand und rannte los.


"Aoi!", rief er mit ängstlich aufgerissen Augen.

Takeda, der Uruha nicht allein lassen wollte, nahm diesen an die Hand und zog
ihn mit sich. Sakito hinterher.

Nikita, der den dreien ein wenig überrascht nach sah, tat es ihnen gleich.

Aoi, der aufhusten musste, als eine Staubwolke auf ihn zuflog, die von Sakito
verursacht wurde, der sich hastig neben ihm auf die Knie geworfen hatte, um sich
anschließend über ihm zu beugen und seine Gesicht zu umfassen. Erleichterung
überkam diesen, als er seinen Schützling husten hörte und die
unregelmäßige, schwache Hebung und Senkung des Brustkorbes bemerkte. "Kami, du
lebst! Ich hatte schon mit dem schlimmsten gerechnet! Was ist mit dir?! Geht es
dir gut?!", fragte er hastig und klebte an Aoi`s Lippen, die Worte zu formen
schienen.

"Was...? Nimm dein Knie von meiner Hand?! Oh!", entfuhr es Sakito und rückte
erschrocken zurück. "Tut mir Leid, Aoi!", entschuldigte er sich sofort und
hatte auch seine Hände wieder sinken lassen. "Was ist passiert?!", fragte er
wieder und verstand nicht, warum Aoi nichts sagte! War er etwa noch immer sauer
auf ihn?!

Nikita mischte sich ein. "Das kann ich ihnen auch beantworten. Aoi wird ihnen
nichts sagen können. Lassen sie ihn ausruhen und hören sie mir zu!", wies er
etwas harsch an und ließ Sakito herum fahren, während Takeda sich besorgt zu
Aoi beugte. "Hat dieser Mistkerl dir die Zunge abgeschnitten?"

"Takeda!", schimpfte Sakito.

"Was?! Kann man doch von ausgehen! Aoi?", fragte er wieder und klebte nun
seinerseits an dessen Lippen. "Reita? OH! Ja, natürlich! Halte du durch,
verstanden!?", forderte er den Schwarzhaarigen auf, dessen Augen wieder zu
tränen begonnen hatten und nun mit zittrigen und verschwitzten Händen nach
einer Hand Uruha`s suchte, der doch schließlich, so wie er es zumindest
mitbekommen hatte, Reita`s bester Freund war, oder?! Als er sie gefunden hatte,
drückte er sie leicht.
Doch wie sollte er den anderen trösten, wenn er selbst so aufgelöst war!
Verdammt!
Ein stummes Schluchzen ausstoßend, biss er sich auf die Unterlippe, die bebte.

"Sakito, wo hast du mein Handy gelassen?!", wollte Takeda wissen, der seine
Taschen hastig absuchte und nicht merkte, was nun hinter sich vorging, nachdem
er sich auch von Aoi abgewendet hatte.

"Was? Eh... hier! Was willst du jetzt damit?!", fragte Sakito aufgewühlt und
reichte dem Polizisten sein Handy. Im Moment konnte er keinen klaren Gedanken
fassen.

"Na ich ruf einen Krankenwagen und anschließend meine Männer, die schon
längst hier sein sollten! Was denn sonst!"

Verständlich nickte Sakito und ergeben. „Ordne deine Gedanken, Sakito! So
kannst du niemanden helfen!“, dachte er.

Nikita, der bis eben noch mit verschränkten Armen darauf gewartet hatte, dass
man ihm Beachtung schenke und zuhören würde, löste die Verschränkung und
zischte auf, was Takeda für einen Moment verwirrt in der Bewegung inne halten
ließ.
Nikita jedoch drehte sich zu seinen Männern um. "Ihr habt gehört, was der
Polizist gesagt hat! Ich werde hier bleiben und Hizumi und Kru warnen! Ihr! Ab
nach Hause!"

Für einen Moment herrschte verwirrtes Schweigen. Erst als Nikito ein wütendes
Knurren von sich gab und die Arme hoch riss, herrschte Durcheinander. Die
einzelnen Bandenmitglieder sammelten ihre Waffen zusammen und liefen in Richtung
Ausgang davon.

Währenddessen hatte sich Nikita an die zusammengeschreckten Freunde Aois, wie
er glaubte, gewendet. "Also um es schnell zu machen! Wir haben dieses fette
Ding, das sich Boss schimpft! Am liebsten würden wir ihn killen, aber ihr nehmt
ihn mit euch! Reita ist schwer verletzt, lebt aber noch! Noch! Sofern du endlich
den Krankenwagen rufen würdest!", fuhr er Takeda an, der sich wieder an sein
Vorhaben erinnerte und nun hastig Tasten wählte. "Aoi nehmt ihr auch mit! Wir
haben Hizumi`s Versprechen dir gegenüber gehalten, Sakito. Ab jetzt, sind wir
nicht mehr für ihn zuständig! Wir kümmern uns um unsere Toten, um den Rest
kann sich die Polizei kümmern! Haltet euch von diesem Wagen fern! Der gehört
diesem Fetten! Ich werde jetzt Hizumi warnen gehen und Reita mit rausbringen!
Haltet uns die Bullen vom Hals!", drohte er mit erhobener Faust und drohendem
Gesichtsausdruck, ehe er sich abwandte und in Richtung Burg davon eilte.

Sakito nickte hastig und hielt sich den Kopf. "Danach brauch ich Urlaub. Soviel
steht fest...", murmelte er und stand auf, um auch Takeda aufzuhelfen, der
inzwischen mit seinen Männern telefonierte. Mehrere Krankenwagen müssten nun
innerhalb der City in Aktion getreten sein.

"Uruha? Kannst du aufstehen?", wollte Sakito besorgt wissen, bot diesem seine
Hände an und bemerkte, wie Aoi`s Hand, die eben gerade noch die Uruha`s
gehalten hatte, diese langsam losließ. "Aoi? Kannst du auch aufstehen? Geht
das? Wir sollen von dem Wagen weg. Takeda, nun hilf mir doch mal!", bat er an
diesen gerichtet, der soeben das Gespräch beendete. "Sie sind in wenigen
Minuten hier! Wie sollen wir sie von der Burg fernhalten?!", fragte dieser etwas
hilflos, steckte sich das Handy weg und versuchte nun Aoi aufzuhelfen, was ihm
auch nach mehreren Versuchen nicht gelang, das dieser sich keinen Zentimeter
rührte.

"Lass dir eben was einfallen!", meinte Sakito, dem auch nichts auf die Schnelle
einfiel und half Uruha auf, bevor er sich immer noch besorgt an diesen wandte.
"Geht es? Hör zu Uruha... Wir schaffen das schon irgendwie. Reita schafft das
schon irgendwie! Okay? Lass uns einfach die Hoffnung nicht aufgeben. Reita hat
es auch das letzte Mal geschafft! Er ist stark. Er schafft das ganz sicher!",
versuchte er den Blonden aufzumuntern und umarmte seinen Schützling.

Takeda hatte inzwischen ganz andere Probleme. Er hatte sich zum wiederholten Mal
über Aoi gebeugt. "Aoi? Schläfst du jetzt?", fragte er hilflos und stupste den
Schwarzhaarigen leicht gegen die Brust. Nachdem auch das nichts brachte, packte
er den anderen unter den Achseln und hob ihn an. "Wow! Scheiße, ist der
leicht!", fiel ihm entsetzt auf, als er beinahe nach hinten gestolpert wäre,
nachdem er zu viel Schwung geholt hatte. Kopfschüttelnd griff er unter Aoi`s
Kniekehlen und trug ihn zu seinem Polizeiauto, um ihn hinten auf die Rückbank
zu legen und notdürftig anzuschnallen. „Er ist hoffentlich nur
weggetreten...“

"Hm~? Willst du dich vielleicht schon ins Auto setzen? Zu Aoi? Dann ersparst du
dir den Anblick, wenn er... also Rei rauskommt.", bat Sakito vorsichtig und biss
sich unsicher auf die Unterlippe. "Nicht, dass du mir umkippst. Du bist schon so
gefährlich blass... Ach herrje~", fügte er dem noch hinzu und strich dem
Blonden leicht über die rechte Wange. "Wenn erstmal die Krankenwagen hier sind
und die Polizisten, wird hier eine Chaos ausbrechen. Nicht, das du mir darin
verloren gehst. Oder möchtest du dann zu Rei in den Krankenwagen?“

