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Um sicher zu sein gab es nur eine Möglichkeit. Schweigen...
安全であるために一つ可能性だけがある。暗黙。

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Kapitel 26 - Ein neuer Plan


In wenigen Sekunden schoss Kru der Wunsch in den Kopf, sich so zu drehen, dass
er Hizumi schützen konnte, doch da explodierte der schwarze Wagen schon. Mit
rasendem Herzschlag, unregelmäßigem Atem und Todesangst um Hizumi, versuchte
er sie mit seiner übriggebliebenen Kraft mit dem gesunden Fuß weiter fort zu
drücken, indem er diesen in den Boden rammte, doch da erwischte sie bereits die
Hitze der Explosion, die sich über dem ganzen Platz ausbreitete. Die Hitze
mochte ihn zwar weniger treffen als Hizumi, doch seine Gliedmaßen blieben davon
nicht verschont und das Messer in seinem Bein erhitzte sich. Qualvoll schrie Kru
auf, presste die Augen zusammen, aus denen Tränen des Schmerzes drangen und
versuchte seine inzwischen roten Hände schützend über den Körper über ihn
zu schlingen, dessen Schutzweste vor Hitze dampfte. Trotz Hitze, die ihn auch da
erwartete, wollte er Hizumi greifen. Aufzischend umfasste er die dampfende Weste
und klammerte sich panisch an ihn. “HIZUMI!!!“, schrie er im Inneren, wollte
diesem in sein Gesicht schauen und wissen, ob er lebte, als ihn der Aufprall von
Autoteilen an Hizumi weiter in den Boden drückte und ihn erneut aufschreien
ließ. Seine Hand! Hizumi!! "H-Hizumi!", schluchzte er total aufgelöst und
versuchte unter Schmerzen dessen Kopf abzutasten, wobei sich Blut auf seine Hand
verirrte. Kru`s Herz schien still zu stehen, als er es ungläubig betrachtete.
"N-nein!", stieß er mit jammerndem Unterton aus, während seine Lippen
aufplatzten. Die Augen zusammenkneifend, die in ihren Höhlen zu brennen
schienen, wandte er das Gesicht so weit wie möglich von dem Wagen ab. Es
fühlte sich an, als wäre es auf das Doppelte geschwollen und brannte
fürchterlich. An den Stellen, wo sich seine Augenbrauen und Wimpern befanden,
spürte er brennende Hitze. Die verschnörkelten Haare fielen ihm ins Gesicht
und teilweise auf seine weniger brennende Weste, als er es drehte. Die Hitze
darunter war unglaublich, doch sein Bein schien von innen nach außen zu
brennen. Erneut schrie er auf. "Hilfe!", bat er und er glaubte, dieses Wort,
nach der Aufnahme in Hizumis Fittiche mit seinen fünf Jahren, zum ersten Mal
wieder in einem derartig ernstgemeinten Ton ausgesprochen zu haben. "H-helft
ihm!!!", rief er wieder, konnte die Schmerzen nicht mehr ertragen, die sein Bein
auffraßen, ließ seine Blasen werfende Hand nach diesem ausstrecken, umfasste
mit bebenden Hände den glühenden Griff, kniff sich die Zähne zusammen und
entriss das Messer seinem brennenden Fleisch. Erneut vor Schmerzen aufschreiend
glaubte Kru, ohnmächtig vor Schmerzen zu werden, doch er durfte jetzt nicht
aufgeben! Er musste doch Hizumi retten! Dieser...

Erneut liefen ihm Tränen in Sturzbächen über die Wangen, verdampften jedoch
nach wenige Sekunden.


Dieser dumme... liebenswürdige... Idiot...


Warum hatte er sich nicht selbst gerettet...?









Ängstlich hatte Takeda die Augen zusammengekniffen, ehe es zur unabweichlichen
Explosion gekommen war und rappelte sich panisch auf, nachdem er von Kato, der
eben so wenig von der Hitze und den Autoteilen berührt worden war wie er, da
der Polizeiwagen zwischen ihnen gestanden hatte, abließ. „A-AOI! HIZUMI!
KRU! Kami... lass sie leben!!!“, bat er ängstlich und stürmte zum Wagen, der
an der anderen Seite von einem brennenden Autoteil getroffen und verbeult worden
war. Aufzischend, da er das heiße Metall mit bloßen Händen berührt hatte,
riss er die Wagentür auf, hinter der sich Aoi befinden sollte. Erleichtert
atmete Takeda aus, als er den Schwarzhaarigen unberührt, so schien es ihm, dort
liegen sah. Als er jedoch versuchte, die Gurte um den jungen Mann zu entfernen,
bemerkte er erschrocken, wie sich die Metallstücke der Gurte durch die dünnen
Stoffe auf Aoi's Haut gebrannt hatten. Hastig versuchte er sie von ihm zu
reißen und zog Aoi anschließend, ihm unter die Achseln greifend, aus dem
Wagen, um ihn hinter diesen zu schleifen. "Kato, kümmere dich bitte um ihn!
Bleib hier!", wies er den vom Feuer Eingeschüchterten an und rannte um das Auto
herum, um sich seine Jacke von den Schultern zu reißen. Die Schreie, die von
Hizumi und Kru ausgingen, ließen ihm die Adern gefrieren und vorwärts
straucheln. Nur blöd, dass er den Ärzten, Polizisten und anderen Helfern den
Weg hier hin versperrt hatte! So waren sie zwar sicher vor der Explosion aber so
konnten sie ihm auch nicht helfen.
"HEY!", rief er den beiden Männern zu, die den Boss in den Krankenwagen
verfrachtet hatten und nun damit beschäftigt waren, in heller Aufregung diesen
so zu knebeln, das dieser sich von alleine nicht befreien konnte. "HELFT EUREN
MÄNNERN!", rief Takeda erneut, erkannte erfreut, wie sie dem Boss noch einmal
prüfend traten, welcher sich in seiner Fesselung kaum rühren konnte und dem
schutzlos ausgeliefert war, und nun ihre Westen ausziehend zu Hizumi und Kru
rannten. Panik und Angst um ihre beiden besten Männer und Anführer standen
ihnen ins Gesicht geschrieben.

Kru währenddessen ächzte erleichtert auf, als er Takeda näher kommen sah und
versuchte mit seinen aufgeplatzten, schmerzenden Lippen so laut wie möglich zu
sprechen, sodass dieser es auch verstehen mochte. "H-Hilf Hizumi! B-bring ihn
ins Krankenhaus! Bitte... U-und wehe, die Polizei kommt auch nur in seine Nähe,
dann mach ich... Uh...", fing er mit schwacher Stimme an und musste stark
husten. Ihm war schlecht. Der Schmerz knotete ihm die Eingeweide zusammen und
ließ seiner Luftröhre kaum ein Funken Luft, die ihm nicht die Kehle weiter
ausbrannte. "Und wenn... dann... soll dieser Sakito ihn wieder rausboxen, klar?!
Nur helft ihm!!!", bat er den Polizisten und versuchte ihm eine drohenden Blick
zu schenken, was ihm nicht einmal ansatzweise gelang, da ihm seine Augen wie
ausgetrocknet erschienen, obwohl sich Tränen in ihnen sammelten.
Hoffentlich wurde er nicht blind... Dann könnte er Hizumi nie wieder sehen,
nicht für ihn kämpfen und... damit könnte er nicht leben...
Kami... Wer von ihnen wollte immer der Starke sein?! Er! Und warum weinte er
jetzt und jammerte wie ein kleines Kind?!
Weil er sich wieder in seine Kindheit hineinversetzt fühlte und Todesangst um
seinen besten Freund hatte... Er war verängstigt, fühlte sich allein gelassen,
da er nicht weiter wusste, Schmerzen hatte, Angst und... Da durfte man doch
jammern! Ja, sogar ein Kru! Na und?! Sah ja niemand... „Kami... Hizumi...
Bitte sag was! Sonst dreh ich noch durch...“, dachte der Schwarzhaarige
verzweifelt und ließ den schweren Kopf auf den kühleren Boden unter ihm
sinken. Eine einzelne Träne überwand die Liderbarriere, überlebte für kurze
Zeit auf Kru's Wange, die sie entlang glitt, bis sie verdampfte.

~+~

Der Schmerz in Uruha's Bein klang langsam wieder ab und der Brünette richtete
sich etwas auf.
"Autsch...", nuschelte er und griff sich an seinen Knöchel. Er hätte besser
aufpassen müssen, wo er hinläuft.
Seufzend blickte er dem Arzt kurz hinterher und fühlte schon, wie der Weitere
sich zu ihm gekniet hatte, um sich den Fuß anzusehen.
"Es geht schon...", murmelte Uruha leise und zog seinen Fuß etwas näher zu
sich. Der Arzt jedoch begutachtete seinen Knöchel und schlussfolgerte eine
Verstauchung.
"Können Sie laufen?", fragte er und half Uruha dabei aufzustehen.
"Ja, ja ich denke schon..."
Mithilfe des Arztes ging das Aufstehen recht schnell und ohne Schmerzen, aber
mit dem Laufen sah das ganze schon wieder anders aus.
Uruha hielt sich an der Schulter des Beamten fest und versuchte ein paar
Schritte zu machen. Immer wieder zog ein stechender Schmerz durch sein Bein und
er verzog leicht das Gesicht.
Na ja immerhin brauchten sie so länger wieder zurück und die Ablenkung hatte
funktioniert.
Doch plötzlich hörte auch er den ohrenbetäubenden Knall und die Flammen die
in die Höhe stießen.
Uruha zuckte zusammen und erschrocken rief er: "Sakito!"
Er starrte in die Richtung aus der sie gekommen waren, und auch der Arzt war im
ersten Moment erschrocken.
"Bitte, Sie müssen helfen!!!", rief Uruha und zerrte an dessen Jacke. "Beeilen
Sie sich!!!"
"Aber ich kann Sie doch nicht ein-", begann der Arzt, doch Uruha fiel ihm
sogleich ins Wort.
"Ich komm schon alleine klar, jetzt gehen Sie!!!", und er schubste den Arzt von
sich, um ihn in die Richtung zu lenken.
Dieser warf noch einmal einen Blick zurück und rannte dann der Unfallstelle
entgegen.
Der Brünette hingegen, versuchte ruhig zu bleiben, sich einzureden, dass alles
in Ordnung war, dass Sakito nichts passiert ist und dass sie alle Hilfe
bekamen.
Langsam humpelte er weiter, machte nur wenige Pausen trotz der Schmerzen,
brauchte aber doch viel länger als erwartet.
Je näher er dem explodierten Wagen kam, desto wärmer wurde es in der
Umgebung.
Der schwarze Rauch stieg in den Himmel und überall um den Wagen herum waren
kleine Flammen auf dem Boden entstanden.
Bei diesem Anblick schlug sich Uruha erneut die Hand vor den Mund und machte ein
paar Schritte zurück. "Bitte lass es ihm gut gehen...", ging ihm durch den
Kopf, ehe er etwas Merkwürdiges hörte und sich suchend umsah.

~+~

Vom den Krawall, dem Schrei zuvor hinter ihm auf dem Hof, dessen Tonlage er
eindeutig als die Takeda's bestimmen konnte, und die anschließende Hitzewelle,
ließen Sakito hoch auf die Beine schrecken und einige Schritte vor stolpern,
wobei er den Kopf so weit zur Seite drehte, um einen Blick hinter sich und dem
Geschehen zu erhaschen, bis er sein Gleichgewicht finden und stehen bleiben
könne. Erst als er die riesige Rauchwolke und die züngelnden Flammen
hochschießen sah, bekam er Panik. Panik um Takeda, Aoi, Hizumi und seinen
Freund! Lebten sie noch?! War war nur geschehen? //“Bin ich in einem
schlechten Film, oder warum passiert ein Unglück nach dem anderen?! Kami...
Lass sie gefälligst am Leben sein!“, betete er und gab einen dumpfen
Überraschungslaut von sich, als er gegen etwas oder besser: jemanden stieß.
"Ganz ruhig junger Mann, Sie bluten ja!", stellte der Arzt fest und besah sich
Sakito's blutende Schulter. Schmerzhaft zischte der Brünette auf. "Eh...
I-ich... Geht schon! Versuchen Sie lieber diesen Wagen dort wegzuschieben!",
versuchte er den Arzt, der ziemlich gehetzt sein musste, so wie er klang, zu
wichtigerem zu überreden. Er wollte da rein! "Aber Sie sehen nicht gut aus!
Darum können sich meine Kollegen kümmern.", versuchte der Arzt sich auszureden
und wollte Sakito zu seinem Krankenwagen führen, um ihn verarzten zu können,
als sich Sakito los riss. "Ihre werte Kollegen stehen stocksteif vor Schreck da
und tun nichts! Rütteln Sie sie wach und schaffen Sie den Wagen weg! Da sind
Menschen auf dem Gelände!", verriet er, um dem anderen klar zu machen, wie
ernst die Lage ist. Damit hätten Takeda und er niemals gerechnet! Und wenn
Hizumi und sein Freund ins Krankenhaus müssen, würde er sich eben darum
kümmern und sie, wenn nötig, verteidigen! Hauptsache sie gingen unbeschadet
wieder aus der Sache heraus! Schließlich hatte er, Sakito, sie dazu gebeten,
ihm zu helfen! Er war für sie verantwortlich!
Die Augen aufreißend wechselte der Arzt einen Blick zwischen Sakito und dem
Wagen, der noch immer die Zufahrt versperrte. "W-warten Sie hier!", wies er
Sakito an, doch dieser war bereits damit beschäftigt, weitere Ärzte davon zu
überzeugen, nicht wie Salzsäulen da zu stehen, sondern etwas zu tun! "Rufen
sie die Feuerwehr! Los, packen Sie mit an!", rief er und stockte in seiner
Wachrüttelaktion, als er Uruha erblickte. Verwirrt darüber, dass dieser soeben
versuchte, wohl einen Baumstamm zu verschieben, lief er eilig zu ihm. Erst dann
erblickte er den jungen Mann, der unter dem Baumstamm lag. Hastig gesellte er
sich neben Uruha und stemmte seine gesunde Schulter gegen den Stamm, um ihn zum
Bewegen zu zwingen. "H-hey...", begrüßte er Uruha erleichtert lächelnd und
richtete seinen Blick auf den anderen. Er hatte diesen Mann zwar noch nie
gesehen, aber anhand der Sachen, die er trug, würde er meinen, er müsse zu
Hizumi und seiner Bande gehören... "Halten Sie durch, ja?!"
Dann tat er es Uruha gleich und lehnte sich mit dem Rücken zum Stamm. Doch sein
Blick galt nicht ihm, sondern lag beunruhigt auf das, was er von dem Gelände
sehen konnte und den aufsteigenden Qualm. "Hoffen wir, dass es ihnen gut
geht...", meinte er und verzog vor Anstrengung das Gesicht.
Erleichtert bemerkte er auch, wie nun einige Ärzte und Polizisten versuchten,
den Wagen wegzuschieben, doch da sie nur an der "Schnauze" des Wagens schieben
oder ziehen konnten, und sie sich auch aufgrund der Enge selbst im Wege standen,
bewegte sich der Wagen nicht allzu sehr von der Stelle. Um genau zu sagen: gar
nicht, da er, aufgrund des Bodenanstiegs, immer wieder in seine Ausgangsposition
rutschte.
In Paniksituationen war es eben schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Sirenen traten von weit her, aber mit heranrasender Geschwindigkeit, in Sakito's
Ohr. Das musste wohl der Wagen für den Boss sein und die heran geforderte
Spurensuche! Doch dies brachte sie auch nicht weiter! Wenn er doch nur mit
Takeda sprechen konnte!

+~+

Uruha hatte sich nicht verhört...
Ganz in seiner Nähe hörte er so etwas wie ein Stöhnen, das sehr gepresst
klang.
Als er näher kam, sah er einen umgestürzten Baum, unter dem eindeutig jemand
lag...
Die Wucht der Explosion hatte den Stamm entwurzelt und war auf einen jungen Mann
gestürzt, der es aus eigener Kraft nicht schaffte, die Last des Holzes von sich
zu drücken.
Er war sichtlich geschwächt und hatte den Brünetten noch nicht mal gesehen.
Geschwächt versuchte er nochmal zu drücken und sank keuchend wieder zurück.
Seine Schulter und sein Bein bluteten.

Sein Blick schweifte um sich herum, ab und an blinzelte er leicht, durch den
Rauch und drehte sich etwas um sich selbst.
Aber er hörte es schon wieder.
Langsam humpelte er weiter, in die Richtung aus der er die Geräusche vernahm,
ehe er den Baum und die Bewegung darunter vernahm.
Da lag doch jemand!
Uruha zuckte leicht zusammen und stolperte weiter darauf zu.
"Oh Gott...", murmelte er und stolperte etwas schneller auf den Baum und den
darunterliegenden Mann zu.
"H-hey...", sagte er und ließ sich neben ihm auf die Knie sinken. Er musste ihm
helfen. Aber ob er den Baumstamm dort wegbekam? Aber dennoch wollte er dem
Fremden helfen, immerhin konnte das Feuer sich ja noch ausbreiten.
Nachdem er kurz die Lage "gecheckt" hatte, versuchte er den Stamm
wegzudrücken.

Zero's Blick wurde etwas klarer, als er die fremde Stimme vernahm.
"Bitte... hilf mir... Ich kann mich nicht alleine... befreien...", murmelte er.
Trotzdem half er dem Fremden bei seinen Bemühungen, den Stamm von ihm runter zu
drücken, und mit vereinten Kräften bewegte sich der Stamm sogar...
"Weiter! Du schaffst es!", feuerte er den anderen an und war unendlich
glücklich, dass er ihm half...

Der Brünette spürte wie sich der Stamm ein paar Zentimeter bewegte. Doch er
rutschte mit der Hand ab, zuckte deswegen leicht zusammen und versuchte
irgendwie anders Halt zu finden, um weiter zu schieben.
Seine Muskeln waren quasi verschwunden in den letzten Wochen, aber trotzdem
konnte er den Fremden nicht einfach dort liegen lassen.
Er atmete tief ein, hielt die Luft an und versuchte stärker zu drücken.
Nicht mehr viel. Uruha spürte wie seine Kräfte ihn verließen.
Er drehte sich leicht auf die Seite und versuchte sowohl mit dem Rücken, als
auch mit den Händen weiterhin zu drücken. Ein kurzes Husten, unterbrach ihn
für einen Moment und er wischte sich über die Stirn.
"G-geht es noch?", fragte er um das Befinden des anderen und blickte zu diesem,
während er weiter versuchte den Stamm zur Seite zu schieben.

Uruha's Kraft ließ ebenfalls weiterhin nach, doch als plötzlich Sakito neben
ihm auftauchte hob er seinen Blick an.
"Sakito...", hauchte er, als er sah, dass es den Anwalt nicht erwischt hatte.
Ein leichtes Lächeln legte sich für Sekunden auf seine Lippen.
Endlich war auch der Stamm in Bewegung und nach kurzer Zeit, war der Fremde
befreit.
Uruha hustete kurz und drehte sich wieder zu Zero zurück. "G-geht es?", fragte
er und kniete sich neben Zero.

Zero hatte längst keine Kraft mehr und er gab auf zu drücken.
Die Last des Stammes hatte ihm auch einige Rippen gebrochen, so dass ihm das
Atmen sehr schwer fiel.
Dankbar sah er die beiden an, die ihm da halfen und langsam spürte er, wie die
Last von seinem Körper verschwand.
Das gab ihm neue Kraft und wieder drückte er gegen das Holz, bis es endlich von
ihm herunter rollte und er wieder frei atmen konnte.
Zero schnappte nach Luft.
"Danke!!! Ich danke euch beiden! Ohne euch... ich weiß auch nicht...",
stammelte er.

Die merkliche Aufgabe des Schwarzgekleideten blieb auch Sakito nicht unbemerkt.
Überrascht rutschte er ab, bevor er sich hastig wieder aufrappelte und seine
Füße neu setzte. Doch das der Stamm noch immer etwas tiefer lag, machte ihm
Sorgen und so wandte er den Kopf so weit wie möglich an Uruha's schmalen
Körper hinunter zu dem unter dem Stamm Liegenden. "Nicht aufgeben, Junge!",
versuchte er den jünger Aussehenden anzuspornen, biss die Zähne aufeinander
und stemmte sich erneut mit aller Kraft gegen den Stamm, bis sie es schließlich
doch mit vereinten Kräften schafften, dass der ihm Fremde von dem Gewicht
befreit wurde, sodass Sakito Schwierigkeiten hatte, aufgrund der plötzlichen
Nachgabe, nicht über dessen Beine zu stolpern. Aufschauend, da Uruha husten
musste, aber wohl nichts allzu ernstes dabei lag, seufzte Sakito erleichtert auf
und hockte sich mit zu den beiden, um den Unbekannten vorsichtig von der Stirn
an abwärts abzutasten.
"Bist du okay? Tut es weh, wenn ich hier drücke?", wollte er wissen und besah
sich Zero's Arme, die ziemlich kraftlos wirkten und jeweils etwas schlaff an
seiner rechten Hand hingen, da er den anderen aus Vorsicht lieber nicht mehr zu
oft beanspruchen wollte. "U-und Uruha?! Bei dir alles okay??!", setzte er sofort
nach und sah hastig auf. "Anscheinend haben wir den Tag der Verletzungen und
Unfälle gepachtet... Junge, du - verzeih mir bitte die Anrede - gehörst doch
zu Hizumi, richtig? Was...", fing er an und schüttelte seufzend den Kopf. "Ich
tu's schon wieder... Tut mir Leid. Komm erst mal zu Atem. Anwälte eben, aber du
brauchst vor mir deswegen keine Angst zu haben... und vor Uruha auch nicht!",
wollte er versichern und riss den Kopf hoch, als er Schreie vernehmen konnte.
Doch diese Schreie kamen nicht von den Ärzten oder Polizisten, die jetzt
versuchten, die Mauer hinaufzuklettern, die jedoch, aufgrund der Hitze des
Metalls, unpassierbar war, sondern von weiter her. Schauer jagten ihm den
Rücken hinauf. Die Explosion war verklungen... Also mussten das... //Bitte
Takeda, rette sie!//, betete er im Stillen und drückte versucht aufmunternd
Zero's Hand, obwohl ihn die Unsicherheit zerfraß.