+~+

Zusammen zuckend stolperte Uruha ein paar Schritte zurück, als die Türe so
plötzlich aufflog.
Als dieser Fremde Sakito packte hätte Uruha vor Schreck beinah aufgeschrien,
doch er hatte sich rechtzeitig die Hände vor den Mund geschlagen.
Er hoffte inständig, dass nichts passierte.
Das Gespräch verfolgte der Brünette nur halbherzig, denn die Sorge die in
seinem Gesicht stand, war viel zu groß, als das er sich hätte konzentrieren
konnte.
Als der Tritt kam, zuckte er erneut zusammen und kniff die Augen zusammen um es
nicht mit ansehen zu müssen, was jetzt noch passieren würde.
Doch als er auch den Namen Hizumi vernahm, öffnete er seine Augen wieder und
zog sich die Hände von den Lippen.
War Hizumi nicht der, der ihn vor diesem Mörder gerettet hatte?
Langsam glitt sein Blick zur Seite und auch Uruha erkannte den Schwarzhaarigen
am Boden liegen.
So schnell wie Takeda ihn mit zu ihm zog, hatte Uruha nicht einmal reagieren
können.
Er ließ sich kraftlos neben Aoi auf den Boden sinken und konnte nicht einmal
richtig erleichtert sein, als Aoi die Augen aufschlug.
Sofort, als er nur einen Finger des Dunkelhaarigen spürte, nahm er dessen Hand
und erwiderte den Druck leicht.
Er zog Aoi etwas näher zu sich und gab ihm wenigstens ein bisschen Halt.
Dennoch ließ ihn die Geschichte über Reita nervös werden. Sein Herz schlug
schneller und die Tränen waren immer schwerer zurück zu halten.
Aber er wollte die Hoffnung noch nicht aufgeben. Reita würde das überstehen.
Ganz sicher.
Langsam ließ sich Uruha von Sakito aufhelfen und nur zögernd ließ er Aoi`s
Hand los und stand leicht zittrig auf.
Auch Sakito versuchte den Blonden mit der Hoffnung aufzubauen, dass Reita es
schaffen würde.
Uruha nickte nur leicht und erwiderte die Umarmung zögernd.
"H-hai...", antwortete er leise und blickte erneut zu dem alten Gemäuer.
Er schüttelte den Kopf und schwieg. Der Zwiespalt in dem er steckte war fast
unerträglich. Er wollte Aoi nicht alleine lassen, aber dennoch wollte er auch
nicht gehen ohne Reita vorher gesehen zu haben.

+~+

Nur schwer hatte sich Aoi ein Lächeln abringen können, als Uruha seinen
Händedruck erwiderte. Er hoffte, er könne ihm damit etwas Halt geben, selbst
wenn er gerade eher nicht der Richtige dafür war. Seufzend schloss er die Augen
und dachte an Reita, der sich für ihn geopfert hätte. Dachte an Kato, wie er
seinem Freund nach trauerte. Das hätte er sein können... Wenigstens lebte er
noch. Wenn auch nicht bei klarem Verstand. Doch wie ging es nun mit Reita
weiter? Würde er es schaffen? Würde er, Aoi, es erneut schaffen, ihn von den
Toten zurück zu holen? Würde er die Kraft und die Stimme dazu haben? Er hoffte
es so sehr, doch im Moment fühlte er sich so schwach, als ob diese Kugeln, nun
beschaffen aus Angst, Schwäche und Kraftlosigkeit, auf ihn lasteten und ihn zu
Boden drücken würden. Die Übelkeit war noch nicht abgeklungen, doch drängte
sich ein anderes Gefühl in ihn und seinen nach Ruhe schreienden Körper.
Er merkte nur am Rande, wie Uruha seine Hand los ließ, um sich von Sakito
aufhelfen zu lassen. Hörte anschließend ein Rauschen in seinen Ohren, seinen
Herzschlag, der durch seine Venen drang, bevor ihn dieses schwere Gefühl der
Bewusstlosigkeit mit sich riss. Wann mochten diese Zustände endlich zu Ende
sein...? Würde er, wenn er wach werden würde, in Reita`s Armen liegen? Ihn um
Verzeihung anbetteln können? Jemanden hören sagen, dass er nicht der Auslöser
dieses ganzen Übels war? Denn diese Gedanken nagten noch immer an ihm, ließen
ihn mit grimmiger Miene voran schauen. Wann war dieser Albtraum endlich vorbei?


+~+

"Okay, wenn du dir das wünschst, kann ich dich eh nicht davon abhalten.",
meinte Sakito mit einem kleinen Grinsen und hatte Uruha aufmunternd umarmt.
"Dann... egal was du siehst, Ruha. Halte durch. Auch wenn es dir vielleicht
schwer fallen wird, stark zu sein, Reita fällt es noch schwerer, okay? Daran
musst du immer denken. Steh ihm bei, wenn wir es nicht können. Wir müssen
jetzt die Polizisten solange von der Burg fernhalten, wie nur möglich. Sobald
Reita hier raus ist und die beiden anderen, die uns, nein, Reita und Aoi
gerettet haben, draußen sind, kann ich erst zu dir stoßen. Ich werde dich
schon finden. Und wenn es im Krankenhaus sein sollte, dann auch dort. Ich werde
mit Takeda im Auto nachkommen, oder mir sein Auto leihen. Aoi muss schließlich
auch dort hin. Mir graut es jetzt schon vor den Ergebnissen der Ärzte, wie es
mit den beiden aussieht... Und lass dich nicht von denen wegfangen! Lieber nehme
ich dich mit zu mir, als dich dort unten gefangen zu wissen... Dann geht es dir
nur so, wie Aoi sich fühlte. Wie ein Tier... Und wenn Worte nichts bringen...
Lauf Uruha... Lauf weg! Du brauchst die Hilfe dieser Leute nicht! Das bekommen
wir auch alleine hin. Pass auf dich auf, hörst du? Versprich es mir.", bat
Sakito, hatte die Augen geschlossen und lehnte seine Stirn an die Uruhas. "Es
tut mir Leid, wenn ich manchmal zu aufdringlich bin. Sag mir einfach, wenn es
dich stört. Ich... Ich geb dir meine Handynummer, okay? Dann kannst du mich
anrufen, falls was ist. Verdammt... Mein Handy ist in meiner Tasche in Takedas
Auto... Versuch es trotzdem! Wenn ich kann, antworte ich dir.", versprach er
noch, löste sich von Uruha und suchte seine Taschen nach einem Zettel und einen
Stift ab. Aber warum sollte er auch so etwas an sich tragen, wenn er es doch
gerade so dringend benötigte?! Leise auffluchend hob er den Kopf, als Takeda
Aoi an ihm vorbeitrug und stibitzte ihm den Kugelschreiber aus seiner
Brusttasche, den die Polizisten immer benötigten, um Strafzettel zu schreiben.
Dieser ließ sich von der Aktion nicht weiter stören und eilte mit Aoi weiter.

Sakito riss währenddessen ein Stück Stoff seines weißen Hemdes ab, um darauf
seine Nummer zu notieren.
Er konnte dieses eintönige Weiß, welches in seinem Job vorgeschrieben war, eh
noch nie besonders gut leiden...
"Hier...", murmelte er, faltete es zusammen und steckte es in Uruhas
Manteltasche. "Verlier ihn nicht."
Dann sah er auf. Prägte sich das Gesicht Uruhas ein, atmete einmal tief ein und
wieder aus.
"Gut, dann beginnt die Show...", murmelte er, hatte das Gesicht beunruhigt
verzogen und strich Uruha über die hervor stechenden Wangenknochen, um sich das
Gefühl seiner Haut einzuprägen. „Ich lass mir dich nicht noch einmal
nehmen.“, sagte er zu sich selbst, nickte dem Blonden zu und entfernte sich
anschließend in Richtung Eingangstor dieses Geländes.

Auf dem Weg dorthin, musste er sich die Hände auf die Ohren pressen, da ein
für ihn riesig erscheinender Helikopter am Himmel erschien. „Der kann doch
nicht einfach so auf der Straße parken! Verdammt! Nein, sucht euch einen
anderen Platz! Hizumi und seine Leute müssen hier doch durch!“, dachte er und
kniff die Augen zu, als eine riesige Staubwolke aufwirbelte. Sich die Hand halb
verdeckend über die Augen legend, kämpfte er sich dem starken Winddruck, der
durch den Propeller auf kam, entgegen. „Scheiß drauf!“, fluchte er, riss
die Arme in die Höhe und sah mit halb zusammengekniffenen Augen zu dem
Helikopter auf, aus dem ein Polizist ihm zuwinkte, als wollte er ihm sagen, dass
er aus dem Weg gehen soll. „Nichts da!“
Sakito bleib wo er war, stemmte sich entgegen des Windes, der ihn Zentimeter
weit weg zu schieben versuchte, und rief zu den Männern hoch, in der Hoffnung,
dass sie ihn auch erhören würden. "SUCHT EUCH EINEN ANDEREN PLATZ!!! DIE
KRANKENWAGEN SIND AUF DEM WEG HIERHER!!!" „Gott, wie dumm muss man sein, den
eigenen Leuten den Weg zu versperren!“

Und tatsächlich - Und Gott sei Dank! - verschwand der Polizist im inneren des
Helikopters und dieser drehte ab. Überrumpelt fiel Sakito auf die Knie, der der
Druck mit einem mal verschwunden war, und rappelte sich mühsam auf.
„Bloß weit weg mit euch!“

+~+

Takeda, der inzwischen Aoi bestmöglich untergebracht hatte und anerkennend,
jedoch auch verärgert über die Polizisten und besorgt um Sakito`s Wohl, was
man ihm deutlich am Gesicht ablesen konnte, mit dem Kopf genickt hatte, war
bereits wieder an seinem Handy, um seinen Leuten den Marsch zu blasen und ihnen
zu befehlen, sich einen Landeplatz zu suchen, wo kein Verkehr war, und auf dem
Weg zum Eingang des düsteren Gebäudes.

+~+

Sakito sah noch eben, den Staub von sich schüttelnd, dem Helikopter hinterher,
als auch er sich aufmachte, den Weg zur Burg zurückzulaufen.

Wo bleiben sie denn nur?!

Da sah er einen Mann mit Brille aus der Dunkelheit der schlundähnlichen Tür
treten, der, sobald es der Platz ermöglichte, zur Seite trat und die zweite
Tür aufriss, um der Trage, die soeben Sichtbar wurde, durchzulassen. Mit ihr
kamen auch an die acht schwarz gekleideten, starke und vom Kampf gezeichnete
Männer, die entweder beim Tragen der Trage Reitas halfen oder Ausrüstung
trugen, die Sakito und Takeda verblüfft die Augen aufreißen ließ. Aber darum
sollten sie sich keine Gedanken machen! Viel wichtiger, war der Blondschopf, der
über die merkwürdige Trage ragte. Waren das Knochen?! Kami...

Takeda war der erste, der sich den Männern vorstellte, Reita erblickte und
schwer schluckend zur Seite sah. Fuck! "I-ihr müsst gehen! Die Polizei ist
gleich hier! Und es gibt nur einen Ausgang! Los jetzt! Und... vielen Dank.",
sagte er und sprach es voller Ehrlichkeit und Dankbarkeit aus. Sie hatten diesen
Männern so viel zu verdanken, dass er nicht wusste, wie sie es ihnen jemals
wieder gutmachen sollten.

"Er brauch dringend einen Arzt, der die entsprechenden Werkzeuge besitzt. Ich
konnte ihm nicht viel helfen.", meldete sich Sakamoto zu Wort und Takeda
verbeugte sich. "Ist auf dem Weg. Danke, danke! Nun geht! Überlasst ihn uns."

"Viel Glück dann, Takeda-san.", verabschiedete sich Sakamoto, wies seine
Männer an, die Trage auf dem Boden abzusetzen, um anschließend mit ihnen das
Grundstück zu verlassen.

Und endlich war auch Sakito bei der Trage angekommen. Der Anblick Reitas war
grauenvoll und drehte ihm den Magen um. Doch wie waren seine eigenen Worte
gewesen? Sei stark, egal, wie schrecklich der Anblick sein wird! "Kami, ist
das-", begann er, doch wurde von dem Heulen der Sirenen unterbrochen, die
schnell näher kamen. "Mist! Takeda, bring Reita nach vorne! Wir müssen die
Ärzte ablenken, wenn Hizumi und Kru rauskommen!"

"Boah bin ich erleichtert! Sonne, wie herrlich!", hörten sie plötzlich
jemanden jubeln und Sakito drehte sich verwundert zu dem Urheber um. Takeda
ignorierte das Erscheinen des Störenfriedes und wandte sich Uruha zu, der
kalkweis war und zitterte. "Uruha? Hey Uruha?! Glaubst du, du kannst mir helfen,
Reita nach vorne zu bringen?"

"Ähm hallo! Du bist doch dieser... Tsukasa, richtig?"

"Oh wer kennt da meinen Namen?", säuselte Tsukasa fragend und wandte sich
Sakito zu. Doch beim Anblick des Anwalts, verdüsterte sich Tsukasa Gesicht und
ließ Sakito verwundert zurücktreten, als auch Tsukasa mit heftigen Schritten
näher kam, um ihnen einen Finger in die Brust zu bohren. "Du!", zischte Tsukasa
verärgert. "Ich?" "Ja du!" "Und?" "Was und? Du hast mir das alles
eingebrockt!", knurrte Tsukasa wütend. "Tu nicht so unschuldig! Du weißt, was
ich meine! Du hast mir diesen Aoi ins Haus gebracht! Diesen verfluchten,
kleinen..." "Red nicht so über Aoi!", unterbrach ihn Sakito und brachte Tsukasa
auf Abstand.

"Riechst du das auch?" Mit in die Höhe gereckter Nase, wandte Tsukasa den Blick
ab. "Das ist Baby Doll. Das Göttlichste unter den Parfümen." "Was interessiert
mich bitte dein Parfüm?! Sag mir lieber, wen du da trägst! Ich seh nicht viel
von ihm, aber ich glaube, von ihm kommt dieser beißende Geruch. Gib ihn mir,
wenn er nicht zu euch gehört und verschwinde von hier!"

"Das ist kein beißender Geruch! Ich hab doch Baby Doll über ihn geschüttet.
Du hast keinen Geschmack, aber bitte... hier, nimm ihn...", meinte Tsukasa
gekränkt und ließ den toten Freund Katos sich von der Schulter nehmen.

"Kami... Was haben sie denn mit dem gemacht...?", fragte Sakito schockiert
strauchelte ein wenig zurück. Ihn grinste ein aufgenähtes Clownsgesicht an.

"Was weiß ich...", winkte Tsukasa ab und wischte sich den "Dreck" von der
Schulter. "Viel Spaß bei eurem gemeinsamen Date, ihr zwei Turteltauben.",
fügte er dem grinsend bei und lief nun eilig an Sakito vorbei, der kalkweiß im
Gesicht geworden war und würgen musste. „Das ist zuviel für meinen
Magen...“ Kurz schloss er die Augen und kämpfte die Übelkeit nieder, was ihm
jedoch schwer fiel, da das Einatmen ihn immer an den Tod dieses Mannes in seinen
Armen erinnerte. „Er muss nach vorne! Beeil dich, Sakito, und reiß dich
zusammen!“, verlangte er sich ab und nahm den Fremden über die Schulter, um
sich von der Burg abzuwenden und zum Tor zu eilen, so gut er es mit dem
zusätzlichen Gewicht eben konnte.

Inzwischen waren auch die ersten Krankenwagen eingetroffen und Sakito sah
erleichtert zu, wie sie gerade Reita auf eine andere Trage verfrachten, um ihn
anschließend ins Krankenhaus zu fahren.
Takeda kam ihm entgegengelaufen, hob fragend die Brauen, als er den Toten über
Sakito`s Schulter sah, fragte aber nicht weiter nach und lief weiter in Richtung
Burg, aus dem gerade Nikita gelaufen kam. Immer noch mit jemanden über dem
Rücken und einen Toten hinter sich her schleifend, da sein Kamerad wohl
gegangen war und diesen zurücklassen musste.

„Fuck! Dann muss sich Sakito jetzt darum kümmern, das die Polizisten fern
bleiben.“, dachte er und stoppte vor Nikita, um sich erklären zu lassen, wen
er da bei sich trug. "Das... au! Man halt still, verdammt! Das ist Kato. Dein
Freund wird gerade, wie ich sehe, von Sakito weggebracht. Er-" "Er ist doch
aber... Oh... das tut mir Leid." "Mir tut es nicht Leid. Ich kenne die beiden
nicht. Hier, nimm ihn mir ab und mach ihn am besten irgendwo fest, sonst reißt
der noch aus, um sich in den Totenwagen zu schleichen. Ich kann nicht länger
bleiben. Befehl von Hizumi. Die beiden müssten gleich rauskommen. Ihr kümmert
euch um den Rest. Wir zählen auf euch!", sagte er, übergab Takeda den sich
wehrenden und um sich schreienden Kato, nachdem er die schäbige Jacke, oder
das, was davon übrig geblieben war, des Toten losgelassen hatte. "Ich werde
über den Zaun klettern. Der Eingang ist ja besetzt. Hier hab ich noch jemanden,
der es nicht geschafft hat. Ich glaub, der ist mit dem hier befreundet.", meinte
er und deutete auf Kato. "Das ist Matsuda! Seit gefälligst nett zu ihm!"
"Ja, ja, Kleiner.", grummelte Nikita genervt.

"Tut mir Leid. Wir konnten nicht-", fing Takeda an und sah auf Matsuda hinab.
//Wie sollte er sich denn um zwei gleichzeitig kümmern?// Überfordert strich
er sich das Haar aus der schweißnassen Stirn.