Zero hob den Kopf. Er war schrecklich erleichtert, als die Last von ihm genommen
wurde.
"Hai... ich gehöre zu Hizumi's Leuten.", sagte er mit einem gewissen Stolz in
der Stimme.
"Es ist okay. Ich glaube, mein Bein ist ein bisschen verletzt, aber es geht
schon. Danke, ihr habt mich gerettet. Du bist also Sakito, der Anwalt? Hizumi
hält große Stücke auf dich.", sagte er lächelnd.
Er versuchte aufzustehen, doch schnell knickte er fluchend ein.
"Verdammt... Könnt ihr mir sagen, was passiert ist? Ich hab nur den Knall
gehört und das Feuer gesehen!
Was ist mit Hizumi und Kru??? Sind sie okay?"

Neugierig biss sich Sakito, der im Herzen immer noch durch und durch Anwalt war,
auf die Unterlippe. "Ich frag mich nur, warum du noch hier bist.", purzelte es
plötzlich über seine Lippen und machte damit seiner versucht unterdrückten
Neugier Platz. "Upps... Na ja... Wenn wir schon beim Reden sind... ne?", merkte
er mit einem Schulterzucken leicht verlegen an und hob derweil den Blick zu
Uruha, der nicht nur entkräftet zu wirken schien, sondern auch verletzt dazu,
denn Uruha war, nachdem der Baumstamm nachgegeben hatte, mit dem einen Bein wohl
eingeknickt zu sein und saß nun mehr oder weniger auf dem kalten Boden.
"Uru...?", sprach er ihn ein weiteres Mal besorgt an und streckte die Hand aus,
um sanft über die Wange des Blonden zu streichen. "Das hast du gut gemacht.
Jetzt ruh dich aus, ja?", bat er mit sanfter Stimme, jedoch mit einem deutlich
unüberhörbaren Nachdruck, der noch für kurze Zeit in der Luft lag, bevor
Sakito's Züge wieder weicher worden und er stützend einen Arm um Uruha's
Rücken legte. "Hm...? Ja, bin ich.", murmelte er etwas abwesend und riss sich
von Uruha's, für ihn makelloses Gesicht ab, in dem wunderschöne Augen ruhten.

Überrascht hob er die Brauen, nachdem die letzten Worte Zero's sich in seinen
Ohren verpufften. Während Zero nun versuchte sich aufzuraffen, bekam Sakito die
Schreie mit, die über den Platz drangen und die Ärzte nun um ein weiteres
panischer werden ließen. Auch wenn man das nichts bewirkende Herum ruckeln am
Krankenwagen, der noch immer zwischen den Toren steckte, nur als planloses
Durcheinander oder auch tatendränglische Hilflosigkeit abstempeln konnte. Seine
freie Hand fand derweil den Weg zu der Zero's, die an einigen Stellen durch
Baumstamm aufgeschürft schien. Das Chaos in seinem Kopf zur Ordnung gebietend,
riss Sakito den unsicheren Blick von den Toren, den Flammen und den Resten des
Gemäuers los, um Zero unsicher anzublicken, um auch zu bemerken, dass der junge
Mann sich gerne erheben würde, aber wohl nicht konnte. Doch Sakito hatte nur
einen Arm zur Verfügung, wenn er den anderen behalten wollte! //Mist!//,
fluchte er leise und versuchte wieder auf das eigentliche Thema zurückzukommen.
"Es kam zu einer Explosion, mit der Hizumi und Kru nicht gerechnet hatten. Wie
eigentlich niemand gerechnet hatte... Zumindest den Schreien zu urteilen... Doch
die Ärzte können nicht durch, da Takeda, ein guter Freund von mir und
Polizist, einen Krankenwagen zwischen die Torangeln gefahren hat, um die beiden
nach ihrem Wunsch, trotz - ich würde es als Heldentat bezeichnen – ihrer Tat
ungesehen dort rauszubringen. Von daher kann ich dir leider nicht mehr sagen.
Hoffen wir, dass es den beiden gut geht."

Zero sah ihn irritiert an. "Und... was heißt das jetzt? Was ist mit den
beiden?", fragte er und musterte Sakito.
"Bitte... Ich muss zu den Beiden! Ich muss wissen, ob es ihnen gut geht!"
Der Junge schaffte es trotz der doch schweren Verletzungen, aufzustehen und in
Richtung der Explosion zu gehen.
"Ich muss... zu ihnen... Sie brauchen... doch Hilfe...", stammelte er und
schleppte sich in Richtung der Flammen.
Für Zero war Kru so etwas wie ein großer Bruder und er hatte ihm versprochen,
sich anzustrengen und der Gang treu zu bleiben.
Kru und Hizumi waren seine Vorbilder...

~+~

Von der Explosion zurück gerissen, waren Nikita und zwei weitere aus Hizumi's
Bande zurückgekehrt, um nach dem Rechten zu sehen.
Sofort bemerkten sie, dass etwas nicht stimmen konnte, denn eindeutig ließ sich
Kru's Stimme unweit des Feuers ausmachen. "Ihr beide schaut nach, ob ihr Hizumi
und Kru helfen könnt! Ich suche Zero. Er ist nicht ins Lager zurückgekehrt! Na
los! Schlagt keine Wurzeln!" "A-aber Nikita, die...!" "Die Leute sind in Panik!
Außerdem sind die beiden wichtiger, als die mickrigen Polizisten, die es nicht
wagen, uns zu nahe zu kommen!", meinte Nikita knurrend und deutete einen
Fausthieb an, damit die beiden endlich losliefen mögen!
Und wie sie rannten!
Er selbst lief zunächst außerhalb der Mauern die Wege ab und spähte
aufmerksam umher.

~+~

Irritiert blinzelte der Anwalt. Hatte er nicht zugehört...? "Ich... Ich hab
keine Ahnung. Ich vermute, das sie von der Explosion aus der Nähe getroffen
wurden. Was genau ist, konnte ich nicht herausfinden. Ich kam nicht über den
Zaun und der Wagen versperrt das Tor...", erklärte er noch einmal genauer und
wurde zum Ende hin immer leiser, schluckte schwer und wandte den Kopf zu den
Flammen, während seine rechte Hand wie von selbst über Uruha's linke Wange
fuhr, bevor er sie in sein Haar gleiten und sie anschließend dort ruhen ließ,
um seinen Kopf mit leichtem Nachdruck an sich zu drücken. Er war zu wirr, um
genau zu erkennen, was er da gerade tat. Es war einfach nur schön zu wissen,
dass es Uruha... mehr oder weniger... gut ging. Doch vielleicht wäre es eine
Enttäuschung für Uruha, wenn er wüsste, das er gerade nicht an ihn dachte...
Mit den Gedanken ganz woanders war...?
//Hoffentlich geht es dir gut... Aoi... Mein Schützling... und Hizumi...!//,
dachte er und seufzte geknickt. Zeitgleich hörte er Zero's Worte, was ihn
leicht säuerlich die Brauen zusammenziehen ließ. "Junge... Ach ich weiß noch
immer nicht deinen Namen...," fing er an, biss sich eben grübelnd auf die
Unterlippe, da er vielleicht nur vergessen haben könnte, das er ihn bereits
gehört hatte, bevor er hilflos fortfuhr, "Sei doch vernünftig. Du bist
verletzt! Du kannst nicht...! Nicht mal ich schaffte es über den Zaun!",
versuchte er den anderen davon abzubringen, ließ seinen verzweifelten Blick zu
seinem verletzten Arm hinüber wandern, kniff kurz die Augen zusammen und
streckte daraufhin mit entschlossenem Blick seinen Arm aus, um nach Zero's Hose
zu haschen und ihn somit vielleicht aufhalten zu können. "Junge, bleib
doch...!", fing er wieder an und wandte sich abrupt Uruha zu, den er beinahe
vergessen hätte. "Ach wo bin ich nur mit meinen Gedanken...?! Uruha, kommst du
eben ohne mich klar? Ich muss diesen Dickschädel aufhalten! Dein Bein sehe ich
mir gleich an, ja? Denn ich sehe ja, das du was hast. Wie hast du das nur wieder
geschafft...?", wollte er besorgt wissen und riss die Augen auf, als ihm bewusst
wurde, wo seine Hand sich befand. "Eh... Wah! Tut mir Leid, Uruha! Das... D-das
wollte ich nicht! Also damit will ich nicht sagen, das ich das nicht wollen
würde, aber...", versuchte er sich zu erklären, bevor er umso geschockter inne
hielt. //Ich werd' hier noch wahnsinnig...// "Ich sollte wohl lieber einfach den
Mund halten und dir und deinem Bein etwas Ruhe gönnen. Ich muss meine Gedanken
ordnen. Ich... eh... hol dir lieber einen fähigen Arzt. Dann kannst du Reita
vielleicht gleich im Krankenhaus besuchen. Ich muss mich hier wohl noch um
einiges kümmern und ganz besonders... muss ich Aoi holen. Reita wird ihn
brauchen. Hilf ihm bis dahin. Wer weiß, in welchem Zustand Aoi ist...",
murmelte er zum Ende hin, senkte sein glühendes Haupt, ließ Uruha langsam aus
seiner Stütze gleiten und versuchte sich aufzurappeln. Unschlüssig und dann
immer kritischer begutachtete er Uruha's ungesunde Sitzposition. Sein
Helfersyndrom meldete sich wieder. //Aber... dieser Junge...//, dachte er und
riss sich mühsam von dem Honigblonden los, um nach Zero Ausschau zu halten.

Da sah er oder besser: hörte er, wie jemand seinen Namen rief und wieder glitt
sein Blick weiter. Wer fuchtelte denn da wild mit den Armen herum und wurde
immer größer und größer...? Bekam er schon Wahnvorstellungen oder kam der
Typ einfach nur näher?

Näher. Eindeutig näher! Denn er war ihm soeben auf den Fuß getreten, während
der andere wohl vorgehabt hatte, beim vollen Lauf stoppen zu wollen. "Autsch!
Tollpatsch, wer... Nikita?", fragte er überrascht und trat mit dem 'verletzten'
Fuß zurück, damit dieser nicht noch weiter geschädigt werden würde. Denn so
wie Nikita von einem Bein auf das andere sprang, musste man Vorsicht walten
lassen. "Sakito, was ist mit Hizumi und Kru??!", kam es fast drängelnd von dem
Blonden. "Sind sie immer noch da drin?!" "Leider ja, aber..." "Shit! Und jetzt?!
Wir sind zwar als Bande stark, nimmst du ihnen jedoch die Wurzel zum Festhalten,
bricht der ganze Stamm ein! Ich bin zu unerfahren, um diese Meute zu führen!
Was hat es mit der Explosion auf sich?!", wollte Nikita weiter wissen und merkte
gar nicht, wie schnell er beim Sprechen wurde. "Was? Stamm? Eh... ja, den haben
wir gerade von diesem Jungen dort geschoben.", erklärte Sakito verwirrt und
deutete auf Zero.
Ebenfalls verwirrt, da er nicht die erwünschte Antwort erhalten hatte, blickte
Nikita in die von Sakito gezeigte Richtung. "Zero!", rief er überrascht und
erleichtert zugleich, wechselte jedoch wieder zu Sakito, der nachgebend nickte.
"Kannst du bitte nochmal langsamer wiederholen, was du eben gefragt hast?
Vergiss das Atmen nicht, ja?" "Oh na klar, tut mir Leid. Wenn's nur um die
beiden geht, dreht hier jeder am Rad." //Och nicht nur wenn's um Hizumi und Kru
geht...//, fügte Sakito dem schmunzelnd hinzu und deutete mit hochgezogenen
Brauen an, dass er zuhörte. "Hizumi - Kru - Explosion - ?" "Den Atem hättest
du dir sparen können. Ich weiß es nicht. Ehrlich." "Also sind sie noch
drüben?!" Sakito nickte und kaum sah er dabei wieder auf, wo hätte eigentlich
Nikita's Gesicht sein müssen, war dieser zu Zero vorgeeilt. Ungläubig rieb
Sakito sich über die Augen. "Und weg... Uruha?", sprach er den Blonden nun ein
weiteres Mal an, nachdem er sich zu diesem umgewandt hatte, war unsicher, wieder
verlegen.

+~+

Sich den rechten Arm vor sein Gesicht haltend, lief Takeda der glühenden
Feuerfront entgegen, die heftig loderte und ihre Arme nach allen Seiten
ausstreckte. Zum Glück stand das Auto von nichts umgeben da, sodass das Feuer
nicht auf andere Gegenstände übergreifen konnte.
Als er nahe genug vorangekommen war, dass er die beiden hätte berühren
können, schlug knapp über ihnen hinweg ein Feuerarm nach ihnen aus und hätte
ihm beinahe, wenn er sich nicht neben Hizumi und Kru zu Boden geworfen hätte,
die Haare weggesenkt. "Verdammt... Ist das heiß...", japste er und rappelte
sich mühsam wieder auf. "Du musst Kru sein...", grüßte er den ihm bisher noch
Unbekannten knapp und beugte sich zur Seite, um in Hizumi's Gesicht sehen zu
können. "Er ist ohnmächtig..." "L-lebt er noch!??", wollte Kru sofort wissen
und wusste nicht, wo er zuerst nach den Händen Hizumi's tasten sollte. Alles
fühlte sich brennend heiß an und ließ ihn jedes Mal vor Schmerz aufkeuchend
zurückschrecken. "H-Hizumi...!", japste er immer wieder und kniff die Augen
zusammen, die ihn in den Höhlen brannten. Er durfte sie nicht auf's Spiel
setzen!
Dann wäre alles vorbei... Nie wieder sehen... Und dann wäre er zu schwach, um
bei Hizumi bleiben zu können! Könnte diesen nie wieder sehen...
"H-Hil... f...", japste er schwach und Schwärze bemächtigte sich seiner.
"N-nein...!", stieß er fast atemlos aus und klammerte sich an die halb
brennende Weste Hizumi's, den er am liebsten nicht gehen lassen würde. "Kru, du
musst ihn loslassen! Sonst kann ich euch nicht helfen!", meinte Takeda hilflos
und traute sich nicht, die blasenwerfenden Hände Kru's zu berühren. Die
Rührung des Momentes ließen ihn Tränen in die Augen steigen. Oder war es
wegen der Hitze?
"Hizumi!", stieß einer der Männer aus, die aus dem Krankenwagen herangeeilt
waren und sich nun neben den beiden zu Boden stürzten. Während der andere
Kru's Hände vorsichtig, aber bestimmt, von Hizumi's Weste entfernte, zwängte
der andere mit zusammengebissenen Zähnen seine eben noch gesunde Hand zwischen
die beiden Leiber, um sie voneinander zu trennen und von hier wegzubringen, doch
musste er entsetzt feststellen, dass die sich auflösenden Westen und
schmelzenden Waffen ihre beiden Körper miteinander verbanden und sie sich nicht
ohne Weiteres voneinander trennen ließen. "Mist! Sie kleben zusammen! Nimm ihre
Beine!", meinte der Größere der beiden im befehlshaberischen Ton, doch anstatt
zu murren, packte der andere mit an und kam dem Befehl nach, wobei nun auch er
schmerzhaft das Gesicht verzog. "Hey du, Bu... Polizist! Pack mit an!", wurde
Takeda aufgefordert, der aus seiner Starre gerissen und in Bewegung gesetzt
wurde und nun mit anpackte. "Autsch...! H-hey, haltet durch!", spornte er sie
mit schmerzverzerrtem Gesicht an. Zu dritt holten sie Hizumi und Kru
schließlich aus der minimalen Versenkung des Bodens und hoben sie in die Höhe.
Plötzlich schrie Kru auf. "I-ihr klemmt mein B-Bein ein!", zischte er, kniff
sich schmerzumleitend in das andere Bein, welches weniger Schmerzen verursachte
und ihn von dem anderen ablenken sollte. Hilflos schauten die beiden
Schwarzgekleideten zu ihren beiden besten Männern hinab. "Es geht nicht
anders... Kru..." "Halte durch! Los jetzt, geht schon!", schritt Takeda
anspornend ein und versuchte sie voran und weg von der Feuerfront zu treiben.
Schließlich ließ auch ihn die Hitze nicht kalt und je länger sie hier stehen
blieben, desto schlechter ging es den beiden Verletzten, von denen nur einer bei
Bewusstsein war. Kru, dem die Schmerzen mehr und mehr die klare Sicht nahmen,
klammerte sich wieder an die sich auflösende Weste Hizumis. "I-ich b-bleib...
dir...", murmelte er schwach und wurde vollends von der Finsternis mitgerissen.

Doch dies blieb von den drei Helfern vorerst unbemerkt, da diese zu sehr damit
beschäftigt waren, die beiden aneinander Geschmolzenen in Richtung Krankenwagen
und anschließend in diesen zu transportieren. Von fern ertönte Geheul.
Anscheinend hatte jemand die Feuerwehr gerufen.
"Kru ist auch weg."
"Dann wird es Zeit, das wir sie hier wegbringen und den anderen den Rest
überlassen. Renn du bitte nochmal los und sammel rechts vom Polizeiwagen die
zwei Übriggebliebenen auf und bring sie hier rein! Dann schließ die Tür und
pass hier auf. Und du kommst mit nach vorn, wenn ich es dir sage.", wies Takeda
an, öffnete eine schmale Tür und machte sich daran, sich ans Lenkrad zu
setzen. Verwundert blieben die Hiebe und das Schieben der Arzthelfer,
Krankenschwestern und Polizisten aus. Takeda deutete an, den Platz zu räumen,
schnallte sich an und startete den Motor. Sofort wichen die Außenstehenden dem
Wagen aus.
Um zunächst die ausweglose Situation des Wagens darzustellen und um abzuwarten,
bis Aoi und Kato mit im Wagen waren, fuhr Takeda leicht an und ließ das
Gaspedal wieder los, während er erstaunt, ja leicht verwirrt, angestarrt wurde.
Wenigstens waren die Reifen nicht geschmolzen! Sonst hätten sie echt ein
Problem! Der viele Kies hatte wohl die Hitze von den Reifen ferngehalten, der
sich zusätzlich hinter den Reifen aufgeschüttet hatte, nachdem der Wagen von
vorne angeschoben wurde. Fast hilflos wirkend, versuchte er es erneut, mit dem
Wagen das Tor zu passieren, doch rutschte es wieder zurück, nachdem er das
Gaspedal losließ.
Erst als Stimmen im Hinterraum laut wurden und das Zuschlagen der Wagentür ihm
deutlich machte, das auch die letzten beiden im Wagen saßen, trat er heftig
auf's Gaspedal und fuhr fast problemlos los, nachdem eine Ladung Kies nach
hinten weg geschleudert wurde.
Zunächst herrschte eine überrascht Stille, dann jubelte die Menge und machten
Takeda durch Gedränge am Tor deutlich, dass sie vorbei wollten. Doch Takeda
blieb wieder stehen und kurbelte stattdessen das Fenster auf. "Dort ist es viel
zu heiß! Lasst erst die Feuerwehrleute durch! Dann ihr! Holt Leichenwagen! Im
Schloss hängen eine ganze Menge! Lasst die Polizei durch! Krankenwagen zurück
zum Krankenhaus! Hier ist nichts mehr zu retten!", brüllte er über den Lärm
hinweg und fuhr wieder los.

+~+

Die Menge außerhalb war erstarrt. Sie mussten erst einmal verdauen, was ihnen
soeben mitgeteilt worden war. Dann herrschte erneutes Chaos. Die Polizei rückte
vor, die Arzthelfer und Arzthelferinnen wurden zurückgedrängt, erhielten die
Anweisung diesen Ort zu verlassen mit Ausnahme zweier Krankenwagen für den
Notfall. Die Feuerwehr rückte aus und liefen mit bereiten Wasserschläuchen auf
den Platz vor der Burg, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

+~+

Nikita hatte Zero inzwischen etwas vom Geschehen weggezogen. "Sie sind wohl im
Krankenwagen. Dieser Takeda gehört zu Sakito. Los, wir gehen jetzt nach Hause.
Soll Sakamoto sich um dich kümmern. Ich werde später im Krankenhaus
vorbeischauen und euch Bericht erstatten.", meinte er autoritär, als wolle er
keine Widerrede zulassen, und hatte seine linke Hand um Zero's Oberarm gelegt,
um ihn mit Druck in eine andere Richtung zu lenken. Auch ihm fiel es schwer,
nicht sofort loszurennen. Doch er war der dritte Mann im Befehlsgefüge und
musste für Ordnung sorgen. Hizumi und Kru hätten es nicht gewollt, wenn sich
ihre Männer wie kleine Jungs um ihre großen Brüder sorgten.

Zero stolperte gegen Nikita, kam so schnell nicht hinterher mit seinem
verletzten Bein und keuchte auf.
"Nicht... so schnell... bitte...", murmelte der verletzte Junge und sah Nikita
an. "Was ist passiert?", fragte er verzweifelt und hielt Nikita fest. Er sah in
ihm so etwas wie einen großen Bruder, er mochte Nikita sehr und eiferte ihm
nach.
Zero sah zu den brennenden Bäumen und schluckte. Hizumi und Kru waren irgendwo
da hinten... Verletzt...
Zero sah zu Nikita hoch und sah, wie es in diesem arbeitete.
"Nikita... geh... geh zu Hizumi und Kru! Ich komm schon klar. Einfach hier durch
den Wald, dann komme ich zur Straße. Ich kenne den Weg. Geh schon, Nikita.
Ihnen kannst du mehr helfen als mir!", sagte er eindringlich und nickte ihm
nochmal zu, löste dann seinen Arm von ihm und humpelte alleine weiter.