"Das ist schon okay. Klar konnte man die nicht davon abhalten, schnell zu
fahren. Allerdings ist Kru, der mit Hizumi rauskommen wird, schwer verletzt.
Zäune zu überklettern, wird er nicht schaffen. Helft ihm bitte.", bat Nikita,
verbeugte sich tief vor dem Polizisten, was er allein für Kru tat, und eilte
anschließend in einer dem Eingangstor entfernteren Richtung davon.

"Hm hai...!", versprach Takeda vorläufig und verbeugte sich hastig vor seinem
Gegenüber, als dieser es tat. „Ich weiß zwar nicht wie, aber das werden wir
schon irgendwie schaffen.“, dachte er und seufzte schwer. Da traf ihn eine
Faust in die Magenkuhle und ließ ihn japsend zurück stolpern.

Kato, dieser Wahnsinnige, hatte es gewagt, um sich vielleicht frei machen zu
können und zu seinem Liebsten zu gelangen. "Nichts da...!", japste Takeda und
schnappte sich die Handgelenke dieses Mannes, von dem er nicht wusste, in
welchem Zusammenhang er in dieser Sache mit drin steckte. "Du kommst schön mit
mir.", meinte er, kramte seine Handschellen aus seiner Gürteltasche und ließ
sie um Katos Handgelenke zuschnappen.

"LASS MICH GEHEN!"

"Psssst! Sei still, Kato! Du machst unseren ganzen Plan zu Nichte!"

"Du hast mir gar nichts zu sagen! Lass mich gehen! Ich will zu ihm!"

"Das kannst du später! Jetzt komm schon mit!"

"Nein!"

"Und ob...,“ knurrte Takeda und schubste Kato in die Richtung seines Wagens.
Er wusste keine andere Möglichkeit, ihn irgendwie sicher von hier fort zu
bringen. "Und wehe, du tust Aoi weh!", drohte er ihm mit eisiger Miene und
drängte ihn auf den Beifahrersitz seines Wagens. Doch Kato wollte da nicht
rein! "Nein, nein! Ich habe nichts getan! Wirklich! Ich bin unschuldig! Nicht in
diesen Wagen!", jammerte er auf und riss die Augen auf, als Takeda ihm den Mund
zu hielt. "Tut mir Leid. Mir bleibt nichts anderes übrig! Wir müssen die
Polizei von der Burg ablenken! Wenn du hier rumschreist, können wir das
vergessen! Bitte... du kommst doch auch gar nicht ins Gefängnis! Also wenn du
so unschuldig bist, wie du sagst! Bleib einfach da drin und sei still! Ich bitte
dich, Kato... Wir kümmern uns später um dich und darum, dass du deinen Freund
wieder siehst. Aber bitte, setz dich...", bat Takeda inständig und schenkte
Kato einen verzweifelten Blick.

+~+

Da hatte Sakito wirklich Recht.
Wenn Uruha etwas wollte, dann konnte ihn kaum jemand davon abhalten.
Dennoch hörte der Brünette dem Anwalt ruhig und aufmerksam zu.
Er zitterte noch immer leicht.
Uruha spürte die warme Stirn Sakitos an der eigenen und sehnte sich leicht nach
mehr dieser Wärme.
Leicht schluckte er und nickte nochmal.
"Versprochen...", hauchte er und ließ den anderen zögern gehen, um die Nummer
aufzuschreiben.
Er ließ seine Hand nach Sakito`s in die Jackentasche gleiten um das Stückchen
Stoff festzuhalten.
Fast wie ein Rettungsring schien es für ihn zu sein.
Zumindest fühlte es sich so an.
Uruha wusste, dass er stark sein musste, und er schmiegte sich noch ein letztes
Mal,
Schwäche zeigend, an Sakito`s Hand, ehe sie sich trennten und er Sakito nur
noch nachsehen konnte.
Mit einem tiefen Atemzug sah er sich um, beobachtete wie Takeda Aoi im Wagen
zurück ließ, hörte den Hubschrauber und hielt sich eine Haarsträhne aus dem
Gesicht, als er nach oben in den weiten Himmel blickte.
Erst als die Maschine wieder abdrehte, senkte Uruha wieder seinen Blick und lief
zu Takeda.
Gerade als er etwas sagen wollte, hörte er dieselbe Stimme, die auch Sakito und
der Polizist bemerkten und nur wenige Sekunden später erreichte auch er die
Befreiten.
Doch als er Reita erblickte, hatte er für eine Sekunde das Gefühl, dass
jegliche Kraft und jegliches Gefühl aus seinem Körper verschwand.
Zittern hielt er sich auf den Beinen und atmete flach.
Er hielt sich eine Hand vor den Mund um jegliche Tränen zu unterdrücken.
"H-hai... hai, das kann ich...", sagte, oder besser stotterte er leise und half
Takeda vorsichtig.
Als Reita schließlich von einem Sanitäter entgegengenommen und vorerst
versorgt wurde, blieb Uruha vor dem Wagen stehen.
Er hoffte so sehr, dass Reita es überstand. Bis der Blonde sicher auf der Trage
in dem hellen Wagen lag, rührte sich Uruha keine Sekunde vom Fleck.
Auch seine Hand hatte er erst losgelassen, als er aus dem Wagen gebeten wurde,
um genug Platz für Arzt und Sanitäter zu lassen.
Immer wieder wischte er sich über die Wangen, obwohl keine einzige Träne sie
benetzt hatten.
Uruha drehte sich um und sah sich etwas hektisch nach den anderen um. Wo waren
sie?
"Sakito?!", rief der Brünette besorgt und lief suchend zwischen den Wagen und
Menschen umher. Wenn dieser Platz nur nicht so groß wäre und diese Burg nicht
so furchteinflößend.
Er erkannte Takeda, der augenscheinlich mit einer Person rangelte und sah sich
wieder nach Sakito um. "Sakito?!", rief er erneut und warf seinen Blick wieder
Richtung Mauern.
Wo war er denn nur?

+~+

Kato erstarrte, aufgrund der Worte dieses Polizisten, der wohl nicht danach
handelte, ihm Schaden zuzufügen, wie er zunächst glaubte, sondern sich um sein
Wohl und das anderer zu sorgen. "Versprechen Sie mir, dass ich Mizuki wieder
sehe!", bat er im dringlichen Ton und setzte sich nun freiwillig auf den
Beifahrersitz. Jedoch war seine rechte Hand in der Jacke Takedas gekrallt,
welcher nun verwirrt die Brauen hob. "Ihren Freund, richtig?", hakte er nach und
nickte, als auch Kato dies tat. "Ja, ich verspreche es. Nun setzen Sie sich
bitte und lassen mich bitte los, damit ich weiter arbeiten kann." "Werden sie
für solche Dienste eigentlich bezahlt, dass Sie gegen ihre Prinzipien
arbeiten?", wollte Kato mit ernster Miene wissen und behielt den eisernen Griff.
"In der Not, schaffe ich mir meine eigenen Prinzipien! Jetzt lassen Sie...",
wollte er den anderen noch einmal darum bitten, ihn nicht handgreiflich werden
zu lassen, als Kato von selbst die Umklammerung lockerte und die Hand ins Auto
zog. "Danke.", sagte Takeda nickend, schloss die Beifahrertür, zog den
Autoschlüssel hervor, bei jenem Anblick Kato die Augen erzürnt aufriss und
versuchte, die Tür wieder zu öffnen, steckte sie in den dafür vorgesehenen
Schlitz und schloss das Auto ab.
Er warf dem Gefangenen einen entschuldigenden Blick zu, bevor sein Blick noch
einmal zu Aoi wanderte, der auf dem Rücksitz noch immer angeschnallt lag und
sich nicht rührte.
„Ich hoffe, du hast es bald überstanden. Und Rei auch. Wir alle...“,
wünschte er sich und eilte anschließend mit grimmiger Miene los, um Matsuda zu
dem anderen Toten, Mizuki, zu bringen.

+~+

Sakito hatte inzwischen Mizuki den Ärzten übergeben, nachdem er ihnen gesagt
hatte, das dieser Mann noch von Polizisten auf Spuren oder ähnliches untersucht
werden müsse. Vielleicht konnten sie dann die Spur dieses Wahnsinnigen
aufnehmen, die ihm das angetan hatte. Dass es sich dabei um mehrere Opfer
handelte, wusste er nicht.