Wie aus Reflex, legte Nikita schützend seine Arme um die schmalen Schultern
Zero's, als dieser gegen ihn stolperte. "Tut mir Leid, Zero. Ich war gerade mit
den Gedanken woanders. Geht's denn?", wollte er wissen und sah nun besorgt an
Zero hinab. "Du siehst ziemlich gequetscht aus...", bemerkte er und fasste sich
anschließend seufzend an den Kopf. "Hätte ich auch früher bemerken können.",
murmelte er eher für sich und sah zu Zero hinab, welcher ihn festhielt.
Beruhigend legte er seine Hand auf die des Jüngeren, der seinen Blick soeben
über die brennenden Bäume schweifen ließ und merklich zitterte. Doch auch er
zitterte vor innerer Unruhe und Ungewissheit. "Kru und Hizumi konnten beinahe
unbeschadet, Hizumi mehr als Kru, aus dem Kampf hervor gehen. Doch irgendwie...
ist wohl der Wagen dieses Entführers von diesem Reita in die Luft geflogen.
Mehr weiß ich auch nicht. Ich war nicht dabei gewesen! Hätte ich nur... Nein,
Hizumi hatte angewiesen euch nach Hause zu begleiten. Von hier zu verschwinden,
bevor die Polizei käme. Ich konnte ihnen also nicht zur Seite stehen. Ich
befürchte, nein, ich hoffe, dass sie auf den Weg ins Krankenhaus sind! Wenn sie
Schwierigkeiten bekommen, muss dieser Sakito ihnen helfen oder wir müssen sie
gewaltsam aus den Fängen der Polizei befreien.", sagte Nikita fest entschlossen
und ließ seinen Blick nun ebenfalls über das chaotische Gelände schweifen,
auf dem nun lauter Feuerwehrmänner versuchten, das Feuer zu löschen. Zwei
größere schwarze Wagen fuhren währenddessen vor und ließen Nikita
reflexartig zurücktreten. Zero hinter sich herziehend, der erneut gegen ihn und
in seine Arme fiel. Wachsam sah er sich um. //Wir müssen gehen!//, dachte er
und wollte sich damit gerade Zero zuwenden, als dieser von sich aus sprach und
ihn unterbrach, noch ehe er etwas sagen konnte. Überrascht, weil Zero ihm
erstmalig einen Befehl erteilte, starrte er diesem für einen kurzem Moment
nach. "Zero, warte!", rief er ihm nach und holte auf. Doch anstatt ihn zu
schelten, legte er eine Hand auf dessen Schulter. "Du bist der einzig
überlebende Frischling. Das erfüllt mich mit Stolz. Okay nun... Nun geh und
pass auf dich auf! Beruhige die anderen und lass dich von Sakamoto untersuchen.
Ich werde sehen, was ich hier tun kann. Ich werde so schnell wie möglich
zurückkehren. Macht mir ja keine Dummheiten. Bleibt im Versteck! Und das ist
ein Befehl!", betonte er, nickte Zero zu und rannte anschließend los. In
Richtung Krankenhaus durch die verzweigten und düsteren Gassen.

+~+

"Uruha...?", versuchte es Sakito erneut. "Komm, wir fahren zu Reita, ja? Takeda
scheint ja alles im Griff zu haben. Aoi wird auch bei ihm Wagen sein. Dann sind
alle wieder beisammen. Wir sind hier fertig. Kannst du aufstehen?", wollte er
wissen und bot dem Blonden seine Hand an.

Uruha war ganz durcheinander von der Hektik, die herrschte und er wusste nicht
so recht, wo er als erstes hinsehen sollte.
Es war Warm und Kalt zugleich. Die Angst jemanden zu verlieren, schnürte ihm
den Hals ab und er bekam keinen Ton heraus.
Als er Sakito's Hand sah, die sich ihm entgegenstreckte, hob er den Blick an und
nickte ganz leicht. Er hatte zwar nicht ganz mitbekommen, was er gesagt hatte,
aber Hauptsache war, dass Sakito bei ihm war.
Er griff nach seiner Hand und ließ sich aufhelfen.
"Danke...", meinte er und hielt sich leicht am Arm des Anwaltes fest. Sein Blick
fiel noch einmal über das "Schlachtfeld" und fast unbewusst rutschte er etwas
näher zu Sakito.

Traurig aufseufzend zog Sakito Uruha an sich und legte seinen Arm aufmunternd um
seine schmale Schulter. "Wo bist du nur mit deinen Gedanken... hm? Los, fahren
wir zu Reita. Ich frag mal eben nach, ob wir in einem Krankenwagen mitfahren
können. Dann können die sich gleich dein Knie genauer ansehen.", schlug er vor
und half Uruha beim langsamen vorwärts gehen. "Entschuldigung?", sprach er
einen Arzthelfer an. Erschrocken wandte sich dieser von seiner Aufräumarbeit
ab. "Hm? Oh! Wo kommen Sie denn her? Zivilleute haben hier nichts zu suchen. Am
besten Sie... Sind sie verletzt?", fiel ihm auf und sprach Uruha damit direkt
an. "Ähm ja, wir wollten fragen, ob Sie uns vielleicht mitnehmen und sich dabei
sein Knie ansehen könnten. Ich bin Sakito, Anwalt." Verwundert schwenkte der
Blick des Arzthelfers auf Sakito um. "Dann.... dann waren Sie doch in diesem
Gebäude, oder nicht?! Mit diesem Polizisten?" "Das ist fast richtig. Ersparen
Sie sich jedoch bitte jegliche Fragen. Meine Aussage wird wohl später in einem
Protokoll festgehalten und dann werden Sie es spätestens im Fernsehen sehen.
Die werden wohl nicht eher Ruhe geben, bis sie die Geschichte an die
Öffentlichkeit bringen können. Können wir nun mit?", wiederholte Sakito seine
Frage und erhielt ein zaghaftes Nicken. "Ja, steigen Sie ein. Wir fahren gleich
los.", erklärte der Arzt und öffnete die Hintertür des Wagens, um Uruha und
den Anwalt eintreten zu lassen. Dabei fiel ihm noch etwas auf. "Ähm Sie, Herr
Anwalt?" "Hm?", machte der Angesprochene unter Anstrengung und versuchte Uruha
in den Wagen zu helfen. "Was ist mit Ihrer Schulter? Sind Sie auch verletzt?"
"Ja.", antwortete Sakito knapp und zog sich, nachdem Uruha im Wagen war, an der
Türklinke in den Wagen. "Gut, dann bin ich gleich bei Ihnen. Ich sag dem Fahrer
nur eben Bescheid." Sakito nickte zum Zeichen, dass er verstanden hat und ließ
sich gegenüber Uruha auf einen Schrank nieder, der Schubfächer besaß, in
denen sich unter anderem wohl Medikamente und Spritzen befanden. "Uruha, geht es
dir gut? Schmerzt dein Knie sehr? Wir... schaffen das schon mit Reita.
Bestimmt...", wollte er ihn aufmuntern und lächelte kläglich. //Wenn Aoi im
vollen Bewusstsein ist und wieder sprechen kann. Ohne ihn wird es Reita nicht
schaffen. Schon beim ersten Mal war es reine Glücksache... Doch Aoi war
ausschlaggebend für dieses Glück. Hoffentlich schaffen wir das... Es muss
einfach.//
Er schreckte auf, als der Arzthelfer in den Wagen sprang und die Türen
schwungvoll hinter sich schloss. "Gut festhalten! Wir fahren los.", verkündete
er und stolperte zunächst auf Sakito zu, während der Wagen in Gang kam. "Nein,
untersuchen Sie erst sein Knie.", bat Sakito den Arzt und erhielt ein Seufzen.
"Anwalt hin oder her, Sie verbluten mir hier gleich, wenn ich Ihnen nicht helfe.
Außerdem habe ich hier drin das Sagen." "Dann... beeilen Sie sich.", grummelte
Sakito und zischte schmerzhaft auf, als der Arzt versuchte, sein Hemdärmel
hochzukrempeln. "Okay, so wird das nichts. Ziehen Sie bitte das Oberteil aus."
Und Sakito tat wie ihm 'befohlen', auch wenn er dabei Schwierigkeiten hatte.
Nach kurzem Betrachten der Wunde, nickte der Arzt und kramte aus einem Schrank
eine Binde und einen Druckverband hervor. "Die Wunde muss kürzlich genäht
worden sein. Jetzt jedenfalls nicht mehr. Die Naht ist aufgeplatzt. Ich werde
Ihnen einen Druckverband anlegen, der ihren Arm zusammenhalten soll, bis wir da
sind. Dann werden Sie genäht. Ich hab das Werkzeug dafür nicht hier. Wie Sie
unter diesen Schmerzen das Bewusstsein noch nicht verlieren konnten, ist mir
schleierhaft... Okay, das wird jetzt etwas wehtun. Krallen Sie sich ruhig in...
irgendwo rein. Meine Arme brauche ich jedoch." "Geht schon...", murmelte Sakito,
der es hasste, vor Uruha schwach zu sein und verkrampfte seine Hände um seine
eigenen Beine. Den Kopf gesenkt, schloss er die Augen und biss sich auf die
Unterlippe. "Okay, jetzt...", warnte ihn der Arzt und drückte beide Seiten,
zwischen denen die offene Wunde klaffte, zusammen. Schmerzhaft verzog Sakito das
Gesicht und sog die Luft zwischen den Zähnen ein, ehe er sie wieder hinaus
presste. Seine Wangen, die sich aufblähten, färbten sich rot. Dann wurde
Sakito der Druckverband angelegt und mit etwas Schwierigkeiten auch der Verband,
der den Druckverband auf die Wunde presste. Während der Arzt noch fleißig
wickelte, kippte Sakito's schweißnasse Stirn gegen die Brust des Arztes. "Na,
na... Bloß nicht schwach werden. Das kurze Stück zum Krankenhaus bekommen Sie
auch noch hin.", versuchte der Arzt ihn etwas aufzumuntern und befestigte den
Verband. "Am besten Sie legen sich hier auf die Liege und ruhen sich etwas aus.
Sie waren tapfer. Gut gemacht. Ich kümmere mich inzwischen um Ihren Freund.
Warten Sie, ich helfe Ihnen noch in Ihr Hemd.", bot der Arzt Sakito an und half
dem Anwalt, der heftig ein und ausatmend wie ein Schluck Wasser in der Kurve
hing, in sein an der Schulter blut getränktes Hemd. "Nicht sonderlich schön,
aber sonst werden Sie mir noch krank.", meinte der Arzt und half Sakito
aufzustehen, damit er sich hinlegen konnte. "So nun zu Ihnen.", sagte der
Kittelträger freundlich und stolperte auf Uruha zu. "Oh wir sind wohl fast da.
Den Bordstein erkenne ich gut. Den nehmen wir jedes Mal mit, wenn wir hier lang
fahren.", versuchte er die gedrückte Stimmung etwas aufzulockern und lachte
auf. Bei Uruha's Gesichtsausdruck jedoch, verstummte er sofort. "Sie brauchen
sich keine Sorgen zu machen. Ihr Freund ist tapfer. Der wird das schon
überstehen.", sagte er zuversichtlich und hockte sich hin, um sich Uruha's
Knöchel anzusehen, wofür er jedoch zuvor das Hosenbein ein wenig hochkrempeln
musste. "Hm... leicht aufgeschürft, aber geschwollen. Können Sie ihren Fuß
gut bewegen oder macht es Schwierigkeiten? Wenn es Schwierigkeiten macht, ist es
wohl verstaucht. Wenn es gebrochen wäre, dann wäre hier diese Stelle... sehen
Sie? Diese Stelle wäre wesentlich dunkler und sie könnten nicht auftreten.
Aber vielleicht... verfärbt es sich noch etwas. Wie verläuft das Laufen? Geht
es?", wollte er wissen und kramte aus einer Schublade gleich neben sich ein
feuchtes Tuch und ein Spray zum desinfizieren der aufgeschürften Wunde.

Uruha, der nun auf einer der gepolsterten Metallstühle im Krankenwagen saß,
nickte ein wenig und antwortete mit leiser Stimme: "Ich denke schon..."
Er war blass im Gesicht und seine Haare lagen etwas wirr auf seinem Kopf. Mit
seinen schmalen Armen stützte er sich schwach auf den Armlehnen ab. "Es... es
geht...", antwortete er und blickte auf seinen Knöchel hinunter. Er hatte das
Gefühl für seinen Körper schon vor längerem verloren und so spürte er auch
die Schmerzen nicht außerordentlich stark.
Erschöpft zitterte er leicht, konnte auch nicht verhindern, dass ihm die Augen
alle paar Minuten für einige Sekunden zufielen.
Dennoch versuchte er sich zusammenzureißen, denn es gab für ihn wichtigere
Menschen die Hilfe benötigten als er selbst.
Außerdem war es nur sein Bein und das würde schon irgendwie wieder heilen.
Uruha strich sich leicht über die Stirn und sah auf die Flasche die ihm
hingehalten wurde. "Sie sollten trinken, ihr Blutzucker ist ziemlich niedrig und
wir müssen den Kreislauf stabilisieren.", erklärte ihm der Arzthelfer und
drückte ihm das Getränk in die Hand.
"Danke...", nuschelte Uruha und hob die Flasche an die Lippen, um ein paar
Schlucke zu nehmen.

"Nehmen auch Sie etwas zu sich.", wandte sich der Arzthelfer nun wieder an
Sakito und stolperte etwas, als der Wagen erneut ruckelte und langsamer zu
werden schien. Behutsam richtete Sakito sich auf und nahm dankend die Flasche
entgegen. Dabei richtete sich sein besorgter Blick auf Uruha. "Uruha, du musst
nachher nicht dabei sein, wenn's nicht unbedingt sein muss. Aoi wird wohl der
einzige sein, der Reita daraus helfen kann. Ich meine, wenn er es einmal
geschafft hat, dann müsste es auch ein zweites Mal gehen! Wenn's am Ende nicht
gut aussieht, meine ich... Wenn du dich ausruhen magst, dann musst du das nur
sagen oder wenn du Reita so nicht sehen kannst. Dir wurde genug Schmerz
zugefügt. Du kannst das mir überlassen.", bot Sakito dem Blonden an, um ihn
vor mehr Leid zu bewahren und rutschte an die Kante der sich im Wagen
befindenden Trage. Der Arzthelfer wechselte schmunzelnd zwischen den beiden hin
und her. "Ich weiß zwar nicht, um was es hier geht, aber fest steht, dass Sie
sich die Wunde zunähen lassen und Ihr Freund seinen Knöchel schonen muss."
Seufzend sah Sakito von Uruha zum anderen auf. //Warum müssen Ärzte immer
ihren Job tun...?//, fragte er sich und musste aufgrund seiner eigenen Gedanken
belustigt auf schnauben. "Natürlich...~", bestätigte er leise und stand auf,
um sich an den Schrank mit den Beruhigungsspritzen zu stellen.
Dann hielt der Wagen mit quietschenden Reifen an, was den Arzthelfer wanken und
unaufmerksam werden ließ. Diese Unaufmerksamkeit nutzte Sakito und entnahm der
Schublade eine Beruhigungsspritzte für den Notfall. Vielleicht würden Uruha
und er sie auf den Weg zu Reita benötigen.

Die Doppeltür wurde aufgerissen und ein Name gerufen, der wohl dem Arzthelfer
gehören musste. "Ich bin hier.", meldete er sich, da Sakito ihn verdeckte.
"Gut, dann steigen Sie bitte beide vorsichtig aus.", forderte er Uruha und
Sakito auf, der außerdem nicht bemerkt hatte, wie Sakito sich einer Spritze
bedient hatte.
Nickend wandte sich der Anwalt um und ließ sich aus dem Wagen helfen. Davor
blieb er stehen und wartete auf Uruha, um ihm selbst herauszuhelfen, während
der Arzthelfer ihn seitlich, aufgrund der Enge, zum Wagenende stützte.

+~+

Zero merkte Nikita's Unsicherheit, doch an seiner Stelle hätte er nicht anders
gehandelt. Als Nikita ihn wieder einholte - besonders schwer war das nicht, bei
seinem langsamen Gang - rechnete er fest damit, sich eine zu fangen oder eine
Ermahnung zu kassieren. Doch zum Glück war Nikita seiner Meinung.
Stolz lächelnd hörte er Nikita's Lob, hatte allerdings bei dem Wort
"Frischling" das Gesicht etwas verzogen.
"Ich werde dich nicht enttäuschen, Nikita.", sagte er und sah ihm dann
hinterher, wie er davon rannte.
Langsam humpelte er weiter, stützte sich an den Stämmen ab und erreichte
endlich nach einer gefühlten halben Ewigkeit die Straße. Wo war Sakamoto?
Völlig erschöpft und etwas benebelt durch die Schmerzen in seinem Bein setzte
sich Zero an den Straßenrand und versuchte sich etwas zu erholen.

+~+

Tama, der von Sakamoto auf die Suche nach Zurückgebliebenen geschickt worden
war, lief geschickt durch die dunklen Gassen und spähte mit wachsamen Auge
umher. Oft genug geschah es, dass Feinde sich hier her verirrten oder ein
plötzlicher Hinterhalt gelegt wurde. Deshalb musste er besonders vorsichtig
sein. Falls ihre Feinde wussten, in welch einen Fall sie steckten, das der
Großteil von ihnen verletzt war und unkoordiniert ohne Anführer, dann wären
sie zwar nicht ganz aufgeschmissen, schließlich waren sie die Stärksten, aber
dennoch im Nachteil. Als unweit von ihm ein Knacksen zu hören war,
beschleunigte er seine Schritte und lauschte aufmerksam hinter sich. Ein Tier?
Ein Feind?!
Ganz langsam, damit man ihm nicht ansah, dass er den Feind habe bemerken
können, ließ Tama seine Hände in die seitlichen Hosentaschen gleiten, um
seine Wurfmesser im Notfall zu zücken. Erst kurz vor der Abbiegung zur Straße,
die kaum befahren war und deshalb ziemlich heruntergekommen aussah, aufgrund der
Nichtnutzung und damit verbundenen Restaurierung, wurde er langsamer und spähte
über die Schulter hinter sich. Da zuckte etwas! Mit rasender Geschwindigkeit
drehte sich Tama auf einem Fuß um die eigene Achse und warf eines seiner Messer
zielgerichtet in die Dunkelheit einer stinkenden Nebengasse. Etwas quiekte hell
auf, bevor der Ton erstarb. //Mist! Eine Ratte...//, spuckte er sauer auf und
schlich näher an den Ursprung des Lautes heran. Wenigstens sein Messer wollte
er mitnehmen. Spuren durfte er nicht hinterlassen! All er sein Messer in der
Dunkelheit aufblitzen sah, schoss er vor und packte es am Schaft. In diesem
Moment schoss etwas auf ihn zu, was einer kalkweißen Hand glich, die ein Messer
zittrig in der Hand hielt, doch Tama sprang rechtzeitig in die Höhe, ließ sein
Messer los und packte stattdessen die schmächtigen Schultern diesen ihm
unbekannten Mannes und vollzog ein Rad in der Luft, sodass er hinter seinem
Feind landete, der keuchend vornüber stolperte. Mit einer schnellen Bewegung
drehte sich Tama erneut um die eigene Achse und warf ein zweites Messer knapp
neben der Wirbelsäule zwischen den herausragenden Schulterknochen. //Mist!//,
fluchte er im Stillen und orderte sich zur Konzentration an. Nur die flinke
Bewegung seines silberhaarigen Feindes hatte ihn gerettet, ließ ihn jedoch
erneut schwer auf keuchen und vorwärts stolpern. Was Tama verwirrte war, das
dieses Gespenst von einem Mann sich einen Arm über die Augen legte, als ob das
Sonnenlicht, das hier nur knapp über die Häuserreste hinweg blitze, ihn
blendete. "Bleib stehen! Wer bist du?!", wollte er wissen und hechtete dem
Unbekannten nach, wobei er sein Messer aus der toten Ratte riss. Da hörte er
hinter sich plötzlich einen ganz anderen Ton, deren Laut ihm seltsam vertraut
vorkam. Einen Schmerzenslaut. Der Mann vor ihm röchelte schmerzhaft auf und
fiel auf die Knie, woraufhin er erneut versuchte aufzustehen. Überlegen
grinsend taktierte Tama den Schwächling und warf einen kurzen Blick hinter sich
in Richtung Straße. //Zero?// Er erkannte seinen Schüler sofort, als er ihn
dort am anderen Rande der Straße sitzen sah, wo man ihn leichterhand umlegen
konnte. Tama riss die Augen auf. //Wie unvorsichtig!//, schimpfte er im Stillen
und wollte sich wieder seinem Feind zu wenden, der plötzlich wie vom Erdboden
verschwunden war. Irritiert sah er sich um, zögerte dann und trat zurück.
//Der kommt eh nicht weit. Allerdings hat er mein Messer...//, dachte er und
haderte mit sich. Dann schnaubte er über seine eigenen Bedenken. //Sollen
unsere Feinde ruhig wissen, dass wir den erledigt haben.//
Dann drehte Tama um und rannte wie auch zuvor auf die Straße zu, hielt wieder
an der Ecke an und lugte aufmerksam hervor. Nichts. Nicht mal ein Windlein.
Merkwürdig. "Psssst!", zischte er und sah zur Zero hinüber. Dann wieder nach
links und rechts. Dann schälte er sich aus der Dunkelheit und ging schnellen
Schrittes auf Zero zu. "Komm steh auf, Zero. Weißt du nicht, wie gefährlich es
hier ist? Hinter jedem Schatten könnte ein Feind lauern! Du musst aufpassen wo
du dich ausruhst. Komm, ich trag dich.", bot er etwas drängelnd und mit
gesenkter Stimme an und sah ich wieder um. "Ich bring dich zu Sakamoto. Der hat
gerade zwar alle Hände voll zu tun, aber die Wunden der anderen sehen
gegenüber deiner mickrig aus. Kannst du stehen?", wollte er wissen und bot ihm
seine Hände an.

Zero erschrak, als Tama plötzlich vor ihm stand - er hatte ihn nicht
bemerkt...
Zero hob den Kopf, sah aber erst mal nur schwarze Schatten vor seinen Augen.
Erst nach ein paar Mal Blinzeln erkannte er Tama und war über alle Maßen
erleichtert, dass kein Feind vor ihm stand. Die Standpauke, die er von dem
Älteren nun zu hören bekam, kam nur zur Hälfte an, konzentriert versuchte
Zero seinen Worten zu folgen, verstand aber nur die Hälfte. Aufstehen sollte
er? Ja... gleich... nur noch eine Minute ausruhen... Dann würde er
aufstehen...
Zero sah Tama aus fiebrig glänzenden Augen an und nahm die ihm angebotenen
Hände zögernd an.
Vorsichtig und zitternd stand er auf, knickte jedoch gleich wieder ein und wäre
gefallen, hätte Tama ihn nicht festgehalten. Der Junge keuchte unterdrückt vor
Schmerzen, versuchte aber erneut, sich hochzustemmen, und dieses Mal klappte es
auch. Kalter Schweiß rann ihm über die Stirn.