Schmerzhaft zischte er auf. Was war denn nun wieder? Verwirrt legte er Hand an
seine Schulter, die ihm sogleich einen erneuten Schmerzenslaut entlockte.
„Jetzt ist die Wunde wieder aufgerissen, oder wie? Super... Das fehlte mir
jetzt noch.“, fluchte er im Stillen, reckte den Hals jedoch nach Takeda aus,
der mit einem weiteren Mann beladen in seine Richtung gelaufen kam und ließ den
Blick weiter schweifen. Warum stand Uruha denn da und sah sich hektisch um, als
suche er jemanden? Das Reita davongelaufen sein konnte, war doch unmöglich!
Sich auf die Unterlippe beißend und zunächst nach den Polizisten Ausschau
haltend, sah er, wie ein Krankenwagen startete und anstatt von hier wegzufahren,
in Richtung Tor fuhr! Wollten die etwa auf das Gelände?
Den Schmerz seiner Schulter vergessend, rannte Sakito auf das Tor zu und dabei
vorbei an Uruha, dem er, als er davor stand und sich zu dem näherkommenden
Krankenwagen drehte, beiseite winkte. "Ruha! Pass auf, hinter dir!", warnte er
ihn, denn anscheinend musste der Fahrer Tomaten auf den Augen haben, um den
Blonden nicht zu sehen! Zum Glück fuhren sie so langsam, dass Uruha ausweichen
könnte. "HEY! ANHALTEN! HIER GEHT ES NICHT DURCH!!!", brüllte er und stolperte
nach vorne, als Takeda an ihm vorbei rauschte und der Fuß des Toten ihm im
Rücken traf. "Autsch! ... Takeda, halt diese Idioten auf!", wies er den
Polizisten an, der Matsuda hastig an einem der herumstehenden Kittelträger
reichte, um dann, schnaubend und fluchend, auf den Krankenwagen zu zu rennen und
gegen dessen Fahrertür schlug. Der Wagen hielt inne und die Tür öffnete sich.
"Gehen Sie vom Wagen weg! Sie behindern eine Rettungsaktion!" "Sehen Sie hier
irgendwo jemanden, dem Sie noch helfen könnten?! Wir haben Ihnen vorläufig
alle gebracht, die wir finden konnten! Jetzt müssen Sie warten, bis die Polizei
hier ist! Oder wollen Sie sich in Gefahr bringen!? Und wer soll dann denen
helfen, die die Hilfe wirklich brauchen?!" Der Fahrer des Krankenwagens starrte
Takeda für einen Moment irritiert an, bevor er den Blick auf Takedas
Dienstmarke richtete. "Aber für den Fall, das dort drin noch Verletzte sind,
denen wir noch helfen können, müssen wir doch helfen, Officer! Bis die Polizei
hier ist, sind uns alle weggestorben!" "Woher wollen Sie wissen, dass dort drin
noch jemand lebt? Wir müssen auf Nummer sicher gehen! Die Polizei müsste
gleich hier sein! Ich danke Ihnen ja für Ihre Bereitschaft den Menschen zu
helfen, aber denken Sie auch an ihre Sicherheit. Gleich sind-" "Takeda, da sind
sie!" "Was?" Verwirrt wandte Takeda den Blick an Sakito, der panisch in eine
Richtung deutete. Takeda drehte den Kopf weiter und erkannte die
heranstürmenden Polizisten. Schwer seufzend ließ er den Kopf sinken. "Da sehen
Sie... Die Polizei ist da... Und jetzt warten Sie bitte hier. Sie versperren
sonst das Tor... Hä...? Kami, das ist es! Steigen Sie bitte aus! Das ist ein
Notfall!", kam ihm plötzlich eine Idee und deutete Eile mit einer schnellen
Handbewegung an, damit der Mann sich beeilte, aus dem Wagen zu steigen.

Sakito beobachtete Takedas Vorhaben verwirrt, zuckte jedoch mit den Schultern
und rannte zu Uruha.
"U-Uruha...", japste er leicht ermüdet und hielt sich wieder die brennende
Schulter. "Keine Ahnung, was Takeda vor hat, aber er wird schon wissen, was er
tut. Warum gehst du nicht zu Reita? Die scheinen gleich losfahren zu wollen,
sobald die anderen Wagen mal aus dem Weg fahren würden. Ist das ein Chaos
hier...!", stieß er aus und wischte sich im Gesicht hängende Strähnen aus
diesem. "Ansonsten, wenn du nichts zu tun hast, kannst du mir gerne dabei
helfen, die Polizei davon abzuhalten, hier rein zu marschieren. Frag mich nur
nicht wie...", seufzte er und überlegte angestrengt.

~+~

Uruha stolperte zur Seite, als der Wagen auf ihn zu fuhr. Wieso hielt er nicht?
Wenn er nicht ausgewichen wäre, dann hätten die Sanitäter gleich noch einen
Verletzen zu versorgen, dachte sich der Brünette leicht ironisch und blinzelte
für einen Moment über seine eigenen Gedanken.
Diese waren gerade nicht besonders angebracht.
Das Gute, an der Situation war, dass er Sakito endlich gefunden hatte.
Als Sakito so außer Atem vor ihm stand schüttelte er den Kopf und sagte: "Sie
brauchen den Platz im Wagen."
Erschrocken bemerkte er Sakitos Schulter, an dessen Stelle sich das Hemd bereits
rot gefärbt hatte.
"Deine Schulter!", sagte er und blickte den Anwalt besorgt an.
"Ich will dir helfen", antwortete er nickend und blickte ihn entschlossen an.

"Oh na ja dann... Bring ich dich später zu ihm.", versprach Sakito dem Blonden
und winkte ab, als Uruha seine Schulter auffiel. "Das kann warten. Noch haben
wir eine Aufgabe zu erledigen.", meinte er und sah, wie der Krankenwagen mit
Reita als Insassen endlich los fuhr. Erleichtert seufzte er auf. "Gut, Reita ist
schon mal auf dem Weg. Aoi ist sicher... Doch was machen wir nur mit den
Polizisten?", fragte sich Sakito erneut und nachdenklich, sah dann wie Takeda
den Krankenwagen rückwärts in Richtung des Tores manövrierte. Die
protestierenden Ärzte auf den Fersen. Er blinzelte verwirrt. "Was zum... Aber
der versperrt doch dann... Man, ist der gerissen! Da wär' ich nie drauf
gekommen!", stieß Sakito dann voller Stolz auf und grinste breit. "Na hoffen
wir mal, das ihm das nicht den Job kostet.", merkte er besorgt an und hob dann
wieder den Blick zu Uruha. "Takeda versucht, denen den Weg mit dem Wagen zu
versperren. Die Ladefläche können wir außerdem dafür verwenden, das Hizumi
und Kru hinten rein und hier unbeschadet und ungesehen wieder raus können. Am
besten, dass mach ich dann. Ich will ja eh meinen Job kündigen. Gut... Takeda
macht das schon. Lass uns nun... Oh da sind die Herren schon!", rief er etwas
überrascht, umrundete Uruha und stellte sich mit weit ausgebreiteten Armen vor
den Polizisten auf. "Mein Name ist Sakito! Ich bin heute der Partner ihres
Chiefs, Takeda-san, und übermittle Ihnen eine Nachricht von ihm: Das Betreten
des Geländes ist vorläufig gesperrt. Und ähm... Rufen Sie die
Spurensicherung, mit denen Sie dann, wenn der Wagen den Eingang geräumt hat,
das Gelände betreten dürfen! Haben Sie verstanden?!" "Aber Sie sind nicht mal
ein Polizist! Gehen sie aus dem Weg! Takeda-san?!", riefen die Polizisten, die
nicht wussten, wo der Kommandant ihrer freiwilligen Einheit war und sahen sich
um.
"Aber ich übergebe Ihnen die Anweisungen ihres Kommandanten!", versuchte es
Sakito erneut und sah sich Hilfe suchend um. Ihm musste doch noch etwas besseres
einfallen...

+~+

Uruha beobachtete ebenso, wie Takeda den Krankenwagen in Richtung Tor schub.
Dennoch verstand er das Prinzip erst, als Sakito es aussprach.
Er nickte leicht und drehte sich kurz um sich selbst, als Sakito ihn umrundete,
um ihn nicht aus den Augen zu lassen und beobachtete, wie dieser versuchte die
Polizeibeamten vom Betreten abzuhalten.
Gerade im Moment war Uruha froh darüber, dass er noch immer den Mantel trug und
er sich die Kapuze über den Kopf ziehen konnte.
Irgendwie hatte er doch große Angst, dass man nach ihm suchte.
Aber er wollte Sakito weiterhin helfen.
Die Beamten glaubten dem Anwalt nicht, aber Takeda war gerade verhindert. Er
würde bei dem Krankenwagen bleiben müssen, damit die Ärzte ihn nicht wieder
wegschoben.
Da fiel ihm gerade etwas ein, wenn die Ärzte also abgelenkt waren, konnte
Takeda Sakito dabei helfen, die Polizeibeamten davon abzuhalten das Gelände zu
stürmen.
Einen letzten Blick auf Sakito werfend, rannte er zu Takeda und tat so, als
wäre er ziemlich durch den Wind. Er hielt sich für einen Moment an dem
Polizisten fest und zerrte an dessen Hemd. "Der Anwalt! Er braucht Hilfe, ich
hab ihn gefunden!", begann er und gab sich verstörter als er war. Relativ
schnell wandte er sich an die Ärzte ab. Trotzdem hatte er gehofft, dass Takeda
den kleinen Wink verstanden hatte. Er stolperte auf die Ärzte zu und zerrte
einem am Arm vom Krankenwagen weg. "Ihr müsst ihm helfen!!! Bitte, schnell!!!",
rief er und zerrte weiter an dessen Ärmeln. Wohin er sie jetzt führen sollte,
wusste der Brünette noch nicht, aber irgendein Platz würde ihm schon in die
Quere kommen.