"Zero... Geht es...?", wollte Tama nun etwas besorgter wissen und bewegte seine
linke Hand langsam vor dessen Gesicht hin und her, um dessen Reaktion zu testen.
Ihn hatte er anscheinend ja auch nicht bemerkt und dabei hatte er sich keine
große Mühe gegeben, den anderen erschrecken zu wollen und war geradewegs auf
den Jüngeren zugelaufen. Als Zero sich die Zeit nahm, seinen Worten Folge zu
leisten, klingelten bei ihm die Alarmglocken. "Okay, komm schon. Kann ich dich
tragen, oder wo genau hast du Schmerzen? Verstehst du überhaupt, was ich dir
sage...?", wollte er wissen und erhoffte sich Antworten. Als Zero kippte,
bewahrte er ihn vor dem Aufprall und stemmte ihn zurück in die Gerade. "Pass
auf, ich nehme dich über die Schulter. Geht das, was meinst du? Einfach Nicken
oder Kopfschütteln.", meinte er und tastete Zero's Stirn ab.

Zero schrak erneut zusammen, als Tama mit der Hand vor seinem Gesicht wedelte.
Es war zu schnell und wieder wurde ihm schwindelig. Er wollte etwas sagen, doch
stattdessen redete Tama schon wieder auf ihn ein. Was wollte er...?
Zero sah auf seine Hose, die nass und rot von Blut an seinem Bein klebte, sah
die offene Wunde, aus der sogar einzelne Holzstückchen ragten und gleich wurde
ihm noch schlechter und er wandte schnell den Blick ab.
Schon tastete Tama auf seiner Stirn herum, seine Hand war kühl und aufatmend
lehnte sich der Junge dagegen, versuchte etwas Abkühlung zu bekommen, um wieder
klarer denken zu können. Tama wollte ihn tragen – so viel hatte er
verstanden. Oder? Langsam und kaum merklich nickte er mit dem Kopf.

"Zero...?", wiederholte Tama etwas gedämpfter und wusste nicht so recht mit
dessen Verhalten umzugehen. Er war schließlich nicht Sakamoto! "Ähm...",
begann er unsicher und sah, wie der Kopf des anderen sich schnell in eine andere
Richtung wandte. Alarmiert riss Tama genau in die entgegengesetzte Richtung,
doch nichts Auffälliges fiel ihm auf. Schmunzelnd senkte er den Blick und
erspähte dabei Zero's schwere Verletzung. "Oh...", entwich es seinen Lippen und
hatte nach seinem folgenden Angebot, den anderen zu tragen, seine Hand in Zeros
Stirn wandern lassen, welcher sich gegen diese zu lehnen schien. "Warte Zero,
gleich kannst du dich ausruhen.", versprach Tama, griff nach Zeros linken Arm,
drehte seine Hüfte geschmeidig zwischen ihre Körper ein und ging in die Knie,
um Zero auf seine Schulter zu laden, dabei drauf achtend, das seine Wunde nicht
auf seinem Körper aufschlug, was sich als schwierig herausstellte. Er musste
also seine ganze Kraft in seinen linken Arm schicken, um Zero's Körper nicht
von seiner Schulter rutschen zu lassen, während er mit der rechten Hand auf dem
Rücken Zero's rechtes Bein von sich hielt. Leise aufächzend streckte er die
Knie durch, um in den aufrechten Gang zu wechseln und Zero vom Boden
hochzustemmen. "Dann los... Versuch dich bitte festzuhalten, Zero, und behalt
den Kopf oben, sonst läuft dir das ganze Blut dort hinein. Normalerweise ist
diese Festhalte eher für Bewusstlose. Doch dich im Arm zu tragen, würde uns
unwehrbar machen und so wäre dein Körper nicht gestreckt. Bleib bei mir,
hörst du?", forderte er ihn leicht lächelnd auf und stiefelte mit schwerem
Schritt los, während er dabei seinen Blick durch die dunklen Gassen schickte.
Entweder war dieser Weiß-Silberhaarige tot oder er schwirrte hier noch irgendwo
herum. Wenn sie ihm begegnen würden, wäre dies nicht zu ihrem Vorteil, selbst
wenn der andere verletzt war. Er konnte sich kaum bewegen unter Zero's Last und
seine rechte Hand war ebenfalls gehindert, um im schlimmsten Fall nach seinen
Waffen zu greifen. "Wenn dir etwas merkwürdiges auffällt, dann... mach dich
bemerkbar.", sagte er an Zero gerichtet und betrat die Gasse, in der er auf den
Fremden getroffen war. An diesen Mann denkend, versuchte er schneller zu gehen.
//Was er wohl hier in unserem Gebiet treibt?//, fragte er sich und hörte es
nicht unweit von ihnen knacken. //Ganz toll.//, kommentierte er und begann zu
rennen. "Festhalten Zero!", befahl er und hielt seinen Arm eisern um Zero's
Rücken geschlossen, der über seiner Schulter hinausragte.

Zero schrie leise auf, als Tama ihn so auf den Rücken hievte. Dass seine
Schulter auch verletzt war, ebenso wie seine Rippen, hatte der andere nicht
gemerkt und Zero wurde es schwindelig vor Schmerzen. Er lehnte seinen Kopf gegen
Tamas Schulter und realisierte spät, was der andere sagte. Er sollte wach
bleiben... ja... "Ich... bin wach...", nuschelte er und hob wieder den Kopf,
versuchte in der Dunkelheit und den Schatten etwas zu erkennen. //Aufpassen,
Zero... Du sollst aufpassen und... wach bleiben...//, hämmerte er sich ein und
kämpfte gegen die Bewusstlosigkeit an und die Schatten, die immer dunkler vor
seinen Augen zu werden schienen. Er durfte nicht aufgeben... musste stark
sein... er wollte, dass Hizumi stolz auf ihn sein konnte... stolz... Aus dem
Mund des Jungen floss ein schmales Rinnsal Blut und benetzte Tama's Hemd.

Erschrocken war Tama vorgestolpert, als Zero plötzlich zu schreien begann.
"Zero?! Scheiße... Tut mir Leid! Wir sind gleich da, okay? Halte durch! Ich
kenn mich in Sakamoto's Fach leider nicht aus!", entschuldigte er sich und
machte sich schreckliche Vorwürfe. "Aber ich hätte dich nicht hier lassen
können! Hier ist jemand, der hier nicht hingehört. Womöglich ein Feind und du
warst mir in dem Moment wichtiger, als ihn zu verfolgen und auszuschalten.
Dafür war keine Zeit.", erklärte er und lief eilig weiter. Vorbei an dunklen
Gassen, aus denen Feinde sie leicht heraus attackieren konnten. Die Angst um
Zero wuchs noch um ein weiteres, als er etwas Feuchtes auf seiner Brust
bemerkte. Ein kurzer, prüfender Blick war nicht nötig, um zu realisieren, dass
es Blut sein musste. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, bis es ihm dann
plötzlich nach einer Abbiegung in die Hose rutschte, als der Silberhaarige von
vorhin plötzlich vor ihnen stand und den Arm nach ihm ausstreckte. "Gib ihn
mir...", hörte er ihn murmeln und Tama, der erschrocken zum Stehen gekommen
war, wich zurück. "Was willst du von ihm?! Verschwinde von hier! Los, geh aus
dem Weg!", rief er und wich einen weiteren Schritt zurück, als der
Silberhaarige einen Schritt auf sie zu wagte. Seine langen, nassen und
durcheinander verstrubbelten Haare hingen ihm triefend ins Gesicht. Auch seine
Klamotten wirkten durchnässt und die bläulich angelaufenen Lippen dieses fast
farblosen Wesens bebten. "Ich habe Hunger...~ Er wird eh sterben... Los, gib ihn
mir!", keifte der Mann plötzlich und Tama, der bei seinen Worten erschrocken
glaubte, sein Herz wäre für einen Moment stehen geblieben, wandte sich um, um
einen anderen Weg zu laufen. "Neeeein~! Hier geblieben! Gib mir das Fleisch!"
//Ein Wahnsinniger! Ein Wahnsinniger! Ich muss hier weg!//, dachte Tama total
durch den Wind und wusste nicht wohin, da er den Silberhaarigen dicht hinter
sich spürte und er ihm nur den Weg in ihr Versteck zeigen würde. //Zero, halte
durch! Du stirbst mir nicht!//, dachte er und spornte sich zusätzlich damit an,
schneller zu laufen.
Während des Laufens wagte er einen kurzen Blick zurück und erkannte mit
aufgerissenen Augen, wie der Mann ein sichelförmiges Messer hervorzog. //Ich
kann nicht an meine Waffen!// "Zero, dir wird nichts passieren! Keine Angst!
Dafür werde ich schon sorgen!", versprach er dem Verletzten und sah sich
panisch nach einer möglichen Deckung um. Doch wo sollte er sie bitte in Deckung
bringen, wenn der Typ ihnen an den Fersen klebte?! //Ich kann ihn nicht
abwerfen, um zu kämpfen! Was mach ich jetzt nur?!//, fragte er sich und hörte
die ausholende Bewegung der Waffe. "Neeein!", rief er entsetzt aus, sprang vor
und drehte sich hastig um. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Waffe Zero
getroffen hätte. Mit weit aufgerissenen Augen, riss Tama den Mund entsetzt auf
und starrte seinem gegenüber ins nur Millimeter entfernte Gesicht. Dann ließ
er den Blick auf die Waffe sinken, sie sich in seine Brust gebohrt hatte. "Nun
gib ihn mir schon, oder soll ich lieber dich nehmen?", fragte dieser ungeduldig
und keuchte erschrocken auf, als Tama zum Tritt ausholte und ihn damit von den
schwachen Beinen riss. "D-du... bekommst ihn nie... n-niemals!", stammelte Tama,
wandte sich um und rannte, stolperte teilweise vorwärts, um sich ein Versteck
zu suchen und Zero in Sicherheit zu bringen. Doch bevor er eines finden konnte,
erlitt er einen weiteren, kurzzeitigen Herzstillstand, als zum zweiten Mal
jemand vor ihm stand. Erleichterung durchflutete ihn, als er denjenigen als
einen Freund wieder erkannte. "Hey Tama! Scheiße, was ist denn mit dir?! Und
Zero?! Hab ich mich also doch nicht verhört, als ich noch eine Stimme gehört
habe. Geh zu Sakamoto! Ich kümmere mich um den anderen!", sagte sein
Gegenüber, doch mehr als ein dankbares Lächeln bekam Tama nicht mehr zustande,
bevor er weiter lief und ab und zu stolperte, sich und Zero jedoch gerade noch
oben behalten konnte.
"S-Sakamoto...! Zero!", rief Tama sogleich, als er ihr Versteck betreten hatte
und wäre beinahe aus Kraftlosigkeit, was ihm das Messer dieses silberhaarigen
Wahnsinnigen bescherte, vornüber gesackt, wenn er nicht an den Schultern
gepackt und Zero ihm von zwei anderen vorsichtig abgenommen worden wäre.
Sakamoto kam angeeilt und betrachtete Zero kritisch. "Zero, wo genau tut dir was
weh?", wollte er wissen und wirkte dabei völlig ruhig. "Was tut dir weh? Bringt
mir einen Tisch! Die Liegen sind voll und legt ihn darauf! Tama, setz dich,
wenn's geht. Das du auch immer den Helden spielen musst...“, meinte Sakamoto
kopfschüttelnd, da er das Geschehen in seinem Kopf leicht rekonstruieren
konnte, seufzte jedoch erleichtert auf. „Doch damit hast du Zero's Leben
gerettet. Dich bekomm ich auch wieder gesund. Lass das mal meine Sorge sein.“


Zero wurde immer schwächer. Alles, was um ihn herum geschah, nahm er nur wie
durch einen Schleier wahr... Er hing mehr tot als lebendig auf Tama's Rücken
und sagte sich immer wieder vor, dass er am Leben und wach bleiben musste...
Als der Silberhaarige auftauchte, nahm ihn Zero nunmehr nur als einen Geist
wahr, ein Gespenst, dass ihm und Tama nach dem Leben trachtete...
Der Junge hatte zu viel Blut verloren, seine Wahrnehmung spielte ihm einen
grausamen Streich. Er wollte fliehen, alles in ihm zog sich zusammen, er bebte
vor Angst und das Fieber, dass er mittlerweile bekommen hatte, machte es auch
nicht besser. So merkte er nicht, dass Tama ihm das Leben rettete, sich für ihn
opferte und ihn schließlich sogar ins rettende Quartier brachte...
Zu diesem Zeitpunkt hatte Zero schon längst endgültig das Bewusstsein
verloren...

Als Zero nicht antwortete, seufzte Sakamoto besorgt auf und klatschte in die
Hände, um die Wenigen zusammen zu rufen, die noch fähig ihrer Sinne und ihres
Körpers und nicht auf der Suche nach einem Tisch waren, wie er es zuvor
angewiesen hatte. "Schafft mir zwei Matratzen her! Und ist mir scheiß egal von
wem, hört ihr!? Es geht hier um das Leben zweier euer Brüder! Laken kann man
jederzeit austauschen. Menschen nicht! Hopp hopp!", wies er die Herumstehenden
an und jeder hechtete durcheinander davon, um so schnell wie möglich die
Matratzen aus ihren Zimmern zu holen. Einer von ihnen war sogar so voller Eifer,
das er sein Bett auseinanderlegte, da es sonst nicht durch die Tür passte, und
die Einzelteile schnaufend zu Sakamoto brachte, der den ganzen Holzteilen keines
Blickes würdigte, sondern nur ein mitleidiges Schulterklopfen für die
schweißtreibende Arbeit des fiebrigen Mannes übrig hatte. Statt zwei Matratzen
befanden sich nun in der Mitte des Raumes neun Matratzen und Sakamoto ließ
anweisen, zwei Haufen zu bilden, damit sie nicht über die restlichen Matratzen
stolperten. Während der Arzt die Männer antrieb, kam einer ihrer Männer auf
ihn zugestolpert und berichtete ihm besorgt, keine Tische mehr gefunden zu
haben. "Danke. Ruh dich aus.", wies er an, klopfte dem Mann dankend auf die
Schulter und wandte sich Tama zu. "Tama, wie schlimm ist es?", wollte er wissen
und hockte sich vor diesen, um in sein herabhängendes Gesicht sehen zu können.
"S-Saki kämpft draußen m-mit diesem... diesem... weißhaarigen Kerl,
Sakamoto!", erwiderte Tama jedoch und sah ängstlich auf. "Ich glaube, dass war
der Typ, gegen den Kru gekämpft hat! Er wollte Zero haben! Ihn... ihn e-essen
oder so!" "Was...?", hauchte Sakamoto fassungslos, schüttelte rasch den Kopf
und sprang auf. "Zwei von euch bleiben hier, die mir assistieren! Der Rest
schaut draußen nach Saki! Und nehmt eure Waffen mit!", wies er an und schon
hechtete die Meute wieder durcheinander, um ihre Waffen aufzusammeln, um im
Anschluss das Versteck zu verlassen. "Tama, erzähl mir von Zero!", wies
Sakamoto den Verwundeten an, kaum war Ruhe eingekehrt und Zero mit Hilfe seiner
Assistenten auf einen Matratzenstapel verfrachtet, dem er sich nun zuwandte.
"J-ja! Ich glaube er hat Fieber, und am Bein hat er was! Und äh... ich weiß
nicht! Überall war Blut! Vielleicht die Rippen...?" "Wenigstens etwas. Danke.
Ruh dich aus und halte durch! Wenn Hizumi zurück ist, muss er dringend einen
zweiten Arzt einstellen...!", grummelte Sakamoto und schnitt mit einer Schere
Zeros Hose so ein, das er sie ohne Probleme von dessen Beine ziehen konnte, ohne
diese unnötig zu berühren. Zwar war Zero bewusstlos und könnte die Schmerzen
nicht spüren, aber sicher war schließlich sicher. "Was zum... ?!", machte
Sakamoto und untersuchte die Quetschungen und Holzsplitter, die im Körper
dieses etwas schmächtigen Jungen steckten. Tama, der versuchte durch Sakamoto
hindurch auf Zero zu blicken, lehnte sich soweit zur Seite, das er beinahe vom
Stuhl gefallen wäre, wenn einer der Zurückgebliebenen ihn nicht in letzter
Sekunde gestützt hätte. "Komm, Tama. Leg dich auf den zweiten Stapel."
"Mhm..."
"T-Tama! Sakamoto!", rief einer der Männer plötzlich, welcher mit den anderen
zuvor nach Saki schauen sollte, und knickte aufgrund seiner wabbeligen Kniee
ein, wodurch er zu Boden sank. "S-Saki! Er... Er", schluchzte der Mann und
rappelte sich wieder auf. "Yuuya!", donnerte Tama, um das zitternde Bündel zur
Ordnung zu rufen, während sein Herz erhöht in seiner Brust zu schlagen begann,
was die Schmerzen verdoppelte. //Ruhig bleiben!//, ermahnte er sich und kniff
die Augen keuchend zusammen.
"DIESES MONSTER HAT IHN AUFGEFRESSEN!!", entfuhr es diesem und erschrak
fürchterlich, als hinter ihm die anderen Männer auftauchten. Kalkweiß und
verstört dreinschauend. "Ach hör doch au-", fing Sakamoto an, der zuvor
knurrend von Zero lassen musste, und verstummte augenblicklich, als der
stämmigere Mann hinter Yuuya Saki's Kopf in den Händen hielt. Darauf war mit
Blut eine Nachricht hinterlassen: „Ich werde mich rächen“ "Das war das
einzige..., was dieses Monster übrig gelassen hat." Schluckend senkte Sakamoto
den Blick. "Wo sind Hizumi und Kru wenn man sie braucht...", murmelte er und
krallte seine Hände in die oberste Matratze. Seine Wangen hatten jedes bisschen
Farbe verloren. "Hoffentlich geht es ihnen gut...", murmelte er weiter und ging
fieberhaft alle Möglichkeiten durch, was mit ihnen geschehen sein konnte.
"Sakamoto!", rief Tama, in dessen Augen Trauer über den Tod Saki's lag.
"Kümmere dich um Zero! Ich mach das hier schon!", versuchte Tama stark zu
klingen, nickte und erhob sich vorsichtig. "Übernimm dich ja nicht!", feuerte
Sakamoto aufgebracht zurück, der aus seiner Melancholie gerissen wurde, und
strich sich das Haar aus der schweißnassen Stirn. "Ich bin jetzt für euch
verantwortlich! Was muss, das muss!", antwortete Tama und hob den eben noch
herabgesenkten Kopf. „Was soll das bedeuten, treuer Freund...?“, fragte er
den toten Saki mit nassen Augen und besah sich die Stirn.
Ein Schnauben hatte Sakamoto für die Starrsinnigkeit Tama's nur übrig, bevor
er sich wieder über Zero beugte und alles in seiner Macht stehende versuchte,
um diesen zu retten, während der andere geschwächt, aber aufrecht, die
unkoordinierten Männer befehligte, um Ordnung in das Chaos zu bringen. Für
Saki und die anderen Getöteten wurden Gräber geschaufelt, während die
restlichen Männer in Gruppen unterteilt wurden, um die nähere Umgebung des
Versteckes zu sichern und Notfalls Alarm zu schlagen.
Sakamoto, der sich immer wieder den Schweiß aus dem Gesicht wischen musste,
verfluchte seine nicht vorhandene Fähigkeit, vierhändig zu sein und hechtete
zwischen Zero und seinen Arztutensilien hin und her, sodass er gar nicht
bemerkte, wie sich ihm jemand näherte, um ihm neugierig über die Schulter zu
blicken.
Erst als er den süßlichen Geruch wahrnahm, wandte sich der Arzt erschrocken
um. "Tsukasa! Was machst du um Himmels Willen noch hier! Das wird Ärger geben!
Und dieses Anschleichen hasse ich wie die Pest, wenn ich arbeite!" Abwehrend hob
Tsukasa die vom Dreck befreiten Hände. "Was soll ich denn nicht hier? Duschen
kann soooo schön sein!", meinte Tsukasa träumerisch und besah sich seine
pedikürten Fingernägel. "Würde dir auch gut tun, Sakamoto.", setzte er noch
hinzu und rümpfte die Nase. "Weißt du, wo Hizumi ist?" Sakamoto, war
inzwischen vor Wut rot angelaufen und durchbohrte Tsukasa, als wolle er ihn
aufspießen." "Der feine Herr hat also nicht Besseres zu tun, als zu duschen,
während Saki ermordet wurde, direkt vor unserem Versteck, Hizumi und Kru und
Nikita verschwunden sind und wer weiß was mit ihnen passiert ist, sich hier die
Verletzten stapeln und-" "Hizumi ist nicht hier?", unterbrach Tsukasa den
Kleineren, der zu seiner Verwunderung nach einem Skalpell griff. "Wenn Zero
nicht wichtiger wäre als DU... würde ich an dir meinen ersten Mord
ausprobieren! RAUS HIER!", brüllte Sakamoto wutentbrannt und deutete auf den
Ausgang. Seine ausgestreckte Hand zitterte gewaltig. //So ein Mist! Beruhige
dich, Sakamoto! Zero braucht dich!//, versuchte sich der Arzt zu beruhigen und
fiel, nachdem Tsukasa schnellen Schrittes verschwunden war, in den Armen einer
seiner Assistenten zusammen. "Meine Nerven...!", stöhnte der Arzt auf und bekam
eine Wasserflasche in die Hand gedrückt. "Sakamoto, du musst dich beruhigen!
Wenn Hizumi zurück ist, wird Tsukasa schon Ärger genug bekommen. Anscheinend
sucht er den Streit mit ihm, nur damit er seine Nähe genießen kann. Er weiß
einfach nicht, wann er aufgeben soll." "Aber er benimmt sich wie ein
pubertierender Teenager! Das kann nicht normal sein...", murrte der Arzt und
trank einen Schluck. "Danke. Los machen wir weiter."

+~+

Sich genervt am Kopf kratzend, sah Tsukasa sich um, kaum hatte er das Versteck
verlassen. "Ihr seid doch nur eifersüchtig. Hizumi und ich passen perfekt
zusammen! Er weiß es nur nicht. Hm...", sagte er mehr zu sich selbst und ging
los, um sich auf die Suche nach Hizumi zu machen.

+~+

Als Takeda nach gefühlten Stunden im Eiltempo am nicht weit entfernten
Krankenhaus der Tokioter Stadt gelangt war, war er so in Eile nach hinten zu
gelangen, das er den Motor anließ und die Fahrertür gewaltsam in ihren Rahmen
zurück donnerte. Mit rasendem Herzen riss er die hintere Doppeltür auf und
erspähte mit einem Blick die Situation. //Aoi, Kato, zwei Schwerverletzte, drei
Kriminelle und davon einer dieses fette Mistschwein von Boss.//, zählte er auf
und schenkte dem Letzteren einen mörderischen Blick. Zu dem würde er später
noch kommen, das versprach er ihm mit diesem Blick und nicht zu vergessen sich
selbst. //Verdient hat er grausame Schmerzen. Au ja...~//, dachte er und
schnaubte auf. "Okay, ich renne ins Krankenhaus und hole Ärzte mit Tragen.
Sobald Kru, Hizumi und Aoi aus dem Wagen sind, fahrt ihr los und bringt dieses
Schwein ins Gefängnis. Nur abliefern, dann fahrt zu euren Leuten. Mit Kato.
Bitte! Vorläufig. Oder ich gebe euch Geld für ein Taxi und ihr lasst den Wagen
lieber stehen. Sonst bekommt ihr deswegen auch noch Ärger." "Alles klar, machen
wir. Du kümmerst dich um unsere Anführer, im Gegenzug." "Natürlich!" "Und
Geld brauchst du uns nicht geben. Wir haben da unsere eigenen schicken
Methoden." "Aber kein Mord!" " Nein, das nicht. Der soll sich doch an unseren
Bandennamen erinnern.", grinste der eine in Schwarz, während der andere Takeda
zu nickte. "Und danke." "Ich habe zu danken.", erwiderte Takeda sich verbeugend,
nickte den beiden anerkennend zu und lief dann die Treppen zum Krankenhaus
hinauf, um an der Rezeption Bescheid zu geben.
Nachdem die ersten Ärzte und Arzthelfer mit Tragen aus dem Krankenhaus
stürmten, erkundigte sich Takeda an der aufgebracht wirkenden Rezeptionistin
nach Reita. "Warum dauert das denn so lange?! Was...? Ähm kleinen Moment
bitte... ", fing sie an und setzte sich wieder, nachdem sie den Ärzten
nachgebrüllt hatte, um auf ihre Tastatur einzudreschen. Schmunzelnd beobachtete
Takeda sie dabei. "Der ist kurz vor ihnen hier angekommen. Jetzt befindet er
sich in der Intensivstation im zweiten Stock im rechten Flur.", verkündete sie
und als sie den Blick hob, sah sie gerade noch, wie Takeda aus dem Krankenhaus
stürmte. "Na sowas...", murmelte sie noch und schüttelte den Kopf.
Auf dem Weg zurück zum Wagen begegneten ihm Hizumi und Kru auf einer Trage, da
sie immer noch miteinander verschmolzen waren. Als Takeda prüfend in den Wagen
hinein blickte, erkannte er, dass die beiden Männer Hizumi's eine Decke sowohl
über den Boss als auch Aoi geworfen hatte und sich bereits vorne am Steuer
befinden mussten. Sein irritierter Blick fiel auf den verdeckten Aoi und dann zu
den Ärzten, die in der Aufregung wohl vergaßen, dass hier noch jemand
ärztliche Hilfe benötigte. Gerade als er den Mund öffnen wollte, um etwas zu
sagen, wurde ihm klar, warum sie Aoi wohl verdeckt haben mussten und klatschte
sich gegen die Stirn. //Doofer geht's nicht...//
"Ich weiß zwar nicht, wie sie zu einem unserer Wagen gekommen sind, Officer,
aber da es sich um einen Notfall handelt und wir noch weitere Verletzte
erwarten, würde ich sie bitten, den Wagen hier wegzufahren und wir vergessen
die Angelegenheit. In die Garage dort gleich um die Ecke oder sagen sie an der
Rezeption Bescheid. Dann wird man sich um ihn kümmern. Vielen Dank jedenfalls,
Officer." "Wenn es Recht ist, werde ich später nach den Verletzten schauen. Um
den Wagen kümmere ich mich schon." "Natürlich jederzeit.", beendete der
Arzthelfer das Gespräch und lief den Tragen nach, während Takeda in den Wagen
sprang, um Aoi aus diesem herauszutragen. Dabei ließ er die Plane über dessen
Körper. Nur am Kopfende ließ er es etwas hinunterrutschen. Dann sprang er
wieder aus dem Wagen und schloss die Doppeltür mit Hilfe seiner Füße. "Los,
fahrt!", rief er und schon setzte sich der Wagen in Bewegung. "Tut mir Leid,
Aoi, aber Reita braucht dich und wenn du hier gefunden wirst, wirst du wieder
weggesperrt. Das mir das nicht eher einfiel... Aber meine Mutter kennt sich mit
Heilkräutern aus. Brandsalben hat sie bestimmt auch da.", redete er auf den
bewusstlosen Aoi ein, nur um sich selbst auch damit zu beruhigen. "Eine andere
Klinik kommt vorerst jedenfalls nicht in Frage. Doch wie kommen wir dort
unbemerkt rein...?", fragte er sich und grübelte angestrengt nach. "Gut, dass
du bewusstlos bist, Aoi. So merkst du nicht, als was ich dich jetzt missbrauchen
werde.", murmelte Takeda und seufzte auf. "Gefällt mir ja auch nicht, aber
anders... geht es wohl nicht."
Nach seinen Worten legte er den Schwarzhaarigen vorsichtig auf dem Boden ab, um
die Decke von seinem Körper zu klauben. "Sorry...~", murmelte er leise und hob
Aoi's Oberteil hoch. "Nur die Brandspur... Keine weiteren Verletzungen...
Okay...", murmelte er weiter und presste die Decke zu einer Kugel zusammen, um
sie im Anschluss unter Aoi's Shirt zu stopfen.
"Wenn das man gut geht...", seufzte er auf und fuhr sich durch's Haar.
Im Anschluss hob er Aoi wieder vom Boden, nachdem er dessen Shirt im Ansatz
unter dessen Hose gestopfte hatte und atmete tief ein und wieder aus. Dann eilte
er erneut ins Krankenhaus und an die Rezeption, schnaubend, als wäre er soeben
einen Marathon gelaufen. "Erfreuliche Wiederkehr! Meine Frau bekommt ihr Baby!
Wo geht's zur Entbindung?!", redete er im Eiltempo auf die verwirrte Frau ein,
die in der Hektik nur einen kurzen Blick auf 'die' Schwangere warf, deren
Gesicht an Takeda's Brust gelehnt war, um schnell einen Plan vom Krankenhaus mit
ihrem Computer aufzurufen. "Im vierten Stockwerk. Linker Gang. Soll ich eine
Ärztin rufen, die ihre Frau in den Entbindungssaal bringt?" "Nein! Äh ich
meine, nein, danke. Es geht schneller, wenn ich sie hochtrage." "Verstehe. Dann
rennen sie schon! Ihre Frau scheint vor Schmerzen ohnmächtig geworden zu sein!
Gute Besserung für ihre Frau!" "Ja, ja, danke!", rief Takeda noch und rannte in
Richtung Lift. //Pff~ Ein Glück.//, dachte er und grinste über beide Ohren,
als er diesen betrat, sodass er schief angesehen wurde. Wieder ernster werdend
räusperte er sich und hob den Blick, als sei eine Ärztin besonders neugierig
musterte, die mit im Lift stand. "Bekommt ihre Frau ihr Kind? Glückwunsch, dann
werden sie Vater." "Äh ja! Darauf habe ich mich ganze neun Monate gefreut!
Irres Gefühl, aber dieser Lift ist mir viel zu langsam! Meine Frau leidet schon
genug!", jammerte Takeda theatralisch auf und stürmte aus dem Lift, als dieser
im ersten Stock an hielt. "Aber der Entbindungssaal ist im vierten Stock!",
wurde ihm nachgerufen. "Ich nehme die Treppe!", erwiderte Takeda und stürmte in
den zweiten Stock, um sich nach rechts zu wenden. Zur Intensivstation, in der
Reita lag und soeben operativ vor dem Tod bewahrt werden sollte. Auf dem Weg
dorthin, entnahm er seiner 'geliehenen' Frau den Bauch, um diesen wieder
abdeckend über Aoi's Körper zu legen.

Hibbelig vor der Intensivstation auf und ab laufend, warf Takeda immer wieder
einen nervösen Blick den Flur entlang, dann wieder zu Aoi, den er auf mehreren
Stühlen geparkt hatte und wieder zur Tür, über der eine Lampe leuchtete. "Was
meinst du...? Sollen wir einfach rein? So wie beim letzten Mal? Aber was ist,
wenn sie gerade operativ am Gange sind? Vielleicht sieht es ja doch nicht so
schlecht aus, hm?", meinte Takeda und fuhr sich durch's Haar, bevor er
aufseufzte. "Warum spreche ich eigentlich mit einem Bewusstlosen?", merkte er
verärgert über sich selbst an und zwang sich dazu, die unbefensterte
Doppeltür hinter sich zu lassen, um sich zu Aoi zu gesellen. "Hey Aoi, wach
doch bitte auf!“, versuchte Takeda den Schwarzhaarigen zu wecken und drehte
dessen Gesicht zu sich. "Hm... Aoi?!"

+~+

Hizumi und Kru wurden inzwischen auf eine andere Stationen gebracht, wo sie auf
Körperfunktionen untersucht wurden, nachdem sie voneinander getrennt, von den
restlichen Klamotten und metallischen Resten, wie sie verwundert feststellen
mussten, befreit worden waren, und ihre verbrannte Haut versorgt wurde. An den
Stellen, an denen ihre Haut restlos weggebrannt war, taten sie eine Paste aus
Olivenöl und verbrannter Baumwolle, die sich die nächsten 1 1/2 Wochen wie
eine zweite Haut auf ihre legen sollten und alle Stellen, die 'nur'
Verbrennungen zweiten Grades auswiesen, Essig. Ihre beiden Körper wurden dann
beinahe vollständig eingebunden, und sonstige Verletzungen versorgt, genäht
und in Kru's Fall noch mit Blutkonserven und operativer Handhabung behandelt,
bevor beide in sein Zimmer untergebracht wurden.

+~+

Inzwischen war auch Aoi wieder zu sich gekommen und beäugte seine Umgebung mit
ängstlich aufgerissenen Augen, bevor er erschrocken aufsprang, als Takeda zu
Reden angesetzt hatte. "Aoi, beruhige dich doch bitte! Ich bin es nur, Takeda!",
versuchte der Polizist den anderen zu beruhigen und stand auf, um sich Aoi mit
langsamen Schritten zu nähern. "Nicht weglaufen, bitte! Wir sind hier im
Krankenhaus, wie du bestimmt schon festgestellt hast. Dir geschieht schon
nichts, Aoi. Reita liegt hier auf der Intensivstation und- Aoi!", rief Takeda
entsetzt, als dieser, kaum hatte er Reita's Aufenthaltsort verraten, auf die
Doppeltür zulief. Hastig griff er nach dem dünnen Handgelenk des
Schwarzhaarigen und zog ihn zurück, sodass Aoi erschrocken zurück stolperte
und gegen seine Brust prallte, wovon er sich wieder panisch vorwärts stolpernd
entfernte, das Gleichgewicht verlor und schließlich zu Boden glitt. "Aoi, ich
tu dir doch nichts! Du kannst nur nicht einfach dort rein! Was ist, wenn sie ihn
gerade operieren oder sowas, hä? Noch scheint alles gut zu gehen, sonst würden
doch die Schwestern auf und ab laufen! So wie beim letzten Mal, weißt du
noch?!", versuchte Takeda ihn zu beruhigen, doch stattdessen lief Aoi kalkweiß
an, verkrampfte seine Hände in die Sitze an der Wand und starrte fast apathisch
und bebend zu Boden.
Alles nur nicht das... Rei...
Hilflos besah sich Takeda Aoi und wagte es nicht, sich diesem erneut zu nähern,
aus Angst, Aoi würde vor ihm weglaufen. Als dieser jedoch zu schluchzen und
seinen Kopf gegen einer der Sitze zu knallen begann, riss sich Takeda
erschrocken aus seiner Starre los, stürmte auf Aoi zu, der wimmernd vor ihm weg
kroch und wollte ihn in den Arm nehmen, um ihn zu trösten und ihn davon
abzuhalten, sich selbst weh zu tun, als er dessen Füße in den Magen bekam.
"Uhh...~", stöhnte er auf, kippte nach vorn, rieb sich während des Aufraffens
den Bauch und sah mit Tränen in den Augenwinkeln auf. "Aoi, ich will dir doch
nichts Böses! Vertrau mir doch bitte!" Doch der Schwarzhaarige schüttelte den
Kopf. Er hatte genug vertraut und damit nur noch mehr Schaden angerichtet. Reita
lebte und er...? ER?! Er, dieser dämliche Hurenbock, schlief mit Hizumi! So
dämlich...! ... Oder...?
Wimmernd presste sich Aoi die Hände auf die Ohren. Wollte seine Gedanken und
die Stimmen, die er glaubte, wahrzunehmen und nicht zu ihm oder Takeda
gehörten, ausblenden.

Schuldig...

+~+

Zero kam langsam wieder zu sich und schlagartig waren die Erinnerungen wieder
da. Tama..., der ihn gerettet hatte, aber selbst verletzt wurde... Wo war er?!
Ging es ihm gut???
Ruckartig setzte sich der Junge auf. Ihm blieb vor Schmerz die Luft weg, doch er
sah sich trotzdem ängstlich um.
"Tama...? Tama, wo bist du?? Geht es dir gut?"
Langsam wurde ihm bewusst, dass der Geist doch real gewesen war... Und wohl
immer noch da draußen war...
Er musste die anderen warnen...
"Da draußen... ist ein Monster...", stammelte er zitternd und versuchte trotz
seines Zustandes die anderen zu warnen. Er gehörte zum Team... Er musste stark
sein, durfte nicht aufgeben...

Sakamoto erschrak, als Zero's Oberkörper jäh auffuhr. "Zero, bleib bitte
liegen.", bat er sofort mit beruhigender Stimme, nachdem er sich wieder
einigermaßen gefangen hatte und versuchte seine Worte mit leichtem Druck seiner
Hände auf Zero's Brust zu verdeutlichen. "Tama beerdigt gerade euren Retter,
von dem Shi nur den Kopf übrig gelassen hat. Er muss für Hizumi und Kru
einspringen, weil alle anderen spurlos verschwunden sind. Ihm geht es... sagen
wir einigermaßen gut. Fragt sich nur wie lange, wenn er so weiter ackert, aber
bisher hatten wir noch nie die Situation, dass Hizumi, Kru und Nikita
verschwunden sind und so bleibt allein Tama für diesen Job übrig. Ich bin kein
Kriegsherr. Wir wissen über die Gefahr Bescheid. Die anderen erledigen das
schon. Jetzt leg dich bitte hin, damit ich dich weiter verarzten kann.",
erklärte er ihre Situation schnell und drückte Zero's Oberkörper leicht
zurück.

+~+

Nikita hatte sich inzwischen bis zum Krankenhaus durch die Gassen vor gekämpft,
wenn man davon absah, das seine einzigen feinde Ratten, Katzen und Gestrüpp
gewesen waren.
Sich die einzelnen Blutstropfen aus dem Gesicht wischend, ließ er einen letzten
Blick über seine Kleidung wandern, die ganz schön in Mitleidenschaft gezogen
worden war. Nervös den Reißverschluss seiner Kapuzenjacke schließend, blickte
der Blonde sich um. Nur zögerlich verließ er den Schatten der Gasse, in der er
sich soeben befunden hatte, kämmte sich mit den Fingern die langen Haare, die
am Ansatz längst dunkel schimmerten, und versuchte zuletzt noch seine Hände in
den Innentaschen seiner dünnen Jacke so gut wie möglich zu säubern. Sich
über die spröden Lippen leckend, trat er von der Seite an die Glasscheiben des
Krankenhauses heran und suchte einen Türgriff, fand aber keinen. Hilflos sah er
sich um.
Erst als eine weitere Person in das Krankenhaus gehen wollte und dabei direkt in
der Mitte des Glaskomplexes trat, wobei die Türen wie automatisch aufglitten,
folgte Nikita der Person schnell, um in das Gebäude hineinzuhuschen. //Benimm
dich als wärst du ganz normal!//, orderte er sich hastig an, als er bemerkte,
wie er leichten Fußes an den Wänden entlang schlich. Sich räuspernd hielt er
inne und trat etwas von der Wand weg. Dann sah er sich um. Erblickte die
Rezeption und trat zögerlich näher, wobei er seine vor Nervosität zitternden
Händen weiterhin in den Taschen behielt. "E-entschuldigen Sie, Ma'am...?"
Irritiert blickte die Rezeptionistin auf, glaubte einen Ausländer vor sich
haben zu müssen und war überrascht, als sich ein blonder Japaner offenbarte.
"Hui~ So wurde ich ja lange nicht mehr genannt. Charmant, Charmant. Uie wie
sehen sie denn aus, hm?" Neugierig hatte sie sich vorgebeugt und strich Nikita
über den Hals, um anschließend kritisch auf ihren Finger zu sehen. "Bluten
sie?", wollte sie wissen und Nikita, der zuvor wie versteinert dagestanden
hatte, riss entsetzt die Hände aus den Taschen, um sich über den Hals zu
streichen. "Mir geht's gut!" "Und blass sind sie auch. Essen sie überhaupt,
junger Mann?", wollte sie wissen und schenkte Nikita einen interessierten Blick.
Hatte ihren Kopf auf ihrer Hand gebettet und lächelte versonnen. //F-Flirtet
die mit mir?!//, fragte sich Nikita leicht überfordert und trat einen Schritt
zurück. "Eh... Sind hier... eh...", fing er an, bis ihm die Gesichtszüge
entglitten. Er kannte Hizumi's und Kru's bürgerliche Namen nicht! Und die Namen
waren bei der Polizei bekannt... Schwer schluckend stolperte Nikita einen
weiteren Schritt zurück. //Warum bin ich überhaupt hierher gekommen??!//
"Wen suchst du denn?" "Hm... Sind hier vor kurzem zwei Männer reingekommen? Die
wahrscheinlich etwas verbrannt aussahen?", fragte er dennoch und merkte, wie
wenig er eigentlich über ihre Zustände wusste. //Bitte lass es ihnen gut
gehen!//
"Hm... Ja, da sind tatsächlich zwei reingekommen, aber ihre Namen wissen wir
nicht, da sie keine Ausweise bei sich trugen." "J-ja also wo könnte ich die
beiden finden?" "Sind sie ein Angehöriger einer der beiden?" Nikita klappte der
Mund auf. Dann biss er sich auf die Unterlippe und wand den Blick zu Boden,
schüttelte den Kopf. "Zimmer 304, 3.Etage."
Verwundert blickte Nikita auf. "D-danke." Und schon huschte der Blonde los, auf
die Suche nach diesem Zimmer.
„Hey! Ich hab etwas bei dir gut, Hübscher!“, rief die Rezeptionistin und
setzte sich seufzend.
Als er es schließlich gefunden hatte, steckte er neugierig den Kopf hinein.
Erst als er sicher war, keine weiteren Personen darin zu sehen, schlürfte er
schnell hinein. Mit schnell klopfendem Herzen, das ihm mehr und mehr stockte, je
näher er den beiden Betten kam, desto erschütternder wurde sein Blick. "Oh
nein... Nein.... Bitte nicht...", murmelte er mit brüchiger Stimme und trat an
das nächst stehende Bett. "Kru...", murmelte er wieder und musterte den
Verbundenen vom Kopf bis Fuß. Erkannte ihn nur durch seine Gesichtsform, denn
auch über den Augen lag eine Maske mit heilender Salbe für die vom Feuer
betroffenen Lider. Die aufgeplatzten Lippen schauten reglos hervor. Mit den
Tränen kämpfend verbarg er sein Gesicht in den Händen. Diese Explosion... Sie
hatte die beiden wohl erwischt. Mit Tränen in den Augen besah er sich Kru's
Bein, das ebenso bandagiert worden war. Kein Blutfleck hatte sich darauf
abgebildet. Wenigstens eine kleine Erleichterung. Schlimm wäre es gewesen, wenn
er sein Bein verloren hätte. Nikita glaubte, dann hätte Kru die Bande
verlassen. Aufgrund seines angekratzten Egos und der Last, der er für sie sein
würde. Aber... Kru wäre doch keine Last. Er war ihr Bruder. Und guter Freund.
Ein großartiger Lehrer. Einen besseren hätte er sich nicht wünschen können.
Das sagte jeder, der bei ihm Unterricht hatte. Schließlich hatte Kru von Hizumi
gelernt und sich anschließend auf einzelne Fähigkeiten und Waffen
spezialisiert. "Bitte, werde wieder gesund. Bitte.", murmelte er angeschlagen
und strich zaghaft über die bandagierte Hand zu seiner Seite, bevor er zu
Hizumi weiter wanderte, der wie Kru auch von Kopf bis Fuß ein bandagiert worden
war. Demzufolge konnte Nikita nicht sagen, wen es schlimmer getroffen hatte.
Dennoch war auch dieses Bild grausam anzusehen. Ihr Anführer. Ihr Vorbild. Ihr
Vater in vielerlei Dingen. Eigentlich war sowohl Hizumi als auch Kru sowas wie
Väter für die Bande. Sie holten einen von der Straße. Sie kümmerten sich um
jeden und um alles, wie es ihnen eben möglich war. Doch er hatte es Hizumi zu
verdanken, ein zu Hause gefunden zu haben, nachdem er von zu Hause fortgelaufen
war. Seine Eltern hatten gerne getrunken und ihren Hass auf ihr Leben an ihm
ausgelassen. Er hatte es nicht mehr ertragen können. Hizumi hatte ihn damals
von der Straße geholt. Ihm vor dem Tod bewahrt. Und lag er hier... wehrlos und
schwach. Ein Anblick, der ihm beinahe den Rest gab. "I-ich muss d-den anderen
Be- Bescheid sagen!", schluchzte er und wischte sich hastig die Tränen aus dem
Gesicht. Wollte jetzt stark sein. Musste stark sein. "Eure Familie ist für euch
da. Wir halten zusammen und wir holen euch hier raus, wenn es euch besser geht
oder wenn es nicht anders geht.", sagte er etwas gefasster und warf einen Blick
zu Kru, der weiterhin regungslos, fast leblos, wie Hizumi, in seinem Bett lag.
"Ich werde auf die anderen aufpassen. Werdet ja wieder gesund.", setzte er noch
da und beeilte sich aus dem Zimmer zu kommen. Die Tränen rannen ihm über die
blassen Wangen.