+~+

Takeda hielt inzwischen den Wagen an und schloss die Türen beidseitig ab, die
die Ärzte gerade versuchen wollten, diese zu öffnen. Er hob den Blick, als
Uruha gegen die Tür schlug, die er gerade zu schließen versuchte. Nach einem
kurzen Blick in dessen Augen, verfing er sich an Uruhas Lippen, um seine Worte
zu deuten. Takeda?! Okay, okay! Bloß nicht in Panik verfallen! Das würde er
auch noch hinbekommen.
CHAOS!
„Urlaaaaaaaub!“, jammerte Takeda im Stillen und nickte noch schnell, doch da
war Uruha bereits aus seinem Blickfeld verschwunden. Er hob den Kopf, um ihm zu
folgen. Als er sah, wie Uruha die Ärzte vom Wagen versuchte weg zu locken,
musste er grinsen. „Gut so, Uruha.“, dachte er und verschwand im Inneren des
Wagens, um im hinteren Teil die Doppeltür aufzureißen, um dann um die Ecke zu
spähen. "Super! Da kommt keiner durch.", sagte er mehr zu sich und grinste
triumphierend. Als er dann Sakito dabei sah, wie er noch immer versuchte, die
Polizisten aufzuhalten, rief er seine Leute, die endlich auf ihn aufmerksam
wurden und von Sakito abließen. Auch eilten sie an dem Anwalt vorbei, direkt zu
den efeuberankten Gittern neben dem Tor. Takeda trat zu ihnen. "Männer! Ruhe!",
befahl er und nach kurzem Gedränge und Protesten, wurde es das tatsächlich.
"Der Krankenwagen steckt fest, okay? Aber das kriegen wir wieder hin. Bestellt
bitte die Spurensuche hier her und noch einen Polizeiwagen für einen
Schwerverbrecher. Schafft außerdem Ordnung auf der Straße! Die müssen her
auch durchkommen! Den Wagen müssten wir in der Zentrale ja wohl noch haben. Ich
werde nachsehen, ob sich noch Menschen darin befinden und-" "Aber Takeda-san!
Sie können doch da nicht allein rein gehen!", rief einer von ihnen bestürzt
und die anderen schlossen sich mit einem zustimmenden Murmeln an. "Ich bin nicht
alleine, Männer.", log er und dankte dem Efeu, dass er ihnen die weitgehende
Sicht versperrte. "Wenn ich wieder draußen bin, dann werde ich versuchen, den
Wagen wieder zum Fahren zu bringen. Ihr-" "Wir sehen vorne nach!", meinte einer
und Takeda nickte. "Ja ja, tut das. Und kümmert euch um das, was ich euch
aufgetragen habe!" "Hai!", kam es einstimmig und die Polizisten entfernten sich
vom Tor. Die telefonierten und manövrierten die Krankenwagen in eine
ordentliche Weise an die Straße, sodass auch andere Fahrzeuge hier wieder
durchfahren konnten.

Sprachlos sah Sakito, wie die Polizisten sich ans Werk machten.
"Na klasse. Jetzt spielt Takeda den Held.", regte er sich belustigt auf und
wollte sich Uruhas Hand fassen, um mit ihm nach einer Möglichkeit zu sehen, wie
sie da hinein gelangen konnten, als er ins Leere fasste. "Uh...? Uruha?", rief
er seinen Namen und drehte sich verwirrt herum. Er richtete den Blick auf, als
er laute Stimmen wahrnehmen konnte. "Sind Sie sich sicher?", riefen einige
Ärzte und sowas wie: "Wie schwer ist denn der Mann verletzt?", ehe diese,
angeführt von Uruha, der etwas hilflos aussah, in eine Richtung davon sausten.
„Ist wer verletzt?“, fragte er sich verwirrt und sah sich um.
Nicht genau wissend, was er als nächstes tun sollte, lief Sakito, sich wieder
die verletzte Schulter haltend, zum Zaun, um hindurch zu spähen.
"Mist... was soll ich denn jetzt machen...?", fragte sich Sakito etwas
angepisst, da auch er nicht mehr die Möglichkeit hatte, auf das Gelände zu
kommen und Takeda zu helfen. Als ihm nach kurzer Bedenkzeit schließlich eine
Idee, schnipste er grinsend mit den Fingern. "Bingo!"
Er blickte über die Schulter und suchte die Menge nach Blicken ab, die ihm
geschenkt wurden. Doch da niemand guckte, presste er die Zähne zusammen, damit
er sich nicht verraten würde, und zog sich am Gitter so weit hoch, das er es
unter Anstrengung schaffen könnte, vielleicht über... "Autsch! Verdammt!",
fluchte Sakito auf und rutschte an den Gitterstäben hinab. Seine linke Schulter
fühlte sich so an, als ob sie ihm gleich abfallen würde. Mit wabbligen Knien
landete er mit den Füßen wieder auf sicheren Boden und ließ sich fallen.
"Doch nicht jetzt.... Ich wollte dem Monster noch eine reinwürgen...", jammerte
er und schlug protestierend gegen die Mauer, was ihn schmerzhaft aufzischen
ließ. „Takeda, du schaffst das!“, dachte er.

+~+

Uruha zog noch immer an dem jüngeren Arzt und versuchte sie irgendwo hin zu
locken.
Weg von der Burg, und weg von dem Krankenwagen, das war schon mal eine
Aussicht.
Die Frage, die sich dem Blonden nun stellte war die, wohin er sie denn dann
locken sollte.
Hoffentlich, konnte er sie lange genug ablenken.
"Sie müssen sich beeilen!", rief er erneut und blieb für einen kurzen Moment
stehen, um sich zu orientieren.
"Wohin jetzt?", fragte einer der Ärzte, der von Uruha inzwischen losgelassen
wurde und etwas verwirrt drein blickte, da der Blonde nicht gerade danach
aussah, als würde er wissen wo sie hin liefen. "Wissen Sie noch den Weg?"
Uruha drehte sich für einen Moment um und nickte hastig: "Natürlich! Kommen
Sie schnell!"
Er lief einfach weiter, spürte wie sich das Stechen in seiner Lunge breit
machte, denn diese Art von Betätigung war er nicht mehr gewohnt.
Nachdem er es geschafft hatte, die Ärzte etwas von dem Geschehen wegzulocken,
blieb einer der beiden skeptisch stehen. "Sind Sie wirklich sicher, dass das die
richtige Richtung ist?", fragte der zweite Arzt und begutachtete Uruha nun
erstmals genauer. "N-natürlich!", stotterte Uruha etwas leiser und nervöser,
denn die Angst, dass er erkannt wurde, stieg immer mehr und die Gefahr, dass die
Ärzte nun direkt umdrehten um wieder zurück zu laufen, wurde auch immer
größer. "G-gleich dort drüben."
Mit einem doch etwas flehenden Blick, sah er zwischen den beiden hin und her.
"Ich weiß nicht...", sagte der weiß gekleidete Mann an seinen Kollegen und
schüttelte anschließend leicht den Kopf. "Ich denke, es wäre besser, wenn nur
einer von uns beiden weiter geht. Immerhin gibt es dort vorne noch mehr Verletze
und...", begann er, wurde jedoch leise und wandte sich noch ein Stück mehr an
seinen Kollegen, bevor er leiser weiter sprach, "... für mich klingt es
ziemlich irrsinnig, was uns dieser Kerl da versucht weiß zu machen... Aber um
auf Nummer sicherzugehen, bleibt einer von uns bei Ihnen".
"NEIN!", entglitt es Uruha doch leicht vorwurfsvoll und er schluckte sogleich,
denn das war nicht geplant gewesen, "... Er ... er ist sehr schwer verletzt,
dass... ehm... dass geht nicht alleine, und... und..."
Während er redete versuchte er die Ärzte weiter zu locken, indem er seitwärts
weiter lief, um den Sanitäter weiter anzusehen. "Bitte, sie mü-", begann er,
wurde jedoch von sich selbst unterbrochen. Mit dem Steinblock der dort mitten im
Weg lag, hatte er nicht gerechnet.
Er stolperte darüber, konnte sich nur leicht mit dem Ellenbogen abfangen, bevor
er mit dem Kopf auf den Boden geknallt wäre. Geplant war das ganze zwar nicht,
aber irgendwie ja doch ganz hilfreich in diesem Moment. Nicht der Schmerz in
seinem Bein, oder die Aufschürfung an seinem Arm zogen seine ersten Gedanken
auf sich, sondern das Glück im Unglück, dass er wohl gerade hatte.
Die Ärzte sprangen sofort zu ihm, um ihm zu helfen, doch Uruha ergriff die
Situation und hielt einen der beiden Ärzte fest. "Bitte, Sie müssen doch dem
Anwalt helfen!", sagte er und zerrte leicht an dem dünnen Stoff der Weste.
"In Ordnung...", sagte dieser und wandte sich seinem Freund zu. "Ich werde nach
diesem Anwalt sehen und du kümmerst dich um den Jungen".
Er ließ von Uruha ab und machte sich weiter auf die Suche nach diesem
mysteriösen, verletzten Anwalt.
"Tut mir Leid...", dachte Uruha, als er den Arzt auf eine unmögliche Suche
schickte, bevor er sich von dem bei ihm Gebliebenen helfen lies.