Hizumi wurde langsam wach, spürte, dass jemand im Zimmer war.
Langsam bewegte er die bandagierte Hand und vernahm die zitternde Stimme
Nikitas, wie er zuerst mit Kru sprach, dann mit ihm.
Hizumi versuchte sich bemerkbar zu machen, doch seine Stimme versagte. Dabei
wollte er Nikita doch sagen, dass er wach war! Dass er sich keine Sorgen machen
musste... Aber er war zu schwach, er konnte sich nicht bewegen und aus seinem
Mund kam nicht einmal ein Stöhnen.
Schon verabschiedete sich Nikita wieder... Wollte gehen... Aber...
Hizumi riss sich zusammen und atmete tief ein.
"Ni… ki…", brachte er tatsächlich röchelnd heraus und hoffte inständig,
dass dieser nicht schon fort war...
Er musste doch wissen, wie es Kru ging...
Die Schmerzen tobten mittlerweile durch seinen Körper und ließen ihn kaum zu
Atem kommen.

Erstarrt hielt Nikita inne. Sein Herz machte einen Hüpfer. Das war Hizumi
gewesen! Schnell wischte er sich die Tränen aus dem Gesicht und wandte sich um,
eilte zu Hizumi ans Bett zurück.
"H-Hizumi, ich bin noch da.", teilte er ihm mit und schluckte schwer. War wieder
den Tränen nahe. Zögerlich ließ er seine Hand auf die Hizumi's gleiten. Ganz
vorsichtig, um dem anderen nicht weh zu tun. Wollte ihm zeigen, dass er für ihn
da war. "Ruh dich lieber aus, Hizumi.", bat er den Bandagierten sorgenvoll.

Hizumi keuchte, war unendlich erleichtert, als er Nikita's Hand spürte und
versuchte ihn zum bleiben zu überreden. "Ni... sag mir... wie es... Kru
geht...", flüsterte er. Er hatte so Durst...
Er musste durchhalten, musste doch stark sein für seine Männer.
Geschwächt hob er den Kopf und schaffte es endlich, die Augen zu öffnen. Auch
wenn der Schmerz in seinem Kopf nun explodierte, er sah Nikita ruhig an.
"Was ist passiert?", fragte er und bemerkte dann dessen Tränen, versuchte ihn
zu trösten.

Nikita beugte sich etwas über Hizumi, um ihn besser verstehen zu können.
Blinzelte die Tränen fort und lauschte angestrengt dem Geflüster, welcher
unangenehm rau klang. "Kru...?", wiederholte er etwas überrascht, nickte dann
jedoch zum Zeichen, dass er verstanden hatte. Setzte schnell ein "Klar." nach,
als ihm bewusst wurde, dass Hizumi sein Nicken hatte nicht sehen können. "Er
liegt bewusstlos oder schlafend im Nebenbett. So genau weiß ich das nicht. Er
ist auch bandagiert, aber das Messer steckt nicht mehr in seinem Bein.",
erklärte er und half Hizumi mit der Maske über den Augen, die zum heilen
gedacht war, als er versuchte, diese aufzuschlagen. Nur etwas schob er sie hoch.
Sah nun tadelnd zu Hizumi hinunter. "H-Hizu... Du sollst dich doch ausruhen.",
meckerte er mit leiser Stimme und schniefte kurz auf. Erschrocken wischte er
sich die Tränen aus den Augenwinkeln und rümpfte die Nase.
Dann sprach Hizumi wieder mit fester Stimme, was ihn tatsächlich etwas
beruhigen konnte. Doch Nikita's Stirn legte sich in Denkfalten. "Sakamoto hat
mich zurückgeschickt, um nach Hinterbliebenen zu sehen. Ich habe Zero gefunden.
Er sah nicht gut aus, aber er... Sei nicht böse Hizumi, hai? Er meinte, ich
soll nach euch sehen. Obwohl er verletzt war, bin ich losgerannt. Ich hoffe,
dass es ihm gut geht. Ansonsten muss ich mich dafür verantworten. Hayato und
Misayo sind außerdem verschwunden. Ich hab sie nicht finden können. Mehr...
mehr weiß ich allerdings auch nicht.", endete er ratlos und senkte den Blick.

Hizumi hörte Nikita zu und seufzte dann. "Wir kriegen das hin...", sagte er
leise und sah ihn dann an. "Du hast keinen Fehler gemacht. Und Zero auch nicht.
Er... hmm... er wird langsam zu einem von uns.", sagte er und schaffte ein
kleines Lächeln.
"Wir werden wieder, Nikita. Sei unbesorgt, und sag das bitte auch den anderen.
Fehlende Motivation ist das letzte, was wir jetzt gebrauchen können... Sag den
anderen Bescheid, dass sie nach Hayato und Misayo suchen sollen. Und weißt du
etwas von Reita und Aoi? Haben sie es geschafft?", fragte er und bekam wieder
etwas Farbe, schob die Maske hoch und versuchte sich aufzusetzen. "Hilf mir
mal..."

"Wir kriegen alles hin.", fügte Nikita dem grinsend hinzu und nickte.
Erleichtert seufzte er auf und schenkte Hizumi dann ein dankbares Lächeln. "Er
hatte auch einen guten Lehrer." Während er Hizumi's folgenden Anweisungen
lauschte und ab und zu nickte, hatte sich sein Gesicht zu einer ernsten Grimasse
verzogen. "Ja, ich werde mich gleich auf den Weg machen, Hizumi.", sagte er und
hob etwas überrascht die Brauen, als Hizumi ihn über Reita und Aoi ausfragte.
Damit wurde sein Gesicht wieder ernster, dachte angestrengt über die Antwort
nach. "Hm... Nein, ich... Ich weiß nichts.", sagte er schließlich etwas
frustriert, weil er Hizumi nicht weiter helfen konnte und riss entsetzt die
Augen auf, als Hizumi sich aufsetzen wollte. "D-du musst liegen bleiben,
Hizumi!", versucht er den Älteren davon zu überzeugen, schonender mit sich
selbst umzugehen, half dem Dickkopf jedoch widerwillig, als dieser ihn darum
bat. "A-aber du bleibst hier, ne?", fragte er unsicher, wollte sicher gehen.
"Sonst muss ich dich an das Bett ketten. Wir brauchen dich, Hizumi. Sei doch
vernünftig.", bat er ihn und hatte seinen Arm nur zögerlich aus Angst um
Hizumi's Verletzungen unter dessen Rücken gelegt, als dieser kurzzeitig vom
Bett abgehoben war, um ihn unterstützend in die Senkrechte zu helfen. "Wenn
jetzt eine Schwester kommt, macht die mir die Hölle heiß. Wenn die außerdem
merken, dass du wach bist, Hizumi, werden die dich nach deinen Personalien
ausfragen und wie es zu Kru's und deinen Verletzungen kam. Was ist, wenn die die
Polizei hier her schicken? Man kann euch zwar hinter den Verbänden nicht
erkennen, aber nicht, dass die euch mitnehmen, sobald ihr wieder gesund seid.",
sprach er seine Sorgen aus und lockerte seinen Griff, als Hizumi aufrecht saß.
"Ist es dolle schlimm...?", wollte er zögerlich wissen und musterte Hizumi
sorgenvoll. Zumindest das, was zu sehen war. "Brauchst du was?"

Hizumi hörte Nikita zu und merkte, wie knapp davor er war, einfach aufzugeben.
"Du hast es gerade gesagt, Nikita... Wenn die unsere Personalien wissen wollen,
haben wir ein großes Problem. Du musst also zurückfahren und Hilfe holen. Holt
uns hier raus, Nikita. Besorgt euch einen Krankenwagen und Sanitäteruniformen,
ein gefälschtes Schreiben, dass ihr uns in ein anderes Krankenhaus bringen
müsst. Und bereitet daheim alles vor. Kru muss bestens versorgt werden, hört
ihr. Sakamoto soll sich Unterstützung holen, sonst klappt er uns zusammen...
Hizumi dachte scharf nach. Er versuchte trotz der Schmerzen klar zu bleiben und
alles zu organisieren.
"Schmerzen... ja... irgendwie muss Sakamoto uns Schmerzmittel besorgen...
Schaffst du das, Nikita? Ich... bin bald wieder für euch da.", sagte er
lächelnd.

Aufmerksam lauschte der Blonde Hizumi, nickte wieder als Zeichen, das er
verstanden hatte, und notierte sich gedanklich all dessen Anweisungen. Je mehr
es wurden, desto größer wurden seine Augen und desto nachdenklicher verzog
sich Nikita's Stirn. Da kam wieder eine Arbeit auf sie zu...
Nachdem Hizumi geendet hatte und ihm zulächelte, blinzelte der Blonde und
seufzte schlussendlich schwer auf. "Natürlich. Ich durfte euch lange genug
zuschauen und durfte von den Besten lernen. Es ist viel, es wird nicht einfach,
aber wir werden das schaffen. Wir haben als Reserve noch die Gefallen, die uns
einige schuldig sind. Zur Not müssen wir sie einfordern, doch die Angst wird
sie antreiben. Tama ist auch noch da und ich hörte Sakamoto einmal erzählen,
wie er von einem alten Freund von sich sprach, der auch Arzt ist. Somit wäre
das geklärt. Allerdings müssen wir uns beeilen und gut überzeugen können.
Wenn wir vorgeben, von einem anderen Krankenhaus zu sein, werden die
Nachforschungen anstellen. Zumal die Zeit zu kurzfristig ist, als das im
Fernsehen davon berichtet und der Vorfall, und damit die Opfer, bekannt werden
konnte. Holen wir euch allerdings so raus, haben wir wieder die Polizei am Hals
oder immer noch. Aber gut, ich werde mich darum kümmern.", endete Nikita mit
einem entschlossenen Nicken. "Morgen wäre es wohl zu spät.", setzte er noch
nach und erhob sich gänzlich von Hizumi's Krankenhausbett. "Ist noch etwas
Wichtiges? Haben wir etwas vergessen?", fragte er nach, während er den Plan im
Kopf durchging. "Nicht nur Schmerzmittel, Hizumi. Diese ganzen Salben, die ihr
braucht. Eine milde Versorgung, einfach... ja... alles. Trinken! Wir müssen
einkaufen gehen. Dafür brauchen wir ordentliche Klamotten. Sonst sehen wir wie
Gangster aus...", meinte Nikita und musste zum Ende hin grinsen. "Hm... Oder
haben wir noch dieses Geschäft, in dem wir uns bedienen können, um ihn im
Gegenzug vor den anderen Banden zu beschützen? Au man... Jetzt weiß ich, wie
du dich immer fühlen musst. Die Gedanken schießen einem in einer Schnelle ins
Hirn..." Beeindruckt sah er von seinem Auf- und Abtigern im Zimmer auf, um
Hizumi anzusehen. "Also, ist noch was? Sonst bin ich weg."

"Ich weiß, dass ihr das schafft, Nikita.
Ich vertraue auf euch. Holt uns einfach raus. Holt euch jede Hilfe, die ihr
kriegen könnt.
Und wenn ihr uns aus dem Krankenhaus holt, macht das so anonym wie möglich.
Besorgt ein gutes Fluchtauto, passt auf, dass euch niemand folgt, verwendet
Alltagsnamen, verhaltet euch unauffällig.
Sag das den anderen. Und wenn du jetzt da raus gehst, sagst du der Schwester,
dass wir beide tief und fest schlafen. Dann muss ich keine unangenehmen Fragen
beantworten."
Hizumi's Gehirn arbeitete auf Hochtouren.
"Oh, weißt du, was das Beste wäre? Wenn Zero oder sonst jemand, dem jeder
vertraut, ins Krankenhaus kommt und uns "identifiziert", einfach andere Namen
nennt. Dann schwindet ihr Misstrauen. Sucht euch einfach zwei Namen von
Japanern, die im Moment im Ausland sind.", sagte er lächelnd.
"Und jetzt lass ich dich endlich in Ruhe. Du schaffst das, Nikita... Du schaffst
das."

"Ja.", stimmte er regelmäßig zu, nickte dabei und behielt Hizumi weiter
konzentriert im Auge. Er wollte sicher gehen, dass es ihrem Anführer gut ging.
Ihrem Bruder. Wollte nicht, dass dieser aus Kraftlosigkeit umfiel und sich dabei
noch mehr Schmerzen anlachte. Hizumi sollte sich schonen! Deshalb passte er auf,
solange er eben konnte. Kru konnte es ja leider nicht...
Kaum hatte Hizumi geendet und Nikita wollte zum Antworten ansetzen, als dieser
fortfuhr und ihn dabei in seinem Vorhaben unterbrach. "Hm?", machte er und hob
fragend die Brauen. "Vorerst ja.", meinte er und nickte wieder. Dann wollte
Nikita erneut ansetzen, etwas zu sagen, doch kam es dazu nicht, da Hizumi nicht
enden zu wollen schien. Nach dessen Bekräftigungen jedenfalls, strahlte der
Blonde seinem großen Bruder, wie er Hizumi gerne und heimlich nannte, stolz
entgegen. "Spätestens Morgen früh seid ihr hier weg.", versprach er und nickte
entschlossen. Aufgeregt schlug ihm sein Herz gegen die Brust. Das geliebte
Adrenalin hatte Besitz von ihm ergriffen. Freudig funkelte er den
Schwarzhaarigen an. "Und du ruhst dich aus, Hizumi. Passt einander auf, falls
Kru wach wird. Bleibt stark.", verabschiedete sich Nikita, ging noch einmal zum
Bett und legte Hizumi seine Hand auf dessen Schulter. Umarmungen waren nicht
üblich. Noch einmal nickte er, dann ließ er seine Hand sinken und verschwand
so leise, wie er gekommen war, mit einem letzten, besorgten Blick auf Kru.
Wie Hizumi ihm aufgetragen hatte, hielt er eine vorbeilaufende Krankenschwester
auf dem Weg über den Flur an und teilte ihr die veränderten Zustände Hizumi
und Kru`s mit, in dem er auf die Zimmertür verwies und die Namen verschwieg.
Nickend machte sie ihm klar, verstanden zu haben, notierte sich etwas auf ihrem
Klemmbrett und sah auf, als Nikita bereits aus ihrem Umfeld verschwunden war,
obwohl sie ihn nach den Namen der Herren fragen wollte.
In der ersten Etage angelangt, stieß Nikita auf jemanden, den er hier nicht
erwartet hätte und der hier nichts verloren hatte. Noch schnell einen Blick
über die Flure und zur beschäftigten Rezeptionistin werfend, krallte er sich
den umsehenden Tsukasa am Kragen, öffnete die nächstbeste Tür, um dahinter
mit ihm zu verschwinden und pinnte ihn gegen die Wand hinter sich. Zum Glück
schlief hier ein älterer Herr mit Atemmaske. Vor dem würden sie sich nicht in
Acht nehmen. "Tsu, was machst du hier?", zischte er wütend und machte ihm durch
einen Blick deutlich, sofort die Wahrheit zu erfahren. Angepisst wurde dieser
erwidert. "Was wohl...? Hizumi besuchen. Was sonst? Weißt du, wo er ist?" "Das
war nicht ganz die Antwort, die ich haben wollte. Ich meinte eigentlich, was du
hier und nicht in unserem Versteck suchst?!", korrigierte Nikita seine Frage im
Flüsterton. "Sind hier Kameras?", setzte er noch leiser hinzu und wagte es
nicht, sein Gesicht noch einmal umzudrehen. Tsukasa jedoch lugte an ihnen
vorbei. Er war schließlich nicht bei der Polizei bekannt, wo er sich doch
lieber im Hintergrund hielt, um sein Äußeres zu bewahren. "Nein, hier sind
keine. Ist doch nur so'n schrumpliger-" "Genug Tsu!", zischte Nikita und
erhöhte den Druck gegen dessen Gurgel. "Benimm dich gefälligst!" "Schon gut,
schon gut, Kleiner. Ich wollte dennoch Hizumi sehen. Also?" Nun klang auch
Tsukasa gereizt. "Du kannst jetzt nicht zu ihm! Wir haben eine komplexe Aufgabe
erhalten, an der auch du dich beteiligen musst, Tsukasa. Ich gebe es ungern zu,
aber wir brauchen dich!" "So? Hizumi braucht mich, ja?" Nikitas Augen formten
sich zu Schlitzen. "Nenn es, wie du willst. Ich hab eine Aufgabe für dich und
wenn du sie nicht tust, schwöre ich dir, wird nicht nur Hizumi sauer auf dich
sein. Du bist uns schon länger ein Dorn im Auge, Tsukasa, weil du dein ADS oder
sonst was nicht im Griff hast und mir ist dein Gehabe echt leid. Ich würde
deinen Schwanz nicht vermissen!" "Weil du ihn nie hattest...!", zischte Tsukasa
und schlug die Augen nieder. "Was soll ich machen?", fragte er widerwillig und
schluckte. "Pillen gegen deine Aufmerksamkeitsstörung nehmen und - was wichtig
für die Mission ist - wir brauchen Medikamente. Schmerzmittel, irgendwas für
Brandwunden zum Lindern der Rötung, für Hautbildung. Einfach alles, was dir
dazu einfällt! Sie waren Opfer einer Explosion! Lass dein Köpfchen rauchen,
Tsu! Spiel wenn's sein muss, den Arzt auf Praktikum und informiere dich. Nur tu
etwas für die Bande, sonst bist du schneller raus, als du 'Fick mich' sagen
kannst.", knurrte Nikita zum Ende hin in Tsukasa's Ohr, der, nachdem der Blonde
wieder von ihm abgelassen hatte, Mühe hatte, seinen Körper wieder von der Wand
zu lösen, gegen die er aufgrund der Schwäche seiner Beine gesunken war.
Warum hatte er Nikita noch nicht gehabt...? Wenn dieser so aufgebracht war, war
er richtig sexy..., aber auch angsteinflößend. Ein wenig zumindest.
Nachdenklich starrte er diesen an. "Und wie lange habe ich Zeit...?", wollte er
mit belegter Stimme wissen, was ihn selbst für einen Moment aus der Fassung
brachte. Genervt räusperte er sich und zwang seine Beine zur Festigkeit.
Wackelpudding konnte er nicht gebrauchen.
"Spätestens Morgen früh wollen wir die beiden hier raus haben. Wir müssen sie
also bei uns versorgen. Bring die Sachen dahin und helfe Sakamoto, wo du nur
kannst und Tsu?" Seine Stimme hatte zum Ende in einen warnenden Unterton
angenommen. "Sei nett zu ihm. Lass deine Nase unten! Schließlich ging es dir,
bevor du zu uns kamst, nicht besser, als jedem anderen auch. Du musst nicht so
ekelhaft sein. Das bist nicht du. Wir... ich verlass mich auf dich.", meinte
Nikita mit leiser gewordener Stimme, nickte ihm zu und verschwand neben ihm aus
der Tür. Getroffen starrte Tsukasa auf die Stelle, wo eben noch Nikita
gestanden hatte. Nach kurzer Zeit schon, fing er sich, strich sich murrend über
sein Gesicht, schüttelte anschließend den Kopf und dachte über seinen Teil
der Mission nach.
Wie sollte er das machen?
Und warum gerade er?

Nikita verließ inzwischen das Krankenhaus, ohne sich zu der aufsehenden
Rezeptionistin umzudrehen, die viele Fragen über den blonden Schönling auf den
Lippen hatte und ihm nun enttäuscht nachsah.
Doch für so etwas albernes hatte Nikita keine Zeit. Auf Kinder schon gar nicht!
Womöglich würde er nur die selben dummen Fehler begehen wie seine Eltern es
getan hatten...
Und dort, vor dem Krankenhaus, erblickte er zu seiner Überraschung Sakito, der
Uruha soeben aus dem Krankenwagen half. "S-Sakito?!", rief er überrascht und
näherte sich ihm mit großen Schritten, der verwundert den Kopf umwandte. "Oh
was machst du hier? Ist alles okay mit den beiden?", wollte der Brünette in
Erfahrung bringen und hob die Brauen, als Nikita erst nickte, dann jedoch den
Kopf schüttelte und sich die Haare raufte. Alarmiert wandte sich Sakito an den
Arzt, der sie verwirrt musterte. "Wo müssen wir hin?" Irritierte Blicke Nikita
seits spürte Sakito im Nacken, aber musste er sich im Moment auch um andere
Dinge kümmern. "Ni...", fing Sakito etwas leiser an diesen gerichtet fort,
während er noch immer den Arzt anblickte, und fuhr nachdenklich fort," Uruha
und ich müssen verarztet werden. Sag mir, wie ich euch helfen kann und ich tue
es, wenn es möglich ist. Ich kann mich nicht aufteilen.", erklärte er und
Nikita nickte, warf jedoch einen argwöhnischen Blick über Sakito's Schulter
hinweg zu diesem Kittelträger, bevor er sich wieder hinter Sakito verbarg. "Ich
brauche zwei Namen von japanischen Männern, die sich zur Zeit außerhalb des
Landes befinden. Schnell!" "Schnell?! Plant ihr wieder etwas?", erwiderte Sakito
etwas genervt und wandte seine Konzentration an den Arzt, als dieser antworten
zu wollen schien. "Sie müssen mit mir mitkommen. Ich werde Sie an die richtigen
Ärzte verweisen." Verstehend nickte Sakito, sah sich jedoch im Zwiespalt. Die
Neugierde hatte ihn gepackt. Er wollte helfen! Unschlüssig biss er sich auf die
Unterlippe. "Wenn das nur so einfach wäre...", murmelte er mit nachdenklich
verzogener Stirn und sah durch ein Räuspern wieder auf. Der Arzt. "Können wir?
Wenn wir noch länger zögern, wird es Ihnen nicht besser gehen." Das stimmte.
Mist!
"W-warten Sie kurz.", bat er plötzlich, als ihm der rettende Gedanke kam und
suchte in seinen Taschen nach seinem Handy. Das hatte er doch in- "Verdammt!
Mein Handy war in Takeda's Wagen, der jetzt bestimmt wegen der Hitze der
Explosion nur noch ein Stück verkohltes Metall ist.", sagte er eher für sich
und starrte in seine leeren Hände. "Uruha? Hast du dein Handy dabei? Bitte, ich
müsste es mir dringend ausleihen. Und deine Handynummer brauch ich.", meinte
Sakito an Uruha gerichtet, der sich bei ihm eingehakt hatte.

~+~

Erschöpft sank er zurück, als Nikita gegangen war und drehte den Kopf zu Kru.
Sein bester Freund lag immer noch reglos da.
Trotz der tobenden Schmerzen versuchte Hizumi mit der Hand Kru's Arm zu
erreichen, um ihm wenigstens ein bisschen nahe zu sein...
Er machte sich große Sorgen - nicht um seine Bande, er wusste, dass er sich auf
Nikita verlassen konnte - aber um Kru... Ihm durfte nichts passieren... Er war
immer für ihn da gewesen...
"Kru? Wir schaffen das..." sagte Hizumi leise, dann legte er sich zurück, zog
die Maske über die Augen und stellte sich schlafend, um keinen Verdacht zu
erregen.

+~+

Nachdem selbst nach einer Stunde der Stille vergangen war, ohne einen weiteren
Gast, ließ sich zur ersten Visite eine Schwester in Hizumi und Kru`s
Krankenzimmer sehen, nachdem sie, wie üblich, angeklopft hatte, um deren Werte
zu checken und beim Wach sein wichtige Daten erhalten zu können. Denn die
Operationen, die Bluttransfusion, die Salben und weitere ärztliche Hilfsmittel
wurden ohne Kontakt zur Krankenkasse Hizumi`s und Kru`s vorläufig vom
Krankenhaus übernommen, da weder Personalausweis noch Auskunft über
Krankenkasse an den Verletzten vorgefunden werden konnten. Der Verdacht lag vor,
das möglicherweise aufgrund der Explosion sich diese Personalitäten im Feuer
aufgelöst hatten.
Sie trat ein und schloss leise die Tür hinter sich. Erst dann sah sie sich um,
bemerkte jedoch enttäuscht, wie still es in diesem Raum war, abgesehen von den
piependen Gerätschaften, und keine Regung zu erkennen war. Prüfend trat sie an
das erste Bett heran, beugte sich etwas über Kru, der wie leblos auf dem Bett
lag, und schob die Augenbinde hoch. "Mein Herr?", versuchte sie ihn
anzusprechen. "Sind Sie bei Bewusstsein?", setzte sie nach kurzer Pause nach,
doch zuckte keines der Lider. Wieder leise aufseufzend schob sie die Binde
wieder über Kru`s Augen und prüfte nun die Gerätschaften. Schmunzelnd
notierte sie sich die Werte, ließ daraufhin eine Hand zu ihrem Kopf wandern, um
das kleine, darauf trönende Schwesternhütchen, grade zu rücken, bevor sie zum
nächsten Bett stand. Da sie es nicht gewesen war, die Kru und Hizumi in dieses
Zimmer geschoben hatte, fiel ihr der veränderte Winkel Hizumi's Armes nicht
auf. Wieder beugte sie sich etwas über den Verbundenen und schob die Augenbinde
hoch. "Mein Herr?", versuchte sie den Verletzten anzusprechen und wartete ab.
Jedoch war sie kein Mensch der Geduld und so wandte sie sich schon bald wieder
von Hizumi ab, nachdem sie die Augenbinde wieder zurecht geschoben hatte, und
prüfte dessen Werte. Wieder machte sie sich eifrig Notizen. Erst dann, verließ
sie schnellen Schrittes den Raum. Sie mochte den Geruch von verbranntem Fleisch
nicht...
Kaum war sie weg, regte sich Kru etwas, stöhnte gleich darauf schmerzhaft auf.
"Verdammt, wo bin ich hier...? Ist Kami eine Frau?", fragte sich Kru in Gedanken
und versuchte diese zu ordnen. Zu verstehen, was los war.
Dann, als ihm alles wieder einfiel, richtete sich Kru ruckartig auf, was ihn
aufzischen ließ. "Ich lebe noch, aber... I-ich bin blind!", rief er schockiert
aus und versuchte den Kopf zu drehen, was wiederum mit Schmerz verbunden war.
Warum war ihm so heiß? Es brannte doch nicht mehr, oder?! Es fühlte sich an,
als hätte er zentimeterdicke Schichten an Wintermänteln an! Und warum juckte
es überall an den Seiten und am Rücken?! Wo ist der nächste Baum zum
kratzen?! Sogar ein Tsukasa mit langen Fingernägeln wäre ihm gerade recht!
Während sein Körper mit Adrenalin vollgepumpt wurde, stieg sein Atem und die
Gedanken in seinem wirren Kopf. Etwas Entscheidendes fehlte dort!
Panik stieg in ihm auf. Etwas ganz Wichtiges! Seine unbeweglichen Finger
versuchten währenddessen seine juckenden Seiten zu erreichen, doch konnte er
kaum seine Arme bewegen! Kru`s Atem stockte. Hatte er noch Arme?!
Doch... da... "Aii...", zischte er schmerzhaft auf, als sich etwas Schweres auf
seinen Arm legte. Da er seinen Kopf kaum bewegen konnte, versuchte er sich mit
diesem in die Richtung des Urhebers des Gewichtes zu drehen. Konnte jedoch immer
noch nichts sehen... "Verdammt... ich werde Hizumi nie wieder ansehen können...
Nie wieder mit ihm Spaß haben können... Kein Mitglied der Bande mehr sein
können...", dachte er und ihm wurde immer mehr seine hilflose Lage bewusst.
Trotz Schal oder Binde oder... was auch immer da in seinem Gesicht und an seinem
ganzen Körper war und ihn unbeweglich werden ließ, zuckten seine Mundwinkel
verräterisch und wenn er Augen hat - hätte??? - würde er wohl jetzt zu seiner
Schande in Tränen ausbrechen. Zum ersten Mal seit... - Ja, wann hatte er das
letzte Mal geweint?
Und dann versagte ihm erneut der Atem und das Herz rutschte ihm in die Hose.
...
"Großer!"

Hizumi war es noch nie so schwer gefallen, sich nicht zu bewegen... Als die
Schwester das Zimmer betrat, spannte sich alles in Hizumi und seine Nerven waren
bis zum zerreißen gespannt...
Der Anführer konzentrierte sich, als die Schwester ihn berührte und seine
Körperfunktionen untersuchte.
Doch scheinbar gelang der Betrug, denn die Schwester notierte etwas und
verschwand dann...
Hizumi blieb erst ganz still liegen, doch plötzlich hörte er Kru's schwache
Stimme.
Vermutlich bewegte sich sein Freund gerade ziemlich, was er aus seinem Fluchen
schloss.
„Kru... mein Freund...“, sagte er leise und achtete auf jedes Geräusch, das
von dem Verletzten kam.

Als Kru Hizumi`s schwache Stimme vernahm, sprang sein Herz wieder an den
ursprünglichen Platz und erhöhte seine Schlagintensität auf das Doppelte.
"H-Hizu...", erwiderte er vorsichtig und versuchte durch robbenartige Bewegungen
vorwärts zu kommen, da er seine Hände nicht zur Hilfe nehmen konnte. Wo waren
sie hier nur? In einem schwarzen Keller? Denn inzwischen hatte Kru bemerkt,
Augen zu haben, doch sehen tat er noch immer nichts. Obwohl er keine Schmerzen
hatte...
Zum Glück hatte es seinen Hintern kaum getroffen und so konnte er vorrutschen,
hatte allerdings nicht den Kräften gerechnet, die ihn zurückhalten wollten.
War er irgendwo angeschlossen...? Dann müssten sie in einem Krankenhaus sein!
Oder...?
"Ha gut kombiniert! Aber... verdammt, das ist nicht gut!", dachte Kru aufgeregt
und riss probeweise an den Verbindungen. Er wollte zu Hizumi!
"Wie geht es dir???", wollte er wissen und lauschte auf, als er Rollen über den
Boden schieben hörte, jedoch nur, wenn er sich bewegte. "I-ich hatte gedacht...
Ich hatte Angst dich zu verlieren, Hizumi.", gestand er zum Ende hin leiser.
Wurden sie belauscht???
Die Angst um Hizumi, dessen Zustand, das, was passieren würde, wenn Hizumi
erfuhr, das er blind sei, wenn er selbst erfuhr, etwas nicht mehr zu können,
was er jeden Tag auslebte... Sie schnürte ihm die Kehle zu.
Selbst als seine Beine über dem Bett schwebten und er so seinem besten Freund
etwa näher sein konnte, spürte er die Hilflosigkeit in sich aufrollen und wie
Tränen in seine Augen schossen, gemischt mit dem aufkommenden Schmerz, als er
mehr an der Verbindung zog, die Rollen über dem Boden ratschten, etwas leise
schepperte und ihn am Hinterkopf traf. Aufstöhnend sackte sein Kopf vor, ruhte
dort, versuchte seine noch immer verwirrten Gedanken zu ordnen und den Schmerz
ziehen zu lassen. Zumindest hatte die Verbindung etwas nachgegeben, was wohl mit
dem Schmerz an seinem Hinterkopf zu tun hatte und dem Ding, die diesen
verursachte. Wieder robbte er vor, stieß mit dem Bein gegen eine harten
Gegenstand und zischte schmerzhaft auf. Was musste sich ihm auch alles in den
Weg stellen! Schnallten sie nicht, dass er zu Hizumi wollte?! "Ich dachte auch,
du würdest in meinen Armen sterben, Hi...", sagte er nun mit leiser Stimme und
lauschte auf eventuelle Geräusche von Fremdlingen. Er musste vorsichtig sein,
was er sagte.
Wieder robbte er etwas vor und als schließlich seine schwer bandagierten Füße
den Boden berührten, jaulte er kurzzeitig und versucht gedämpft auf, indem er
die Zähne fest zusammen biss. Schnell robbte er etwas zurück, um sie wieder
vom Boden zu lösen.
Die Schwere, die noch immer auf seinem linken Arm lastete, versuchte er nun
irgendwie mit seinen zu umfassen, doch hatte er Angst, Hizumi zu verletzen und
vor dem Schmerz...
Wann war er eigentlich so eine Heulsuse geworden?!
Leise fluchte er auf. Sein rechter Arm ließ sich nicht weit genug wenden. Auch
sein linker Arm kaum. Hatte man ihm Schienen oder so was angelegt? Scheinbar
wollte irgendwas nicht, den Kontakt mit Hizumi zu erweitern. "Großer... Weiter
kann ich nicht...", gab er enttäuscht von sich und erfreute sich allein an der
Schwere auf seinem linken, schmerzenden Arm. Für Hizumi nahm er gerne diesen
Schmerz in Kauf. Er fühlte sich schuldig... Schuldig an der Explosion, an
seiner Schwäche, an Hizumi`s Verletzungen,... Einfach an alles. "Es tut mir so
leid, Hi... Ich hoffe, du kannst mir irgendwann für diese Dummheit verzeihen...
Aus der Bande werde ich wohl eh sein... Aber... will ich dich nicht
verlieren...", sagte er immer leiser werdend und bemerkte die Tränen, die sich
aus seinen Augen lösten und einen Weg in ihre Freiheit suchten.

Hizumi's Kopf ruckte alarmiert hoch, als er hörte, wie Kru sich bewegte. "Kru!
Halt still! Hör auf dich zu bewegen! Das verursacht nur noch mehr Schmerzen.
Bleib liegen... ich... ich sage dir alles, was du wissen willst... Ich sage dir,
was passiert ist, aber bitte... leg dich wieder hin...", sagte er leise und
seufzte.
Er streifte seine Maske ab und sah rüber zu Kru, erschrak, als er sah, wie weit
sein Freund aufgestanden war. Sein Plan... verdammt!
"Leg dich... wieder hin... Bitte...", murmelte er und machte sich nun selbst
daran, aufzustehen und zu Kru zu wanken. Jeder Schritt war die Hölle, doch er
nahm es auf sich und stand nun endlich neben Kru. "Nicht erschrecken... Ich bin
direkt neben dir...", sagte er.
Vorsichtig schloss er Kru wieder an die Geräte an. "Wir sind im Krankenhaus.
Spätestens Morgen holen uns die Jungs ab, aber bis dahin soll niemand merken,
dass wir wach sind, sonst kommen wir in Erklärungsnot mit unseren
Personalien...", erklärte er und sah kurz aus dem Fenster. Zum Glück war es
mittlerweile dunkel draußen, jetzt war vielleicht nur noch die Nachtschwester
unterwegs.
Seufzend sah er zu Kru.
"Baka... jetzt beruhige dich erst mal wieder. Leg dich hin, ganz ruhig. Du bist
mein bester Freund, meine rechte Hand, mein Rückhalt in der Bande, und ich
werde dich niemals rauswerfen, Kru! Niemals... ich... ich hatte Angst dich zu
verlieren... und das... das könnte ich... nicht ertragen...", sagte Hizumi und
zum Schluss begann seine Stimme zu zittern und auch er kämpfte mit den
Tränen.
Langsam fing er sich wieder und er sah Kru an. "Kru... kannst du mir folgen?
Bist du in der Lage, mir zuzuhören, wenn ich dir unsere Pläne erzähle?",
fragte er dann. Er musste seine Stimme wieder unter Kontrolle bringen.

Als Hizumi's Stimme lauter wurde und ihm befahl, ruhig zu sein, erstarrte Kru.
Dann folgte seine Bitte, nahm diese kommentarlos, aber verwirrt hin, und
rutschte zurück, während seine schmerzenden Beine über die Matratze rutschten
und er mehrmals auf der Strecke halten musste, bis die Schmerzen aufgehört
hatten, um weiter zu machen. Sein Kopf ruckte hoch, was ihn aufzischen ließ,
wie er hörte, das Hizumi aufstand. "Aber... die Schmerzen! Seine Füße
müssten auch betroffen sein!", dachte er alarmierend. "Hi, nicht... Deine
Füße!", bat er den anderen und wieder spürte er einen Stich in seiner Brust.
Schuldgefühle brannten erneut auf. "Ich Idiot...!", betitelte er sich und
hätte sich am liebsten dafür geschlagen.
"Neben mir...?", wiederholte er Hizumi`s Worte mit brüchiger Stimme und fluchte
im Stillen über seine Unbeweglichkeit, den Kopf ohne Schmerzen zu drehen.
Erschrocken fuhr er zusammen, als sich etwas in seinen Körper zu pumpen wagte.
"W-was...?", stammelte er etwas unbeholfen und verfluchte seine Blindheit. Waren
die Verbindungen wieder geschlossen?
Verwirrt richtete er seine Aufmerksamkeit an Hizumi, während er sich dazu
anorderte, endlich die Verwirrtheit abzuschalten. Das letzte, woran er sich
erinnern konnte, war dieser Polizist... Sakito`s Name fiel... und dann war er
hier. Er musste bewusstlos gewesen sein, obwohl er für Hizumi wach und stark
bleiben wollte!
Wieder scholt er sich im Inneren: "Zuhören!"
"W-war jemand hier?", wollte er wissen und hätte die Brauen gehoben, wenn er
sie noch gehabt hätte.
Unter Hizumi's Betitelung senkte er noch weiter den Kopf. Seufzte leise.
"Hai...", stimmte er geknickt hinzu und legte sich lang. Große Erleichterung
durchflutete ihn, aufgrund Hizumi`s Worte und Tränen schossen nach. Auch er
hörte das Zittern in Hizumi's Worten. Erst war er deswegen verwundert, dann
unsagbar gerührt... Leise schluchzte er auf. "Hizu... Man du machst mich
schwach...", gestand er etwas vorwurfsvoll. "Ich hatte den Wagen ganz
vergessen... Verzeih mir das bitte. Ich wollte nicht, dass das passiert und...
mein Versprechen dir gegenüber konnte ich auch nicht einhalten. Ich habe dich
nicht beschützen können...", fügte er geknickt hinzu. Schwach nickte er,
woraufhin er unter der Gesichtsmaske das Gesicht schmerzhaft verzog. "Ja,
langsam... kehrt Ordnung in meinem Hohlschädel ein.", meinte er. "Leg dich
besser wieder hin, Hizu. Du musst dich noch viel mehr ausruhen als ich und jetzt
bin ich auch noch Schuld, das du aufstehen musstest.", bat er seinen besten
Freund. "Hm... Sag... Weißt du... ob ich blind geworden bin? Es ist so
dunkel...", wollte er zerknirscht wissen.

Hizumi stand neben ihm und musste lächeln. Kru war verdammt durcheinander, das
merkte er. "Ganz ruhig, mein Freund, reg dich nicht auf, ja?"
"Ich weiß doch, dass das keine Absicht war... Ich gebe dir nicht die Schuld
daran und.. du hast mich schon oft genug beschützt. Jetzt warst du eben mal
dran, gerettet zu werden..."
Dann hörte Hizumi die Frage, ob Kru blind geworden wäre und lächelnd zog er
ihm ganz vorsichtig die Maske von den Augen.
"Baka...", sagte er grinsend.
"Du bist nicht blind, die Ärzte wollen nur deine Augen schonen."
Und dann erzählte er Kru alle seine Pläne, beruhigte ihn aber, dass sie ihre
ganze Bande hinter sich stehen haben und sich auf sie verlassen können, vor
allem auf Nikita.

Leicht belustigt schnaubte Kru auf. Sich nicht aufzuregen war verdammt
schwierig! "Hm...", stimmte er deswegen nur grummelnd zu und versuchte sein
Adrenalinschub runter zusetzen. "Hizumi lebt, also beruhige dich, Kru.", sagte
er in Gedanken zu sich und atmete tief ein und wieder aus. Wiederholte diese
Methode, um klarer denken zu können. Als Hizumi erneut zu sprechen begann,
durchflutete erneute Erleichterung seine Sinne. "Keine Schuld...", wiederholte
er in Gedanken und war dankbar, Hizumi als besten Freund zu wissen. "Aber gleich
zweimal... wie schäbig...", meinte Kru schmollend und hätte wohl die Arme
verschränkt, wenn er es könnte! In Gedanken schüttelte er den Kopf, hob ihn
an. "Danke, Hizumi. Nun kann ich dich die weiteren Male beschützen und dich
unterstützen.", meinte er ehrlich, setzte sich wieder auf und hob den Arm, um
sie auf Hizumi`s Schulter zu legen, doch... wo war die noch gleich?
Als sich schließlich die Dunkelheit in Luft auflöste und das matte Licht des
Raumes seine Lider tränkte, schlug er heftig blinzelnd die Augen auf, während
sein Arm wieder sank. "Oh...", machte er überrascht und gewöhnte sich an die
Helligkeit, an das blendende Weiß der Laken und Decken und den Verbänden
Hizumi`s, die- "F-Fuck!", stieß er schockiert aus und betrachtete den
verbundenen Hizumi, wie er neben seinem Bett stand. "Verdammt, sag nicht, ich
seh auch so aus!", maulte er weiter, jedoch mit hörbar geschockter Stimme und
wagte einen Blick hinunter auf seine Beine. "N-na wenigstens sind sie noch
dran...", murmelte er und musste den Anblick erst mal verdauen. "Die haben uns
in Mumien verwandelt!", schimpfte er dann drauf los und sah wieder auf.
Verschloss die Lippen, bevor noch mehr empörte Worte über diese hinweg
drangen, als er Hizumi grinsen sah. "Über Dummheit grinst man nicht, Hizu.",
schnaubte er belustigt und hätte am liebsten über sich selbst gelacht, um der
Peinlichkeit zu entgehen, als sein Gegenüber wieder zu sprechen begann.
Aufmerksam sah er auf. Lauschte dann Hizumi's aufklärenden Worten.
"Nikita und Tama hatten bisher wenige selbstständige Einsätze. Tama noch
weniger. Doch können wir ihren Fähigkeiten vertrauen. Haben sie schließlich
von mir.", meinte er stolz und grinste leicht. "Wir müssen nur abwarten.",
fügte er noch hinzu und ließ einen nachdenklichen Blick in Hizumi`s kaum
erkennendes Gesicht wandern. "Ruh dich jetzt aus, Hizumi. Leg dich hin. Bitte
ja...? Du brauchst deine Füße noch.", meinte er dann etwas besorgter und
stupste mit der verbundenen Hand gegen Hizumi's Brust, die seines Erachtens
wenig abbekommen haben müsste und somit nicht schmerzen dürfte, wenn er dies
tat. "Und bis unsere Jungs kommen, lass uns bloß über etwas anderes
nachdenken. Das war anstrengend für dich. Das habe ich gemerkt. Vielleicht
wäre Abschalten mal ganz gut, was meinst du? Ich freue mich jedenfalls auf
unseren Saufabend.", fing er sofort an, auf schönere Gedanken zu lenken und
blickte verträumt gen Decke, nachdem er sich wieder hingelegt hatte.

"Man Kru... jetzt beruhig dich mal wieder. Erstmal wirst du gesund und ich auch.
Niemand aus unserer Bande wird uns enttäuschen, das weiß ich. Sie werden alles
daran setzen, uns zu retten und alles zu tun, damit wir heim können.", meinte
er.
Dann vernahm Hizumi Kru's Vorschlag, dass sie zusammen einen trinken gehen
wollten und nickte grinsend.
"Oh ja, das wird auch höchste Zeit. Wie sehr sehne ich mich danach, mit dir
wieder die Nacht zum Tag zu machen. Außerdem... will ich die Bilder im Schloss
vergessen... Ich bin zwar einiges gewöhnt aber das... puh..." Er atmete aus und
war leicht blass.
"Wir beide haben uns etwas Erholung verdient, Kru. Und wir haben alles richtig
gemacht. Aoi und Reita sind frei und den beiden geht es den Umständen
entsprechend relativ gut... Wir haben alles Menschenmögliche getan und können
stolz auf uns sein.", meinte er und ging langsam zurück zum Bett, legte sich
hin und schloss für einen Moment die Augen, denn er war ziemlich erschöpft.

"Natürlich!", stimmte er dem nur bei und nickte. "Und wir werden auch
irgendwann wieder wie Menschen aussehen. Ist nur ungewohnt, so hilflos zu
sein.", gestand er und dachte sich eben das Schulterzucken, wenn's schon nicht
ging.
Zurück gelegen lauschte er Hizumi's Worten, die ihn zum Ende hin selbst etwas
nachdenklich werden ließen, mit einem seltsamen Gefühl im Magen. Nur schwer
ließen sich die einprägsamen Bilder aus seinem Kopf verdrängen, die nun
aufkamen, als Hizumi das verfallene Schloss erwähnte oder eher Kriegsburg,
würde er sagen. Dieser Keller sah aus, als wäre er für Gefangene gemacht
worden. Dieser Keller barg das Gefühl von Tod, der in den Ziegeln nisteten...
Wie viele wohl schon darin umgekommen waren...?
"Ja, höchste Zeit... Das wird wohl länger in unseren Köpfen bleiben...",
murmelte Kru und schloss die Augen. Wollte sie etwas ruhen lassen. Wieder sprach
Hizumi und er ließ sich dessen Worte durch den Kopf gehen. "Wenn Shi erledigt
ist, können wir ruhen... Der Typ sinnt auf Rache. Soviel ist klar. Aber
ansonsten haben wir's verdient, ja. Die beiden gehen uns jetzt hoffentlich
nichts mehr an. Dann sind nur noch die ewig langweiligen Feinde, die wir
hätten, aber nicht gegen uns ankommen. Doch danach sehne ich mich. Vor allem
nach denen, die es nie aufgeben, mich besiegen zu wollen und nicht mal zu mir
durchkommen.", lachte Kru leise auf und grinste. "Oder geschweige zu dir. An mir
eh nicht, es sei denn du willst spielen.", fügte er dem immer freudiger hinzu
und dachte an die vergangenen Kämpfe zurück. Bei den Worten über Stolz
erstarrte jedoch Kru's Miene. "Hm...", machte er nur und musste an Shi denken.
Wo er wohl gerade steckte...? Heckte er schon Pläne aus und lauerte in den
Schatten der Ruinen?