+~+

"Lasst mich endlich los!", fluchte der Boss, als sie das Tageslicht durchbrachen
und kniff die Augen zusammen. "Wenn ihr für mich arbeiten würdet, hätten ihr
viel bessere Chancen, euch auszutoben! Ihr würdet Geld bekommen, Mädchen oder
Jungs wenn ihr wollt. Und-"
"Jetzt hör schon auf, du Fettsack!", giftete einer der beiden, die ihn
festhielten und zog einmal kräftig an dem Arm des Bosses, was diesen
schmerzhaft auf fluchen ließ. "Ja genau, du bekommst uns nicht!", sagte der
andere und stieß mit Absicht hart gegen die Nase dieses Mannes, worauf dieser
vor Schmerzen aufheulte. "Pssst! Geht das auch leiser?!", zischte wieder der
andere und schubste den Boss vorwärts.
Als ihnen ein grimmig dreinschauender Polizist entgegenkam, verengten die beiden
Schwarzgekleideten die Augen misstrauisch zu Schlitzen. "Ich warne dich, Bul-"
"Mein Name ist Takeda. Danke. Schön, dass ihr mir dieses Schwein bringt...",
meinte jener und grinste bösartig. Da hellten sich die Mienen der
Schwarzgekleideten auf. "Ha, ich wusste es! Der gehört zu uns." "Ja, ja... Du
weißt alles.", schnaubte der andere.
"Der sieht ja noch fast wie neu aus!", meinte Takeda enttäuscht und besah sich
die die Unversehrtheit des Bosses. "Und leider ist es mir verboten-" "Sollen wir
ihm für dich was tun?", wollte der eine wissen und Takeda hob die Brauen.
"Nein, sonst muss ich das vor Gericht verantworten. Ich werde mich später um
ihn kümmern.", versprach Takeda. "Du traust dich bloß nicht, einen Wehrlosen
zu schlagen..." "Oh fordere mich nicht heraus, Dickerchen. Das bekäme dir nicht
gut.", meinte er und dachte kurz nach. "Aber das könnte man nicht
nachweisen...", murmelte Takeda und trat dem Boss mit voller Wucht zwischen die
Beine, sodass dieser schmerzhaft aufstöhnend zusammen sackte. "Ich würd dir
dafür jetzt gerne gratulieren, aber sonst fällt der vielleicht noch auf die
Fresse... Okay~", endete der eine breit grinsend, nickte dem anderen zu und
nachdem beide den Boss losgelassen hatten, fiel dieser tatsächlich auf die Knie
und zischte schmerzhaft auf. Der Schwarzgekleidete klopfte Takeda, wie
versprochen, gratulierend auf die Schulter. "Und wieder hoch mit dir.", sagte
dann der andere und beide rissen ihn wieder auf die Beine, um ihn, wie zuvor
schon, wieder die Arme auf den Rücken zu reißen. "Und nun?" "Bringt ihn
erstmal in die Ladefläche des Krankenwagens. Dann warten wir noch auf Hizumi
und Kru und dann bring ich euch von hier weg. Um den Fetten kümmere ich mich
dann." Dieser knurrte gereizt auf und spuckte Blut zu Boden. Verstehend nickend,
wurde der Boss daraufhin an Takeda vorbei geschubst und in Richtung Krankenwagen
gebracht.

"Okay, langsam könnt ihr kommen...", murmelte der Polizist und spähte in die
Nichtssagende Dunkelheit der Burg.

+~+

Takeda wurde inzwischen auch wieder woanders gebraucht. Der Lärm, der von
seinem Wagen aus kam, hatte ihn vom Gemäuer abgelenkt und ihn zu Kato sehen
lassen, der mit weit aufgerissenen Augen an der Scheibe klebte. //Was war denn
jetzt?!//, fragte er sich und Panik stieg in ihm auf. //Was machte er da bitte
auf der Rückbank?! Da war doch Aoi!//, fiel ihm auf und stürmte auf den Wagen
zu. Und während er sich darum kümmerte, das Kato nach einer Rangelei wieder
nach vorne kam, indem er seine Handschellen so umdisponierte, das sie an der
Beifahrertür befestigt wurden, und Aoi wieder auf der Rückbank gerade zu
rücken, dessen Beine Kato hochgelegt hatte, um an die Tür heranzukommen, bekam
er nicht mit, wie Hizumi und Kru endlich aus der düsteren Burg getreten waren

~+~+~

Hizumi führte Kru vorsichtig aus dem riesigen Schloss und sah sich um.
Er bemerkte nicht, was Kru vorhatte und führte ihn geradewegs auf einen Wagen
zu, damit dieser sich endlich ausruhen konnte...
Sein Husten klang auch nicht gerade gut...
Aufmerksam sah Hizumi sich um, als sie zum Wagen gingen.

Was war denn hier los...?

+~+

Und wieder war er darüber erstaunt, wie Recht Hizumi doch hatte. Das Licht tat
so gut.
Zumindest erheiternder als das, was sie erleben mussten.
Schweigend schloss Kru die Augen, als ihn das beginnende Morgenlicht blendete,
frische Luft in ihre Luftröhren strömte und sie für einen Moment aufatmen
ließ.
Innerlich jedoch, fluchte Kru auf, da er spürte, wie schwach er allmählich mit
den neuen Eindrücken wurde.
Dann spürte er eine Hand auf den Rücken, die ihn weiter leitete und nur Hizumi
gehören konnte. Ein wenig lächelnd trat er vorwärts, tauchte wieder mit den
Gedanken ab und zog nun endlich eine Kippe hervor, die sich etwas zusammen
geschrumpelt in seiner Hosentasche gestopft befand. Hizumi würde mit ihm
weggehen...
Ein kleines Grinsen ersetzte sein eben noch erfreutes Lächeln, während er
weiter vorwärts wankte und nicht einmal merkte, wie er mit dem rechten Schuh in
etwas Flüssiges trat.
Würden sie dann vergessen können? Ihre Aufgaben, Verantwortungen, Ängste,
Pläne und... den Hass in der Welt, gegen den sie kämpften? Wenn auch meist auf
fragwürdigem Wege...
Doch zuvor müssten sie sicher gehen, das dieser Shi tot ist und dieser Fettmops
hinter Gittern. Kru knurrte leise. Boss... Diese Bezeichnung hatte solch ein
Mann nicht verdient. Man musste sich diesen Titel durch besondere Leistungen
verdienen und nicht durch Geld erkaufen! Man sollte ihn "Abschaum" taufen...
Erleichtert aufatmend, lehnte Kru sich gegen den schwarzen Wagen hinter sich,
den er nur schemenhaft wahr genommen hatte, da er etwas unaufmerksam in Gedanken
vertieft war und sich seine steigende Energielosigkeit bemerkbar machte.
"Du... Hizumi...?", begann er etwas unsicher und starrte angestrengt zum Tor.
"Träum ich, oder ist das ein Krankenwagen, indem Hayato, Misayo und dieser
fette Kerl stecken?", fing er auch sogleich an und rubbelte sich mit der Kippe
in der einen ungläubig über die Augen. "Ich glaube, die wollen, dass wir zu
ihnen gehen. Na dann los...", spornte er sich an und richtete sich ächzend
wieder auf. "Ich komme mir vor, wie so'n alter Opa und du bist meine Krücke.",
scherzte er halbherzig und nahm nun auch sein Feuerzeug zur Hand. Die Kippe
steckte er sich bei dem Griff auch gleich zwischen die Lippen.

+~+

"A-aber-!"
"Nichts aber! Du bleibst jetzt hier vorne sitzen! Ich sagte dir doch, das ich
mich um dich kümmern werde, wenn ich hier fertig bin."
"N-nein, diese beiden-!"
"Was denn jetzt bitte für-", fing Takeda verwirrt an und riss den Kopf hoch,
sodass er über das Dach des Polizeiwagens schauen konnte, als ihm ein Gedanke
kam, was oder wen Kato meinen könnte. Die zwei!
"Hizumi!", rief er erleichtert, ließ die Tür Tür sein und wollte um den Wagen
herumlaufen, um sich um den Retter in der Not und dessen Freund zu kümmern, als
Kato ihn an der Jacke zurückriss. "Nein, bleib hier! Siehst du nicht! Das
Benzin des Wagens ist ausgelaufen!", versuchte er dem Polizisten drauf
hinzuweisen und musste herzhaft husten. Seine Kehle brannte, als hätte jemand
heißes Öl hinein gegossen...

Die Augen aufreißend, da Takeda den ihm Unbekannten, den er aus dem Gehörten
als Kru identifizieren würde, eindeutig mit einer Zigarette am Mund gesehen
hatte, brüllte Takeda ohne Umschweife und Rücksicht los: "Hizumi, das Benzin!
Geht vom Wagen weg! Kein Feuer!", warnte er die beiden hastig und wollte erneut
zu den beiden rennen, als sich Kato hustend auf ihn warf und somit zu Boden
riss. "Wie hast du die Handschellen gelöst?!" "Du hast mir versprochen, mich zu
Mizuki zu bringen!", erwidert Kato mit zusammengezogenen Brauen röchelnd,
ignorierte jedoch Takedas Frage und fasste ihn grob am Kragen.

+~+

"War da was...?", fragte Kru verwirrt, blinzelte schläfrig, woraufhin er den
Kopf schüttelte und blickte sich um, während er das Feuerzeug seine Arbeit tun
ließ...

+~+

Hizumi steuerte seinen Weg zu dem Wagen und wollte sich eben setzen, als er
Hayato und die anderen auch sah.
"Na, dann wollen wir mal, alter Mann.", lachte Hizumi, sah dann aber auf, als
der Polizist ihm etwas zuschrie.
"Hizumi... Benzin... Wagen... Feuer!", hörte er nur und reimte sich das Gesagte
zusammen.
Kru.. und die Zigarette... Das Feuerzeug...
Hizumi riss die Augen auf, als er wie in Zeitlupe den Funken sah, der in die
Benzinpfütze fiel.
"WEG HIER!!!", brüllte Hizumi und gab Kru einen kräftigen Stoß, der ihn zwar
unsanft auf den Boden aufschlagen ließ, doch auch aus der Gefahrenzone
beförderte...
Das Benzin entzündete sich im Bruchteil einer Sekunde und die Flammenspur
bildete eine Art flüssige Zündschnur bis zu dem Wagen des Bosses.
Alles funktionierte so, wie Kru es gewollt hatte, doch nun traf es eindeutig die
Falschen...
Hizumi warf sich mit einem gewaltigen Hechtsprung auf Kru und schützte ihn so
mit seinem Körper, als der Wagen mit einem lauten Knall in die Luft flog...
Die herumfliegenden brennenden Teile schlugen knapp neben ihnen auf den Boden
und die Hitze war fast unerträglich.
Hizumi hatte nicht ganz so viel Glück wie Kru.
Eines der Autowrackteile hatte ihn am Kopf getroffen und ein brennendes Stück
hatte ihn am Rücken erwischt.

~+~

Als Hizumi die Schlüsselwörter des Polizisten widerholte, begriff auch Kru
langsam, dem alle Gesichtszüge entgleisten, und versuchte hastig seine
Zigarette in seiner Handfläche auszudrücken, um das Missgeschick vielleicht
noch verhindern zu können. Doch ihm blieb keine Zeit, um sich an seinen letzten
Rettungsanker zu heften, denn da brüllte Hizumi direkt neben ihm los, ließ ihn
den Kopf hoch reißen und vorwärts taumeln, um dessen Befehl auszuführen, bis
er ganz plötzlich einen heftigen Stoß in den Rücken bekam, auf einem Bein
vorwärts sprang, bis ihn der heftige Schub das Segel nahm und ihn mit weit
aufgerissenen Augen zu Boden fallen ließ, wobei er versuchte sich mit den
Händen etwas abzufallen und sich auf den Rücken zu drehen. Einen weiteren
Stoß des Messers in sein Fleisch hätte ihm womöglich das Bein gekostet.
"H-Hizumi!", rief er panisch aus Angst nach seinem Freund, versuchte sich mit
den Armen weiter vom Wagen wegzudrücken, sah noch wie Hizumi in seine Richtung
lief und die zum Wagen rasende Flammenspur. Er ließ sich nach hinten fallen, um
mit den Händen anspornend Hizumi zu sich zu winken und wollte gerade die Beine
so weit wie möglich anziehen, damit von diesen das Feuer vielleicht
unberührter bleiben könne, als sich Hizumi plötzlich auf ihn warf und ihn
unter sich begrub, sodass nur seine Arme und Beine rausschauten.
In wenigen Sekunden schoss Kru der Wunsch in den Kopf, sich so zu drehen, dass
er Hizumi schützen konnte, doch da explodierte der schwarze Wagen schon. Mit
rasendem Herzschlag, unregelmäßigem Atem und Todesangst um Hizumi, versuchte
er sie mit seiner übriggebliebenen Kraft mit dem gesunden Fuß weiter fort zu
drücken, indem er diesen in den Boden rammte, doch da erwischte sie bereits die
Hitze der Explosion, die sich über dem ganzen Platz ausbreitete. Die Hitze
mochte ihn zwar weniger treffen als Hizumi, doch seine Gliedmaßen blieben davon
nicht verschont und das Messer in seinem Bein erhitzte sich. Qualvoll schrie Kru
auf, presste die Augen zusammen, aus denen Tränen des Schmerzes drangen und
versuchte seine inzwischen roten Hände schützend über den Körper über ihn
zu schlingen, dessen Schutzweste vor Hitze dampfte. Trotz Hitze, die ihn auch da
erwartete, wollte er Hizumi greifen. Aufzischend umfasste er die dampfende Weste
und klammerte sich panisch an ihn. “HIZUMI!!!“, schrie er im Inneren, wollte
diesem in sein Gesicht schauen und wissen, ob er lebte, als ihn der Aufprall von
Autoteilen an Hizumi weiter in den Boden drückte und ihn erneut aufschreien
ließ. Seine Hand! Hizumi!! "H-Hizumi!", schluchzte er total aufgelöst und
versuchte unter Schmerzen dessen Kopf abzutasten, wobei sich Blut auf seine Hand
verirrte. Kru`s Herz schien still zu stehen, als er es ungläubig betrachtete.
"N-nein!", stieß er mit jammerndem Unterton aus, während seine Lippen
aufplatzten. Die Augen zusammenkneifend, die in ihren Höhlen zu brennen
schienen, wandte er das Gesicht so weit wie möglich von dem Wagen ab. Es
fühlte sich an, als wäre es auf das Doppelte geschwollen und brannte
fürchterlich. An den Stellen, wo sich seine Augenbrauen und Wimpern befanden,
spürte er brennende Hitze. Die verschnörkelten Haare fielen ihm ins Gesicht
und teilweise auf seine weniger brennende Weste, als er es drehte. Die Hitze
darunter war unglaublich, doch sein Bein schien von innen nach außen zu
brennen. Erneut schrie er auf. "Hilfe!", bat er und er glaubte, dieses Wort,
nach der Aufnahme in Hizumis Fittiche mit seinen fünf Jahren, zum ersten Mal
wieder in einem derartig ernstgemeinten Ton ausgesprochen zu haben. "H-helft
ihm!!!", rief er wieder, konnte die Schmerzen nicht mehr ertragen, die sein Bein
auffraßen, ließ seine Blasen werfende Hand nach diesem ausstrecken, umfasste
mit bebenden Hände den glühenden Griff, kniff sich die Zähne zusammen und
entriss das Messer seinem brennenden Fleisch. Erneut vor Schmerzen aufschreiend
glaubte Kru, ohnmächtig vor Schmerzen zu werden, doch er durfte jetzt nicht
aufgeben! Er musste doch Hizumi retten! Dieser...
Erneut liefen ihm Tränen in Sturzbächen über die Wangen, verdampften jedoch
nach wenige Sekunden.

Dieser dumme... liebenswürdige... Idiot...

Warum hatte er sich nicht selbst gerettet...?

Kapitel 25 - The Final? Part 2



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