"Shi..., ja..., wenn er noch lebt, sollten wir... sollten wir uns um ihn...
kümmern...", sagte Hizumi schwach und spürte deutlich wieder die schrecklichen
Schmerzen und die völlige Erschöpfung.
Er wollte noch etwas sagen, doch die Ohnmacht brach über ihn herein, ohne dass
er sich dagegen wehren konnte und Hizumi's Kopf sank zurück aufs Kissen, sein
bandagierter Arm sank neben ihn und er bekam nicht mehr mit, dass Kru noch
weitersprach.

Alarmiert lauschte Kru auf, da sein Freund immer schwächer in der Stimme wurde
und schließlich verstummte. Besorgt richtete er sich auf und versuchte sich
Hizumi zu zuwenden. "Hizumi?! Was ist mir dir? Schläfst du?", wollte er wissen
und konnte sich aufgrund seiner Sitzposition nicht dem anderen Bett zuwenden.
Erst wenn er wieder in die vorige Position am Bettrand rutschen würde, aber...
Hizumi hatte ihm eindeutig befohlen, sich hinzulegen. "Hizumi?" Noch einmal
versuchte Kru es und gab es auf, sich bewegen zu wollen. Er müsse wirklich rum,
denn die Verbände verboten es ihm, den Oberkörper zu drehen, zumal dies die
Schmerzen dank der Verbrennungen an Kru's Seite nicht mindern mögen. "Hizumi?"
Nun etwas schwacher in den Raum geworfen, streckte Kru den linken Arm so weit
von sich, um so vielleicht Hizumi berühren zu können. Doch würde er ihn nicht
spüren können, da seine Finger verbunden waren. Hatten sie sich doch nach der
Explosion in Hizumi's förmlich brennende Weste gekrallt und das Blut...
"Hizu... Halte durch... Bitte... Schlaf schön... Ich werde dich bewachen.",
versprach er noch immer mit besorgter Stimme und Miene, ließ den Oberkörper
zurück sinken und versuchte, um die Perfektion des Schauspiels wieder zu
erlangen, nun mit seinen dick verpackten Fingern die Augenmaske über diese zu
schieben, was ihn aufgrund der Schmerzen kostbare Zeit stahl. Konzentriert
lauschte er den Geräuschen der Maschinen, den Schritten, die über den Gang
huschten, und Hizumi`s ruhigen Atem...

~+~

Zero starrte Sakamoto an, versuchte zu verarbeiten, was der Arzt ihm sagte.
Ihr Retter war tot...? Und Tama...? Der war doch verletzt... er hatte doch Zero
das Leben gerettet...
"Ich muss ihnen helfen!", stammelte der blasse Junge und wollte wieder
aufstehen.
"Sie brauchen mich... Hizumi... und Kru... wo... sind sie?", stammelte er und
setzte sich ganz langsam auf.

Kritisch beäugte Sakamoto seinen Patienten, der sich gegen seinen Willen
aufsetzen wollte. "Sei doch wenigstens du vernünftig, Zero. Du bist schwer
verletzt. Du brauchst Ruhe.", versuchte er es erneut und nahm seine Hand von
Zero`s Brustkorb, um den anderen stattdessen aufzuhelfen. "Du erinnerst mich an
den Dickkopf Kru. Der vermittelt als Lehrer wohl jedem, trotz Verletzungen,
weiter zu machen, egal was da komme. Ich sollte mal mit dem Dickkopf über seine
Lehrmethoden sprechen.", meinte er und seufzte noch ein weiteres mal, nur viel
schwerer. "Übernimm dich nicht, klar? Wenn du kurz vor der Bewusstlosigkeit
bist, sag jemanden Bescheid und du bist wieder hier. Hast du verstanden, Zero?
Gesundheit steht ganz oben, auch wenn ihr harten Kerle das immer nicht zugeben
wollt oder erkennen könnt.", motzte er mit unverständlichen Gesichtsausdruck
über die Dummheit der Kämpfer ihrer Familie. "Wo Hizumi und Kru sind, kann ich
dir nicht sagen. Niemand weiß das. Seitdem wir das Gelände dieses Gemäuers
verlassen haben, sind sie spurlos verschwunden. So auch Nikita. Ich werde mich
jetzt wieder um die anderen kümmern, wenn du schon aus meiner Behandlung
fliehst. Ich bleibe aber in der Nähe. Tu nichts Dummes.", mahnte er Zero und
half diesem widerwillig auf. Er würde ja doch immer wieder darauf bestehen,
Tama helfen zu wollen und ihm somit die Behandlung unmöglich machen. Und die
Vorrichtungen zum ans Krankenbett fesseln, waren leider schon an andere
Dickköpfe vergeben. "Nimm wenigstens die Krücke. Das ist die Letzte, die wir
haben.", bat Sakamoto den Kleineren und wandte sich um, um diese zu holen, als
er sie von einem der Männer gegen die Brust gedrückt bekam. Überrascht
rückte der Arzt seine Brille zurecht, nickte seinem Gegenüber dankend zu und
drehte sich samt Krücke wieder zu Zero um. "Hoffen wir, dass es die beiden
überstanden haben und bald wieder hier sind. Dann könnt Tama und du euch
ausruhen."

Zero hörte Sakamoto zu, verstand dann aber erleichtert, dass er ihn nicht ans
Bett fesseln wollte, sondern ihm sogar eine Chance zum Helfen geben wollte.
"Danke Sakamoto...", murmelte er und trotz der Schmerzen schaffte er es,
aufzustehen.
Seine Knie zitterten, doch er blieb stehen und wartete, bis der Schwindel
verflogen war.
"Ich mache nichts Dummes, aber Tama braucht mich... Ja, Kru hat es uns
beigebracht. Tut mir leid, wenn das mit deinen Vorstellungen nicht
übereinstimmt...", sagte der Junge verlegen lächelnd.
Dann nahm er dankbar die Krücke entgegen, stützte sich darauf und sah sich
um.
Wo war Tama? Er machte sich auf die Suche und endlich sah er ihn. "Tama! Tama
wie geht es dir?"

"Tama kann jede Hilfe gebrauchen. Nur mach ich mir um eure Gesundheit sorgen,
aber gegen eure Dickköpfe habe ich keine Chance.", erklärte Sakamoto sich und
folgte besorgt Zero`s Bewegungen. Ein kritisches Bild für ein armes Ärzteherz.
"Ihr sollt euch nur nicht überarbeiten. Hizumi ist jahrelang geübt darin...
Kru ist ein schlechtes Vorbild für die Jugend unter uns, aber mit seiner Art
ein wichtiges Glied dieser Familie. So muss ich es akzeptieren. Geh also, Zero
und hilf Tama.", bat er den Jüngeren und nickte ihm aufbauend zu, sah Zero mit
der Krücke nach und eilte zu seinen anderen Patienten.

~+~

"Seid doch etwas vorsichtiger mit den Toten!", motzte Tama und wandte sich mit
der erhobenen Faust an zwei seine Männer, die soeben mit Waffen ausgestattet an
ihm vorbeilaufen wollten. "Ihr müsst in dieser Richtung ausschwärmen! Die
anderen sind in diese gelaufen!", erklärte er ihnen und fuchtelte nun mit
beiden Händen in der Luft herum. "Seid vorsichtig! Er müsste wieder voller
Energie sein, dieses Aas." "Tama, beruhige dich, sonst fällst du noch um.",
warnte ein anderer und Tama wandte sich abrupt um. "Ich fall schon nicht! Hilf
lieber den beiden mit den Gräbern. Wir müssen fertig werden, um diesen Shi zu
suchen." Mit geduckter Schulterhaltung eilte der Angesprochene weiter. Als Tama
seinen Namen hörte, wirbelte der überrascht herum, keuchte dabei schmerzhaft
auf, taumelte kurz, fasste sich jedoch bald wieder und erkannte mit Sorge, wie
Zero auf ihn zu humpelte. "Z-Zero! Warum bist du nicht bei Sakamoto! ... Mir...?
Passt schon.", meinte er knapp und zwang sich ein Grinsen auf. "Also... wenn man
das Messer übersieht, das noch zur Zierde in mir steckt.", fügte er etwas
verlegen hinzu und wedelte ausweichend mit den Händen. "Nichts, was Sakamoto
nicht hinbekommt. Und dir???", wollte der Ältere neugierig wissen und musterte
Zero eingehend. "Geht es dir besser???" Da Zero sein erster Schüler war, den er
nach seiner Ausbildung bekommen hatte, empfand er eine Art brüderliche Sorgnis,
wenn es um Zero ging und war dementsprechend aufgewühlt, wie er die Wunden,
Quetschungen und übel aussehenden Hautflecken erblickte.

Zero sah das lange Messer, dass in Tama steckte und zischte erschrocken auf.
"Tama... Das Ding muss raus...", murmelte er dann und humpelte auf ihn zu. "Und
wenn nicht, dann darfst du dich nicht so viel bewegen... Du solltest dich
schonen, hörst du? Sakamoto ist ziemlich überarbeitet...
Ich wollte dir helfen, Tama... Also sag mir, was ich tun kann, ja? Und bevor du
was sagst, ich habe Sakamoto's Einverständnis, dass ich dir helfen darf.",
sagte der Jüngere schnell und lächelte seinen Freund an.

"Natürlich muss es raus, aber glaubst du, diese Meute an Befehlshungrigen
können alleine koordiniert werden? Nein. Es ist meine Pflicht, für Hizumi
einzuspringen, egal wie verletzt ich bin. Du machst dir ja offensichtlich auch
keine Gedanken um deine Gesundheit. Vielleicht war ich ein falsches Vorbild für
dich, hum...?" Ein schwaches Grinsen huschte erneut über seine sonst so starren
Gesichtszüge. "Uns bringt man nicht so schnell um, Zero.", meinte er und legte
seinem Gegenüber kameradschaftlich die Hand auf die Schulter. Ganz vorsichtig.
Nicht das er Zero verletzte. Nun folgte er dessen Worte aufmerksam und Zero's
zuvorkommende Zurückweisung jeglichen Protestes ließ ihn kurz wie ein Fisch
auf den Trockenen aussehen. Da waren seine Ansätze zunichte. "Sakamoto...?
Denkt er denn überhaupt nicht an deine Verletzungen?!", beschwerte er sich mit
zusammengezogenen Brauen und musterte Zero's Gesicht. "Tatsache... Du lügst
nicht. Ich werde wohl nie schlau aus unserem Arzt. Wenn das so ist... Ich leite
hier die Begrabungen rasch zu Ende und würde dann nach einem Motivationsgang
bei unseren Verletzten auf die Südseite gehen, um dort die wenigen Männer, die
ich dorthin geschickt habe, aufzusuchen. Sie sind die einzigen, von denen ich
bisher noch nichts gehört habe. Vielleicht könntest du die Nordtruppe
übernehmen und mit denen unsere Bekannten von der Apotheke aufsuchen. Ich werde
dir einen Zettel mitgeben. Den musst du Dr. Sei Takano geben. Er wird dir
folgen, wenn ihm sein Leben lieb ist. Bring Medikamente mit. Ich mach dir eine
Beschaffungliste. Mit Takano im Rücken schickst du die zwei der drei Männer
los, um Lebensmittel zu besorgen. Unsere Vorräte werden knapp und... wehe, du
überanstrengst dich, Zero. Klar?! Meinst du, du bekommst das hin? Die
Nordtruppe werde ich mit den Totengräbern ersetzen. Hetzt nicht. Das tut deinen
Verletzungen nicht gut und pass auf dich auf!", endete Tama besorgt und strich
dem Jüngeren über die Wange. "Ein Mann wie du schafft das.", meinte er sicher
und nickte Zero aufmunternd zu. "Ich werde Hizumi davon erzählen. Von deinen
Taten...", versprach er und suchte in seinen Taschen nach etwas zum Schreiben
und Beschreiben. Überraschenderweise hatte er sogar etwas bei sich und hielt
sogleich die Art und Anzahl der Medikamente fest, die Sakamoto wohl gebrauchen
würde. „Wenn du Verstärkung benötigen solltest, kennst du ja meine
Handynummer. Sofern das nicht kaputt ist...", murmelte er nachdenklich und
reichte Zero den Zettel. "Viel Erfolg, Zero. Ich zähle auf dich. Wir zählen
auf dich."

Zero sah ihn die ganze Zeit an, als er redete, er hörte ihm aufmerksam zu, doch
betrachtete ihn, um notfalls eingreifen zu können, falls Tama zusammenbrach...
Der jüngere Japaner lächelte aufmunternd.
"Warum sollte ich dich anlügen, Tama? Es ist so, wie ich sage. Die Nordtruppen.
Alles klar... Dr. Sei Takano.", wiederholte er den Namen und nickte dann.
Er wartete, bis Tama den Zettel fertig geschrieben hatte, dann steckte er ihn
vorsichtig ein.
"Ich werde nicht hetzen, Tama. Ich gehe mit meinem Körper mindestens so
verantwortungsbewusst um wie du.", sagte er grinsend und zwinkerte seinem Freund
zu.
Dass Tama Hizumi davon erzählen wollte, machte ihn zwar stolz, aber das war
nicht der Hauptgrund, warum er half. Er gehörte dazu. Er war ein wichtiges
Mitglied in der Bande, zumindest jetzt im Moment.
Zero musterte Tama noch einmal und wiederholte leise dessen Handynummer. Er
konnte sich hervorragend Zahlen merken, schon immer.
"Tama?", fragte er dann mit einer etwas heiseren Stimme.
"Es ist doch vorbei, oder? Wir kriegen dieses Schwein und dann..., räumen wir
nur noch auf, ja? Kein... neuer Angriff?" Zero wusste ganz genau, dass keiner
von ihnen einen zweiten Angriff überleben würde... Seine Freunde, die in
seinem Alter waren, waren alle tot...

Wie automatisch zuckte Tama die Schultern auf Zero's Frage hin, wobei er das
Gesicht schmerzhaft verzog. Er sollte sich vielleicht angewöhnen nur noch mit
einer Schulter zu zucken... "Die jungen Leute heutzutage sehen es oft als Spaß,
kleine Späße mit den Älteren zu treiben und selbst, wenn du es noch nie getan
haben solltest, kann einen immer etwas zum lügen antreiben. Vielleicht um
jemanden zu helfen...", meinte er und legte zum Ende hin den Kopf nachdenklich
schief. "Das sollte ich wohl nicht erklären müssen...", fügte er dem murmelnd
hinzu und betrachtete mit größer werdenden Augen die halbe Naht an Zero's
linken Arm. Skeptisch hoben sich seine Brauen. Nachdenklich nickte er Zero's
Worten zu, bis sein Kopf seufzend nach vorn sackte. Ein schiefes Lächeln war
auf seinem Gesicht auszumachen. "Gerade das bereitet mir Sorgen. Es reicht, wenn
einer nicht genügend auf seine Gesundheit achtet, von Kru mal ganz abgesehen
oder Hizumi, wenn er selbstvergessen handelt... „Sei bitte achtsamer als dein
Lehrer, Zero.", bat er seinen Schützling, sah auf und wich kopfschüttelnd dem
Zwinkern aus. Damit war für ihn die Unterhaltung beendet. Er wollte schon
umdrehen, um seine Männer anzuspornen, als Zero ihn zurückhielt. Alarmiert
wandte er den Kopf wieder um, als Zero plötzlich gar nicht mehr so sicher
sprach. Doch Zero's Frage legte sich wie ein Stein auf sein Herz. Er konnte
nicht lügen... Er durfte nicht lügen. Denn wer sich in Sicherheit sah, konnte
alles verlieren. Ein weiteres Mal legte er seine Hand auf die Schulter des
Jüngeren und schenkte ihm einen traurigen Blick. "Komm heil wieder...", bat er
mit leiser Stimme, seiner Frage ausweichend, und wandte sich ab. "Und pass auf
die Wunde an deinem Arm auf!", rief er noch und schüttelte grummelnd den Kopf,
während er etwas steif davon ging.

Zero wurde blass. Er wusste, was es bedeutete, dass Tama seiner Frage auswich
und ein schwerer Stein legte sich auf seine Seele.
Er verbeugte sich höflich vor Tama und murmelte "Ich werde dir keine Schande
bereiten."
Dann ging auch er davon und kümmerte sich gewissenhaft um die ihm übertragenen
Aufgaben.
Das Gefühl, dass er ständig beobachtet wurde, wich aber nicht von seiner
Seite...

"Das hast du noch nie, Zero...", murmelte Tama mit einem schwachen Lächeln und
bat diesen stumm durch leichten Händedruck auf den Schultern darum, sich doch
wieder aufzurichten. "Ich dachte, das hätten wir hinter uns.", merkte er mit
leicht fragend an und strich Zero ein letztes Mal die verschwitzten Haare aus
der Stirn. "Gib Acht und schicke jemanden, wenn du Hilfe brauchst.", bat er
noch, bevor die beidseitige Aufmerksamkeit erlosch und jeder seinen Aufgaben
nachkam. Die ständige Angst um Hizumi, Kru, Zero,... blieb und nagte an seiner
versucht aufrecht erhaltenen Selbstsicherheit. Er kommandierte seine Männer
härter als beabsichtigt und packte manchmal sogar selbst mit an, wenn ihm etwas
nicht ausreichend schien, nur um sich abzulenken. Zero's blasses Gesicht tauchte
jedoch immer wieder vor seinem geistigen Auge auf und die Unwissenheit über den
Verblieb ihrer Anführer war wie ein Dolch nah an seinem Herzen.

+~+

Mit fragend erhobenen Brauen musterte Nikita das ihm befremdliche Handy, das ihm
soeben von Sakito überreicht wurde. "Danke, Uruha.", hörte er diesen leise
seinem Nebenmann sagen und wartete nun ungeduldig darauf, dass Sakito sich von
dessen Augen lösen könne, um ihn über seinen Plan aufzuklären.
Erst ein verhaltenes Hüsteln seinerseits riss Sakito von Uruha los und ließ
ihn etwas planlos in seien Richtung schauen. Ach nein... wurde er etwa rot?
"Sakito, was soll ich mit dem Handy??? Ich muss zurück!"
"V-Verzeihung! I-ich war nur grad' in Gedanken! Ja... Kurzfassung...", murmelte
Sakito nachdenklich und sammelte sich. Wenn der Arzt ihn nur kein Loch in den
Rücken starren würde...
"Ich werde verarztet, Uruha auch. Dann werde ich Reita und Aoi aufsuchen. Takeda
wird ein Handy bei sich haben. Er soll euch unterstützen, deine Fragen
beantworten und ich kümmere mich hier um unsere Leute. Dann-" "Was heißt bitte
"unsere Leute"? Wir sind nicht mehr verantwortlich für Reita und diesen Aoi!",
wandte Nikita mit zusammengezogenen Brauen ein und beobachtete mit zunehmender
Wut, wie Sakito nervös die Hände knautsche. "Nein, Sakito! Ich habe einen
Auftrag von Hizumi erhalten und darin hieß es nicht, dass wir weiterhin die
Aufpasser deine Leute sind, nur weil du nicht ausreichend in der Lage bist! Wir
haben genug zu tun!" "Und wer wird dafür sorgen, das Hizumi und Kru ungesehen
hier rauskommen? Das wird nicht nur euer Verdienst sein. Geben und nehmen,
Nikita. Sobald Reita versorgt ist, muss ich Aoi hier rausbringen. Er wird mit
Hizumi und Kru gehen. Vorläufig. Nur so kann ich gewiss sein, das ihm nichts
geschieht und nur dann kann ich euch unterstützen. Doktor Sakamoto..." "Der hat
gewiss andere Dinge zu tun. Wegen eurem Krieg haben wir Verletzte und Verlust
gemacht." "... Wenn ich euch einen weiteren Arzt schicken kann, der
vertrauenswürdig ist?" "Der wäre nur eine weitere Last und eine weitere Person
auf unserer Liste." "Liste?" "Die Liste, auf die alle stehen, die für uns
bluten müssen, damit wir sie beschützen. Die Eingeweihten. Oder woher meinst
du, bekommen wir, eine gefürchtete Untergrundgang, Lebensmittel oder ärztliche
Versorgungsmittel? Was willst du von ihm?" "Wir müssen Reita hier auch
rausholen. Hier ist er nicht sicher. Er wurde schon einmal entführt, obwohl die
Polizei im Haus war. Wir haben den Boss, aber die Organisation nicht. Wir wissen
nicht, zu was die noch im Stande sind, ihre Augenzeugen aus dem Weg zu räumen.
Bitte versteh doch!" "Das werde nicht ich entscheiden können, Sakito. Warten
wir auf heute Abend. Kümmere dich um alles. Entweder benötigen wir ein
gefälschtes Schreiben, die beiden auf ein anderes Krankenhaus zu transferieren
oder du lässt dir was anderes einfallen, aber informiere mich! Wir benötigen
auch Sanitäteruniformen. Und wenn Aoi keine Last wird, dann ist er wohl der
Pfand für die Freiheit unserer Anführer. Was mit Reita geschieht, soll Hizumi
entscheiden." Sakito's Lippen bildeten nur noch einen dünnen Strich in seinem
blassen Gesicht. Der Arzt stand nun dicht hinter ihm. "Wenn Sie sich nicht bald
von ihrem Freund verabschieden, dann verbluten Sie mir noch und das wäre dann
ihr vergehen! Kommen Sie endlich!" "J-ja!" Noch einen Blick warf Sakito der
verblassenden Silhouette nach, bevor er sich ganz dem Arzt zuwendete, Uruha
stützte, und diesem hinterher lief. Von ihrem Plan durfte nichts schiefgehen!

Kapitel 26 - Ein neuer Plan


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